RobertF
21.03.2013 | 01:35 38

Und keiner will's gewesen sein ...

Kriegsschuld Die Botschaft, die uns der ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, Unsere Väter“ zur Schuldfrage mitgibt, ist bestenfalls missverständlich

Und keiner will's gewesen sein ...

Screenshot ZDF

"Unsere Mütter, Unsere Väter“ ist rein filmisch ein Meisterwerk auf der Höhe der Zeit und markiert für das ZDF, in dem ansonsten Rosamunde Pilcher und Konsorten eine Bühne geboten wird, einen Meilenstein auf dem Weg zur Frischzellenkur. Doch die Aussage über die Schuld der portraitierten Generation spricht keine deutliche Sprache.

Das Bild, mit dem der dritte Teil der Reihe endete, zeigte den zur Einsicht gelangten und desertierten Wilhelm und die gutherzige Lazarrettsschwester Charlotte wieder vereint mit ihrem jüdischen Freund Viktor, der den Großteil des Films auf der Flucht verbrachte. An Ort und Stelle ihres fünf Jahre vergangenen letzten gemeinsamen Treffens stoßen sie, allesamt gezeichnet vom Krieg, auf ihre verstorbenen Freunde an. Ein Bild, das von Reue und Scham zeugt, das zeigt wie unbeschwerte Weltbilder nachhaltig erschüttert wurden. Man könnte meinen, es soll ein Sinnbild für die Nachkriegssituation darstellen.

Was hätten wir getan?

Ich, der ich so gut wie keine Überlebenden des Krieges kenne oder kannte, kann und werde mir nicht anmaßen, in meinen jungen Jahren zu beurteilen, wie die damaligen Zustände wirklich aussahen. Die Frage, wie meine Generation sich oder ich persönlich mich damals verhalten hätte, ist nicht zu beantworten und wirft bei mir nur weitere Fragen auf. Was ich allerdings festzustellen vermag: Der Film zeichnet ein Bild von einer Generation,  der die Jugend und die Zukunft zugleich genommen wurden, die zu spät aus diesem Krieg gelernt hat. Alle Protagonisten bis auf Viktor werden als tragische Helden inszeniert. Wie gut ist das mit dem Bildungsauftrag der Öffentlich-rechtlichen vereinbar?

Schauen wir uns die Protagonisten einmal der Reihe nach an. Da hätten wir Wilhelm, der zu Kriegsbeginn am Anfang einer aussichtsreichen Militärkarriere steht, nach und nach zur Einsicht kommt, Mitgefühl zeigt und schließlich (sogar mehrmals) desertiert. Sein Bruder Friedhelm, zu Anfang noch der intellektuelle Bücherwurm, der mit Krieg so gar nichts anfangen kann, wird in seinem Verlauf „zum Mann“ und mischt, teils widerwillig, mit. Er opfert sich schließlich für einige jüngere Mitstreiter auf und stirbt einen tragischen und theatralisch inszenierten Tod. Schwester Charlotte kann den Beginn ihres Frontdienstes zu Beginn gar nicht abwarten, auch ihre Zweifel werden im Laufe der Handlung immer größer. Schlussendlich zeigt sie Mitgefühl und riskiert ihr Leben für eine russische Hilfsschwester. Auch Schlagersängerin Greta, die sich am Anfang scheinbar gut mit dem Regime arrangieren konnte, wird letztenendes wegen Defätismus hingerichtet.

Von Nutznießern zu tragischen Helden

Was schnell auffällt: Alle vier waren den Großteil der Zeit eng mit dem NS-Staat verbandelt und stellten sich in irgendeiner Form in seinen Dienst. Jeder einzelne gelang aber früher oder später zur Einsicht und wurde zum tragischen Helden – wenn nicht gar zum Opfer. Selbst zu Anfang, als Zweifel sich noch stark in Grenzen hielten, hatte niemand antisemitische Ressentiments gegenüber Viktor. Keiner der vier hatte also die NS-Ideologie abschließend verinnerlicht oder war wirklich indoktriniert. Die wirklichen und überzeugten Nazis waren – mit wenigen Ausnahmen – zahlreiche Statisten, die im Sekundentakt erschossen wurden.

Es mag mit Sicherheit unzählige vergleichbarer Schicksale gegeben haben, ich halte die einseitige Auswahl der Hauptcharaktere allerdings – ohne den Autoren eine Absicht zu unterstellen – für sehr ungeschickt. Ein Bild von reumütigen jungen Deutschen, die zwar streckenweise Mitläufer waren, aber entscheidend aus ihren Fehlern gelernt haben und sich ihrer Fehler bewusst sind, relativiert die Kriegsschuld einer Gesellschaft entscheidend.

Irgendjemand muss es eben doch gewesen sein.

Kommentare (38)

Gustlik 21.03.2013 | 08:58

Am Ende trafen sich die Einzelschicksale dann doch "zufällig" zu oft... Trotzdem das Beste, was der [west]deutsche Film bisher zu diesem Thema auf die Leinwand gebracht hat. Etwas sauer stößt (nicht nur in Polen) auf, dass der Antisemitismus in der Armia Krajowa arg überbelichtet wird.
Wir tun oft so, als wär unser Sein, unsere Gesellschaft eine Festung. Leider ist es bis zur Barbarei, zum Ausbruch tiefster Abgründe nur ein zu kurzer Weg... Es hat sich nichts geändert im Hinterstübchen.

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Ehemaliger Nutzer 21.03.2013 | 12:29

Die Frage nach einer Schuld wollte der Film wohl nicht beantworten. Denn schließlich ist das ZDF auch der Guido Knopp Kanal. Wer die verklärend-bewundernden-glorifizierenden Produkte des Herrn Knopp kennt, wundert sich dann auch nicht über den Film Unsere Mütter, unsere Väter

Zeitzeugen des NS-Regimes gibt es ja heute kaum mehr welche. Und die wenigen, die es gibt, sind aus verschiedenen Gründen nicht immer in der Lage oder willens, etwas von und über diese Zeit zu berichten. 

Es bleiben einem nahezu unüberschaubar viele zeitgenössische Berichte, Filme, Dokumentationen, Geschichtsbücher und wissenschaftliche Abhandlungen verschiedenster Art, um über und von dieser Zeit etwas zu erfahren. Setzt man sich da keine Grenzen, wird es eine das eigene Leben verbrauchende Beschäftigung. 

In ganz grobe Linien mag man ein Bild von dieser Zeit und den Menschen zeichnen, wenn man zum Beispiel von gewissen Grundannahmen ausgeht.

Eine Grundannahme ist, dass die Strukturen der Umgebung und die Mentalitäten der Menschen sich über Jahrhunderte halten und deshalb immer die Gegenwart und die Zukunft mitbestimmten und mitbestimmen. 

http://de.wikipedia.org/wiki/Annales-Schule

http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturgeschichte

http://de.wikipedia.org/wiki/Mentalit%C3%A4tsgeschichte

http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter

Eine weitere Grundannahme ist, dass es bestimmte psychologische Herrschaftstechniken und -methoden gibt, mittels derer man die Menschen lenkt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment

http://de.wikipedia.org/wiki/Stanford-Prison-Experiment

http://de.wikipedia.org/wiki/Eichmann_in_Jerusalem

Die dazu erforderlichen Strukturen beschrieb Eugen Kogon in seinem Werk Der SS-Staat Das System der deutschen Konzentrationslager 

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_SS-Staat:_Das_System_der_deutschen_Konzentrationslager

Schließlich mag man auch noch die ökonomischen Interessen verschiedener Gruppen betrachten, die Kriege als eines ihrer Mittel nutzen, um Reichtum und Macht anzuhäufen und zu vergrößern.

http://de.wikipedia.org/wiki/Fischer-Kontroverse

http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_K%C3%BChnl

http://de.wikipedia.org/wiki/NS-Forschung

http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39543/ns-staat

 

balsamico 21.03.2013 | 12:31

Ein Bild von reumütigen jungen Deutschen, die zwar streckenweise Mitläufer waren, aber entscheidend aus ihren Fehlern gelernt haben und sich ihrer Fehler bewusst sind, relativiert die Kriegsschuld einer Gesellschaft entscheidend.

Und das geht natürlich nicht. Denn man hat es ja so zu sehen, dass die damals jungen Deutschen weder aus ihren Fehlern gelernt haben noch sich ihrer Fehler bewusst wurden noch gar irgendetwas bereut haben. Unverbesserlich halt, wie der Deutsche so ist, bis an sein unseliges Ende.

Und ganz süß finde ich auch das mit der entscheidenden Relativierung der "Kriegsschuld einer Gesellschaft." Dazu fällt mir  nur Hamlet ein: There are more things in heaven and earth, Robertf, than are dreamt of in your philosophy. Und, btw.: solche Filme werfen nur Schlaglichter; sie wollen, glaub' ich, nicht vermitteln, dass es so gewesen sei; so eine Art gutes Haar halt, gewissermaßen, das man den Deutschen belassen will, damit sie nicht ganz und gar an sich irre werden. Was mich ein bisschen belustigt ist, dass die mediale Öffentlichkeit selbst dabei schon die Stirn runzelt.

Popkontext 21.03.2013 | 12:31

"Doch die Aussage über die Schuld der portraitierten Generation spricht keine deutliche Sprache."

Ich finde schon - denn aufgrund des Jahrgangs sind es alles Verführte, die auch nicht mehr weg können, als ihnen etwas dämmert. Und sie alle zeigen auf ihre Art auch menschliche Regungen, keiner ist ein Schwein.

Deshalb finde ich den Film extrem revisionistisch - die Fünf sollen laut Anspruch des Films die Generation unserer "Mütter und Väter" repräsentativ darstellen - und alles sind im Grunde ihres Herzens feine Menschen, die nur unter die Räder kommen. Die wirklich Bösen sind wieder nur die Anderen.

Popkontext 21.03.2013 | 12:47

Selbst zu Anfang, als Zweifel sich noch stark in Grenzen hielten, hatte niemand antisemitische Ressentiments gegenüber Viktor.

Das ist allerdings ein Klassiker, wenn es um Rassismus, Antisemitismus und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit geht - die ist oft so abstrakt, dass diese Leute gar nicht merken, dass dieses Vorurteil auch auf einen Menschen aus ihrem näheren Umfeld zutrifft, den sie gut kennen und der für die so gar nicht mehr (bewußt) zu der abgelehnten Gruppe gehört.

Schöner Text übrigens, Danke.

Oberham 21.03.2013 | 13:47

... na das war ja mal eine veritable Linksammlung - ich glaub dennoch dass man mündig sein kann - wobei damals hatte man wohl nur die Wahl sich gleich selber zu töten, oder versuchen sich zu verstecken - abzusetzen - sofern man sich zu absoluten Gewaltlosigkeit bekennt - andernfalls hätte man in einer Naziversammlung noch Amok laufen können.

Heute hat man eben nur die Chance sich aus dem Konsumbetrieb, der Produktionshölle und des Verwaltungswahnsinns herauszuschleichen und irgendwo einsam oder in der Kleingruppe seine Hoffungen zu leben - man wird noch nicht dafür umgebracht - nur als seltsam und gestört - oder eben verrückt angesehen - ein Glück unserer Generation - man kann versuchen mündig zu leben, wenn man es möchte - ohne gleich die letzte Konsequenz ziehen zu müssen.

Natürlich schreibt sich das alles feder- oder tastaturleicht - vor allem - die Frage nach der hier geforderten Konsequenz - die hoff ich niemals beweisen zu müssen - dem Kosumterror und der Maschinerie bin ich - denke ich - weitgehend entkommen -

--- der junge Mann der sich vor den Augen der Kinder exemplarisch erschießen ließ, der hat es doch gemacht - leider viel zu spät.

Das war leider wieder so theatralisch inszeniert - aber - ich kann mir gut vorstellen, dass mancher alte Krieger im Frühjahr 45 ähnlich gehandelt hat.

Andere, die den Irrsinn dem Jungvolk klarmachen wollten ohne sich vor die Mündungen der Feinde zu stellen, wurden von diesem als Wehrkraftzersetzer ermordet - die Strafe folgte dann meist auf dem Fuß - verblendet rannten so die Kinder anschließend alleine in ihr Verderben.

Nur, das Ganze begann Anfang der 30er Jahre konkret zu werden - wer hat sich entschieden dagegen gestellt?

Viel zu wenige!

 

Franky 21.03.2013 | 14:14

Danke erstmal für den Beitrag. Also meine Elterngeneration war die Kriegsgeneration, und ich habe als Kind wohl mehr Kriegsgeschichten als Märchen gehört. Obwohl handwerklich nicht schlecht, bleibt das knapp fünf (!) Stunden lange Filmchen für mich ein recht harmloses Rührstück. Nicht wirklich schlecht, aber Unterhaltung eben, nicht mehr. Geklaut haben die Macher wie die Raben, die haben sich anscheinend wochenlang mit Klassikern wie "Lili Marleen" oder "Steiner - das eiserne Kreuz" eingeschlossen, bevor überhaupt eine Szene im Drehbuch stand. Ansatzweise richtig gut fand ich den "Bücherwurm" Friedhelm, der im Lauf des Krieges zu einer Art nihilitischem Held mutiert. Da hätte man sich doch ein paar Dialoge mehr zu seinem geistigen Hintergrund gewünscht, was dem Film aber wohl einen nicht erwünschten Tiefgang gegeben hätte.
Ansonsten stammen die "fünf Freunde", inklusive Viktor, ausnahmslos aus bürgerlichen Familien, was damals noch einen gewaltigen Unterschied zu Arbeitern, zu Bauern oder zu Adeligen ausmachte und den großspurigen Titel „Unsere Mütter, Unsere Väter“ nicht rechtfertigt.

Miamaria 21.03.2013 | 14:24

Ich habe mir nur den 3. Teil angesehen und ja, ich war beeindruckt.

Es wurde sehr gut herausgearbeitet, wie die Hemmschwelle zum Töten immer niedriger wurde, je länger der Krieg dauerte. Das abgestumpfte Gesicht des jungen Friedhelm, wenn er mal wieder einen Schießbefehl auszuführen hatte, hat mich so schnell nicht losgelassen. Seine Traumatisierung war so weit fortgeschritten, dass er sich wohl nie mehr davon erholt hätte.

Ich selbst habe noch im Familienkreis einen Rückkehrer aus Stalingrad kennengelernt, der nur noch stumpf vor sich hinstarrend im Sessel saß.

Der hier kritisierte Antsemitismus der Polen war leider Realität und er stand dem deutschen in nichts nach.

In Erinnerung geblieben ist mir auch die Szene, in der Viktor nach Kriegsende dem ehemaligen SS-Sturmführer begegnet, der schon wieder einen sicherern Posten mit Billigung der Aliierten erlangt hat. Aus den Erzählungen meiner Mutter weiß ich, dass das so war!

 

30sec 21.03.2013 | 16:30

Eine Hollyknopp-Verfilmung, die keinerlei Erkenntnisgewinn bringt: Im Gegenteil, Polen sind allesamt fast schlimmere Judenhasser als die Deutschen, Russen und Ukrainer werden ebenso einseitig brutal dargestellt wie die SS-Leute. Für die ich wahrlich nicht die allergeringste Sympathie empfinden kann, aber ein SS-Angehöriger hätte nie und nimmer einen gerade neben ihm erschossenen Angehörigen seines "Ordens" einfach ohne Not aus dem Wagen getreten und dort liegen gelassen, um dann entspannt den Befehl zum Weiterfahren zu geben. Solche Details schaffen nur den ewig Gestrigen die Genugtuung von Verfälschung reden zu können. Einigermaßen differenziert betrachtet wurden nur die 5 Hauptakteure und ihr nächstes Umfeld, aber auch dort wurde von Klischee zu Klischee gestolpert. Rosamunde Pilcher habe ich weder gelesen, noch Verfilmungen gesehen, jedoch viel trivialer kann das auch nicht sein.
Gegenüber " Unsere Mütter, Unsere Väter " sind in diesem Genre Wickis "Die Brücke" oder "Die Abenteuer des Werner Holt" Höhepunkte der Filmkunst. Aber sie surfen nicht auf der guidoknoppigen Welle des Zweitgeistes.
Und in Scharz-Weiß spritzt das Filmblut nicht so effektvoll durch die Gegend, dass man es mit dem Zweiten gut sehen könnte.

Phineas Freek 21.03.2013 | 16:57

Das was hier einige ganz richtig als Revisionismus erkannt haben ist auch ganz genau Absicht und Zweck (und nicht Versäumnis oder Verkürzung) der ganzen öffentlich-rechtlichen Veranstaltung.

Diese verwässernde Relativierung aller politischen Zwecke des Deutschen Vernichtungs- und Eroberungskrieges mittels seiner (Gut!)willigen Mitmacher und verführten(!) Protagonisten

 

 (mit Ausnahme des jüdischen Jungen, denn er und seine realen Leidensgenossen wurden ja ungefragt vom gesamtgesellschaftlichen Mitmachen (inkl. Krieg führen) generell ausgeschlossen -  zwecks anschließender physischer Vernichtung)

 

ist auch der ganze angestrebte Inhalt dieses vermessen-unterirdischen Talkshowgeschwätzes vom „endlich erreichten Abstandes, nun mal ganz unbefangen, unparteiisch und ehrlich“ über diese „schreckliche Zeit“ zu plappern.

Und wenn die filmische Aufbereitung ausnahmsweise mal nicht dem deutschen Gurken- und Schrottproduktionen á la Eichinger entspricht – ist schon die ganze Nation aus dem Häuschen.

 

Alles ist eben irgendwie ganz furchtbar menschlich (was denn sonst, wenn’s sich um Menschen handeln soll!), insbesondere diese menschlichen „Verstrickungen“, der in die verschiedensten Situationen hineingeworfenen Protagonisten, die dann ausschließlich das angestrebte Feld für die jeweilige moralische Bewährung (oder dessen Versagung, was bekanntlich aber auch immer abhängig vom parteilichen Standpunkt war und ist) bereiten sollen.

Auf welcher Seite einer auch immer steht, erstmal stehen da irgendwie ja immer auch Menschen und die einen sind ganz schrecklich böse und die anderen mit einem guten Gewissen gesegnet.

Überall böse und gute Menschen und alles eine Frage der Moral und Schuld.

Die realen Fronten des Krieges und seine Zwecke, verschwinden aufgrund dieser strunzdummen, ausschließlich moralischen Frontbegradigungen, nicht zufällig.

 

Wer will da noch was wissen?

Und das in (Vor)Kriegszeiten.

 

 

Tollschock 21.03.2013 | 19:30

Ich fand den Film gut und zum Teil überzeichnet er etwas was aber auch nötig ist. Hätte man es subtiler gemacht und das Grauen grauenhafter dargestellt, wo hätte es die Kritik dann hinverschlagen? Dann wäre der Film wohl wieder zu sensationslüstern gewesen... oder gar zu scheußlich. Das wirkliche Grauen kann man gar nicht wirklich darstellen. Die wenigsten von uns wurden per Befehl dazu verdonnert in feindliches Feuer zu laufen. Die wenigsten von uns können sich vorstellen das sie für das was hier geschrieben wird und evtl als Defätismus angeprangert wird oder gar denunziert wird als Mensch dem Henker vorgeführt zu werden. Das Grauen im dritten Reich hatte alle möglichen Gesichter und soviele wie es Menschen gab. Man mußte das ja auch filmisch verdichten und mit Spannungsbögen versehen. Da brauch man dann extrem fiese Bösewichte und eben auch Helden. Das wird heute erwartet. Das wirkliche Grauen in einer Amtsstube in dem das J eingestempelt wird ist schwer greifbar zu machen. Doch genau da in der Maschinerie da lauerte es latent ohne das der Einzeltäter hier eine Schuld sah.

 

balsamico 21.03.2013 | 20:42

Das wirkliche Grauen in einer Amtsstube in dem das J eingestempelt wird ist schwer greifbar zu machen. Doch genau da in der Maschinerie da lauerte es latent ohne das der Einzeltäter hier eine Schuld sah.

Genau so ist es. Das Grauen ist nicht spektakulär. Mich sprang es an, als mir in den 80er Jahren unvermittelt ein Original-Steuerbescheid über die Erhebung der Reichsfluchtsteuer in die Hände fiel, worin "dem Steuerpflichtigen" akribisch vorgerechnet wurde, wieviel Geld er dafür zu zahlen hatte, dass er fliehen durfte. Die Banalität des Bösen pur. Das Gefühl vergesse ich nie.

Popkontext 21.03.2013 | 21:57

Das Gute an der Serie ist, dass man mal wieder über das Thema redet. ich erfuhr gerade von einem älteren Bekannten, der tatsächlich noch der Kindergeneration angehörte interessante Dinge, die ich nicht wußte: Man konnte sich in der Wehrmacht in den meisten Fällen entziehen, wenn man nicht an Exekutionen teilnehmen wollte, ohne selbst erschossen zu werden - es brachte einem im Zweifel Nachteile in der Hierarchie, aber wurde akzeptiert, wenn man sagte, man kann einfach keinen Menschen erschießen, weil man es psychisch nicht packt. Zudem war für Nichtjuden zumindest zu Kriegsbeginn auch eine Ausreise möglich, wenn man nicht an die Front wollte.

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Ehemaliger Nutzer 21.03.2013 | 22:08

Hier

http://www.philosophia-online.de/mafo/heft2006-4/Gie_Tae.pdf

kann man mehr über das "Tätertrauma der Deutschen" lesen.

In einer Rezension zu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Giesen, Bernhard; Schneider, Christoph (Hrsg.): Tätertrauma. Nationale Erinnerungen im öffentlichen Diskurs. Konstanz: Universitätsverlag Konstanz - UVK 2004. ISBN 3-89669-691-2

von Cord Arendes, Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften (ZEGK), Historisches Seminar, Ruprecht-Karls-Universität Heidelbergkann man lesen:

"Der 60. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs ist mit einem medialen Begleitprogramm bisher nicht gekannten Ausmaßes einhergegangen. Die gestiegene Aufmerksamkeit, die hierbei gerade den deutschen Opfern beigemessen wird, führt uns deutlich vor Augen, was es in der Alltagspraxis bedeutet, wenn Teile des kollektiven Gedächtnisses einer Gemeinschaft in Geschichte übergehen. In einem bisher nur auf Englisch erschienenen Buch beschäftigt sich auch der Soziologe Bernhard Giesen erneut mit dem Themenkomplex der kollektiven Erinnerung.[1] Im Mittelpunkt seiner Überlegungen stehen dabei allerdings die deutschen Täter und der Versuch, die nationale Identität im Nachkriegsdeutschland als „collective trauma“ bzw. „cultural trauma of perpetrators“ (S. 1) zu interpretieren. Dies soll zugleich in ein allgemeines theoretisches Modell der Identitätskonstruktion eingebettet werden. Unter „Trauma“ versteht Giesen – angelehnt an die Psychologie – den als schockierend erlebten Zusammenbruch einer bewährten Ordnung, der im Gedächtnis präsent bleibt, nicht über die Jahre durch Vergessen verblasst und nicht von anderen Erlebnissen überlagert wird. Damit verweist das Trauma aber stets auch auf den nötigen Neuaufbau einer Ordnung, in die Einsichten aus dem Zusammenbruch eingehen können. ..."

Hier geht es weiter:

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-2-172

 

philipp meyer 22.03.2013 | 03:27

@popkontext

Genauso schreibt es auch Christopher R. Browning in seinem Buch "Ganz normale Männer". Dort geht es um ein Polizeibatallion, das in Polen Erschiessungen durchführte. Laut Browning meldeten sich zu Beginn viele Polizisten von den Erschiessungen ab, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Nach einigen Wochen waren aber trotzdem alle fleißig dabei. Gewohnheit und Gruppendynamik sind scheinbar äußerst starke Mechanismen.

wollperator 22.03.2013 | 09:29

Der Begriff "Meisterwerk" ist hier auch aus anderen als rein inhaltlichen Gründen vollkommen fehl am Platz. Es sieht nämlich alles nur ganz meisterlich aus. Die am Eichendorffschen Roman angelehnte Event-Dramaturgie, insbesondere die des letzten Teils, spricht der Geschichte jeden Funken Glaubwürdigkeit ab. Höhepunkt einer sich stets wiederholenden Begegnungszufälligkeit: die mystische Defätismus-Diskussion zweier ehemaliger Freunde im polnischen Wald, ganz zufällig unter Millionen am Krieg Beteiligten. Und "Nach dem Krieg um sechs im Kelch" funktioniert bei Jaroslav Hašek, aber nicht in "Unsere Mütter, unsere Väter". Wer glaubt denn das: eine nicht abgeschlossene Kneipe im befreiten Berlin, wo zudem auch noch volle Schnapsflaschen rumstehen und eine durch Telepathie möglich gewordene Reunion unsäglich betroffener Gesichter stattfindet. Wie kann man Glaubwürdigkeit erwarten, wenn manipulativ und ohne Filmsprache alles, was ja irgendwie dazugehört, in das Drehbuch gepresst wird - und natürlich gehören die Ermordung von verletzten Wehrmachtsangehörigen und die Vergewaltigung ebenso dazu wie im ersten Teil die herbstliche Judendenunziation, der dann von der SS erst im Winter entsprochen wird - Kopfschütteln über soviel Ignoranz historischer Tatsachen!

Ich sehe das Werk eindeutig in der Traditon geschichtsklitternder Werker wie "Die Flucht", "Dresden" oder "History"-Folgen. Und die weitgehend konsensual im Feuilleton unterstellte großartige Auseinandersetzung mit dem Innenleben der Kriegsgeneration ist keine solche! Da wird nicht seziert, sondern am Ende doch der alte Täter/Opfer-Mythos wiederbelebt. Es war ja Krieg, und Krieg ist ganz ganz schlimm, und die anderen waren doch auch verblendet! Ärgerlich einmal mehr die Darstellung polnischer Partisanen der AK als notorische Judenhasser, die ganze Wagenladungen von KZ-Häftlingen einfach verrecken lassen würden! Da erscheinen unsere 4 blutsdeutschen Freunde ja geradezu als Helden, wenn sie den Juden-Viktor in ihren Reihen dulden! Ja, es gab nicht nur bei der AK Judenhass, und nicht zu wenig. Aber ebenso haben Tausende nichtjüdische Polen ihre jüdischen Nachbarn beschützt oder gar an ihrer Seite gekämpft. Und: das Ganze ist sicherlich immer noch ein ganz wichtiges und aufzuarbeitendes Thema; allerdings für die polnische Gesellschaft und nicht das ZDF und hat in diesem Film absolut nichts zu suchen! Denn es macht am Ende den Mut und die Opfer von Millionen Menschen bei der Befreiung Europas vom Faschismus zu einer banalen Angelegenheit! Dabei profitieren wir bis heute davon und können froh sein, dass wir z.B. hier an dieser Stelle munter und ohne Angst diskutieren!

Einmal mehr eine Buchempfehlung, die mehr Erhellung verspricht, als ZDF-Epen: In "Story of a secret state" von Jan Karski beschreibt den riesigen klandestinen Untergrundapparat des polnischen Widerstands mit Schulen, Universitäten, Krankenhäusern und Kampfverbänden... Die Solidarität betrifft dort auch Juden! Schliesslich besuchte Karski mehrfach das Warschauer Ghetto und liess sich auch in ein KZ schmuggeln, um der polnischen Exilregierung, Churchill und Roosevelt vom Holocaust zu berichten.

luddisback 22.03.2013 | 10:48

"Alle vier (hauptfiguren) waren den Großteil der Zeit eng mit dem NS-Staat verbandelt und stellten sich in irgendeiner Form in seinen Dienst. Jeder einzelne gelang aber früher oder später zur Einsicht und wurde zum tragischen Helden – wenn nicht gar zum Opfer."

... klingt nach der ueblichen konservativen geschichtsklitterung zu diesem thema. nun, ich habe den volksempfaenger diesmal aus gelassen. man weiss ja inzwischen, wessen lied nico hofmann singt.

Tiefendenker 22.03.2013 | 19:30

Die Frage..."Was hätten wir getan"...kann ja jeder auch in die heutige Zeit übersetzen mit "Was tue oder wie verhalte ich mich heute"...so mitten im Kapitalismus, in der wiedergekehrten Krise... Die Antwort ist zumindest ein gewisser Hinweis darauf, ob man heute selbst Bestandteil des Problems ist oder nicht, wenn man das überhaupt noch irgendwie auseinanderdividieren kann.

Wenn ich hier manche Beiträge sowie die Komementare zu machen Artikeln ansehe, kann ich ablesen, dass sich nicht wirklich viel im Vergleich zu damals geändert hat.

Es wimmelt in unserer Gesellschaft nur so an Mitläufern und Tätern in der zweiten Reihe. Linke Spießer haben sich ebenso angepasst, wie damals alls die kleinen Hitler sin den Amtsstuben der Weimarer Republik, die nur begierig darauf warteten, dass endlich ein "starker Mann" kommt, der ihnen sagt, was sie tun sollen. Das ganze scheinheilige Getue hierzulande spricht eine deutliche Sprache.

taptap 23.03.2013 | 11:37

Das ZDF hält offensichtlich an der Idee fest, dass es "gute" Wehrmachtssoldaten gab. Das wurde in diesem Mehrteiler deutlich.

Die Wehrmacht erschießt natürlich kein jüdisches Kind - das macht die böse SS. Die Verhaftung der jüdischen Bevölkerung erledigen Ukrainer und nur mit Widerwillen und ausdrücklichem Befehl wird ein Gefangener der Roten Armee exekutiert.

Wenn dann (als Pseudo-Tabubruch?) auch noch antisemitische Polen und vergewaltigende Russen auftauchen finde ich das etwas zweifelhaft.

Die Besetzung und visuelle Umsetzung waren gut. Aber die Charaktere und wie sie sich während des Krieges ändern - das war mir zu oberflächlich und vorhersehbar.

 

 

 

 

 

Mylai68x 23.03.2013 | 16:35

Was wollen sie noch alles in einen 3 Teiler reinpacken? Das die einheimische Bevölkerung sich befreit fühlte, unaufgefordert und bereitwillig ihren Hass auf Juden und Kommunisten auslebte, wird überhaupt nicht dargestellt oder nur angedeutet. Für einen Rückblick auf die sowjetischen Gräuel an der eigenen Bevölkerung seit 1917 war wirklich keine Zeit. Die Russen sind sehr gut weg gekommen. Normalerweise verschwendeten die keine Kugel sondern schlugen den Verwundeten den Schädel ein. Die SU hatte die Haager Kriegskonvention nicht unterschrieben, d.h. freie Fahrt für Kriegsverbrechen jeglicher Art. Nur wenige Kommandeure unternahmen etwas dagegen. In Stalingrad hausten Zigtausende Verwundete in Kellern ohne Medikamente, Morphium usw., ein höllischer Gestank. Die Russen hielten mit den Flammenwerfern hinein und fackelten alles ab. Das Schmerzgeschrei wurde kurz etwas lauter, verstummte dann. Heute will man uns diese armen Teufel als Widerstandsnester in den Kanälen verkaufen. Sie sehen, es wird immer noch viel verharmlost um die Mär der heldenhaften Befreier nicht zu ruinieren. Nicht das Putin noch interveniert. 

Mylai68x 23.03.2013 | 17:44

Was wollen sie noch alles in einen 3 Teiler reinpacken? Das die einheimische Bevölkerung sich befreit fühlte, unaufgefordert und bereitwillig ihren Hass auf Juden und Kommunisten auslebte, wird überhaupt nicht dargestellt oder nur angedeutet. Für einen Rückblick auf die sowjetischen Gräuel an der eigenen Bevölkerung seit 1917 war wirklich keine Zeit. Die Russen sind sehr gut weg gekommen. Normalerweise verschwendeten die keine Kugel sondern schlugen den Verwundeten den Schädel ein. Die SU hatte die Haager Kriegskonvention nicht unterschrieben, d.h. freie Fahrt für Kriegsverbrechen jeglicher Art. Nur wenige Kommandeure unternahmen etwas dagegen. In Stalingrad hausten Zigtausende Verwundete in Kellern ohne Medikamente, Morphium usw., ein höllischer Gestank. Die Russen hielten mit den Flammenwerfern hinein und fackelten alles ab. Das Schmerzgeschrei wurde kurz etwas lauter, verstummte dann. Heute will man uns diese armen Teufel als Widerstandsnester in den Kanälen verkaufen. Sie sehen, es wird immer noch viel verharmlost um die Mär der heldenhaften Befreier nicht zu ruinieren. Nicht das Putin noch interveniert.

 

Kann es sein, dass es einige bedauern, dass die einseitige, Jahrzehnte von ideologisch „brainwash“ Profs eingehämmerte Propaganda, Risse bekommt. Wohl ein Resultat von faulen oder historisch desinteressierten Menschen, die es nicht ertragen können wenn etwas Licht ins Dunkel kommt. Das müsste jetzt aber bald 80 Jahre danach möglich sein, oder? Der Antisemitismus war in Osteuropa mehr ausgeprägt. Im Gegensatz zu West- und Mitteleuropäern musste man die nicht durch Propaganda aufhetzen. Die machten sich sofort nach Eroberung ans Werk. Die hatten schlechte Erfahrungen gemacht mit der bolschewistischen Revolution, Stalin und seinem jüdisch geprägten NKWD und den Kommissaren. Stalin selbst mistraute und verfolgte Juden. Natürlich gab es genau wie in Deutschland Menschen, die Juden unter Lebensgefahr versteckten und versorgten. Aus Deutschland sind ca. 90% der Juden ausgereist. Die Briten verhinderten in den 1930ern die Einreise von Juden in Palästina und überließen sie so den Nazis. Trotzdem ließen sie sich als „Befreier“ feiern, soweit sie die Befreiten noch nicht eingeäschert hatten.

Wie würden wir uns heute verhalten? Gut, bei offensichtlichem Rechtsradikalismus sind wir inzwischen wachsam und protestieren. Wie sieht es aus mit der Solidarität der Reichen mit den Armen, Asylanten, Zuwanderern? Was tun wir gegen die Klientelpolitik unserer Politiker? Was tun wir gegen die Steuerflucht der großen Konzerne, die Verluste die der Mittelstand und Ärmere nicht auffangen können, sodass es zu Kürzungen kommen muss? Was tun wir gegen die Zensur gesteuert durch die Eliten, jene die Politik massiv beeinflussen? Was tun wir gegen Kriegstreiberei unserer Verbündeten, die 100tausende von Opfern kosten? Was tun wir, dass die wirklich Verantwortlichen in Den Haag angeklagt werden? Wir halten doch heute schon wieder die Fresse wegen der „political correctness“ (Zensur Online = ZO). Hauptsache einen Job und das Konto wird nicht angezapft, Riviera, Cartier, SUV.

USA und GB haben sich durch Kriege in der Vergangenheit reich gemacht. Der Bedarf wurde so groß, sodass ein besiegter Irak das nicht mehr erfüllen kann. US Präsidenten bereicherten sich persönlich an Kriegen (Vietnam bis Irak). Das israelische Volk hat seine rechtsradikale Regierung wieder bestätigt, damit geht der Terror gegen die Palästinenser (seit den 1920ern illegale jüdische Einwanderung, Progrome, Vertreibung, Bestechung der UNO) weiter. Was tun wir dagegen?

Was ist der Unterschied zwischen einem Wehrmachtsoldaten, der einen Jungen erschießt und US Gis und IDF Soldaten, die dasselbe tun? Wir schauen doch schon wieder weg und lassen uns einlullen, dass das halt nun mal nötig wäre, oder? Wir unterstützen mit unseren Steuergeldern sogar noch die Finanzierung der Aufrüstung der IDF.

Welche Heuchelei? Wenn ich eins gelernt habe, dann dass sich seit 1945 nichts geändert hat, nur die Methoden sind raffinierter geworden!

erbsenzahl 23.03.2013 | 20:26

WOLLPERATOR schrieb:

"Ich sehe das Werk eindeutig in der Traditon geschichtsklitternder Werker wie "Die Flucht", "Dresden" oder "History"-Folgen. Und die weitgehend konsensual im Feuilleton unterstellte großartige Auseinandersetzung mit dem Innenleben der Kriegsgeneration ist keine solche!"

Hallo,

so sehe ich das auch. Ich war erschüttert über die unglaublich penetrante Musikuntermalung des Films bzw. der Filme.

Positives kann ich ledglich daran erkennen, dass manche Jugendlichen den Film ansehen konnten ohne "schulische Konnotationen", so wie hier geschrieben wurde. Und ich fand, ehrlich gesagt, die spätere Begleitdokumentation um ein Vielfaches interessanter...

Und als Tipp (siehe weiter oben, wurde schon vorgeschlagen): Schaut mal wieder Shoah von Lanzmann an. Irgendwie fliegen da keine Bomben und Granaten und es fließt kein Blut, aber das Grauen und das Vorstellungsvermögen über diese Zeit werden dadurch viel stärker "angeregt".

 

Mylai68x 24.03.2013 | 14:15

Die Flucht, Dresden etc. haben mich deshalb enttäuscht weil sie gegenüber der Realität wie ein Kinderfilm ab 6 Jahren abschneiden. Charles Degaulle: "Man hat den Deutschen das Rückgrat gebrochen." Wir sind so fertig, dass wir uns nicht trauen unser eigenes Leid so darzustellen wie es wirklich war.

Ich empfehle ihnen "Die Sowjet Story" von Edvins Snore http://de.wikipedia.org/wiki/The_Soviet_Story

und Holodomor http://de.wikipedia.org/wiki/Holodomor

Dann verstehen sie vieleicht warum so viele Sowjetbürger und Nationalpolen gegen den Stalinismus gekämpft haben?

Ist schon schlimm, dass diese verdammten "Revisionisten" einem immer den Spaß verderben müssen. 

Oberham 25.03.2013 | 11:47

Stellt sich die Frage - was unterscheidet uns von unseren Müttern und unseren Väter - Großmüttern und Großvätern........

Sind wir nicht alle Moralisten im Morast?

Was können wir glücklich sein, nicht im brodelndem Hexentopf zu treiben, sondern nur in der angesetzten Brühe, im Topf unter dem das Feuer gerade erst wieder angefacht wird - wobei daneben durchaus auch brodelnde Brühen Blasen werfen und der Moloch gerade diese Suppen gierig schlürft.

Willige Suppeneinlage, die wir sind!

Phineas Freek 25.03.2013 | 16:21

Willige Suppeneinlage!

 

Wie die Protagonisten dieses jüngsten Nachschlages aus der öffentlich-rechtlichen Gulaschkanone, die den „hereinbrechenden Krieg“ als bösen und sinnlosen Verhinderer ihres sinnvollen, guten und jugendlich-beschwingten Mitmachens vorstellig macht: als großer Kaputtmacher der freudig angestrebten Verwirklichung ihrer Karrierechancen im oberen Drittel der bürgerlich-faschistischen Zivilgesellschaft.

Wie gemein und unerbittlich so ein Krieg gegenüber seiner willigen Suppeneinlage doch sein kann: die zukünftigen zivilen Herrenmenschen müssen vorher auch kriegerisch ihren guten Willen für das „große Ganze“ unter Beweis stellen.

Und erst als diese willig mitgemachte „Sache“ immer schiefer ging, wurde sie auch erst deswegen angeblich immer sinnloser…und ab genau diesem Punkt konnte dann selbstverständlich auch erst die angebliche „Läuterung“ einsetzen (die in Wirklichkeit auch genau deswegen überhaupt keine war!)

Und überhaupt,  „dass mit den Juden“ hätte „man“ sich wohlweislich verkneifen sollen.

Auch wenn die Juden ja diesem Meisterwerk zu Folge, angeblich von aller Welt zum Teufel gewünscht wurden und zwar nicht nur von den Deutschen –  sie wären, frei nach Baring und seinen nicht immer deutsch-nationalen Kameraden, doch an der Antibolschewistischen Front wesentlich sinnvoller zu verheizen gewesen…usw.ect.pp…

 

 

 

Grundgütiger 26.03.2013 | 08:35

Je größer die Entfernung zu den Geschehnissen, umso größer das Bedürfnis zu relativieren.

Den Grad der Einsicht bestimmt wieder das Portomonee.

Während der Bundespräsident ein wenig Anteilnahme in Sant’Anna die Stazzema zeigt, stellt der Staatsanwalt in Stuttgart das Verfahren dazu ein.

Der hat offensichtlich die Knoppsche Aufarbeitung ernst genommen, irgentwie sind wir da reingekommen, irgentwie kommen wir wieder heraus.

Am besten mit einem Dreiteiler.

Mylai68x 01.04.2013 | 01:05

Interessant der Vergleich zwischen den Führern der Division und den Angeklagten, Unteroffiziere und Leutnants, damals Anfang 20, sollten also das Sühnen was ihre Vorgesetzten befohlen haben.

16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS“ :

http://de.wikipedia.org/wiki/16._SS-Panzergrenadier-Division_%E2%80%9EReichsf%C3%BChrer_SS%E2%80%9C

Liste der Angeklagten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sant%E2%80%99Anna_di_Stazzema

 

Leute die jahrelang durch die Hölle gegangen sind, deren Division fast völlig vernichtet wurde, die Gefangenschaft noch überlebt und als Greise sollten sie noch bis ans Lebensende hinter Gittern.

Grundgütiger 05.04.2013 | 18:27

Ja, die Waffen-SS war schon ein bedauernswerter Haufen. Dauernd von zu Hause weg,Ewig die Hölle vor der Haustür, oder mittendrin. Wer hat Schuld? Alle um Deutschland herum. Müssen die sich wehren wenn wir kommen?

Nehmen wir doch den Italiener, was hat der da zu suchen, wenn die SS kommt? Oder warum haben die den Schlüssel zur Hölle der SS gegeben? Gemein!

Es stimmt, der Krieg kennt keine Moral. Aber danach solls eigentlich wieder eine geben.

Gesühnt haben ja Frauen und Kinder, warum soll dann die SS auch noch sühnen?

Mit ihrer Einstellung ist glaube ich kein Staat zu machen, allenfalls eine SS-Kompanie.