Konfuzikuntz
31.12.2012 | 00:50 50

Die Wirklichkeit frisieren

Utopismus. Manche Leute glauben, dass die prekäre Situation linker Zeitungen am Faktor "Papier" liegt. Sie unterschätzen die Tatsache, dass auf dem Papier etwas draufsteht.

 

Das Weltbild politischer Journalisten in Deutschland ist überwiegend links bis linksliberal. Unter den Journalisten kommen auf einen Wähler der Unionsparteien sieben Wähler linker Parteien. Unter den Bürgern sieht es die anders aus. Siehe Sonntagsfrage.

Hat diese Tatsache womöglich etwas mit der "Medienkrise" zu tun?  Die eine Printkrise ist. Und dort vor allem eine Krise linker Blätter...

Der Versuch einer Antwort jenseits des Faktors Papier.

Zunächst eine scharfe, gewiss überzeichnete, aber sicher auch nicht ganz falsche Beschreibung dessen, was linkes Denken ist. Und wie es sich auf die Blattmacherei auswirkt.

Links sein heißt von der Utopie her denken. Von der Zukunft her. Vom Sollen her. Streng deduktiv.

Das gute Wollen ist unter Linken ein Qualitätssiegel. Gandhi war  ein Linker. Robespierre war es auch.

Utopistisches Denken ist nicht schlecht, es fungiert als wichtiges Korrektiv zu einem kalten, funktionalistischen Realismus. Doch wenn es allein on top eines Weltbildes gesetzt wird, läuft es Gefahr,  Realitäten auszublenden, die der Utopie nicht entsprechen. Und das ist im linken Journalismus in Deutschland der Fall.

Echtes linkes Denken (nicht zu verwechseln mit dem halbgaren Tun von Modelinken und scheinindividuellen Meinungsmainstreamern) erhebt allerdings auch nicht den Anspruch, die Wirklichkeit zu beschreiben. Es geht davon aus, sie zu sein. Man sehe sich das grenzenlose Selbstbewusstsein von Marxisten an. Es für wirkliche Linke schlechthin wahr, dass der Mensch genau so sein kann, wie man sich ihn vorstellt.

Wozu führt ein solches Denken? Genau: Zu Spannungen zwischen Utopie und Realität. So schufen die Kommunisten, die den Staat absterben lassen wollten, einen der größten Polizeistaaten der Geschichte.

Passt die Wirklichkeit nicht zur Utopie, so gibt der Linke  nicht etwa die Utopie auf (schließlich ist diese ja aufrichtig gut gemeint und mitunter sogar eine Art zivile Ersatzreligion), nein, er arretiert sein Weltbild und zieht in die Schlacht gegen in der reinen Utopie eigentlich gar nicht vorhandene Schuldige.

Die er dafür verantwortlich macht, dass die Welt nicht seinen Wünschen entspricht. Dann geht es gegen Aristokraten. Kulaken. Unternehmer. Aktienhändler. Rechte. Muslimbrüder. Es ist ganz egal. Je nach politischer Macht der Linken werden diese Gruppen entweder zum Objekt eines konsequenten Exterminismus (im kommunistischen Kambodscha war sogar die Ermordung von Brillenträgern utopienotwendig), oder, wo es zivilisierter zugeht oder die Macht zur Umsetzung fehlt, wird zumindest eine Ausgrenzung und Stigmatisierung entsprechend der Habermasschen Diskursethik versucht. Man redet dann nicht mehr mit dem "Feind".

Offiziell verhält man sich "total offen". Inoffiziell sucht man Verantwortliche für das Utopiebleiben der Utopie. Schließlich liebt man ja alle Menschen.

Die Widersprüchlichkeit linker Medien

Aus dem bis hierher Gesagten erklärt sich auch die prekäre Situation linker Medien in der Lücke zwischen Utopie und Realität. Sie stehen alle vor der zweifelhaften Wahl, sich entweder selbst zu verraten oder authentisch progressiv zu sein und hoffnungslos am Markt vorbei zu produzieren. Oder einen windelweichen Mittelweg einzuschlagen. Doch ob man gleichzeitig authentisches Szenemedium und Generalanzeiger sein kann? Fragwürdig.

Doch der Sound und die Tönung eines Mediums sind das Eine. Denn letztlich zählen immer noch nachrichtliche Inhalte. Verlässlichkeit. Auch und gerade bei Tageszeitungen. Doch das utopistische Denken, das große Sollen, es wirkt sich auch auf die Nachrichtenauswahl aus. Was die Reputation so mancher Tageszeitung untergraben hat, die nun ums Überleben kämpft.

Wird der Leser von konsequent linken Journalisten wirklich gemäß der „Journalistischen W's“ (Wer, Wo, Was, Wann, Warum) informiert?

Oder geht die Utopie vor?

Ein Beispiel.

WAS ist passiert? Es wurde ein Bombenkoffer gefunden.
WO? Im Bonner Hauptbahnhof.
WANN? Gestern.
WARUM lag der Koffer da? Es war ein versuchter Terroranschlag.
WER war das? Radikale Muslime.

In einem Medium wie der FAZ wird so berichtet. In linken  Medien hat man mit Punkt 5 Probleme. Weil er dem Sollen widerspricht. Der Leser soll Multikulturalismus ja gut finden. Also sollte er besser nicht davon erfahren, dass es Weltfacetten gibt, die dieser Utopie nicht entsprechen.

So wird das journalistische "Wer" in manch linkem Medien entweder nicht erst erwähnt - oder es bewirkt gar, dass der Vorfall überhaupt nicht berichtet wird, so dass auch der übrige Nachrichtenwert unter das Verdikt der Utopie fällt.

Was ich hier schreibe, spricht nicht gegen den Wert des Multikulturalismus. Sondern gegen die Berufsauffassung mancher Journalisten. Und die verleugneten Konsequenzen daraus.

Die Wirklichkeit findet in die Berichterstattung (konsequent) linker Journalisten nur soweit Einlass, wie sie die Utopie bestätigt. Wer nur über Print redet, sich aber über die Mechanismen des eigenen Denkens in die Tasche lügt, zeigt wie wenig er diesem in Wirklichkeit vertraut.

Der tendenziell konservative Leser deutscher Zeitungen wird also jeden Morgen am Frühstückstisch mit Kommentaren konfrontiert, die es tendenziell nicht teilt (was noch nicht so schlimm wäre, dafür ist der Meinungsteil schließlich da), er kommt auch Schritt für Schritt dahinter, dass wesentliche Informationen fehlen. Und das hat es in sich.

Vor dem Hintergrund des eingangs Gesagten ließe sich bis dato zusammenfassen: Utopisten machen Zeitung für Realisten.

Ein Utopist sieht hierin natürlich kein Problem.  Schließlich sind die Inhalte sakrosankt. Die Abokündigung liegt am Papier. Allein am Papier.

Ersetzt man in dem Bomben-Setup (das sich vor einigen Wochen real so in Bonn zugetragen hat) dann noch den Nachrichtenbestandteil „Radikale Muslime“ durch "radikale Neonazis" - wird sich der Stil der Berichterstattung linker Journalisten schlagartig ändern... Aus einer allenfalls verdrucksten Meldung Seite 5 wird dann ein großer Aufmacher.

Warum denn? Bombe ist doch Bombe. Oder nicht? Ja, schon, aber jetzt entspricht die Nachricht der Utopie... Zumindest in unserer gängigen Form mit dem Feinbild...

Gleicher Sachverhalt, anderer Täterkreis, und die Verlegenheit ist weg. Hat Utopismus Nachrichtenwert? Es ist der Medienmarkt, der diese Frage jeden Tag beantwortet.

Wer wird sich denn von Leuten informieren lassen, die es fertigbringen, bei politischer Bombenlegern indirekte Sympathien für bestimmte Täterkreise  durch Nachrichtenauswahl und Nachrichtengewichtung Ausdruck zu verleihen?

Der Leser bleibt weg. Liegt am Papier. Lasst uns die Utopie verstärkt online verbreiten. Dort wird der Leser bestimmt dafür zahlen!

In Wahrheit hatte der Leser keine Lust mehr auf ein uniformes utopistisches Denken, dessen Spezialität es war, die Wirklichkeit dadurch zu verbessern - dass sie frisiert wurde.

Der Zeitlesungsleser wollte wissen, was los ist. Die Journalisten zeichneten ihm das Bild dessen, was sie gut fanden.

Grenzen der Utopie

Orientierung an Utopien ist von jeher fragwürdig und hat erkenntnistheoretische Konsequenzen. Es gibt auf einmal nicht mehr die eine Wirklichkeit, die man nimmt, wie sie ist (und selbstverständlich verschieden interpretieren kann) - sondern gleich drei Wirklichkeiten. Ganz oben als höchste Wirklichkeit die Utopie, dann das, was geschieht UND wie vorgesehen zur Utopie passt. Und dann das, was auch noch geschieht und irgendwie nicht zur Utopie passt... 

Kann man auf Dauer Journalismus betreiben nach dem Vorsatz, dass nicht sein kann, was nicht sein soll? Wie, die Frankfurter Rundschau ist pleite!? Das war im großen Heilsplan doch gar nicht vorgesehen!

Letztlich wird der Leser nicht allein aufgrund der fragwürdigen Wirklichkeitskonstruktion linker Journalisten verschreckt, sondern aufgrund der moralischen Konsequenzen. Denn diese richten sich in gewisser Weise gegen ihn selbst. Denn wenn alles, was der Utopie dient oder ihr entspricht, gut ist, muss alles, was ihr widerspricht - böse sein (oder zumindest schlecht): Punkt 5 mancher Nachricht, aber im Grunde auch der täglich zu belehrende Leser. Was ist denn da wieder auf der Bestsellerliste!?! Sarrazin!? Das gewöhnen wir Dir ab, lieber Leser! Denn es zeigt, dass Du die Wahrheit nicht kennst. Aber wir kennen Sie.

Ist ein solches mentales Setup die Messlatte journalistischen Tuns, liegen die Konsequenzen auf der Hand. Es mutet durchaus bizarr an, wenn der hier beschriebene Journalistentypus ertrinkender Zeitungen exzessiv den Faktor "Papier" bespricht. Dabei ist das Papier der einzige Print-Faktor, der den Unterschied nicht macht.

Den Insolvenzverwalter einer Zeitung interessiert die Utopie wenig. Und mit ihm kommt die verdrängte Wirklichkeit schließlich doch noch zu ihrem Recht.

 

Kommentare (50)

MopperKopp 31.12.2012 | 01:31

Wenn man den Text lange und fest genug quetscht, so dass all das Linke und Ideologische sich in Luft auflöst, dann bleibt eine durchaus brauchbare Quintessenz übrig. Wendet man diese nun auf eine der größten Utopien der letzten Jahrzehnte an, das Versprechen, Deregulierung würde Wohlstand und Heil für die gesamte Menschheit bedeuten, im Durchsickerverfahren, dann lassen sich die fünf Fragen darauf anwenden. 

WAS ist passiert? 
WO? 
WANN? 
WARUM 
WER war das?

Darüber verlieren die meisten Menschen den Glauben daran, dass überhaupt noch eine Utopie "funktionieren" könnte. Denn alle Utopien sind verpfändet. 

Konfuzikuntz 31.12.2012 | 02:31

Alles Käse... ;)

 

Im Ernst:

Ihr Kommentar widerspricht keineswegs dem, was ich geschrieben habe, sondern wechselt gleich zu einem anderen (vielleicht weniger unangehmen) Thema. Und dort gebe ich Ihnen in der Tendenz Recht.

Wobei man sich durchaus einmal (auch wenn es dann wider wehtut) - far beyound utopia - darüber unterhalten könnte, ob die Linke und der Kapitalismus einander brauchen, ja bedingen.

Will da etwa die Wirtschaft etwa billige Arbeitskräfte? Während die Linkspartei vor der Arbeitsagentur Wahlkampf macht? (Wäre ja blöd für die Bundestags, wenn die Agentur keine armutsgefährdeten Kunden mehr hätte. Und die Gewinne betrifft das ja nicht.)

Und wer stimmt denn jedem Bonusexzess in den Aufsichtsräten Deutscher Banken zu? Sitzen da am Tisch - etwa zur Hälfte Gewerkschafter? Sehen Sie sich die Corporate Governance-Berichte mal an... Und ist nicht sowieso die halbe Wirtschaft per Gesetz mitbestimmt? Warum nochmal? Und wieso hat das - wenn die Dinge so sind, wie Sie sagen - keine Wirkung?

Entscheidend für den Siegeszug des Kapitalismus ist die Zerstörung der Kultur. Die Zerstörung der Natur ist fast noch schlimmer, aber historisch erst die Folge. Gewachsene Kulturen leben nicht gegen die Natur.

Man werfe den Blick auf China, wo eine siegreiche kommunistische Kaderpartei (!) nach Zerstörung der alten Kultur unter Mao und 70 Millionen Toten dann plötzlich - den Manchesterkapitalismus eingeführt hat... Was hat denn der unter funktionier-Propaganda in Shanghaier Plattenbauten aufgewachsene Mensch der von einer Arbeiterpartei ins Land gebrachten McWorld noch entgegenzusetzen? Etwa nichts? Materialismus schafft Materialismus. Und es ist ganz egal, ob er sich "revolutionär" oder "konservativ" anstreicht. Der rote Adel Chinas wohnt inzwischen in Palästen und lässt die entwurzelten Untertanen für sich schuften. China ist jetzt eine Firma. Vor Mao war es eine Kultur.

Wenn man ein Land als Firma führen zu können, muss zuerst die gewachsene Kultur weg. Und da ist eine Linke immer von Nutzen...

Gegen die Ehe! Die Wirtschaft braucht Singles.
Gegen die Religion! Spirituelle Rückbindung und jede Form von nichtmaterieller Sinnfindung sind in einer Konsumgesellschaft störend. 

Wenn Sie sich diesen Punkt nicht eingestehen, fragen Sie sich einmal, warum die Linkspartei keine gemeinsamen Veranstaltungen mit dem Dalai Lama macht...

Links sein erfolgt heute fast immer in protokapialistischen Form des Haben-Wollens. Einen Erich Fromm, für mich das intellektuelle Aushängeschild der Linken, vielleicht ihr größter Kopf (allerdings kein Bolschewik, kein Atheist, kein Materialist und auch kein Kulturstürmer, sondern ein ganz großer Mann) - versteht man sein Haben oder Sein noch?

Wenn ja, warum redet man dann NUR über Geld auf der Linken? Hmm?

Ganz abgesehen davon war nicht jede Privatisierung falsch. Die der Telekommuniation war zum Beispiel richtig.

Aber wie gesagt. Man nehme mal die Löcher aus dem Käse. :)



mcmac 31.12.2012 | 10:01

Sehr geehrter Andreas Kuntz,

mit Interesse gelesen, Danke.

Ihre Eingangsprämisse, belegt durch die Schweizer "Medienwoche", wage ich jedoch zu bezweifeln. Zunächst ist mein Eindruck bezüglich der deutschen Presse ein anderer (nämlich der, dass es hauptsächlich Apologien auf das "alternativlos" Bestehende, scheinbar Unverrückbare sind, die ich dort zu lesen bekomme). Nebenbei irrt die "Medienwoche" in einigen Punkten nachweislich (z.B. Stuttgart 21 + Volksabstimmung), bzw. konterkariert sie sich hier selbst in ihrem kritischen Anspruch.

Wie dem auch sei: Ihre Intention interssiert mich. Denn zweifellos muss eine Linke sich angesichts der bluttriefenden Geschichte sehr deutlich fragen lassen, ob sie den Unterschied zwischen "gut gemeint" und "gut gemacht" tatsächlich verstanden hat. Ob sie verstanden hat, dass eine Utopie (nomen est omen) eine zwar notwendige Orientierung und kein "planmäßig" zu erreichendes Ziel ist.

Mein Eindruck ist, dass Sie dem, was man gemeinhin als "links" ettiketiert -aus Gründen- nicht besonders freundlich und sehr seskeptisch gegenüber stehen. Ihre gemessene Un-Freundlichkeit hierin täuscht ein wenig darüber hinweg, dass Sie durchaus essenzielle und wichtige Fragen aufwerfen, die (immer wieder) vernehmbar beantwortet werden müssen, wenn das Bestehende nicht alternativlos bleiben soll.

Ihr Verweis auf die Zerstörung von Kultur zunächst, um daraufhin andere Herrschaftsformen überhaupt durchsetzen und etablieren zu können, halte ich für extrem wichtig und in der allgemeinen (stark ökonomisch geprägten) Diskussion um Alternativen für zu wenig beachtet. Vielleicht wäre es insofern hilfreich, Ökonomie eher als Teil der Kultur zu betrachten..

Ich wünsche Ihnen einen Guten Rutsch und ein schönes, glückliches 2013.

MfG - mcmac

MopperKopp 31.12.2012 | 11:21

Im Ernst, hier wird Wirklichkeit frisiert.

China war immer eine erfolgreiche Handelsnation, so erfolgreich, dass es einen regelrechten Strom aus Silber von Europa aus, insbesondere Großbritannien, dorthin gab. Hört, hört! Dieser Vor-Kapitalfluss wurde und konnte nur durch Waffengewalt und Drogen (hier: Opium) gestoppt werden. Hört, hört! Es fand eine massive Wirtschafts- und Kulturzerstörung statt, die Hand in Hand mit unzähligen Opfern ging. Mao fand also beileibe keine intakte Kultur vor. Und der überwiegende Teil der immer erwähnten Toten resultiert aus einer sich daraus ergebenden Fehlplanung durch Korruption. Natürlich war er kein Kind von Traurigkeit.

Ähnliches gilt auch, wenn allerdings nicht so allgemein, für Indien, einer führenden Nation für wunderbare Stoffe, Bekleidung, die dann durch brutalste Waffengewalt, auch hier Großbritannien in ein Leichenhaus verwandelt wurde, es gibt unzählige Berichte darüber, dass die Knochen der Toten, Verhungerten, das Land übersäten. Auch hier eine gigantische Wirtschafts- und Kulturzerstörung

Dieses Schema finden wir rum um den Globus: Der Kapitalismus, auch schon in seinem frühen Stadium, zerstört Wirtschaft und Kultur.

Viele der als Utopie titulierten Gedanken sind idealisierte frühere Zustände, vorkapitalistische Zustände, die in die Zukunft projiziert werden, angereichert mit "demokratischen" Elementen, da  egal wo, die Herrschaft nie zimperlich war.

Wäre der Beitrag ein Zeitungsartikel, nun, er erfüllt genau die geäußerte Kritik, nur dass er nicht links ist. Man glaubt all diesen Schlussfolgerungen nicht, da die Prämisse schon so haarsträubend falsch und selektiv ist. Schade eigentlich, denn, wie schon oben erwähnt, die Quintessenz weist durchaus in eine richtige Richtung ;-)

Die wirtschaftlichen und kulturellen Zerstörungen des Kapitalismus hinterlassen eine Lücke, die anschließend von der versteckten Normativität der Ökonomie gefüllt wird, teilweise verschleiert mit religiösen Aspekten, wobei den großen Kirchen ihre neue Rolle als Gehilfe immer deutlicher wird. Auch hier waren die Verhältnisse mal anders.

Was nun die zwei Seiten der Münze Arbeit betrifft, natürlich gehören sie zusammen, diejenigen, die Arbeit verherrlichen und diejenigen, die Arbeit verwerten

h.yuren 31.12.2012 | 18:29

Es mutet durchaus bizarr an, wenn der hier beschriebene Journalistentypus ertrinkender Zeitungen exzessiv den Faktor "Papier" bespricht.

lieber andreas, mcmac und nun auch mopperkopp weisen auf die ungereimtheiten in deinem blog. wie kannst du zu der meinung kommen, die linken seien die wortführer in diesem land? war die ftd auch so links, dass sie abgewirtschaftet hat?

und weißt du, wo die krise der zeitungen anfing? nein, nicht im angeblich links gepolten teutonien, sondern in den usa. das macht deine thesen nun doch angreifbar.

den lama dalai lassen wir diplomatisch unbehelligt in seinem exil.

einen guten rutsch in den neuen kalender.

iDog 31.12.2012 | 18:42

merkwürdig verquaster artikel dies ...

ich frage mich spontan welche Journalisten bei der Financal Times Deutschland links waren ...

dann kommt mir die Frage in den Kopf , ob diese Art der Kategorisierung, hier in RECHTS und LINKS, noch irgend eine Relevanz hat oder eher dem Histographischen zuzuordnen ist. Es gibt im Grunde ja doch nur Gesellschaftskritiker und entsprechenden Widerstand zu akuten Tendenzen der politischen Ökonomie auf der einen und Kollaborateure und Söldner auf der anderen Seite. Ja, das ist auch eine Kategorisierung, die sich genauso auf das Herrschaftssytem bezieht, das wir mal einfachheithalber als Wirklichkeit bezeichnen. Aber sie scheint mit wirklicher.

dann frage ich mich tatsächlich welche Journalisten sie denn meinen. Ich könnte ihnen keinen einzigen "linken" Journalisten namentlich nennen , und auch kein einzige Zeitung. Nur weil manch einer kritisch schreibt, ist er noch lange nicht links oder eine Utopist - also traditionell : dem Kampf für Sozialismus etc. verschrieben . Nennen sie doch mal ein paar Beispiele bitte. Ich lese wo ich auch hinschaue nur kollaboratives Gejaule und ambivalente Symptomrecherchen ...  Ursachen von problematischen Fakte werden so wenig erörtert wie Lösungvorschläge. Die Presse ist versammelt maul- und denkfaul oder man hat ihnen das Maul längst erfolgreich verboten  und das Denken gleich mit. Einige rühmliche Ausnahmen bestätigen hier die Regel. 

Die Journaille kratzt ja nicht mal an der Oberfläche der von ihr selbst suggerierten Wirklichkeit. Diese wieder wird durchweg von konservativen Utiopien beherrscht bis hin zum antizipierten eigenen Untergang oder der Angst davor. Dies schulden wir einer Buchahltung der Praxis, welche alles einem Modell von gewollter Wirklichkeit unterwirft, das sich ausschließlich an den Optionen der Macht und deren Erhalt orientiert. Sobald diese aber an sich in Frage gestellt wird in Analyse und Recherche, mit  historischer  Erfahrung und auf Grund von effektivem Versagen von angeblich tragenden Geschäftsmodellen und daraus resultierenden gesllschaftlichen Konzepten wird keine Relevanz mehr verortet. Hier aber genau liegt das Versagen der "4ten Gewalt" - mit oder ohne Papier.

Und was ist mit der Demokratie ? Wie reiht sich diese in ihren Reigen der Utopisten ein ? Von der konservativen Seite wird sie ja offensichtlich in republikanischer Arroganz negiert. Könnte es sein , dass dieses demokratische Versprechen der Herrschaften nicht mehr über die akute Basta-Presse der alternativlosen Wirklichkeit vermittelt werden kann, die Presse daher nicht mehr schreiben kann wie die Welt wirklich aussieht und selbst der geneigte Leser darüber jedes vertrauen und interesse verliert? 

mir scheint es als solle hier alles in allem , wenn es nicht doch eine misslungene Satire ist, ein wenig Linkenbashing betrieben werden mit Hilfe eines kuranten Themas , das seine Existenz aber aus einem lieber ignorrierten Aspekt der Wirklichkeit begründet.

Versuchen sie doch mal den Untergang des Telegramms aus dem Geist der linken Utopie zu begründen. Es wäre mir ein Vergnügen. 

 

 

Konfuzikuntz 01.01.2013 | 07:45

Wie dem auch sei: Ihre Intention interssiert mich. Denn zweifellos muss eine Linke sich angesichts der bluttriefenden Geschichte sehr deutlich fragen lassen, ob sie den Unterschied zwischen "gut gemeint" und "gut gemacht" tatsächlich verstanden hat.

Ganz links hat man es nicht verstanden. Was die Sozialdemokratie angeht hat man es verstanden. Und vielleicht den "Grenzwert" erreicht. Siehe eine Figur wie Steinbrück. Diese denkt zwar nicht allein in Kategorien von "gut gemeint", versteht aber vielleicht unter "gut gemacht" etwas anderes als Sie in den Kommentar... 

Ob sie verstanden hat, dass eine Utopie (nomen est omen) eine zwar notwendige Orientierung und kein "planmäßig" zu erreichendes Ziel ist?

Hängt vom Grad der Orthodoxie und des Hyperrealismus auf der anderen Seite ab. Wie gesagt. Ein schmaler Grat.

Mein Eindruck ist, dass Sie dem, was man gemeinhin als "links" ettiketiert nicht besonders freundlich und sehr skeptisch gegenüber stehen.

Das stimmt. Allerdings scheint das was ich schreibe ja differenziert genug zu sein, um differenzierte Antworten nach sich zu ziehen. :)

Ein inhaltliche Antwort erfolgt unten.

Ihre gemessene Un-Freundlichkeit hierin täuscht ein wenig darüber hinweg, dass Sie durchaus essenzielle und wichtige Fragen aufwerfen, die (immer wieder) vernehmbar beantwortet werden müssen, wenn das Bestehende nicht alternativlos bleiben soll.
Materialismus hinterfragen? Kulturell denken? Eher den Kommunitarismus denn den Kommunismus denken?

Ihr Verweis auf die Zerstörung von Kultur zunächst, um daraufhin andere Herrschaftsformen überhaupt durchsetzen und etablieren zu können, halte ich für extrem wichtig und in der allgemeinen (stark ökonomisch geprägten) Diskussion um Alternativen für zu wenig beachtet.

Ja, so sieht es aus. Allerdings - das werden Sie nicht mögen - finde ich eben, dass die Linke nicht organisch-ganzheitlich denkt, sondern mit ideologischem Zeug, dass man "planmäßig einführen" muss (...) - so verhält man sich auch an Märkten - dem Kapitalismus in die Hände spielt. Was ist denn bitteschön an Gender Mainstreaming antikapitalistisch?
Haben Sie schon mal gehört, dass sich BDI und BDA an Gender Mainstreaming irgendwie stören? Diese eigenartige Lehre hat ja nicht das Ziel, Mensche einander inniger lieben zu lassen, sondern provoziert einen karrieristischen Antagonismus zwischen Individuen angeblich aufgehobener Geschlechter. Das ist für das Bruttosozialprodukt (mittelfristig) sogar eher förderlich. Und für so etwas wie ein Bruttoglücksprodukt (wie man es in dem kleinen Land Buthan heute schon kennt) langfristig eher verheerend.

So etwas ist nicht "natürliche Menschheit". So etwas ist Ideologie. Und wo man so etwas mit Plänen und Verordnungen einführt - es mag so gut gemeint sein wie es will -  macht man etwas vergleichsweise Gewachseneres platt.

Die Firma dankt.

Vielleicht wäre es insofern hilfreich, Ökonomie eher als Teil der Kultur zu betrachten..

Natürlich ist es so. Das tut man unter der klassischen roten Fahne aber nicht. Dort sieht man die Dinge als ein ewiges Gegeneinander. Klassen-Kampf... Kulturen sind aber ein Miteinander! Und was steht bei Marx? Wehe, der Nachbar versteht etwas vom Weinbau versteht! Und vielleicht zwanzig Leuten Arbeit gibt. Dann muss diesen Leuten unverzüglich mitgeteilt werden, dass der Mann ein Verbrecher ist, genauer: ein Klassenkampfverbrecher und somit (aus Gründen eines historischen Materialismus) der schlimmste Feind der Belegschaft ist. Man treibt qua Ideologie einen Keil in die Kultur. (Und es gibt, hier und da, in der Regel dort, wo wirklich etwas hergestellt wird, übrigens durchaus sogar gesunde Unternehmens-Kulturen...) etc. etc. etc.

Eine Linke die sich von so einem Bullshit nicht frei macht und für Karl Marx irgendwelche größeren Sympathien hat, braucht sich nicht nur über den anhaltenden Mißerfolg nicht zu wundern. Sie wird auch dort, wo sie an die Macht kommt, immer scheitern müssen und derweil einer unorganischen und zerstörerischen McWorld den Weg ebnen.

Ich bin kein Linkenfresser. Ich bin ein Gegner des Marxismus. Vor den nicht rein materialistischen, man könnte sagen: vor den "unroten" Linken (oben habe ich Gandhi oder Erich Fromm erwähnt) ziehe ich ausdrücklich und aufrichtig den Hut. Allerdings sind diese unter den linken Journalisten nicht da Leitbild. Da geht es nicht um die Frage Haben oder Sein. Sondern um die Behauptung Je mehr Haben, desto mehr Sein. Das ist Kapitalismus von unten. Es ist reinster Marx. Nicht, dass jede Kritik an Hartz IV falsch wäre. Aber eine Linke, die nur über Geld redet - ist keine. Weswegen der "historische Materialismus" ebenso verheerend zu kurz greift, wie er ganz hervorragend zum Kapitalismus passt.

 

Ich wünsche Ihnen einen Guten Rutsch und ein schönes, glückliches 2013.

Danke, dito. Guten Start. :)

 

Konfuzikuntz 01.01.2013 | 08:21

Wäre der Beitrag ein Zeitungsartikel, nun, er erfüllt genau die geäußerte Kritik, nur dass er nicht links ist. Man glaubt all diesen Schlussfolgerungen nicht, da die Prämisse schon so haarsträubend falsch und selektiv ist. Schade eigentlich, denn, wie schon oben erwähnt, die Quintessenz weist durchaus in eine richtige Richtung ;-)

Sie dürfen meine Prämisse gerne verwerfen und die Conclusio mögen. :) Und man kann, wenn man denn will, sogar beides akzeptieren. Und dass ich zuspitze, schreibe ich in dem Beitrag ja selbst.

Die wirtschaftlichen und kulturellen Zerstörungen des Kapitalismus hinterlassen eine Lücke, die anschließend von der versteckten Normativität der Ökonomie gefüllt wird, teilweise verschleiert mit religiösen Aspekten, wobei den großen Kirchen ihre neue Rolle als Gehilfe immer deutlicher wird. Auch hier waren die Verhältnisse mal anders.

Ich habe nicht über die Zerstörungen des Kapitalismus gesprochen (die ich nicht bestreite), sondern über den völlig übersehenen Faktor, dass mitunter Linke sind, welche die "Initialzerstörungen" begehen, gegen jede Form von Tradition meinen ankämpfen zu müssen und sich dann wundern, dass McWorld im kulturell-historischen Nichts besonders gut gedeiht.

Hätte ich damit Unrecht, dann müsste die Ex-DDR ja ganz hervorragend gewappnet gewesen sein gegen die Herrschaft des Geldes. Das trifft auf die Plattenbau und FDJ-sozialisierte Mandy aber gerade nicht zu. Die SED geschädigten Menschen mögen sein, was sie wollen, aber sie sind gewiss nicht die antikapitalistische Avantgarde. Es bleibt Ihnen oft gar nichts anderes übrig, als bei der Zeitarbeitsfirma anzurufen...

Der Klosterschüler Lafontaine ist das schon ein anderes Kaliber. Der wurde groß in einem Umfeld, wo nicht die Kommunisten die Kultur rasiert hatten.

Konfuzikuntz 01.01.2013 | 09:52

Versuchen sie doch mal den Untergang des Telegramms aus dem Geist der linken Utopie zu begründen. Es wäre mir ein Vergnügen.

Das ist doch ganz einfach! Und der Zusammenhang ist für ein Kind erkennbar! Das Telegramm kam doch wohl im späten 19. Jahrhundert auf, in einer Zeit, die unter dem Eindruck einer fortschreitenden Technisierung einen langsamen Aufstieg der rationalistischen Theorien des Liberalismus und des Sozialismus verzeichnete. Höher, schneller, weiter. Die einen wollten das Individuum einen großen Sprung nach vorn machen lassen. Die anderen die Gesellschaft.

So wurde unter dem Eindruck der Maschinentechnik zunehmend in Produktivitätskategorien gedacht, und in Effizienz. Der liebe Gott und die Seele standen nicht mehr so sehr im Mittelpunkt wie noch in den Jahrhunderten zuvor . Man war jetzt "modern". In Wahrheit war man hektisch, funktionsorientiert und rastlos. Und modern hieß auch und vor allem: zu funktionieren. Auch die Linken unterstützten das. Man dachte auf der Linken an alles mögliche. Aber nicht romantisch. Wie hatte Lenin das Revolutionsziel beschrieben? Genau: als Elektrifizierungs des ganzen Landes.

Langsam erstarb die Freiheit des Menschen zugunsten seiner Funktion. Das Dasein wurde ein Sollen. Man reiste nicht mehr um die Welt, sondern schuftete in der Fabrik. Von der linken Utopieseite und ihrer Verehrung ders Arbeiters sah man diesen Effekt nicht ohne Wohlwollen. Und doch trug man dazu bei, dass internationale Kommunikation - wie das Versenden von Telegrammen -  bald zum elitären Zeitvertreib wurde.  Und in dieser - von oben UND unten - funktionalistischen Kultur blühte, natürlich - im 20. Jahrhundert kam es zum Kampf der Systeme - die technische Entwicklung (real existierender Ausdruck des höher, schneller, weiter) - doch der Geist verdorrte. Gab es in Goethes Deutschland noch eine große Briefkultur, so wurde die Kommunikation nun immer weniger zwischenmenschnlich, dafür immer technischer und schließlich, durch fortschreitende Automatisierung, auch immer weniger notwendig.

So starb schließlich nach einer vielfältigen Tradition des Liebesbriefs sogar das vergleichsweise technische Telegramm. Wollte der Arbeiter aus dem Urlaub am pommerschen Strand - ein Telegramm nach Hause schicken? Die Urlaubskarte war en vogue. Und deutlich preiswerter. Was den Kenner kulturhistorischer Zusammenhänge allerdings nicht überrascht.

Im kalten Krieg schließlich ging ging man in München und in Zwickau morgens zur Arbeit und baute  Autos. Ein Leben fürs Funktionieren. In rot und blau. Und in Washington und in Moskau plauderten Liberale und Kommunisten am roten Telefon. Es schrieben vielleicht noch einige sozialistische Doppelagenten Telegramme, aber das war kein Vergleich mit den Roaring Twenties.

Hinzu kam technischerseits, dass die Produktionsverhältnisse schließlich derart automatisiert wurden, dass immer weniger Wirtschaftsinformation auf der Wege des Telegramms ausgetauscht wurde. Tod eines Handlungsreisenden. Die leistungsfeindliche Propaganda des Sowjetssystems hatte auch hier ihre Teufelskonsequenzen.

Doch es war - wie überall - der Sieg des Sollens. Mit Planungsgeist und Erfindergabe gestaltete der Mensch seine Welt, gerade im Zuge der spätestens ab 1980 anhebenden Globalisierung. Und zuletzt die persönliche Kommunikation.. Es war ganz egal, wo der normierte Funktionsmensch morgens in sein Automobilwerk stapfte. Die Autos in München waren besser - aber die Arbeit (an diesem Punkt darf man sich von utopistischer Seite nicht in die Tasche lügen, man hat es ja selbst mit heraufbeschworen, indem man Siegertypen leichtfertig herausforderte:) sie an beiden Orten entfremdet.

Die Seele der Menschen erkaltete. In der Ostzone hatte man nicht einmal Leuchtreklamen, die den grauen Alltag übertünchten. Was hätten die Leute denn für Telegramme schreiben sollen? Ganz abgesehen davon, dass Sie es in diesem eigenartigen Klima aus Mißtrauen, Ideologie und Angst nicht konnten! (Verrat am Sozialistischen Vaterland und so)...

Und nach der Wende? Machte Helmut Kohl richtig Ernst mit dem geistig-moralischen Turnaround. Die Leute sollten wieder Briefe schreiben. Und Gefühle hineinlegen. Und in die Kirche gehen. Mehr Familie und so. Die knappe, technizistische Kurzsprache des Telegramms erschien da zur Aufrechterhaltung des Durchschnittsalters seelenlos, funktionalistisch und - eigentlich sogar ein bisschen sozialistisch. Die SPD stimmte zu. Ihr Vorsitzender war auch Vorsitzender der Internationale.

Was also die wenigsten wissen: Die Telegrammkultur wurde in Deutschland aktiv beendet. Und zwar letztlich aus politischen Gründen.

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Ehemaliger Nutzer 01.01.2013 | 12:43

Sie teilen die auffassung, sich mit dem, was -sei es als "vorsatz" - kritisiert, abgelehnt, gar bekämpft usw beschäftigen zu müssen, um eben kritisieren, ablehnen, bekämpfen zu können ?

falls diese kleinigkeit geteilt, in zb dieses (bei aller kritik an den mängeln der aufnahme-sehr nervige bei-bandgeräusche)

http://archive.org/details/marx_arbeit_reichtum

reinhören, sagen wir wenigstens die erste halbe stunde etwa, nur schonmal wegen de weinbauern und so ?...

man kanns auch lassen, aber so stellst den marx und den "marxkram", fürcht , als eben "nur" abzulehnendes glaubensbekenntnis neben das/dein/ein zu vertretendes, das müßt eigendlich zu ner "entwertung" bis hin zur negierung deines "gott"-begriffs oder einfach dessen, was du mir beschrieben hattest als dein "lächeln" führen, somit zur fratze werden... ?

lg

iDog 01.01.2013 | 13:31

... bis auf einen einzigen nachweisbaren Fehler ( die Globalisierung begann mit Columbus) ganz ansehnlich - vielleicht sollten sie aber doch (noch) mal Gogols "die Nase" lesen , um sich zu vergegenwärtigen , wie man ohne wirkliches Thema Literatur erzeugt.  Sie wissen ja sicher selbst , dass ihre Ausführungen hanebüchener Quatsch sind, daher hätten sie zumindest auf die Form etwas mehr Wert legen sollen.... sonst geht es nicht mal als Glosse durch.

Was aber am erstaunlichsten ist und auch in diesem neuen Text wieder auftaucht - wie gesagt und wenn man diesen Text mit selbstauferlegter Ernsthaftigkeit betrachtet: alle vorkommenden Personen und Charaktere sind anscheinend Linke , die die Wirklichkeit durch ihre ideologische Auffassung verändern. Es entsteht selbst bei wohlwollender Betrachtung gar kein Zusammenhang zu ihrer anfänglichen Behauptung, die (von ihnen so wahrgenommene) wirkliche Wirklichkeit würde  von linken Schreiberlingen nur "frisiert". 

Werfe ich jetzt die beiden Texte inhaltlich zusammen, kommt also ein Art Komplott der Linken dabei heraus: man will einerseits und utopiebelastet  die "wahre" Darstellung der Wirklichkeit verbiegen und sägt sich dabei den eigen Ast der journalistischen Deutungshoheit ab, weil sich das keiner mehr bieten lassen will. Andererseits sind es aber ihrer Meinung nach genau dieselben linken Utopien, die einen kapitalistischen Produktivismus hervorgebracht haben, und das ganz wirklich und nicht nur "frisiert", der dann nicht nur zum sogenannten Turbokapitalismus und zur Globalisierung führt, sondern auch noch zur Motivation von technischer Innovation. In diesem ihrem speziellen von mit angeregten Fall wurde also durch linke Utopien eine Medien- bzw. Kommunikationstechnologie von der anderen abgelöst. Vom Telegramm über die Postkarte ( ich bezweifele, dass  da die Reihenfolge unbedingt stimmt) bis zum Telephon mit PH. Uns entgehen dabei ganz sicher wichtige Details , wie etwa das des Schnurrbarts, der sicher auch wegen linker Utopien "frisiert" wurde.

Ihre Argumentationsweise dabei erinnert an den esoterischen Komiker Anton Wilson, der bei keiner Gelegenheit versäumt zu betonen, dass der Beweisführer immer beweisen wird was er beweisen will. 

Das wiederum erinnert stark, aber sicher zufällig an Dieter Bohlen, als er sang: "You can win , if you want . If you want you can win."

Damit reiht dieser sich dann stellvertretend ein in die endlose Reihe der rechtskonservativen Utopisten, welche in sofern schon immer die Wirklichkeit zu frisieren versuchten, wenn nicht gezwungen waren dies zu tun, um zu verschleiern, dass es in dieser selben Wirklichkeit nun tatsächlich für die Meisten ganz wirklich nichts zu holen, zu gewinnen gibt, sondern im Gegenteil daher alles so "frisiert" werden muss, als könne tatsächlich jeder der will gewinnen in einem Kasino, in dem  das Roulette manipuliert wird, und die Bank immer gewinnt. Aber trösten sie sich, Hitler hat den Scheitel ja auch rechts getragen und der Schnurrbart war nicht nur aufgeklebt aber leider zu kurz zum frisieren.

Bingo ! Jetzt müssten sie mir nur noch den Zusammenhang zwischen diesem manipulierten Kasino und warum es manipuliert werden muss, dem ewigen Wandel von Medien- und Kommunikationstechnologien zugunsten des Kasinobetriebs und der Linken Utopie und Hitlers Schnurrbart erklären, dann - ja dann kommen wir der Sache vielleicht  langsam näher.

MopperKopp 01.01.2013 | 13:35

Frohes Neues :-)

Die kulturellen Zerstörungen des Kapitalismus, der keine Tradition ungeschoren lässt, sind offensichtlich, aber nicht der wesentliche Punkt. 

Handelt es sich auch hier, wie bei der Verherrlichung und Verwertung der Arbeit, wieder um zwei Seiten einer Münze, die Normativität der Ökonomie als Surrogat und die Methode des Marxismus als Surrogat? Die "Gewinnerseite" weiß Gott vor den Karren zu spannen, das macht den Unterschied.

Die gottlose Methode verherrlicht Arbeit? Hört sich doch sehr schlüssig an? An irgendwas müssen Menschen glauben, damit sie auch morgen noch zu essen bekommen, wie Erzbischof Müntefering zu sagen pflegt :-)

 

"Der Klosterschüler Lafontaine ist das schon ein anderes Kaliber. Der wurde groß in einem Umfeld, wo nicht die Kommunisten die Kultur rasiert hatten."

Wurde er darum so vehement bekämpft, als Abtrünniger, der die Zauberkraft traditioneller ewiger Werte kennt? Warum ist und war er bei der Basis so beliebt? Ist er für die eine Art linker Ersatz-Jesus, dem Gras aus der Tasche wächst oder ein Westentaschen-Woytila, der diese verfluchte Arbeit segnen kann? Warum tendiert die Partei-Spitze zu Erzengeln wie Schmidt, Schröder oder Erzwichteln wie Steinbrück? Mordor lässt grüßen? 

 

miauxx 01.01.2013 | 14:58

Wieso wäre es, um mal bei Ihrem Beispiel mit dem Bombenfund in Bonn zu bleiben, allein ein "uniformes utopistisches Denken", wenn behauptet würde, die Bombe hätten Rechtsradikale gelegt, während die Feststellung, muslimische Radikale seien es gewesen doch nicht minder schematisch ist? Nehmen wir doch einmal den Extremfall (!) an, es hätte diese beiden Varianten gegeben: Ist dann allein die "Utopie" Linker, welche vielleicht verkrampft der statistisch höheren Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Anschlag islamistisch motiviert ist, zu widersprechen versucht, eine falsche "nachrichtliche Verlässlichkeit" oder nicht auch gleichermaßen die vorauseilende vermeintliche Gewissheit der konservativ-bürgerlichen Nachricht ("Radikale Islamisten"!)?

Wir hatten uns ja kürzlich schon einmal kurz über die Frage unterhalten, ob es tatsächlich die Inhalte sind, welche Blätter wie die FR zum taumeln brachten. Hier möchte ich nun die Frage intensivieren, ob eben eine FR oder andere vgl.weise große oder größere Zeitungen wirklich so "links" und "utopistisch" daherkommen, wie Sie unterstellen. Der Beitrag der "Medienwoche", auf den Sie sich stützen, zieht am Ende ja überdies den Schluss, dass es mit dem "Linkssein" betreffender Postillen so weit gar nicht her ist - vielmehr wird eine Leserschaft bedient, die ihren "Utopismus" längst überwunden hat. Die Sympathien der Journalisten wie der Leser träfen sich, glaubt man auch den Statistiken, bei den Grünen. NB: Im Artikel wird ja auch behauptet, eine interne Umfrage unter "Welt"-Journalisten hätte die Grünen als Sieger gezeigt! Ihr ganzes Gebäude von überwiegend "linken" Journalisten aber vor allem, dass sich das im Profil der jeweiligen Zeitungen zeige, ist doch ein bisschen wackelig, oder?

Konfuzikuntz 01.01.2013 | 19:34

Natürlich habe ich hier ein Stück weit Schelmenstück geschrieben - und weise ja auch selbst im Text, vorne, fettgedruckt (!) und explizit auf mein Übertreiben hin. Ich sehe was ich da geschrieben aber nicht als Glosse, weil ich den Kern dessen, was ich da schreibe, vollkommen Ernst meine und diesen wie ich finde sogar recht nüchtern beschreibe: Eher konservative Leserschaft, eher linke Journalisten und ein langsames Schließen der Lücke. Dieser Gedanke fehlt mir in der Krisendebatte. Dass ich den "Utopie-Faktor" übertreibe - geschenkt. Aber ein wunder Punkt scheint da ja zu sein, sonst würde dieser Text Sie (und andere Kommentatoren) nicht so beschäftigen. :)

Und genauso meine ich Ernst, was ich in dem Kommentar über den Faktor Kultur geschrieben habe, dass nämlich die chinesischen Kommunisten prototypisch etwas getan haben, was dann den - von einem Hammer-und-Sichel-Adel  eingeführten Manchesterkapitalismus erst recht beschleunigt hat.  Das Land war ja nach der Kulturrevolution gewissermaßen "glatt geschliffen" und alles seit Jahrtausenden Gewachsene eingeebnet. Da war nichts mehr was bremste...

Muss man auch nicht so sehen, aber ich sehe es so. Und auch da ist Utopiekritik drin. Gerne überzeichnet. Es kommt mir auf die Wirkung dergleichen an.

Linke neigen tatsächlich dazu, Traditionen nicht nur zu hinterfragen - was OK ist - sondern sie, jederfalls weiter außen im politischen Spektrum, auch an sich aufheben oder, deutlicher formuliert, zerstören zu wollen. Zugunsten der Utopie... Immer an das Erzbeispiel Mao denken.

Jede Utopie, die einen "neuen Menschen" herbeiführen will - angeblich immer zurück zum Eigentlichen, zur Natur (auch Gender Mainstreaming hat etwas von Rousseau) ebnet ein.

Und am Ende steht dann da der moderne Mensch, ohne Identität, demnächst ohne Geschlechtsrollenmuster, die ihm irgendeine Orientierung geben könnten, ohne Familie, ohne organisch gewachsenes Umfeld - ohne irgendetwas - aber nicht in Rousseaus Paradies, sondern in der Steinwüste der Großstadt - und man reibt sich in Utopistenkreisen verwundert die Augen, wie es denn sein kann, dass es nichts mehr gibt, was er dem Kapitalismus entgegensetzen könne... (der sehr wohl auch von allein destruktuv genug ist)

Auf welcher Grundlage - außer auf einer künstlichen, ausgedachten, letztlich immer von irgendwelchen Politbüros führen Grundlage - will man denn "zusammenarbeiten", wenn man alles Gewachsene für Mist hält. Der Utopist trägt auf dem Boden der Wirklichkeit mit dazu bei, das sich der (wozu nochmal?) befreite Mensch an brennenden Mülltonnen wärmt. Män könnte in der Tat die Szene ganz gut karikieren, wie ein obdachlos gewordene Opfer utopistischer und realistischer Materialisten nachts, im Eingang eines McDonalds-Restaurants bei Kerzenschein einen Text der kritischen Theorie studiert und, vom Paradies träumend, auf die Revolution hofft.

Auch das muss man nicht so sehen. Aber sehe es so. Eine solche Linke - und ich habe Alternativen ja sehr wohl genannt, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie wirkungslos bleibt. Und dort, wo sie Wirkung hat, konsequent das Gegenteil dessen erreicht, was sie eigentlich will. 

Wieso betreiben denn linke Regierungen dauernd Sozialabbau?  Könnte das vielleicht daran liegen, dass man in Gedanken zwar wirklich aufrichtig gegen den Kapitalismus ist - aber auch gegen alles Andere? Was vielleicht eine realistische Gegenkraft wäre als der Traum des Penners? Religion, Nation, Familie - für einen aufrechten Linken per se des Teufels. Man ist letztlich (vielleicht unbewusst) Nihilist. Gegen alles. (Weil ja alles die hohe Messlatte der Utopie reißt). Und so fügt man sich dann, in Amt und Würden, die man durchaus erreichen kann, in die Notwendigkeiten des Einzigen, was auch auf zerstörtem Kulturboden gedeiht - den Kapitalismus. Was hat eine denn eine wirklich linke Partei denn in letzter Konsequenz Anzubieten außer utopischem Wollen und dem Nichts? Hier und da ein wenig kaschiert durch materialistisches Klein-Klein, wobei man sich sogar dort - schließlich ist man ja selbst Materialist - ohne große Probleme in die Makrologik des Kapitalismus einfügt.

"Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau" - das galt früher einmal mit Blick auf das Menschsein. Heute mit Blick auf den Aufsichtsrat.

Der Kapitalismus ist dabei gewiss nicht die Erfindung linker Utopisten. Aber diese machen so einiges, was dem Kapitalismus - indirekt - eher nützt als schadet. Und wenn man dann auch noch allen Ernstes an Karl Marx festhält und nolens volens einen "historischen Materialismus" vertritt (heute vielfach schon unbewusst) - ja überrascht es dann wirklich, was in China passiert ist? Oder dass man Steinbrück als (in gewisser Hinsicht sogar ehrliche) Alternative zu Merkel vor Augen hat?

 

Und da schlug der Kuntz dem Idog noch die Stalinismuskeule auf den Kopf.  ;)

 

Konfuzikuntz 01.01.2013 | 21:50

Zum ersten Absatz Ihres Kommentars: Den verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Vielleicht auch die Passagen meines Textes nochmal lesen, auf die er sich bezieht. Es geht mir bei dem Beispiel, und jetzt zählt jedes Wort, allein um die Tendenz, Tatsachen (!), die das eigene Weltbild ("die Utopie") bestärken, da hinein passen, bevorzugt zu berichten (ein Journalist betreibt ja Nachrichtenauswahl - und Gewichtung) - und im Zweifel die Berichterstattung zu minimieren, wenn da Teilsachverhalte (das ein oder andere "W"), nicht passen oder vielleicht auch gar nicht zu berichten. 

Die in Ihrem zweiten Abschnitt erwähnte Tatsache, dass auch bei nicht dezidiert linken Medien, dem sogenannten Mainstream, irgendwelchen kleinen Regionalzeitungen und sogar bei der Welt Journalisten in nennenswertem Ausmaß links, genauer: grün denken, während dies in der Bevölkerung nicht der Fall ist (von den vielleicht 2/3 der Leute, die wählen gehen, gibt gerade  1/8 (!) den Grünen die Stimme...) - ist die Frage dann wirklich so verrückt, ob der Mainstream-Leser (wir reden jetzt also gar nicht mehr über genuin linke Medien) sich so widerfindet, dass eine Identifikation entsteht?

Ob die Welt mit lauter grünen Journalisten ihre klassische Leserschaft behält? Ob die taz-Kundschaft zu Springer kommt? Eine gewagte Strategie, wie ich finde. Warum wächst denn eine Zeitung wie die Junge Freiheit so unaufhaltsam? Womöglich WEIL sie bis an die Schmerzgrenze anders ist? Und weil der Leser dort sicher sein kann, garantiert keine grüne Meinungen zu lesen? Da schreibt garantiert kein einziger Grünen-Sympathisant. Es soll vorkommen, dass es nicht-Grüne Leser gibt. Und wenn auch so ein CDU-Blatt wie die grün wird (was zur Übernahme genuin grüner Positionen durch die Union durchaus passt) - was lesen denn dann die Konservativen? Ich glaube nicht, dass es auf lange Sicht egalist, wie sich das "Fitting" der Meinungen eines Printprodukt zur Bevölkerungsmeinung verhält. Wenn es so wäre, müsste ja eine Monarchistenzeitung im Prenzlauer Berg reißenden Absatz finden. Wenn jetzt die gute Fee aus der Zukunft kommt und Sie fragt - mit Hauptgewinn ewiger Glückseligkeit - ob es wohl die BILD gewesen ist oder die ZEIT, die länger bestanden hat, was würden Sie Ihr denn antworten? ;)

 

iDog 02.01.2013 | 14:57

ich habe ja schon gesagt , dass ihre Einteilung in LINKS und RECHTS recht antiquiert daher kommt und sowieso nicht der Wirklichkeit entspricht. Es geht immer nur um oben und unten. Die "Stalinismuskeule" gleitet in sofern ab wie ein Wattestäbchen : nicht nur dass es sich dabei um eins der wohl Clichee behaftetsten und ideologischsten Feindbilder der Postmoderne handelt, sondern im Detail ist der Stamokap natürlich auch vor allem Kapitalismus und nicht etwa eine wahr gewordene Utopie der wie auch immer Linken. Bislang wurde keine "linke" Utopie in großem Maßstab  umgesetzt, sondern allenfalls zum und als Machtmissbrauch und Parteiideologie vergewaltigt. Die Gründe dafür wären eine andere Debatte wert, führen aber hier nicht viel weiter. Eins nur dazu: Parteipolitik ist immer machtorientierte Kaderpolitik ohne jegliche ernste Absicht auf nicht hierarchische Gesellschaftsstrukturen. Diese aber sind erst wirklich LINKS, wenn sie es unbedingt links nennen wollen  - ich und viele andere nennen sie jedoch demokratisch. Im so genannten "liberalen" Kapitalismus wird die an sich antidemokratische  Parteipolitik von der Wirtschaft subventioniert und die Parteien subventionieren dafür die Wirtschaft - kein Markt ohne Staat, kein Staat ohne Marit. lautet die Formel…. im Stamokap ist der Weg dahin nur kürzer und die Maskerade dafür schwieriger.

Der aktuelle Turbokapitalismus sieht in den Stamokap Modellen aber mittlerweile einige sehr profitable Vorteile. Das haben sie vielleicht in den letzten Krisenjahren nicht mitbekommen, nicht verstanden oder die Debatte dazu übersehen. Totalitäre Führung von Kapitalismus ist in jeder Hinsicht rentabler. Um so mehr als dass Demokratie und Kapitalismus wie gesagt und sowieso inkompatibel sind. Das weis niemand besser als die Kapitalelite selbst. Dazu sollten sie sich mal etwas schlau machen. Das hab ja nicht ich mir ausgedacht, sondern das Prinzip des Kapitalismus (meinetwegen sogar nach Marx obwohl es da weitergehender Analysen gibt) widerspricht dem Prinzip Demokratie. 

Nochmals zurück: Zumindest in der Riege der kritischeren akademischen Ökonomen wird die aktuelle Finanzpolitik vor allem in den USA als Übergang zum quasi Stamokap  gedeutet. Eine Verschmelzung von Großindustrie und Staat in erster Linie über die Finanzwirtschaft liegt eindeutig vor. Das wiederum entspricht der Standarddefinition von Faschismus nach Moussolini, und der muss es ja gewusst haben. Hier also ergeben sich Erklärungen für die Annäherungen an scheinbar und in ihrer Terminologie "linke" Ideologien. Aber im Grunde nähern sich nur die Totalitären Tendenzen des Kapitalismus durch Machtzentralisierung bei größtmöglicher Kapitalakkumlation durch Monopolwirtschaft, heute gerne auch Globalisierung genannt, an die Totalitären Tendenzen eines jeden undemokratischen, weil zentralistischen und hierarchischem Regime an. Die ideologisch manipulierten Bevölkerungen sehen dabei  aber nie oder nur zur äussersten Not den prinzipiell totalitären Charakter des Kapitalismus. Dieser Versteckt sich ideologisch am liebsten hinter vorgetäuschtem Liberalismus und Demokratie , mit dem er als humanitären Grundwerten allerdings auf Grund seiner Hierarchischen Struktur nichts zu tun hat und nicht haben kann.

 

Mit anderen Worten , und um auf den Anfang zurückzukommen. Heute gibt es nicht wirklich links und rechts , sondern wie seit jeher nur unten und oben. Und genau darin unterscheiden sich alle bisherigen Strukturversuche nicht um eine Jota. Wer also Unten ist hat Grund systemkritisch zu sein. Eine echte Demokratie ist nach wie vor (seit 2500 Jahren) die viel versprechendste Utopie aller Zeiten. Bis lang wurde sie erfolgreich hintertrieben unter anderem durch ein Kasperletheater von "links und recht" als demokratisches Scheingefecht machtgeiler Psychopathen oder soll ich sagen machtgeiler Inkompetenz, denn wo wir heute damit stehen ist ja offensichtlich. Hierarchische Herrschaftssysteme brauchen indes immer einen scheinkomplexen Überbau : hier die so genannten Volkswirtschaftslehre oder Ökonomie, die nachweislich keine Wissenschaft ist sondern ein Glaube,  um einen sehr simplen Sachverhalt zu obskurieren : Raub, Diebstahl, Mord und Totschlag.  Das Wort "privare" sagt dazu alles. 

Vielleicht haben sie jetzt verstanden warum ihr Ansatz auch nur Symptom einer  etablierten Ideologie ist und daher nichts mit Wirklichkeit an sich zu tun hat , sonderen allenfalls auch mit dem vergeblichen Versuch diese zu "frisieren". Ihr Ansatz  bestätig nichts weiter als die manipulative Absicht eines ideologischen Dogmas des hierarchischen Prinzips und  damit ein gewollte Ablenken der  Subordinierten vom wesentlichen Problem. In ihre Begriffswelt übersetzt hieße das: es gibt kaum Linke ( also auch nicht in der Presse) , denn es sind die, die Hierarchien an sich negieren und demgegenüber echte Demokratie für möglich halten. 

miauxx 02.01.2013 | 18:08

Es ist schon auch bei mir angekommen, dass Sie eine überzeichnete Typisierung des "Linken" und wie dieser eben Zeitung machen würde, vorausschicken. Es wird dann aber in meinen Augen schwierig, alles Folgende darauf aufzubauen. Denn Sie wollen doch letzten Endes darauf hinaus, dass eben nicht dem Durchschnitt der Bevölkerungsmajorität entsprechend, sondern viel zu selektiv und filtriert von "links" berichtet würde, weshalb so langsam die eine oder andere Zeitung hinten runter falle. Meine Frage ist da aber ganz einfach: Ist das denn so? Bzw.: Spekulieren Sie nicht ganz schön? Wohlgemerkt, "so verrückt" sind Ihre Fragestellungen oder Vermutungen mitnichten. Und ich stimme auch zu, dass man nicht auf Online vs. Print verengen kann.


Aber: Welche Zeitung, ausgenommen dezidiert linke, hat sich denn im Falle des Bonner Bombenkoffers nicht auf Seiten der üblichen ersten Vermutung "Islamisten" gestellt? Und ist der reine Verweis auf Sympathien zu politischen Parteien noch signifikant genug; lässt sich davon noch genug ableiten? Im Artikel der "Medienwoche" wird ja z.B. auf das auffallend hohe Gewicht von sogen. "grünen" Themen und Atomausstieg in Deutschlands Medien bezug genommen. Jedoch allein im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.
Nun ist zum einen längst nicht mehr klar, inwiefern "grün" noch mit "links" zu identifizieren ist. Da kommt es schon stark auf die Perspektive, von wo aus man guckt, an. In den 80ern haben die Grünen halt noch einen starken Kontrapunkt zum recht schmalen politischen Establishement markiert; da konnte man gut von "links" sprechen. Die einstigen Schemata von "links" und "rechts", die Extreme mal außen vor gelassen, greifen eben so nicht mehr. Von CDU bis Grüne wird doch nichts mehr als eine Orientierung auf eine recht diffuse "Mitte" betont.


Und wenn das Personal von der "Welt" mit überwältigender Mehrheit mit "grün" sympathisiere (für mich schwer vorstellbar; diese Erhebung sicher mit Vorsicht zu genießen) - merkt man das der "Welt" an? Vielleicht ja - aber woran genau? Mit "links" hat die "Welt" deshalb noch lange nichts zu tun. Nicht nur, weil "grün" wählen eben mit "links" nicht mehr viel zu tun haben muss (wie ja auch der "Medienwoche"-Autor angesichts des traditionell "grüneren" Publikums der SZ oder ZEIT herausstreicht), sondern weil sie nach wie vor ein strammer Fels gegen den vermeintlichen Linksdrall der Politik und Medien ist. Und: Sie ist wirtschaftlich trotzdem defizitär!


Wenn Sie letzten Endes auf die "Junge Freiheit" als stark wachsend (ist das tatsächlich so?) verweisen, so haben wir vielleicht, das muss man zugeben, einen Indikator dafür, wohin sich ein gewisser Teil der konservativen Papierzeitung lesenden Bürgerlichkeit orientiert. Oder vielmehr: Dass sie eine Orientierung und einen Widerhall sucht. Wir brauchen am Ende dafür aber nicht die von Ihnen so aufwändig konstruierte These, dass das Gros der Zeitungslandschaft "links utopistisch" geprägt sei. Die "Junge Freiheit" und ähnlich Gelagerte behaupten so etwas. Mir fehlen dafür aber eindeutig die Anzeichen; es scheint mir überkonstruiert.

"Wenn jetzt die gute Fee aus der Zukunft kommt und Sie fragt - mit Hauptgewinn ewiger Glückseligkeit - ob es wohl die BILD gewesen ist oder die ZEIT, die länger bestanden hat, was würden Sie Ihr denn antworten?"

Ich würde wohl "die BILD" tippen. Dabei würde ich aber weniger an ein Schema wie "rechts = BILD" und "links = DIE ZEIT" denken.

Auch wenn ich etwas rummeckere, habe ich Ihren Artikel trotzdem gerne gelesen. Vor allem, weil Sie sich quer zur doch zu simplen, weil leicht zu widerlegende, Rechnung, Online sei schuld am Printsterben, versuchen zu stellen. Gleichwohl wird es am Ende eine Mischung aus Lesererwartung auf der rein inhaltlichen Ebene und eben dem Medienwandel sein. Letzterer verändert eben auch wiederum die Lesererwartung vor allem in Richtung einer Lese- und Informationsökonomie. Auch deshalb könnte es für ein doch vergleichbar aufwändiges Lesewerk wie DIE ZEIT schwierig werden. Leider!

miauxx 03.01.2013 | 11:01

Ich wollte ja allein sagen, dass ich mich nicht dem Schematismus, wie ihn etwa A. Kuntz zu vertreten scheint, anschließen will, dass der Großteil der Zeitungslandschaft eine linkes Prägung habe. Trotzdem würde ich widersprechen, dass DIE ZEIT "eindeutig rechts" sei! Ich würde auch die BILD nicht als eindeutig rechts sehen. Diese Kennzeichnungen sind für mich nicht treffend genug.  Und haben Sie nicht oben selbst das Rechts-Links-Schema negiert und zwar zugunsten eines Oben-Unten-Prinzips?

iDog 03.01.2013 | 18:13

Schon richtig - es ist eine Von-Oben-Presse , welche die herrschende Meinung wiederkäut ... und das ist ihr verderben, denn die, deren Meinungen da gedruckt werden, brauchen ja die zeitung nicht erst zu kaufen, um diese zu erfahren....

Es wird allerdings ein Ende geben des großen Zeitungssterebens, und zwar dann, wenn nur noch sagen wir zwei ( wegen der "Freiheit" der Auswahl) übrig sein werden. Diese werden dann natürlich voll subventioniert und mit dem Hubschrauber abgeworfen - Journalisten braucht man dazu nicht - die Programme, die die Börsenwerte und das Wirtschafswachstum auslesen und in Erfolgsmeldungen für die elenden Massen umarbeiten , werden gleichzeitig die Trends der Wetten an den Börsen und das Wachstum beeinflussen ... sie dann wieder auslesen und melden usw. . Ein klassischer Selbstläufer, der natürlich nur mit Machinengewehren und "Sicherheitskräften" reibungslos. funktioniert...

Konfuzikuntz 04.01.2013 | 04:39

Sie verstehen mich nicht und ich fürchte, es liegt nicht an mir. Mal eine Zeitung von innen gesehen?

Ich rede nicht über Behauptung, ich rede über Nachrichtenauswahl und Nachrichtengewichtung.

Daher jetzt ganz Kindergarten, gewissermaßen für Utopisten:

(a) Miauxx ist Grünen-Sympathisant und verantwortlicher Nachrichtenredakteur einer deutschen Tageszeitung

Bombenanschlag in Bonn...
Die Polizei findet den Täter. Er gesteht. Der Polizeipräsident gibt dazu eine Pressekonferenz. "Der Täter konnte ermittelt werden. Er ist geständig und ein fundamentalistischer Muslim.

Da entschied sich Miauxx, die Nachricht mit dem Moslem-Bombenanschlag auf Seite 3 zu plazieren.


(b) Miauxx ist Grünen-Sympathisant und verantwortlicher Nachrichtenredakteur einer deutschen Tageszeitung

Bombenanschlag in Bonn...
Die Polizei findet den Täter. Er gesteht. Der Polizeipräsident gibt dazu eine Pressekonferenz. "Der Täter konnte ermittelt werden. Er ist geständig und entstammt der Neonazi-Szene.

 Da entschied sich Miauxx, die Nachricht mit dem Neonazi-Bombenanschlag auf Seite 1 zu plazieren. Als Aufmacher.

Ein paar Bombenvorfälle später durchschauten die (tendenziell eher konservativen) Leser der Zeitung die unterschiedliche Art und Weise, wie mit gleichen Sachverhalten (versuchter Bombenanschlag) umgegangen wurde. Es gab dergleichen auch bei Berichterstattung zu Vergewaltigungen, Messerstechereien oder Gerichtsverfahren wegen Beleidigungen... Nicht der Vorfall war der Zeitung wichtig, sondern die Nähe der Ethnie und "Motivation" des Täters zu den politischen Glaubenssätzen des für die Nachrichtenauswahl zuständigen Redakteurs.

Jetzt verständlich? :)

Konfuzikuntz 04.01.2013 | 06:30

ich habe ja schon gesagt , dass ihre Einteilung in LINKS und RECHTS recht antiquiert daher kommt und sowieso nicht der Wirklichkeit entspricht.

Dann sollte wir den Kampf gegen Rechts aufgeben. Oder durch einen Kampf gegen Links ergänzen. Bin letztlich damit einverstanden, dass die Kategorien inhaltsleer sind.

Es geht immer nur um oben und unten.

Das ist Autoextrapolition. Es mag für Sie gelten. Für mich nicht. Mich interessiert irdische Verteilungs- und Produktionsfragen nur sehr nachgeordnet, während das Eine, Gott, Tao, Brahman, Begriff Ihrer Wahl (und nein, ich bin kein entrückter Millionär) für mich von höchstem Belang ist.

Die "Stalinismuskeule" gleitet in sofern ab wie ein Wattestäbchen :

Sie war auch nicht Ernst gemeint. Und wie ich finde auch durchaus kontextersichtlich...

nicht nur dass es sich dabei um eins der wohl Clichee behaftetsten und ideologischsten Feindbilder der Postmoderne handelt

Mag sein. Wobei ich mit Begriffen wie "Postmoderne" nicht anfangen kann. Ein solches bezieht unsere Kultur über ein dazwischenliegendes "Mittelalter" auf die Antike. Die abendländische Welt ist aber ein Lebensstrom eigenen Rechts. Dieses eigenartige lineare Geschichtsdenken, dass gewissermaßen einen Regenwurm vor sich sieht, der immer neue Zeitalter "ansetzt" (bei immer größerer Verlegenheit, diese benennen zu können) habe ich noch nie verstanden.

im Detail ist der Stamokap natürlich auch vor allem Kapitalismus

Ja was denn sonst?

und nicht etwa eine wahr gewordene Utopie der wie auch immer Linken.

Ich dachte, Stamokap sei ein Problem, dass der Sozialismus beschreibt und überwinden will. Wobei ich kein Experte für die Juso-Lager der 70er Jahre bin.

Bislang wurde keine "linke" Utopie in großem Maßstab  umgesetzt, sondern allenfalls zum und als Machtmissbrauch und Parteiideologie vergewaltigt.

Natürlich. Das ist aber ganz zwangsläufig. Wirklichkeit wird nicht ausgedacht und umgesetzt. Die Geschichte geht über jeden derartigen Versuch mit einem Hohnlachen hinweg.

Die Gründe dafür wären eine andere Debatte wert, führen aber hier nicht viel weiter.

Natürlich nicht.

Eins nur dazu: Parteipolitik ist immer machtorientierte Kaderpolitik ohne jegliche ernste Absicht auf nicht hierarchische Gesellschaftsstrukturen.

Eher Zustimmung. Wobei die Zentrumspartei im Jahr 1905 oder die heutige Piratenpartei schon etwas um einige Grade anderes sind als etwa die kommunistische Partei in Nordkorea. A

Diese aber sind erst wirklich LINKS, wenn sie es unbedingt links nennen wollen  - ich und viele andere nennen sie jedoch demokratisch.

Ich würde mich ja vom Ideal eines vollkommen herrschaftsfreien Urzustandes eher verabschieden. Es ist eine Abstraktion. Mir ist Maßvolle Herrschaft im Namen der Herrschaft lieber als durchgeknallte Herrschaft im Namen der Liebe.

Im so genannten "liberalen" Kapitalismus wird die an sich antidemokratische  Parteipolitik von der Wirtschaft subventioniert und die Parteien subventionieren dafür die Wirtschaft - kein Markt ohne Staat, kein Staat ohne Marit. lautet die Formel….

Zu Teil 1 des Satzes Zustimmung, zu Teil 2 eher Skepsis. Parteien drucken kein Geld für die Wirtschaft. Eher kommt es vor, dass man dieses Gesetz eben jenem vorzieht... Aber die Wirtschaft ist auch nichts an sich Böses. Das wird fast immer von Leuten behauptet, die morgens Brötchen kaufen gehen.

im Stamokap ist der Weg dahin nur kürzer und die Maskerade dafür schwieriger.

May be.

Der aktuelle Turbokapitalismus

Das ist kritisierenswert. Nicht dass jemand ein Handwerk versteht und anderen womöglich sogar Arbeit geben kann.

sieht in den Stamokap Modellen aber mittlerweile einige sehr profitable Vorteile.

Ganz klar.Das haben sie vielleicht in den letzten Krisenjahren nicht mitbekommen, nicht verstanden oder die Debatte dazu übersehen.

Hab dauernd die Simpsons geschaut. Sorry.

Totalitäre Führung von Kapitalismus ist in jeder Hinsicht rentabler. Zustimmung.

Um so mehr als dass Demokratie und Kapitalismus wie gesagt und sowieso inkompatibel sind. In Ihrem utopistischen Idealverständnis von Demokratie ist das ohne Frage richtig. Wenn man Demokratie als etwas zutiefst Relatives, eine Übergangsform ansieht, so eine Art vorüberziehendes Hanseatentum mitredenwollender Kaufleute, irgendwo zwischen rein dynastischen Monarchen und schließlich ebenso neoabsolutistischen Finanzdiktatoren, dann verträgt es sich schon. Ich würde einer Ratssitzung der Hamburgischen Bürgerschaft im Jahr 1840, auf der es nur um Kontore und Pfeffersäcke ging, nicht absprechen, etwas demokratisches an sich zu haben. Historisch kommt Demokratie kommt doch wohl dort auf auf, wo Handel getrieben wird (Athen, England) und verschwindet irgendwann wieder... Wenn man  Demokratie nur in ihrer reinsten Form anerkennt - gibt es sie allein in einigen Köpfen. Sie ist dann - Literatur. Bestenfalls.

Das weis niemand besser als die Kapitalelite selbst. Dazu sollten sie sich mal etwas schlau machen. Das hab ja nicht ich mir ausgedacht, sondern das Prinzip des Kapitalismus (meinetwegen sogar nach Marx obwohl es da weitergehender Analysen gibt) widerspricht dem Prinzip Demokratie

Zustimmung zum angelsächsische Kapitalismus, der eine Weltauslutschung ist. Ein kompetitive Weltorganisation hingegen ist hingegen etwas, das mir keinerlei Bauchweh bereitet. Man denke etwa an den Solarmarkt hierzulande. Das ist schon um einiges smarter als am Rande des realen Spielsfeld zwischen utopischen Kumbaya und zwingend kriminellem Politbüro zu stehen.

Nochmals zurück: Zumindest in der Riege der kritischeren akademischen Ökonomen wird die aktuelle Finanzpolitik vor allem in den USA als Übergang zum quasi Stamokap  gedeutet. Eine Verschmelzung von Großindustrie und Staat in erster Linie über die Finanzwirtschaft liegt eindeutig vor.

Finden Sie? Sind US-Regierung, Hewlett-Packard und Morgan Stanley verschmolzen? Wenn angeblich durchregiert wird - wieso ist das Land dann unregierbar? (Finanzverhandlungen zwischen Regierung und Opposition - auch eins? - bis 5 vor 12...)

Das wiederum entspricht der Standarddefinition von Faschismus nach Moussolini, und der muss es ja gewusst haben.

Ich dachte immer, die Antifaschisten bestimmen, was Faschismus ist. Aber wenn Sie schon Mussolini mich Ihre These sprechen lassen - wie lautet denn seine Definition?

Ich finde ja diese hier ganz gut, „Faschismus kann definiert werden als eine Form des politischen Verhaltens, das gekennzeichnet ist durch eine obsessive Beschäftigung mit Niedergang, Demütigung oder Opferrolle einer Gemeinschaft und durch kompensatorische Kulte der Einheit, Stärke und Reinheit, wobei eine massenbasierte Partei von entschlossenen nationalistischen Aktivisten in unbequemer, aber effektiver Zusammenarbeit mit traditionellen Eliten demokratische Freiheiten aufgibt und mittels einer als erlösend verklärten Gewalt und ohne ethische oder gesetzliche Beschränkungen Ziele der inneren Säuberung und äußeren Expansion verfolgt. (aus der Faschismustheorie in der Wikipedia). Allerdings ist sie eben eher kulturell als ökonomistisch.

Hier also ergeben sich Erklärungen für die Annäherungen an scheinbar und in ihrer Terminologie "linke" Ideologien. Aber im Grunde nähern sich nur die Totalitären Tendenzen des Kapitalismus durch Machtzentralisierung bei größtmöglicher Kapitalakkumlation durch Monopolwirtschaft, heute gerne auch Globalisierung genannt, an die Totalitären Tendenzen eines jeden undemokratischen, weil zentralistischen und hierarchischem Regime an.

Ich finde, dass diese Denkkategorien nur bedingt passen. Wenn sehr wohl gegeneinander antretende Banken es schaffen, im Falle des Scheiterns ganze Staaten gewissermaßen zu Rückversicherungsagenturen für die eigene Spekulation zu machen - ist das dann Monopolwirtschaft? Setzt der Begriff Kapitalakkumulation nicht die goldgedeckten Währungen des 19. Jahrhunderts voraus. Damals war ein Geldschein eine Tauschoption auf das im Keller der Nationalbank lagernde Gold. Heute wird buntes Papier digital vermehrt... Und wenn es dann, im Grunde wird jedes Feuer mit immer neuem Spiritus gelöscht, immer schneller und unberechenbarer um den Planeten saust, macht der Akkumulationsbegriff dann wirklich Sinn?

Die ideologisch manipulierten Bevölkerungen sehen dabei  aber nie oder nur zur äussersten Not den prinzipiell totalitären Charakter des Kapitalismus.

Das stimmt. Aber immerhin hat man den totalitären Charakter des Kommunismus verstanden. Und beide Seiten konnten den kalten Krieg ja schlecht verlieren... Ich neige ohnehin dazu, jedes rein materialistische Denken abzulehnen und nicht eines durch eine anderes ersetzen zu wollen.

Dieser Versteckt sich ideologisch am liebsten hinter vorgetäuschtem Liberalismus und Demokratie , mit dem er als humanitären Grundwerten allerdings auf Grund seiner Hierarchischen Struktur nichts zu tun hat und nicht haben kann.

 Kann man so sehen. Wie man alles irgendwie sehen kann. Es ist mir aber zu orthodox. Sie haben da so eine quasimetaphysische Absolutheit in ihrem Denken. Mit der Sie einen mit Blick auf vorbeiströmende historische Horizonte wirklichen Erzrelativisten konfrontieren, der das Absolute notorisch für etwas vollkommen anderes hält als eine Mischung aus öknonomischen Ansichten und politischen Wünschen.

Mit anderen Worten , und um auf den Anfang zurückzukommen. Heute gibt es nicht wirklich links und rechts , sondern wie seit jeher nur unten und oben.

Da war immer so. Und wird auch immer so bleiben. "Gleichheit" ist eine mathematische Größe. Keine historische.

Und genau darin unterscheiden sich alle bisherigen Strukturversuche nicht um eine Jota. Wer also Unten ist hat Grund systemkritisch zu sein.

Wenn er verhungert und erfriert: Ja. Wenn er zu mehr Harmonie beitragen will: Ja. Wenn er sich oberhalb menschlicher Grundbedürfnissen das Dasein für eine reine Habens-Kategorie hält und in seelischer Unreife Autos abfackelt: Eher Nein.

Eine echte Demokratie ist nach wie vor (seit 2500 Jahren) die viel versprechendste Utopie aller Zeiten.

Wie gesagt: Utopien sind für mich Gehirnzustande, Literatur - oder Blutspur. Manche Literatur kann man lesen.

Bis lang wurde sie erfolgreich hintertrieben unter anderem durch ein Kasperletheater von "links und recht" als demokratisches Scheingefecht machtgeiler Psychopathen oder soll ich sagen machtgeiler Inkompetenz, denn wo wir heute damit stehen ist ja offensichtlich.

Keine Zustimmung. Es hintertreibt niemand Ihre "Demokratie". Sie ist in dieser radikalen (nicht abwertend gemeint) Form einfach keine reale Größe.

Hierarchische Herrschaftssysteme brauchen indes immer einen scheinkomplexen Überbau : hier die so genannten Volkswirtschaftslehre oder Ökonomie, die nachweislich keine Wissenschaft ist sondern ein Glaube

DAS STIMMT - allerdings existiert so etwas wie Wissen auch nicht. Es strömt ja alles und verändert sich. Somit gibt es (in der kleinen Sphäre unserer "Weltgeschichte") eigentlich nur zwei Arten von Glaubenssysteme: Solche, die eine zeitlang historisch wirksam sind. Und solche, die es niemals sind. Letztere sind meistens rein und hehr und wirken auf ihre Anhänger wie apriorische Wahrheiten. Erstere sind pragmatisch und eine ewige Tatsache.

um einen sehr simplen Sachverhalt zu obskurieren : Raub, Diebstahl, Mord und Totschlag.  Das Wort "privare" sagt dazu alles. 

In der Tat.

Vielleicht haben sie jetzt verstanden warum ihr Ansatz auch nur Symptom einer  etablierten Ideologie ist und daher nichts mit Wirklichkeit an sich zu tun hat , sonderen allenfalls auch mit dem vergeblichen Versuch diese zu "frisieren".

Es gibt seit dem 19. Jahrhundert diese Denkfigur des ethischen Sozialismus... Was ich als richtig erachte, sollen alle anderen auch als richtig erachten. :)

Ihr Ansatz  bestätig nichts weiter als die manipulative Absicht eines ideologischen Dogmas des hierarchischen Prinzips und  damit ein gewollte Ablenken der  Subordinierten vom wesentlichen Problem.

Das kann aus Ihrem Denken heraus tatsächlich so sein. Die Frage ist, ob Sie sich vorstellen können, dass jemand anders denkt als sie. Ich hänge keinem hierarchischen Prinzip ideologisch an. Sondern dem Harmonieprinzip. Und aus diesem Denken heraus sehe ich die Lücke zwischen Bürgermeinung und Journalistenmeinung sich schließen. Dass die Frage, ob irgendwelche Zeitungen pleite gehen von wesentlicher Bedeutung für das Weltengefüge wären, habe ich indes auch nicht behauptet. :) 

In ihre Begriffswelt übersetzt hieße das: es gibt kaum Linke ( also auch nicht in der Presse) , denn es sind die, die Hierarchien an sich negieren und demgegenüber echte Demokratie für möglich halten. 

Nein. In meiner Begriffswelt gibt es keine Harmonie, weil die Mehrheit der Menschen in Habens-Kategorien denkt und nicht in Seins-Kategorien lebt.

iDog 05.01.2013 | 03:36

 Lieber Herr Kunz, ich bin nicht sicher ob sie wissen was sie mir da alles schreiben. Ich kann mir aber vorstellen, sie neigen dazu davon auszugehen.  

 Ich komme auf diesen Gedanken, weil sie es nicht schaffen auf die kausalen Zusammenhänge meiner Aussage als solche einzugehen - manche erkennen sie vielleicht auch nicht als solche, also als zu lesenden Text , denn ein solcher ist es, der zu ihnen spricht, und nicht eine von ihnen imaginierte Person mit wohlmöglich imaginierten Eigenschaften. 

 Sie gehen auf Einzelaussagen und Halbsätze ein. Gewöhnlich drückt diese Salamitechnik eine gewisse Ratlosigkeit aus. Sie habe also keinen eindeutigen  Entwurf als solchen zur Hand, mit dem sie antworten könnten, unter anderem um eventuell zu polarisieren, relativieren oder einfach nur um ihre vorigen Aussagen zu verteidigen. Und damit sie mich nicht falsch verstehen, ich will sie ja nicht überzeugen. Das muss jeder selber machen. 

 Sie reden hier in diesem Thread über Utopien, Kultur, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft im allgemeinen, über Kapitalismus, Kommunismus, Sozialismus, Kulturrevolutionen, Sozialabbau, Linke , Rechte, Humanismus, über einzelne historischen Figuren bis zu Banalitäten wie Mac Donalds, um den Kreis zu schließen, aber sie schreiben dazu gleichzeitig: "Mich interessiert irdische Verteilungs- und Produktionsfragen nur sehr nachgeordnet

 Wenn das wirklich so ist, sollten sie sich nicht zu politischen Debatten hinreißen lassen oder sogar Debatten mit politischem Kontext anschieben, denn der wird wohl ohne "Verteilungs- und Produktionsfragen" nicht zustande und auskommen können. Sie kommen mir dabei vor als würden sie einfach gerne mal unangenehme Fragen stellen. Aber dies nur weil sie die Antwort schön zu wissen meinen. Falls andere Antworten eintrudeln, kommen sie etwas ins schwimmen oder interessieren sich nur "nachgeordnet". Sie versuchen die von mit angebotene Ernsthaftigkeit der Betrachtung abperlen zu lassen, denn sie ist anstrengend.

 Sie sehen, ich spiegele jetzt ihre Salamitechnik ein wenig , aber dann doch nicht richtig. Ich möchte sie damit nur wissen lassen, dass ihre Bemühungen auf diese Art unfruchtbar bleiben müssen, weil sie widersprüchlich und nicht kreativ sind. 

 Es ist nicht so, als wenn ich nicht verstehen könnte warum sie so reagieren. Ich halte es für eine Schutzfunktion. Sollte es Gründe geben sich von etwas zu Überzeugen, das man bislang nur in abgelehnten Kategorien verschubladet hatte? Bewahre, der Sinn ist immer der kleinste gemeinsame Nenner einer Gesellschaft, der Konformismus seiner Zeit, das akute Dogma der aktuell herrschenden Klasse. Individuelle Ansichten, kritisches Bewusstsein bedeuten Sinnverlust - darüber hinaus wohlmöglich sozialer Ausschluss… Angst.

 Sie schreiben: "Die Frage ist, ob Sie sich vorstellen können, dass jemand anders denkt als sie. Ich hänge keinem hierarchischen Prinzip ideologisch an. Sondern dem Harmonieprinzip". Ich kann ihnen versichern, dass ich von einem allgemeinen Dissens ausgehe, von einer Kompetenz der Individualisierung des menschlichen Daseins und Denkens, die gerade in dieser Potenz zu Formen der Selbstverantwortung und des Selbstbewusstseins und daher auf gesellschaftlicher Ebene zur Demokratie befähigen. In diesem bzw gegenteiligen Sinne geht es eben nicht um ein "hierarchisches Prinzip" , dem man "anhängen" könnte , sondern um eine faktische Praxis der Hierarchie, der wir unterworfen sind - alle - auch die vermeintlichen Macht- und Funktionseliten. Sie verwechseln hier soziologische Tatbestände, die durchaus wissenschaftlich erforscht sind, mit Ideologie. Was das "Harmonieprinzip" indes ist, wollen sie erst gar nicht verraten. Zwei Sätze weiter behaupten sie dann . "Nein. In meiner Begriffswelt gibt es keine Harmonie". 

 Sie werden sich wundern, aber ich gehe genau wie sie von  Tatbeständen aus. Ich versuche dabei eben nicht gläubig zu sein. Das heisst ich versuche den Sachverhalt zu studieren. Ein schönes Beispiel dazu ist die Stamokap Tendenz. Dazu kann man sich zB. die Ämterverteilung im Weißen Haus ansehen. Dabei lernst man , dass diese Belegschaft schon seit einigen Präsidenten, egal ob "Demokraten" oder "Republikaner", immer Manager der Großbanken der Wallstreet sind. Auch in Europäischen Regierungen sitzen diese "Abgeordneten" zum Teil bis hinunter in die Regionalregierungen. Alle Großbanken betreiben übrigens diese Mandatspolitik mit Leidenschaft und Erfolg.  Forschen Sie mal nach.

 Damit sind wir zum einen bei besagter Faschismusdefinition von Mussolini - und die habe ich im Kontext meine Kommentars ja durchaus gebracht. Sie definiert Faschismus als den Schulterschluss von Industrie und Staat. Und auf ihre etwas sinnlose Frage, da ich genau das schrieb, ob denn HP oder Morgan Stanley mit dem US-Staat verschmolzen sind, kann ich nur bestätigen, dass dies so ist. Die eindeutigen Tendenzen sind einerseits über die direkten Beteiligungen der Großindustrie an den Großbanken ersichtlich, über deren Mandatsträger im Weissen Haus ( neben den Lobbyeinflussen in Senat und Kongress) Politik gemacht wird, zum anderen in Konsequenz  in nur scheinbar umgekehrter Richtung über Investitionen staatlicher Instanzen in die Industrie zumal Waffen- und Kommunikationstechnologien. Das von Lobbyisten betriebene Subventionskarrusel hatten wir schon erwähnt. Als Beispiel verdeutlicht dazu auch die CIA Beteiligung an Facebook sehr schön, was ich meine. Ich möchte ihnen gerne klarmachen , dass das nicht meine Meinung ist, sondern, das was in entsprechenden wirtschafts- und börsenorientierten Publikationen zu finden ist.

 Vielleicht zu ihrer größten Verwirrung muss ich hier also anmerken, dass es mir eben nicht um Kommunismus oder Sozialismus geht, nicht mal um Ethik im Sinne traditionellen Gebrauchs dieser Begriffe. Wenn ich dann Stamokap erwähne, dann ist das natürlich kein "Problem des Sozialismus", wenn Stamokap im Grunde Kapitalismus ist, wie sie ja bestätigen.

Und wenn sie dann sagen: "Wirklichkeit wird nicht ausgedacht und umgesetzt. Die Geschichte geht über jeden derartigen Versuch mit einem Hohnlachen hinweg." .. dann muss ich ihnen leider Realistätsfremdheit bescheinigen oder öden Fatalismus. Die Entscheidungen dieser Welt und Wirklichkeit werden ja nun von Menschen gefällt - selbst wenn es zuweilen Computer Algorithmen tun, werden die ja von Menschen erdacht und bewusst eingesetzt (zB an den  Markplätzen). Die Entscheidungen beziehen sich auf  erdachte Planungen, Strategien, Geschäftsmodelle und persönliche Visionen von Menschen. In diesem Rahmen wurden sogar schon Sachverhalte geschaffen, die einst als Utopien bezeichnet wurden, diese Bezeichnung aber nicht mehr verdienen. Wirklichkeit wird also ausgedacht im Rahmen des menschlich Beeinflussbaren, der sich zunehmend erweitert, und wenn es nur vormals nicht vorhergesehene Nebeneffekte sein sollten. Auslöser dieser Entscheidungswirklichkeit ist in hohem Maße der in ökonomischen Dogmen erstarrte angebliche "Sinn" des kapitalistischen Wirtschaftens. Sie haben in diesem Zusammenhang nicht verstanden, dass die Negierung des Machtpärchens Staat und Markt nicht bedeuteten muss, dass alle Hungers sterben müssen. Im Gegenteil weist genug belegte Historie darauf hin, dass es vor der Verbreitung des kapitalistischen Systems (und bis heute) trotzdem Leben und Gesellschaft ohne Markt(Gewalt) gab und gibt. Und im Gegenteil ist es gerade ihr Argument der Arbeit,  die die destruktiven Tendenzen des  Kapitalismus verdeutlicht. Wo vorher jeder gearbeitet hat, um zu leben, hinterlässt der Kapitalismus nach seinem Exodus nur verbrannte Erde mit zerstörten Gesellschaften und Menschen ohne Arbeit und ohne sozialem Gefüge. Da "hilft" aus Sicht des Kapitals natürlich dann nur noch die faschistisch-totalitäre Variante als Finale. Mahlzeit. 

 "Ich würde mich ja vom Ideal eines vollkommen herrschaftsfreien Urzustandes eher verabschieden. Es ist eine Abstraktion. Mir ist Maßvolle Herrschaft im Namen der Herrschaft lieber als durchgeknallte Herrschaft im Namen der Liebe." sagen an anderer Stelle, wobei "maßvolle Herrschaft " quasi ein Oxymoron ist und dazu eine Art Märchenglaube monarchistischer Provenance zu sein scheint. Und dann wird diese Maß auch noch "im Namen der Herrschaft" angelegt. Ich bitte sie, dass sind devote Wunschträume, während "durchgeknallte Herrschaft im Namen der Liebe" wieder eins ihrer clichee belasteten Vorurteile ist. Wieso "durchgeknallt" und wieso "Liebe"- wovon reden sie da?. Wenn ich persönlich werden darf, sage ich : gerade die Herrschaftspolitik und das "Maßvolle im Namen der Herrschaft" ist selten so "durchgeknallt" gewesen wie heute. Sie selbst sagen ja dass: "die Mehrheit der Menschen in Habens-Kategorien denkt und nicht in Seins-Kategorien lebt." Das wird sich wohl nur auf die herrschende Systematik des Denkens beziehen können, welche als Dogma den Gesellschaftlichen Sinn generiert. Mit anderen Worten geht es nicht darum , ob die Wirtschaft "böse" ist, sondern zum einen darum , dass sie nicht mit ihrem systematischen Machtanspruch allen letztendlich die Lebensgrundlagen raubt und zum anderen, dass eine demokratische nicht hierarchische Lösung zum Wohle der Massen aus Vernunftgründen naheliegt, und keineswegs wegen der Liebe. Wie solchen Lösungen aussehen, vermag keine Utopie vorherzusehen. Komplexe System sind sehr energiereich und dynamisch ( das größte Problem der konservativen Macht) . Wenn man aber nichts mehr zu verlieren hat, werden allerdings  Risiken ganz anders abgewogen. Persönliche Sicherheit ergibt Kapitalismus in heutiger Form eben gerade nicht, wie man deutlich sieht. Und ich rede hier nicht von regionaler Vergangenheit der letzten 30 Jahre, in denen sie sich anscheinend vor allem von den Idelen der anderen verabschiedet haben zugunsten von Brotkrumen unter dem Tisch der hierarchischen Gewaltherrschaft. Nochmal Mahlzeit?

 

und jetzt noch ein paar kleinere Details : 

 Sie fragen "Macht der Akkumulationsbegriff dann wirklich Sinn?" Er macht in sofern Sinn, als das Schulden immer Gläubiger gegenüberstehen. Bei der Verschuldungwelle der jüngsten Zeit handelt es sich also um eine geldwerte Akkumulation von Forderungen. Die Gläubiger sind ein recht kleine Elite , die Schuldner sind die Bevölkerungen. Durch die Verschuldungpolitik der Banken werden die Geldflüsse logisch immer zum Zentrum der Akkumulation gerichtet. Es gibt demgegenüber keinen Grund private Banken nicht pleite gehen zu lassen. Die Geschichte kennt Währungsreformen en masse. Die Finanzlobby hat aber im Moment durch ihren Durchgriff auf die Staaten die Möglichkeit ihr Geldgeschäft zu schützen, das im Grunde das der proprietären Währungen ist. Die akkumulierten Forderungen werden solange es geht zur Privatisierung von Gemeineigentum verwendet. Wenn die Blase platzt, gehen die Eliten als einzige mit Vorteilen daraus hervor. Haupzsatz des Kapitalismus: Die Krise der einen ist das Geschäftsmodell der anderen.

 "Aber immerhin hat man den totalitären Charakter des Kommunismus verstanden". Nein das hat man nicht, sorry. In dem, was man Kommunismus nennt, hat man den totalitären Charakter des Kapitalismus entdeckt und seine Potenz zum Brainwash und zum Feindbild. Wie gesagt sind im Stamokap die Wege kürzer und die Tarnung scheiße. Kommunismus indes ist und bleibt die Basis jeder Gesellschaft. Der Kapitalismus ist die dümmste und ineffektivste Art den natürlichen Kommunismus des Menschen zu verwalten. Jede große Firma ist letztendlich nur durch die unendlich Kooperationsbereitschaft und Freiwilligkeit ihrer Mitarbeiter zu dem geworden was sie ist. 

"Gleichheit" ist eine mathematische Größe. Keine historische." Menschen sind nie gleich. Je unterschiedlicher und individueller sie sich entwickeln können, desto kreativer ist eine Gesellschaft. Der junge Humanismus, der eine Egalität seit 250 Jahren fordert, die wir vorauseilend in schöne Menschenrechte gegossen haben, die keine anwendet, erwägt aus rationalen gründen eine "Gleichheit" in verschiedenen präzisen Bereichen, etwa vor den Gesetz, welche wohl niemand der nicht Rassist ist, negieren würde, welche aber trotzdem nicht existent ist. (Es gibt keinen Kapitalismus ohne Rassismus, sagte MalcomX.) Die selbe Rationalität erweist sich heute statistisch als richtig, wenn wir nachweisen, dass Gesellschaften mit weniger  Wohlstandsgefälle gewaltarmer agieren. Und "historisch" ist Gleichheit in dem Sinne, als dass es zB mehrere gleichverlaufende kapitalistische Zyklen gab und gibt, mehrere kapitalistische Systemvarianten mit recht ähnlichem Ausgang etc. und daher auch mit nahezu gleichen Einzelschicksalen.

"Es hintertreibt niemand Ihre "Demokratie".  Sie ist in dieser radikalen (nicht abwertend gemeint) Form einfach keine reale Größe", sagen sie und ich muss leider darauf bestehen, dass antidemokratisches Engagement zur politischen Tagesordnung gehört … bitte schauen sie sich um. Der historischen Beispiele sind Legion, wenn man sich nur die diversen restaurativen Wellen von Nachrevolutionszeiten anschaut. Die "reele Größe"  der Demokartie liegt schon allein in der bestehenden Forderung,  die mal stärker und mal schwächer ist, aber die ihnen alle die Rechte verschafft hat, auf die sie heute stolz sind.

"Somit gibt es (in der kleinen Sphäre unserer "Weltgeschichte") eigentlich nur zwei Arten von Glaubenssysteme: Solche, die eine zeitlang historisch wirksam sind. Und solche, die es niemals sind. Letztere sind meistens rein und hehr und wirken auf ihre Anhänger wie apriorische Wahrheiten. Erstere sind pragmatisch und eine ewige Tatsache." sagen sie und ich frage sie daher : dieser  Pragmatismus , ist das nicht immer nur Symptombekämpfung ,  Schadensverminderung, Probleme mit Lösungen bekämpfen, die neue Probleme hervorbringen? Pragmatismus ist im zweifels Falle immer der der wenigen und für den Rest, sie und mich, der kürzeste Weg zum Untergang. Probleme aber behebt man ernsthaft immer nur indem man das Denkmodell verlässt. 

 

tlacuache 05.01.2013 | 04:32

Ich mach' das jetzt mal so in Halbsätzen.

A.K.:

"Ich finde, vielleicht wird es Sie überraschen, so eine Staatsform wie im Iran ganz spannend. Allerdings mit internetbasierter Basisdemokratie auf der weltlichen Seite. Der Iran ist halb weltlich und halb geistlich und das finde ich ganz schick.

Die Bürger wählen ein Parlament, aus dem die Regierung hervorgeht etc. Allerdings ist das Staatsoberhaupt immer ein Geistlicher. Somit ist das Land keine leere Hülle ohne Sinn und Richtung und dem lobbyistischen Raubzug nicht hilflos ausgeliefert - weil eben weil da eine legitimes "Njet" von außerhalb des politischen Betriebes formuliert werden kann. Aus dem gleichen Grund kann so eine "Theodemokratie" oder, besser, "Spiritodemokratie"  nicht durch die die Hintertür zur einer Rückversicherungsgesellschaft für Kapitalinteressen umgebaut werden, wie das in der deutschen und europäischen Demokratie gerade der Fall ist."

Alles klar, oder?

Frohes neues...

Konfuzikuntz 05.01.2013 | 07:10

Lieber Herr Kunz

Lieber Herr Idog,

ich bin nicht sicher ob sie wissen was sie mir da alles schreiben.

Ich halte mich nicht für omniskient. Sie? Ansonsten: Ja.

Ich kann mir aber vorstellen, sie neigen dazu davon auszugehen. 
Selbstverständlich.

 Ich komme auf diesen Gedanken, weil sie es nicht schaffen auf die kausalen Zusammenhänge meiner Aussage als solche einzugehen -

Stellen Sie die doch mal in einem eigenen Blog dar statt in meinem Kommentarbereich zum Zeitungssterben.... Wie wär´s? :)

manche erkennen sie vielleicht auch nicht als solche, also als zu lesenden Text , denn ein solcher ist es, der zu ihnen spricht, und nicht eine von ihnen imaginierte Person mit wohlmöglich imaginierten Eigenschaften. 

Zugegeben, mein Erleben ist symbolhaft. Es riecht nach roter Fahne, was Sie schreiben, und da schnappe ich eben ein. :)

Ihr braucht ein Rebranding. Die Marke ist hoffnungslos versaut. Das nimmt keiner mehr Ernst.

Wobei Sie mich auf der anderen Seite ja für so restlos verblödet nicht zu halten scheinen, sonst würden Sie sich nicht die Mühe machen... :)

 Sie gehen auf Einzelaussagen und Halbsätze ein. Gewöhnlich drückt diese Salamitechnik eine gewisse Ratlosigkeit aus.

Das stimmt. Ich hätte Ihnen auch einfach mein Weltbild an den Kopf werfen können. Und wenn Sie dann so freundlich sind, darauf zu antworten und - entsetzt über den Umfang und die Allvollkommenheit - sich Schritt für Schritt durcharbeiten, werfe ich Ihnen eine Salamitaktik vor.

Sie habe also keinen eindeutigen  Entwurf als solchen zur Hand

Doch. Meine Philosophie, die Spinoza, Plotin, Laotse, Heraklit und Spengler (sowie noch einige mindere Geister) verbindet, ist seit Silvester fertig. Und sie ist allumfassend.

mit dem sie antworten könnten, unter anderem um eventuell zu polarisieren, relativieren oder einfach nur um ihre vorigen Aussagen zu verteidigen.

Würde ich nie machen.

Und damit sie mich nicht falsch verstehen, ich will sie ja nicht überzeugen.

Nein? Aber ich Sie!

Das muss jeder selber machen. 

Eben.

 Sie reden hier in diesem Thread über Utopien, Kultur, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft im allgemeinen, über Kapitalismus, Kommunismus, Sozialismus, Kulturrevolutionen, Sozialabbau, Linke , Rechte, Humanismus, über einzelne historischen Figuren bis zu Banalitäten wie Mac Donalds, um den Kreis zu schließen, aber sie schreiben dazu gleichzeitig: "Mich interessiert irdische Verteilungs- und Produktionsfragen nur sehr nachgeordnet" 

Daran sehen Sie die Tiefe und zugleich Weite meines Denkens. Es existiert nur Gott. Und innendrin entfaltet sich das Konzert der unendlichen Möglichkeiten. Im Kern: grenzenloses Eins-Sein.

 Wenn das wirklich so ist, sollten sie sich nicht zu politischen Debatten hinreißen lassen oder sogar Debatten mit politischem Kontext anschieben

Da ist etwas dran. Würde mir das ein frommer Mönch sagen - er hätte Recht. Aber nicht weil ich ein Marxistenfresser bin. Sondern weil man in dem Moment, wo man beispielsweise linken Antisemitismus decodiert (was ich nebenan mal gemacht habe) - sich mit Dingen unterhalb des Höchsten abgibt. Und dafür ist dieses, das eigentliche Dasein eigentlich zu schade. Allerdings sollte man eben schon darauf achten, dass nicht Jakobiner und Bolschewisten das Klösterchen plündern und einen Traktor in den Tempel stellen wollen. Wenn die kommen, schnell bei Pinochet anrufen. ;)

denn der wird wohl ohne "Verteilungs- und Produktionsfragen" nicht zustande und auskommen können.

Doch. Weil ich Platonist bin. Mich ich mich für Formenwelten interessiere. Nicht für irgendein "Sollen". Ich präferiere nichts.

Sie kommen mir dabei vor als würden sie einfach gerne mal unangenehme Fragen stellen.

Aber Hallo. Das ist wie ein Spiel. Man kann nicht den ganzen Tag Philosophie betreiben. Es lenkt ab und macht Spaß. Die einzigen meiner Blogs, die wirklich ernst gemeint sind, sind die spirituellen. Der Rest ist "Abwehrprovokation". Wenn ich mal richtig einen im Tee habe (was selten vorkommt), habe ich immer vor der Stasi Angst.

Aber dies nur weil sie die Antwort schön zu wissen meinen.

Wie gesagt.

Falls andere Antworten eintrudeln, kommen sie etwas ins schwimmen oder interessieren sich nur "nachgeordnet".

Zugegeben.

Sie versuchen die von mit angebotene Ernsthaftigkeit der Betrachtung abperlen zu lassen, denn sie ist anstrengend.

Auch da ist was dran. Allerdings halte ich den Kern Ihres Denkens, diesen kryptodemokratischen Naturzustand materialistischer Lesart - und da bin ich ebenso ehrlich - für Wahnsinn und im Grunde nicht diskutabel. Und offensichtlich auch nicht diskutierbar. Sie rekurrieren wie eine springende Schallplatte immer wieder darauf. Daher mein Unterton. In einer nichtmaterialistischen, spirituellen Lesart würde ich da sogar drauf eingehen. Aber was Ihnen da vorschwebt ist eben nicht der funktionierende (!) Ora-et-Labora-"Sozialismus" eines Benediktinerklosters - ohne Geld! - sondern eher der Traum eines atheistischen oder agnostischen Städters vom Lande.

 Sie sehen, ich spiegele jetzt ihre Salamitechnik ein wenig , aber dann doch nicht richtig.

Kein Ding, ich ziehe sie dafür durch. ;)

Ich möchte sie damit nur wissen lassen, dass ihre Bemühungen auf diese Art unfruchtbar bleiben müssen, weil sie widersprüchlich und nicht kreativ sind.
Ich bemühe mich doch gar nicht.

 Es ist nicht so, als wenn ich nicht verstehen könnte warum sie so reagieren. Ich halte es für eine Schutzfunktion.

Ja. Weil Religion kein "Opium fürs Volk" ist. Ich schätze sogar  einen spirituell musikalischen Freudomarxisten (!) wie Erich Fromm. siehe oben. Aber keine Bolschewiken, die das Klösterchen angreifen. Schauen Sie mal, wie wunderbar das jetzt in Russland wieder mit der orthodoxen Kirche funktioniert. 

Sie unterschätzen mich wirklich, wenn Sie mich für ein Nadelstreifenmännchen mit dem Horizont eines Steuerberaters halten. Ich verstehe Ihren Naturzustand schon. Er ist aber nicht durch materialistisches Denken zu erreichen, sondern durch spirituelles Sein. Man schwöre allem, was mit Karl Marx, Gegeneinander, der Erklärung des Mitbürgers zum Klassenkampfverbrecher, Opium fürs Volk, "historischem Materialismus" usw. ab - und findet sofort meine Zustimmung. Macht man das nicht. Dann eben nicht. Mit Kuba und Nordkorea wird die Geschichte dieses Blödsinns irgendwann geschrieben sein - und es werden spirituelle Evolutionen geben. Man will sich dann organisch hin zum Vorbild Bhutan entwickeln (das Maos rote Friedensheere Gott sei Dank in Ruhe gelassen haben), aber nicht aus dem Dreck den Himmel entstehen lassen. Und sich dann wundern, dass das sich nicht geht.

Aber solange man mich mit etwas konfrontiert, dessen materialistisch-dogmatische Prämissen ich schon ablehne...

Sollte es Gründe geben sich von etwas zu Überzeugen, das man bislang nur in abgelehnten Kategorien verschubladet hatte?

Ja. Ich will aus New York nicht Utopia, sondern nach Buthan - und man bietet mir die Denkfehler an, die nach Nordkorea geführt haben... :)

 

Bewahre, der Sinn ist immer der kleinste gemeinsame Nenner einer Gesellschaft, der Konformismus seiner Zeit, das akute Dogma der aktuell herrschenden Klasse.

MÖÖÖÖP.

 

 Sie schreiben: "Die Frage ist, ob Sie sich vorstellen können, dass jemand anders denkt als sie. Ich hänge keinem hierarchischen Prinzip ideologisch an. Sondern dem Harmonieprinzip". Ich kann ihnen versichern, dass ich von einem allgemeinen Dissens ausgehe, von einer Kompetenz der Individualisierung des menschlichen Daseins und Denkens, die gerade in dieser Potenz zu Formen der Selbstverantwortung und des Selbstbewusstseins und daher auf gesellschaftlicher Ebene zur Demokratie befähigen.

Jetzt verstehe ich, warum Sie dieser Beitrag jenseits des Thema Zeitungsmarkt doch so beschäftigt. Weil solche Leute wie ich nicht zu wissen scheine, ob sie eine derart platte Anthropologie nun eher auslachen oder ausbessern sollen...

 

bzw gegenteiligen Sinne geht es eben nicht um ein "hierarchisches Prinzip" , dem man "anhängen" könnte , sondern um eine faktische Praxis der Hierarchie, der wir unterworfen sind - alle - auch die vermeintlichen Macht- und Funktionseliten.

Gähn.

Sie verwechseln hier soziologische Tatbestände, die durchaus wissenschaftlich erforscht sind, mit Ideologie. Sie können erforschen, was Sie wollen und mir 10.000 Seiten Empirie schicken. Es kommt auf die vorsichtige Harmonisierung des strömenden Dasein an. Nicht darauf, sich an Begriffen abzuarbeiten.

Was das "Harmonieprinzip" indes ist, wollen sie erst gar nicht verraten.

Nein. Weil Sie mir dann vorwerfen würden, zirkulär zu argumentieren. Man macht das Absolute nicht zur Konlusio irgendwelcher Prämissen. Bei interesse am Thema Harmonie strömender Welten vielleicht mal Francois Jullien lesen. Der ist ein sehr feiner Denker auf dem ost-westlichen Diwan und doch ein weltzugewandter "Realist". Hat sogar ein hochintelligentes Strategie-Traktat geschrieben.

Zwei Sätze weiter behaupten sie dann . "Nein. In meiner Begriffswelt gibt es keine Harmonie". 

Wirklich?  http://de.wikipedia.org/wiki/Coincidentia_oppositorum.

 

Sie werden sich wundern, aber ich gehe genau wie sie von  Tatbeständen aus. Ich versuche dabei eben nicht gläubig zu sein.

Sind Sie aber . Etwas für wahr und richtig halten ist "Glaube". Das hat mit "Religion" etc. erst einmal gar nichts zu tun. Rösler und Westerwelle glauben auch an irgendwas."Belief" ist ein neutraleres Wort. Und es zieht ein Akkusativobjekt nach sich. Das man für wahrscheinlich halten kann, für offensichtlich, für "kausal" bewiesen oder für das Eine...

Das heisst ich versuche den Sachverhalt zu studieren.

Keine Frage!

Ob Sie Ihre Wahrnehmung auf zu niedrige Seinsebenen zu tief stapeln, dafür aber inniedrig unterwegs sind, dafür Ein schönes Beispiel dazu ist die Stamokap Tendenz. Dazu kann man sich zB. die Ämterverteilung im Weißen Haus ansehen. Dabei lernst man , dass diese Belegschaft schon seit einigen Präsidenten, egal ob "Demokraten" oder "Republikaner", immer Manager der Großbanken der Wallstreet sind.

Stimmt. Nicht jede Sekretärin. Aber auch wichtigen Posten: Allgemeine Zustimmung.

Auch in Europäischen Regierungen sitzen diese "Abgeordneten" zum Teil bis hinunter in die Regionalregierungen. Alle Großbanken betreiben übrigens diese Mandatspolitik mit Leidenschaft und Erfolg.  Forschen Sie mal nach.

Spiegel-Leser wissen mehr. ;)

Damit sind wir zum einen bei besagter Faschismusdefinition von Mussolini - und die habe ich im Kontext meine Kommentars ja durchaus gebracht. Sie definiert Faschismus als den Schulterschluss von Industrie und Staat.

Und was ist daran falsch? Zusammenleben braucht Verwaltung, braucht Produktion von Gütern.

Und auf ihre etwas sinnlose Frage, da ich genau das schrieb, ob denn HP oder Morgan Stanley mit dem US-Staat verschmolzen sind, kann ich nur bestätigen, dass dies so ist.

:)

Die eindeutigen Tendenzen sind einerseits über die direkten Beteiligungen der Großindustrie an den Großbanken ersichtlich, über deren Mandatsträger im Weissen Haus ( neben den Lobbyeinflussen in Senat und Kongress) Politik gemacht wird, zum anderen in Konsequenz  in nur scheinbar umgekehrter Richtung über Investitionen staatlicher Instanzen in die Industrie zumal Waffen- und Kommunikationstechnologien. Das von Lobbyisten betriebene Subventionskarrusel hatten wir schon erwähnt. Als Beispiel verdeutlicht dazu auch die CIA Beteiligung an Facebook sehr schön, was ich meine. Ich möchte ihnen gerne klarmachen , dass das nicht meine Meinung ist, sondern, das was in entsprechenden wirtschafts- und börsenorientierten Publikationen zu finden ist.

Kein Widerspruch - man kann sich in der Tat fragen, wieviel (oder wie wenig) daran Demokratie ist - aber ist das Faschismus? Kein Unterschied Mussolinis Italien? Wenn jetzt die gute Fee  erscheint und Sie fragt, ob Sie
(a) 1925 in Mussolinis Rom
(b) 1935 in Stalins Moskau oder
(c) 1995 in Wallsteets New York landen wollen

- wäre Ihre Antwort wirklich Ist mir egal! Herrschaft ist Herrschaft!

Verlangt ein Weltbild nicht auch ein paar Grade?

Vielleicht zu ihrer größten Verwirrung muss ich hier also anmerken, dass es mir eben nicht um Kommunismus oder Sozialismus geht, nicht mal um Ethik im Sinne traditionellen Gebrauchs dieser Begriffe. Wenn ich dann Stamokap erwähne, dann ist das natürlich kein "Problem des Sozialismus", wenn Stamokap im Grunde Kapitalismus ist, wie sie ja bestätigen.

Warum werden Sie kein Kommunitarist?

Und wenn sie dann sagen: "Wirklichkeit wird nicht ausgedacht und umgesetzt. Die Geschichte geht über jeden derartigen Versuch mit einem Hohnlachen hinweg." .. dann muss ich ihnen leider Realistätsfremdheit bescheinigen oder öden Fatalismus.

Fein.

Die Entscheidungen dieser Welt und Wirklichkeit werden ja nun von Menschen gefällt.

Nein - definitiv nicht. Das ist eine Illusion. Und was ich hier gerade schreibe vollkommen Ernst gemeint. Es ist nicht so, dass Sie "hier" wären und der Rest der Welt "dort." Es gibt nur das Eine... Die Dinge laufen ganz von selbst ab. Der Freie Wille ist nur ein Gefühl. Hamonie bewirken ist nichts, was man planvoll machen könnte. Es gibt nur Eins-Sein... "

Es ist im Grunde alles OK! :) Innendrin ist das Dasein reine Liebe. Deus caritas est...  Wenn Sie sich für ein losgelöstes, begrenztes, gar "sterbliches" Wesen halten, dass "sich selbst" gehört und die Dinge analysieren, kritisch "ausandernehmen" kann - werden Sie nie etwas erreichen. Nicht weil die Motivation nicht verständlich wäre. Sonders weil Sie um die Dimension der Ewigkeit falsch liegen. Die Menschen sollen nicht soviel nachdenken, was Sie tun sollen. Sie sollen darüber nachdenken, was Sie sind" (Meister Eckhart). Sein, nicht Haben!
Analysierbar, planbar, steuerbar, der Kommunismus - Reden wir nicht mehr drüber! Was Ihnen da vorschwebt, ist tatsächlich real - aber nur als KONSEQUENZ des Daseins an sich. Und dieses kann "man" sich nur einfügen. Und einfühlen. Man versteht die Beschaffenheit der Dinge entweder intuitiv - erlebenshaft - oder überhaupt nicht. Ob metaphysische Schau, riesiges Naturerleben oder LSD ist eigentlich egal - aber es sollte mehr sein als "Sozialkritik"... Denken ist überhaupt nicht von Belang. In Ihrem Naturzustand - soll da gefühlt werden oder gedacht? Also - zurück zum Eigentlichen. Aber das ist keine Sozialstatistik, sondern DAS SEIN AN SICH. Und dieses hat klar erkennbare Eigenschaften.

selbst wenn es zuweilen Computer Algorithmen tun, werden die ja von Menschen erdacht und bewusst eingesetzt (zB an den  Markplätzen). Die Entscheidungen beziehen sich auf  erdachte Planungen, Strategien, Geschäftsmodelle und persönliche Visionen von Menschen. In diesem Rahmen wurden sogar schon Sachverhalte geschaffen, die einst als Utopien bezeichnet wurden, diese Bezeichnung aber nicht mehr verdienen. Wirklichkeit wird also ausgedacht im Rahmen des menschlich Beeinflussbaren, der sich zunehmend erweitert, und wenn es nur vormals nicht vorhergesehene Nebeneffekte sein sollten.

Die "Wirklichkeit" diese putzig vorbeihuschenden kleinen Welt ist allenfalls ein "Gedanke" Gottes. Aber definitiv kein Gedanke in Ihrem Kopf. Oder einem anderen. Es lässt sich das "Gute" auch nicht anstreben - und dann arretieren. (Obrigkeit benötigt?) Es besteht ja von Natur aus. Es liegt mir folgender Satz auf der Zunge: Ich finde an Ihrem Wollen alles Richtig: und an Ihrem Weltbild alles falsch. ;)

Auslöser dieser Entscheidungswirklichkeit ist in hohem Maße der in ökonomischen Dogmen erstarrte angebliche "Sinn" des kapitalistischen Wirtschaftens.

Nein, der metaphysischen Ignoranz derjenigen, die etwas "anders" machen wollen.

Sie haben in diesem Zusammenhang nicht verstanden, dass die Negierung des Machtpärchens Staat und Markt nicht bedeuteten muss, dass alle Hungers sterben müssen.

Eins-Sein! Und damit meine ich nicht Stamokap! ;)

Das Leben auf diesem Planeten ist nicht von Belang für uns, weil es alles ist - sondern weil es nichts ist. Wenn man das mal kapiert hat, ist man viel entspannter. Sorry, ich gehe wirklich nicht so wirklich auf das ein, was Sie schreiben. Aber es ist - und das nicht abwertend gemeint - einfach zu weit unter dem, was ich sehe.

Im Gegenteil weist genug belegte Historie darauf hin, dass es vor der Verbreitung des kapitalistischen Systems (und bis heute) trotzdem Leben und Gesellschaft ohne Markt(Gewalt) gab und gibt.

Klar. Manche Inseln, auf denen Kolumbus landete, waren ein Paradies.

Und im Gegenteil ist es gerade ihr Argument der Arbeit,  die die destruktiven Tendenzen des  Kapitalismus verdeutlicht. Wo vorher jeder gearbeitet hat, um zu leben, hinterlässt der Kapitalismus nach seinem Exodus nur verbrannte Erde mit zerstörten Gesellschaften und Menschen ohne Arbeit und ohne sozialem Gefüge. Da "hilft" aus Sicht des Kapitals natürlich dann nur noch die faschistisch-totalitäre Variante als Finale. Mahlzeit. 

Ob das Kapital eine "Sicht" hat? Ob da vielleicht eine kleine historische Weltgeschichte "abläuft" wie die Verschiebung von Kontinentalplatten? Ob der Sinn einen Ort hat?

 "Ich würde mich ja vom Ideal eines vollkommen herrschaftsfreien Urzustandes eher verabschieden. Es ist eine Abstraktion. Mir ist Maßvolle Herrschaft im Namen der Herrschaft lieber als durchgeknallte Herrschaft im Namen der Liebe." sagen an anderer Stelle, wobei "maßvolle Herrschaft " quasi ein Oxymoron ist

Der König von Bhutan...? Keine graduellen Abstufungen? Alles Stalin?

und dazu eine Art Märchenglaube monarchistischer Provenance zu sein scheint.

Ob es ein Märchen ist, dass sich die Hinrichtungen (und Mordaktionen!) der Boschewiki zu denen des zaristischen Russland etwa so verhalten wie eines T Rex im Blutrausch im Vergleich zu den Schandtaten einer verfressenen Hauskatze?

Was soll ich denn schreiben auf Ihre Ideen? Das wirtschaftliche Denken halte ich für bedeutungslos oder bestensfalls von nachgeordnetem Belang? Den materialistisch-rationalistischen Denkfehler der historischen Kommunisten haben Sie aus meiner Sicht 1:1 beibehalten - sehen allerdings zumindest die Konsequenzen...

Und dann wird diese Maß auch noch "im Namen der Herrschaft" angelegt. Ich bitte sie, dass sind devote Wunschträume, während "durchgeknallte Herrschaft im Namen der Liebe" wieder eins ihrer clichee belasteten Vorurteile ist. Wieso "durchgeknallt" und wieso "Liebe"- wovon reden sie da?.

Mielke. Ich liebe doch alle Menschen...

Wenn ich persönlich werden darf, sage ich : gerade die Herrschaftspolitik und das "Maßvolle im Namen der Herrschaft" ist selten so "durchgeknallt" gewesen wie heute.

Bei uns stimmt das. Im Harmonieland (jene Teile Asiens, die am wenigsten in Berührung mit westlichen Materialismen kamen) würde ich eher widersprechen.

Sie selbst sagen ja dass: "die Mehrheit der Menschen in Habens-Kategorien denkt und nicht in Seins-Kategorien lebt."

Was auch Sie auch zutrifft. Sie haben zwar ein nicht-materialistisches Ziel vor Augen. Aber Sie können sich nur die rationalistisch betriebene Aufhebung des Materialismus vorstellen - zugunsten von Nichts. Da ist ein riesiges Loch in ihrem Denken. Goldman Sachs im Weißen Haus - Urzustand - und ein riesengroßes Fragezeichen dazwischen. Die Antwort steht aber nicht bei Karl Marx und seinen Mümmelmännern. Die Antwort steht bei mir.

Das wird sich wohl nur auf die herrschende Systematik des Denkens beziehen können, welche als Dogma den Gesellschaftlichen Sinn generiert. Mit anderen Worten geht es nicht darum , ob die Wirtschaft "böse" ist, sondern zum einen darum , dass sie nicht mit ihrem systematischen Machtanspruch allen letztendlich die Lebensgrundlagen raubt und zum anderen, dass eine demokratische nicht hierarchische Lösung zum Wohle der Massen aus Vernunftgründen naheliegt, und keineswegs wegen der Liebe.

Klingen meine Texte über die Liebe unvernünftig? :)

Wie solchen Lösungen aussehen, vermag keine Utopie vorherzusehen. Komplexe System sind sehr energiereich und dynamisch ( das größte Problem der konservativen Macht) . Wenn man aber nichts mehr zu verlieren hat, werden allerdings  Risiken ganz anders abgewogen. Persönliche Sicherheit ergibt Kapitalismus in heutiger Form eben gerade nicht, wie man deutlich sieht. Und ich rede hier nicht von regionaler Vergangenheit der letzten 30 Jahre, in denen sie sich anscheinend vor allem von den Idelen der anderen verabschiedet haben zugunsten von Brotkrumen unter dem Tisch der hierarchischen Gewaltherrschaft. Nochmal Mahlzeit?

Jaja, ich habe die Blauen auch mal positiver gesehen. Aber zum Roten werde ich nicht deswegen trotzdem nicht. Dazu fehlt es da einfach an Esprit.

 

und jetzt noch ein paar kleinere Details : 

Haupzsatz des Kapitalismus: Die Krise der einen ist das Geschäftsmodell der anderen.

Ora et labora?

 "Aber immerhin hat man den totalitären Charakter des Kommunismus verstanden". Nein das hat man nicht, sorry. In dem, was man Kommunismus nennt, hat man den totalitären Charakter des Kapitalismus entdeckt und seine Potenz zum Brainwash und zum Feindbild. Wie gesagt sind im Stamokap die Wege kürzer und die Tarnung scheiße.

Tja.

Kommunismus indes ist und bleibt die Basis jeder Gesellschaft.

Der Kapitalismus ist die dümmste und ineffektivste Art den natürlichen Kommunismus des Menschen zu verwalten. Jede große Firma ist letztendlich nur durch die unendlich Kooperationsbereitschaft und Freiwilligkeit ihrer Mitarbeiter zu dem geworden was sie ist. 

Aha. Das klingt viel besser als die Idiotie der Marxisten, den Firmengründer zum Klassenkampfverbrecher zu ernennen. Der natürliche, nicht-pekuniär orientierte Geist eines natürlich gewachsenen Kollektivs... Es klingt fast wie Oswald Spengler.

"Gleichheit" ist eine mathematische Größe. Keine historische." Menschen sind nie gleich. Je unterschiedlicher und individueller sie sich entwickeln können, desto kreativer ist eine Gesellschaft. Der junge Humanismus, der eine Egalität seit 250 Jahren fordert, die wir vorauseilend in schöne Menschenrechte gegossen haben, die keine anwendet, erwägt aus rationalen gründen eine "Gleichheit" in verschiedenen präzisen Bereichen, etwa vor den Gesetz, welche wohl niemand der nicht Rassist ist, negieren würde, welche aber trotzdem nicht existent ist. (Es gibt keinen Kapitalismus ohne Rassismus, sagte MalcomX.)

Rassismus ist Diskriminierung. Diskriminierung ist Unterscheidung. Wer Klassenkampf betreibt, unterscheidet auch zwischen Menschen und verstößt gegen die Gesetze des Einen...

HIERUM GEHT ES. WENN MAN DAS VERSTEHT, LÖSEN SICH WIRTSCHAFTLICHE "PROBLEME" IN WOHLGEFALLEN AUF.

Die selbe Rationalität erweist sich heute statistisch als richtig, wenn wir nachweisen, dass Gesellschaften mit weniger  Wohlstandsgefälle gewaltarmer agieren.

Zustimmung.

Und "historisch" ist Gleichheit in dem Sinne, als dass es zB mehrere gleichverlaufende kapitalistische Zyklen gab und gibt, mehrere kapitalistische Systemvarianten mit recht ähnlichem Ausgang etc. und daher auch mit nahezu gleichen Einzelschicksalen.

Wie gesagt: Die Nicht-Trennung erst denken und dann sein... :)

"Es hintertreibt niemand Ihre "Demokratie".  Sie ist in dieser radikalen (nicht abwertend gemeint) Form einfach keine reale Größe", sagen sie und ich muss leider darauf bestehen, dass antidemokratisches Engagement zur politischen Tagesordnung gehört … bitte schauen sie sich um. Der historischen Beispiele sind Legion, wenn man sich nur die diversen restaurativen Wellen von Nachrevolutionszeiten anschaut.

Weil Revolution Dreck ist. Evolution! Spirituelle Evolution. Nichts anderes ist die Wirklichkeit. Die kleinen "Reaktionen" sind doch gar nichts anderes, als wieder - relative - Harmonie herzustellen. Als die atheistische Mordbande der Jakobiner verurteilt und der Warlord Napoleon in der Verbannung war, war Frankreich wieder Frankreich. Ich argumentiere nicht für das das ancien regime. Aber eine kann extrem sinnvoll sein und dem Land Ruhe bringen. Wobei das ja alles elende realpolitische Fragen unterhalb utopischen Reinheitsstrebens sind...

"Somit gibt es (in der kleinen Sphäre unserer "Weltgeschichte") eigentlich nur zwei Arten von Glaubenssysteme: Solche, die eine zeitlang historisch wirksam sind. Und solche, die es niemals sind. Letztere sind meistens rein und hehr und wirken auf ihre Anhänger wie apriorische Wahrheiten. Erstere sind pragmatisch und eine ewige Tatsache." sagen sie und ich frage sie daher : dieser  Pragmatismus , ist das nicht immer nur Symptombekämpfung ,  Schadensverminderung, Probleme mit Lösungen bekämpfen, die neue Probleme hervorbringen?

Natürlich. Politik ist vollkommen sinnlos. Aber das ist Politik. Sie ist teil des nicht-reinen Eins-Seins... Da kommen Grautöne vor. Das Absolute ist der liebe Gott.

Im Grunde gefällt mir Ihre "idealistische Sturheit". Wenn Sie sich lange genug der politischen Träumerei hingegeben haben, wenden Sie den Blick zu den Sternen.

Im Grunde Pragmatismus ist im zweifels Falle immer der der wenigen und für den Rest, sie und mich, der kürzeste Weg zum Untergang.

Wie wollen Sie denn untergehen? Sie sind eine Facette des ewigen Seins... (und selbst dieser Satz ist in gewisserweise rassistisch und "diskriminierend", weil er trennt und unterscheidet... Es gibt nur das Eine.

Probleme aber behebt man ernsthaft immer nur indem man das Denkmodell verlässt.

Was für Probleme? Richten Sie den Blick doch einmal auf die ewige Liebe. :)

tlacuache 05.01.2013 | 08:42

..."Natürlich. Politik ist vollkommen sinnlos. Aber das ist Politik. Sie ist teil des nicht-reinen Eins-Seins... Da kommen Grautöne vor. Das Absolute ist der liebe Gott"...

Tralala, grautöne erscheinen mir bei menschlichen kulturellen Konstruktionen wie absolutistische Gottheiten...

http://www.youtube.com/watch?v=1hKBNDdQ2g0

Wir stammen schon vom Affen ab, oder?

Darvin war schon ein Klopapierscheisser, der Elende...

iDog 05.01.2013 | 15:45

Lieber Herr Kuntz, dafür dass sie sich hier für eine allumfassende göttliche Liebe aussprechen, für eine Harmonie des all-eins in spirituellem Sinn, treten sie relativ aggressiv, respektlos und zynisch, ja unseriös auf. Ich frage mich wie sie dass mit ihrer Wirklichkeit bzw. ihrer persönlichen Interpretation derselben verbinden. 

 Realität und so genannte Wahrheit erweist sich so als durchaus subjektiv, als persönliches Handlungsmuster. Ihren Anspruch auf Allgemeingültigkeit, den sie anderweitig vehement ablehnten, kann ich nur zur Kenntnis nehmen genau so wie ihren damit verbundenen Standpunkt des Darüberstehens. Ich kann diesen sogar verstehen wenn auch nicht teilen, frage mich aber einerseits, was sie hier eigentlich treiben und wie es bezüglich ihres "Weltbildes" überhaupt zu solch einem banalen Artikel mit ebenso banalen Behauptungen kommen kann wie zu dem, den sie initial präsentiert haben, … andererseits ob ihre Überheblichkeit nicht doch einfach eine persönliche Maßnahme der Selbstversicherung bleiben muss, ein Akt der aus dem Defizit geborenen Verzweiflung, der, weil sich angeblich all-eins dank Gottes Liebe so fügen wird wie es muss, sie selbst dann als solcherart konsequent inpotenter Betrachter jeglicher Verantwortung enthebt. Ihr behauptetes Verstehen soll sie vielleicht davor schützen, dass es keinen wie auch immer gearteten "Sinn" gibt. Zumindest mir ist keiner bekannt und darin unterscheiden sich wohl in erster Linie unsere Weltbilder. 

 Sie setzen an der allerletzten Stelle hinter dem Komma einfach Gott ein, wenn ich so sagen darf. Ich enthalte mich dieser Prothese und favorisiere aus einem sehr konkreten Grund das Konzept des freien Willens. Der Grund ist der nachweislich psychopathische Machtanspruch der aus genau diesem Konzept hervorgeht. Das Paradox (bei ihnen vielleicht Disharmonie ?) ergibt sich dann, wenn dieser willensbasierte Anspruch die Kraft entwickelt das eigne Konzept des freien Willen negierend zu überlagern durch ein Denkmodell der Vorherbestimmung, des genetisch Gewollten, Gottgewollten etc. Die meisten Menschen sind aber keine Psychopathen - gottgewollt, würden sie vielleicht meinen - und werden so zwangsläufig zu Opfern zB. und gegebenenfalls eines behaupteten Gottes, wenn sie sich dieser Anmaßung widersetzen … oder sowieso. 

 Hierarchie und ihre Mechanismen sollte man immer von zwei Seiten betrachten können. Wer allerdings von einem höchsten Absoluten meint auszugehen müssen, muss diesbezüglich blind bleiben. Und so ergibt sich nicht nur bei ihnen der Eindruck, ich habe noch Chancen mich dereinst "den Sternen hinzugeben" - sie implizieren, dass sie dies bereits tun, sondern auch ich sehe eine Chance für sie, sich der irdischen Verantwortung jedes einzelnen für das Sein und die Liebe (der anderen) zu stellen, wenn sie von den Sternen zurück sind und ihre Überheblichkeit mit Demut ersetzt haben werden. 

 Ich stimme ihnen übrigens darin zu, dass es nur das "eine" , wie sie es nennen, gibt. Halte dies aber für ein Konstrukt des menschlichen Unterbewusstseins. Der Mensch hat seine bewusste Verbindung zu genau diesem Einen gerade durch dogmatische Denken verloren. Eine Besinnung dessen wird in Linien sichtbar, die sich intellektuell und nur zB. etwa von Thomas von Aquin bis Heisenberg oder Sheldrake ziehen mögen. Ein blinder Glaube bleibt aber Opfergläubigkeit. 

 Den aktiven Handlungsumfang menschlicher Ansprüche möchten sie lieber nur einseitig negieren. Sie reden vom Harmonisierungsbestreben bei so genannten humanistischen Reaktionen, Ansprüchen und Bewegungen, vergessen aber vielleicht bezeichnenderweise den hyperaktivistischen, psychopathischen und aggressiven Handlungsraum der Disharmonisierung. Und dabei ist es eigentlich egal, als was wir das "Eine" nun definieren. 

 In sofern irren sie, wenn sie davon ausgehen, ich würde materialistisch gegen Materialismus argumentieren. Wenn ich mich ihrerTerminologie bediente, müsste ich sagen, dass mir die Harmonisierung sehr am Herzen liegt, dass ich aber keine Indizien dafür erkennen kann, wie diese ohne ein bewusstes Erkennen, Entscheiden und Handeln des Menschen selbst möglich sein soll. 

 Zum Schluss gehe ich davon aus, dass sie sich genau wie ich hier in diesem Gedankenaustausch befinden, weil sie polarisierende Debatten interessanter und anregender empfinden als konformistischen Konsens. In diesem Sinne bedanke ich mich für ihre unseriösen smilies, ihre Begriffsclichees, ihre Orthodoxievorwürfe, ihren Dogmatismus, ihr "MÖÖÖPS" und ihr despektierliches Gähnen. All dies hilft einem die eigenen Gedanken zu sortieren. 

 Da wir aber augenscheinlich Lichtjahre voneinander entfernt sind und dennoch auf der selben Stelle herumtrampeln, grüße ich sie und beende meine Kommentierung in diesem Thread. Ich werde ein eventuelle Antwort ihrerseits zu diesem Kommentar jedoch bestimmt noch lesen und räume ihnen hiermit das letzt Wort zu unserem Austausch ein. 

miauxx 05.01.2013 | 20:03

Das war schon lange verständlich!Aber ich frage dagegen, ob Sie meinen Kommentar 02.01.2013 | 18:08 wirklich gelesen haben. Es reicht eigentlich der erste Absatz, um klar zu machen, dass ich Sie verstanden habe und darauf eingehe.

Mein Problem ist die von Ihnen gesetzte Prämisse, "linke" Zeitungen gingen unter, weil sie eben auf ihre, zu erwartende, Weise filtern und das eine konservative Mehrheit nicht (mehr) goutiere. An dieser Feststellung wäre an sich nichts auszusetzen, ein solches Szenario ist alles andere als realitätsfern.

Da Sie aber, trotz ihrer Überzeichnung des "Linken", nicht in irgendeine Zukunft hineinrufen, sondern sich ja auf eine konkrete gegenwärtige Situation beziehen  ("Zeitungskrise"), müsste schon ein bisschen mehr Fleisch an ihre Ausführungen. Wer sind diese "linken" Zeitungen? Und: Warum gibt es sie überhaupt (noch)? Für wirklich linke Zeitungen dürfte sich nicht plötzlich viel geändert haben. Denen läuft nicht plötzlich eine konservative Leserschaft davon, die sie schon vorher nicht hatten. Die ohnehin schon immer prekäre Situation etwa der "Jungen Welt", hat sich nun jüngst durch einen gestiegenen Kostendruck zugespitzt. Und wenn man vielleicht die FR als so ein Zwischen-Ding, in Ihren Augen wohl "links", sehen will: Hätte die dann nicht schon läängst Insolvenz anmelden müssen?

Und was ist mit der angeblich "grün" durchsetzten "Welt"? Hat die nicht die Titel-, Aufmacher- und Meinungsprioritäten, welchen nach Ihrem Dafürhalten die Zukunft gehört?

Wie gesagt: Ihre Vermutungen sind gar nicht verkehrt! Aber sie bleiben aber eben zunächst nur Vermutungen. Fast möchte ich Ihre kleine Boshaftigkeit, "Mal eine Zeitung von innen gesehen?", an Sie zurückschicken.

Konfuzikuntz 06.01.2013 | 04:59

OK, fein, dann hatten Sie den Punkt gesehen. Der Kommentar wirkte anders. Ich hatte ihn gelesen.

Nach der doppelten Langdiskussion mit Ihnen und Idog würde ich die Pointe heute anders formulieren

Mainstream-Tageszeitungen und insb. Regionalzeitungen gehen unter, weil die Journalisten mehrheitlich dies denken und die Leser mehrheitlich das und sich die Lücke schließt (oben zitierte Studie und Sonntagsfragen der letzen Jahre; die Steinmeier-Steinbrück SPD ist dabei gewiss nicht links...)

Und die linken Medien sind von der Abwendung konservativer Leser nicht so sehr betroffen, weil diese sie sowieso nicht lesen. Es gibt allerdings zuwenig Anhänger dieses speziellen utopischen Weltbildes, das ich ggü. Idog kritisiere, um Zeitung nennenswerten auf Dauer aufrecht zu erhalten. Und beide Entwicklungen finden gerade ineinander und nebeneinaner statt.

tlacuache 06.01.2013 | 10:28

"Tralala"

Ich muss jetzt nicht auch noch einen halben Roman schreiben wie Sie oder I - Dog, das hebe ich mir fuer den richtigen Roman auf.

Wer meint, "Geistliche" sollen Präsidenten werden, da "Gott" sich nicht an den "menschlichen Fuehrern irren" kann, die "er" bestimmt hat, verdient keine "666" Zeilen.

Da ist mir mein Gehirnschmalz wahrlich zu schade.

Wissen Sie, was ein Dr. der Anthropologie antwortet wenn er zum lieben Gott befragt wird?

"Da bin ich kein Fachmann, fragen sie lieber den Pfarrer, der kennt sich da aus"...

Ich habe beruflich genügend Pfarrer kennengelernt, alles Profis, was den Herrn angeht...

abghoul 06.01.2013 | 10:46

Hört mir auf mit dem Eins Sein!

Ich habe es gesehen, ein komplett verfleischtes organisches Universum, ganz ohne das nichts, von sich selbst erfüllt.

Blähend und gurgelnd, zwischen dem Gewebe klebrige Verbindungen, Eiter, Schnodder und Blut.

Der Schrecken der wahrhaften Fleischlichkeit.

Vom EinsMitSichSelbst Zustand mag ich eher abraten.

greetings from the pit - abghoul

abghoul 06.01.2013 | 23:13

Es wird wohl auch von Wissenschaftlern immer noch "grand mal" genannt. Nicht ganz ohne Grund muss ich zugeben.

Davon "aufwachen" ist eine derartige Angelegenheit das sie solch ein Bildchen schon schön bunt und in 3D HD illustrieren kann;)

Glücklicherweise kann ich mich meistens an nichts erinnern.

Wie widerlich das Multiversum zu einem sein kann, es bleibt eine Frage der Perspektive.

Konfuzikuntz 06.01.2013 | 23:33

Also in Folge einer Epilepsie. Holla.

Es gibt Therapeuten, die so etwas absichtlich herbei führen... http://www.youtube.com/watch?v=XlGg99yt1ZA

Sehe es aber auch kritisch. Wenn die Metaphysik nicht verstandenen wird, läuft man Gefahr, das Horrorerleben, das in der Tat zum  allumfassenden Sein dazugehört, für das Sein selbst zu halten. Die innerste "Substanz" des eigentlichen Seins ist aber - logisch und denknotwendig wie von den Erlebnisberichten der Mystiker her: reine Liebe. Eins-Sein ohne Grenze...

Don´t worry. :)

 

abghoul 06.01.2013 | 23:51

Keine Sorge, ich bin damit groß geworden und immerhin ist es erst neulich so richtig aufgefallen.

Ich wollte nur klar und deutlich darauf hinweisen das es da auch noch andere Orte gibt, wenn man die Türen zum mystischen Eins/Sein aufmacht.

Sehe ich ein wenig als meine Berufung, ich hoffe ich war nicht zu deutlich. Ich habe mich noch zurückgehalten, kannst du dir vielleicht vorstellen;)

greetings from the pit - abghoul

Konfuzikuntz 07.01.2013 | 02:41

Lieber Herr Kuntz,

Lieber Herr Idog,

dafür dass sie sich hier für eine allumfassende göttliche Liebe aussprechen, für eine Harmonie des all-eins in spirituellem Sinn, treten sie relativ aggressiv, respektlos und zynisch, ja unseriös auf.

Ich spreche mich nicht für diese aus. Diese ist der innerste Kern der Wirklichkeit. Das eigentliche Sein. Wobei man auf dem Weg des Eins-Werdens zugegebenermaßen hier vorbeikommt.

Ich frage mich wie sie dass mit ihrer Wirklichkeit bzw. ihrer persönlichen Interpretation derselben verbinden. 

Noch Fragen? :)

Meine Genervtheit könnte allerdings auch an dem Augstein macht frei nebenan gelegen haben. Man macht sich mit Feindbildprojektionen und dem GLauben an Trennungen und Unterschiede nur unglücklich. Die Wirklichkeit verändert man nicht.

Sie spielt sich ja in der eigenen Seele ab.

 Realität und so genannte Wahrheit erweist sich so als durchaus subjektiv, als persönliches Handlungsmuster. Ihren Anspruch auf Allgemeingültigkeit, den sie anderweitig vehement ablehnten, kann ich nur zur Kenntnis nehmen genau so wie ihren damit verbundenen Standpunkt des Darüberstehens. Ich kann diesen sogar verstehen

Prima.

wenn auch nicht teilen

Das kommt!

frage mich aber einerseits, was sie hier eigentlich treiben und wie es bezüglich ihres "Weltbildes" überhaupt zu solch einem banalen Artikel mit ebenso banalen Behauptungen kommen kann wie zu dem, den sie initial präsentiert haben.

Habe ich nicht oben eine gewisse Schelmenmotivation eingeräumt? Man muss die Leute doch dort abholen, wo sie stehen.

… andererseits ob ihre Überheblichkeit nicht doch einfach eine persönliche Maßnahme der Selbstversicherung bleiben muss, ein Akt der aus dem Defizit geborenen Verzweiflung, der, weil sich angeblich all-eins dank Gottes Liebe so fügen wird wie es muss, sie selbst dann als solcherart konsequent inpotenter Betrachter jeglicher Verantwortung enthebt.

Die Verlockungen des Ego im Angesicht der Wahrheit? Gonna let it die. Don´t worry. Wäre es Ihnen lieber, ich brächte die englische Nationalökonomie mit Hegels "Geschichtsphilosophie" zusammen und schriebe proletarische Revolutionslehren? :)

Ihr behauptetes Verstehen soll sie vielleicht davor schützen, dass es keinen wie auch immer gearteten "Sinn" gibt. Zumindest mir ist keiner bekannt und darin unterscheiden sich wohl in erster Linie unsere Weltbilder. Doch. Den gibt es. Weil alles eins ist oder - nolens volens - wieder eins wird. Warum den Prozess - den einzigen den es gibt - durch Aktionismus stören? Ist das nicht furchtbar anstrengend und frustrierend?

Und was ich hier anstoße ist ja gar nichts Neues. Das Harmonieprinzip ist vielen Völkern Asiens seit Jahrtausenden bewusst. Es ist immer in Kraft. Es gibt nicht anderes. Sie haben ja sympathischerweise in Ihrem Denken große proletarische Kulturrevolutionen gewissermaßen in der Mitte zwischen "Goldman Sachs im weißen Haus" und "Demokratischer Naturzustand" herausgenommen (oder sehen diese zum mindesten skeptisch) - aber Sie trösten sich nun mit irgendwelchen Statistiken über das große nihilistische Fragezeichen hinweg. Setzen Sie da das Harmonieprinzip ein! Es gibt nicht anderes. Hamonie und "Disharmonie" sind eins. Grade ein- und desselben. Wäre das anders, würde überhaupt nichts existieren...

Man muss das Ganze übrigens gar nicht so "transzendent" lesen wie ich das tue. Es taugt sehr wohl zur Veränderung der Welt. Wu wei! Aber das strömende Dasein weigert sich notorisch, sich ausgedachten geistigen Zeichnungen zu unterwerfen. Man füge sich in die Wirklichkeit ein, mit keinem anderen Vorhaben als "Harmonisierung".

DA gehört die Leere hin! Nicht zu der Antwort, wie die Welt beschaffen ist, das ist nur wirklich eindeutig, sondern auf den Zettel mit irgendwelchen "historisch zu erreichenden" Zielen. Man nähert sich diesen unweigerlich - sobald man sie aufgibt.

Sie setzen an der allerletzten Stelle hinter dem Komma einfach Gott ein, wenn ich so sagen darf.

Nein, ich bestreite, das irgendetwas außer Eins-Sein existiert. Es gibt nur das Eine. Und weil es grenzenlos ist (sonst gäbe es etwas anderes), enthält es auch alle Möglichkeiten und spielt sie im Grenzenlosen/Ewigen/Ungeteilten durch. Diese sind aber auch Eins-Sein... (die  paradoxe, dreiwertige Logik Asiens. siehe was ich oben über Yin und Yang gesagt habe).

Ich enthalte mich dieser Prothese und favorisiere aus einem sehr konkreten Grund das Konzept des freien Willens.

Es läuft aber kein Idog im lieben Gott herum, der einen freien Willen hätte. Das ist eine vollständige Illusion. Allerdings ein schönes Gefühl. Siehe Benjamin Libet und andere. Nicht einmal Gott hat einen freien Willen. Er muss aufgrund seines grenzenlosen Wesens alles hervorbringen und alles sein, was überhaupt existieren kann... Sogar Hitlers Außenpolitik und Nordkoreas Innenpolitik. Einfach alles. Doch je geringer der Grad an reiner Harmonie ist bei einer der unendlichen Formen, desto kurzlebiger ist ihre Existenz. Goldman Sachs kann gar nicht im weißen Haus bleiben. Es ist gegen die Wirklichkeit. Der Versuch, das Harmonie außer Kraft zu setzen. Man beschleunigt es allerdings nicht, wenn man ihm Nachdruck verleihen will... Wer ist "man" denn? Die allten USA verschwinden doch von ganz alleine! Was glauben Sie denn, warum die spanische Kolonialsaat letztlich stärker ist als die Englische? Könnte das ein (selbstredend relativer) Harmoniefaktor sein? Boston wird wie Mexiko City - nicht umgekehrt. Und es geschieht ganz von alleine...

Man kann die Wahrheit auch nicht vernichten. Ja selbst wenn Maos Soldaten Buthan ebenfalls zerstört hätten wie Tibet - wäre dann das Prinzip aus der Welt gewesen, oder nur dessen augenscheinlichste (und selbstverständlich auch relativ beste) Verwirklichung?

Der Grund ist der nachweislich psychopathische Machtanspruch der aus genau diesem Konzept hervorgeht.

Aus dem Konzept des Freien Willens? Genau.

Das Paradox (bei ihnen vielleicht Disharmonie ?)

Nein, die Harmonie ist das Paradox! Siehe oben.

ergibt sich dann, wenn dieser willensbasierte Anspruch die Kraft entwickelt das eigne Konzept des freien Willen negierend zu überlagern durch ein Denkmodell der Vorherbestimmung, des genetisch Gewollten, Gottgewollten etc.

Ich habe nicht behauptet, dass ich den Glauben an einen auf der Wolke sitzenden Blitzewerfer oder irgend so etwas verteidige. ALLENFALLS RELATIV. Das verstockte Dörfchen in Niederbayern ist relativ netter als ein Knast des Vietcong. Sie sehen, ich habe da so eine Art "Harmonie-Ranking"... (Das "obendrüber" allerdings sehr wohl die Möglichkeit beinhaltet, dass die Form Mensch sehr schnell verschwindet und wieder ein höherer Grad von Harmonie einkehrt.) Mein Denken besagt nicht, dass Ihre Idealdemokratie jemals besteht. Es besagt nur, dass Sie sie nicht erreichen, in dem Sie sie anstreben... "Wille" - das nicht Planumsetzen. Es ist der Strom der Dinge selbst.

Die meisten Menschen sind aber keine Psychopathen - gottgewollt, würden sie vielleicht meinen - und werden so zwangsläufig zu Opfern zB. und gegebenenfalls eines behaupteten Gottes, wenn sie sich dieser Anmaßung widersetzen … oder sowieso. 

Viel Spaß beim Kulturkampf. :) Sie werden immer verlieren, weil Sie sich zwar Harmonie wünschen - dann aber aus dem Setup ihrer radikalsten Verleugnung an den Start gehen. Das ist so, als wollten Sie unbedingt ein Radrennen gewinnen und würden zugleich den Gedanken scheuen, dass es nicht reicht, allein zu wissen, was Gleichgewicht ist... Man braucht ein Gefühl dafür... Wobei die progressivste und "intellektuell" selbstverliebteste das Gleichgewichtsprinzip gleich durch den eigenen Verstand ersetzt hat. Und so liegt man mit blutiger Nase gleich hinterm Start und glaubt allen Ernstes, die eigene Zeit komme noch...

 Hierarchie und ihre Mechanismen sollte man immer von zwei Seiten betrachten können.

Ich würde empfehlen, es nur von einer Seite aus zu tun.

Wer allerdings von einem höchsten Absoluten meint auszugehen müssen, muss diesbezüglich blind bleiben.

In der Tat. Eine Illusion weniger.

Und so ergibt sich nicht nur bei ihnen der Eindruck, ich habe noch Chancen mich dereinst "den Sternen hinzugeben" 

Lieber dem Eins-Sein, dem universellen Harmonieprinzip strömender Welten... :)

sie implizieren, dass sie dies bereits tun

Es ist alles Eins... :)

sondern auch ich sehe eine Chance für sie, sich der irdischen Verantwortung jedes einzelnen für das Sein und die Liebe (der anderen) zu stellen

Keine Angst. Man kann aus dem Sein nicht heraus. Und es hat eben so seine Regeln...

wenn sie von den Sternen zurück sind

:)

und ihre Überheblichkeit mit Demut ersetzt haben werden

"Ich" kann noch viel harmonischer werden. Keine Frage.

 Ich stimme ihnen übrigens darin zu, dass es nur das "eine" , wie sie es nennen, gibt.

Lob und Anerkennung.

Halte dies aber für ein Konstrukt des menschlichen Unterbewusstseins.

Ja was denn nun? :)

Der Mensch hat seine bewusste Verbindung zu genau diesem Einen gerade durch dogmatische Denken verloren.

Keine Frage. Das stimmt. Betrifft aber selbstredend nur kirchliche Dogmen. ;)

Eine Besinnung dessen wird in Linien sichtbar, die sich intellektuell und nur zB. etwa von Thomas von Aquin bis Heisenberg oder Sheldrake ziehen mögen.
Viel Erfolg dabei, die Welt anzuhalten und allen Menschen Ihr Denken beizubringen. Alles wird gut. :)

Ein blinder Glaube bleibt aber Opfergläubigkeit. 

Wenn Sie mit einem "blinden Glauben" so etwas wie die Frewilligenbataillone der Hitlerjugend meinen - dann stimme ich zu. Alle möglichen Versuche, das Harmonieprinzip zu verdrängen und diesen Zustand dann gewissermaßen zu arretieren, zugunsten eines ausgedachten Zweiten, das im wahrsten Sinne des Wortes nicht bestehen kann - sind sie der Rede wert?

 Den aktiven Handlungsumfang menschlicher Ansprüche möchten sie lieber nur einseitig negieren.

Ob das allumfassende Sein, das keine Trennung und keine Unterscheidungen kennt - ob dieses große eine Wesen "Mangel" kennt?

Sie reden vom Harmonisierungsbestreben bei so genannten humanistischen Reaktionen, Ansprüchen und Bewegungen, vergessen aber vielleicht bezeichnenderweise den hyperaktivistischen, psychopathischen und aggressiven Handlungsraum der Disharmonisierung.

Wobei Disharmonie ja auch Harmonie ist. Gesund und Krank, Licht und Schatten, alle diese scheinbaren Paare machen überhauüt nur durch ihr Gegenteil sinnvoll. In Wahrheit sind es Grade ein- und desselben...

Und dabei ist es eigentlich egal, als was wir das "Eine" nun definieren. 

Warum sollte sich das Eine in menschlichen Sprachen "definieren"? Es liebt sich selbst, allerdings ohne Subjekt und Objekt, denn das ist ja Trennung und weil es kein Zweites zulässt, weiß es nicht einmal, was eine Definition ist. Obwohl es alle Definitionen dieser Welt mit Notwendigkeit beinhaltet - sonst wäre es begrenzt und un-eins, wenn auch nur eine fehlen würde... :)

 In sofern irren sie, wenn sie davon ausgehen, ich würde materialistisch gegen Materialismus argumentieren.

Materialismus ist der Glaube am Begrenzung, Trennung oder Unterschiede. Dergleichen lässt das Eine aber nicht zu. All dies hieße, dass da ein Zweites wäre... Allerdings wäre ohne diesen Glauben die Vollkommenheit des Einen auch widerum unvollständig.  Er ist aber weniger harmonisch als sein "Gegenteil"...

Wenn ich mich ihrer Terminologie bediente, müsste ich sagen, dass mir die Harmonisierung sehr am Herzen liegt

Natürlich!

dass ich aber keine Indizien dafür erkennen kann, wie diese ohne ein bewusstes Erkennen, Entscheiden und Handeln des Menschen selbst möglich sein soll.

Francois Jullien: Über die Wirksamkeit. Sehr zu empfehlen. (Handeln und Nichthandeln sind doch eins! Es kommt darauf an, gewissermaßen "einfach so", das Situationspotenzial auszuschöpfen. Dieses ist aber ein Harmoniesetting!)

 Zum Schluss gehe ich davon aus, dass sie sich genau wie ich hier in diesem Gedankenaustausch befinden, weil sie polarisierende Debatten interessanter und anregender empfinden als konformistischen Konsens.

Beides. :)

In diesem Sinne bedanke ich mich für ihre unseriösen smilies, ihre Begriffsclichees, ihre Orthodoxievorwürfe, ihren Dogmatismus, ihr "MÖÖÖPS" und ihr despektierliches Gähnen. All dies hilft einem die eigenen Gedanken zu sortieren. 

Oh nein, wenn Sie "Gedanken sortieren" bitte ich um Vergebung!

 Da wir aber augenscheinlich Lichtjahre voneinander entfernt sind

Nein! Keinen Millimeter! :)

und dennoch auf der selben Stelle herumtrampeln

Selbstverständlich.

grüße ich sie

Dito.

und beende meine Kommentierung in diesem Thread. Ich werde ein eventuelle Antwort ihrerseits zu diesem Kommentar jedoch bestimmt noch lesen

Das wäre schön.

und räume ihnen hiermit das letzt Wort zu unserem Austausch ein. 

Tao. Industrieproletariat.