Ralf Grötker
14.12.2012 | 12:26 2

„Wir sind Trendsetter“

Digital Humanities Die DDB eröffnet der Wissenschaft neue Perspektiven. Ein Gespräch mit Urs Schoepflin, dem Leiter der Bibliothek am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte

„Wir sind Trendsetter“

Urs Schoepflin vertritt die Sparte Wissenschaft im Kompetenznetzwerk zum Aufbau der Deutschen Digitalen Bibliothek

Foto: Privat

Was ist neu an der DDB?

Die DDB ist das, was man im Internet als Portal bezeichnet. Sie bietet Zugriff vor allem auf Digitalisate aus einer Vielzahl von Sammlungen von Objekten – so genannte Repositorien. Das Verdienst der DDB liegt darin, dass sie diese Repositorien zugänglich macht.

Was kann man mit den digitalisierten Inhalten alles machen?

Nehmen Sie als Beispiel das vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte betriebene Repositorium ECHO: European Cultural Heritage Online. ECHO beinhaltet hunderttausende Dokumente, die eine Zeitspanne von

5.000 Jahren Menschheitsgeschichte umfassen. Um dieses Material für die Forschung aufzubereiten, kommt einer wissenschaftliche Forschungsinstitution wie der unsrigen eine besondere Funktion zu: beim Erfinden von EDV-Werkzeugen, die man braucht, um Bilder zu analysieren, Dokumente mit Anmerkungen zu versehen und miteinander zu verbinden oder um Textanalysen durchführen zu können. So etwas funktioniert aber nur, wenn die Inhalte frei im Internet sind und auch die Werkzeuge und externe Dienste wie zum Beispiel Wörterbücher, die in die Analyseverfahren eingebunden werden, ebenfalls open access verfügbar sind. Wäre irgendwo ein Password dazwischen oder würde eine Kreditkarte nötig sein, könnte das System nicht funktionieren.

Sind diese Funktionen auch in der DDB bereits implementiert?

Nicht alle: Es gibt aber innerhalb der DDB eine Arbeitsgruppe, die sich speziell mit neuartigen EDV-Werkzeugen beschäftigt. Gerade Forschungsinstitute und Betreiber von Repositorien sind für die DDB so etwas wie Innovationstreiber oder Trendsetter: Was hier ausprobiert und entwickelt wird, findet früher oder später auch in dem Portal Anwendung. Damit das reibungslosfunktioniert, achten wir an unserem Institut sehr darauf, dass solche Werkzeuge, die hier entwickelt werden, wirklich frei verfügbar sind.

Ermöglichen die digitalisierten Inhalte auch eine andere Art von Forschung?

Der große Gewinn ist: Wir haben nun eine sehr viel breitere empirische Basis, um Forschung zu betreiben. Anstelle von zehn Büchern oder fünfzig Keilschrift-Tafeln hat man nun 10.000 zur Verfügung. Damit kann man ganz neue Fragestellungen in Angriff nehmen. Außerdem ist es möglich, nicht nur über einen einzelnen Text, sondern über eine ganze Kollektion nach Stichworten zu suchen, selbst über Sprachgrenzen hinweg. Wir nutzen das etwa, um zu schauen, wann und in welchem Zusammenhang bestimmte Begriffe und Konzepte in der Wissenschaftsgeschichte vorgekommen. Und noch etwas ändert sich. Bislang wurde eine wissenschaftliche Aussage im allgemeinen mit einem Zitat dokumentiert. Der Autor steht dafür ein, dass das Zitat stimmt. Wenn nun die gesamten Quellen, die wir für unsere Forschung verwenden, im Internet frei verfügbar sind, ist der Leser oder, wenn es um die Qualitätssicherung von Veröffentlichungen geht, der Gutachter in einer ganz anderen Situation: Er kann jetzt auf alle verwendeten Originaldaten zugreifen und die Hypothesen des Autors unmittelbar überprüfen.

Kommentare (2)

drhwenk 22.12.2012 | 16:58

Ein konsequente Erweiterung des Internets als "Intranet" der Wissenacschaft, das Medien und SChulen sowie allen ander zur Verfügujng steht. Realitätgestsltende Informationen mehr den geheimartigen entrissen.  Die Kontrolle der sozialen wirklichkeit DURCH die Vernunft könnte viel besser werden und viele Mühlsteinew im Kopf zerbröseln. 

 

Die strategische Verlagerung von "Gedächtnisintelligenz" auf "Kreativintelligenz" sollte viel kritische Potentiale freisetzenn!! Man darf sich nur nicht ewschlagen lasen (leider Doppelbedeutung!!!).