schlesinger
22.01.2013 | 21:13 11

Israel 2013: Wahlen auf Leben oder Tod

Feigling Netanjahu Wäre ich Bürger Israels und könnte wählen, würde ich heute wählen als ginge es um Leben oder Tod. Denn das tut es.

Wäre ich in Israel würde ich wählen als müsste ich verdammt nochmal alles aus dieser Wahl herausholen.

Gegen diesen Polit-Kitsch, den der schmierige Netanjahu veranstaltet.

Netanjahu ist nur ein Feigling, der sich an seinen Sessel klammert.

Die Regierung Israels wurde gekidnappt von den heutigen Erben des radikalen Meir Kahane, mit ihrem ganzen geistigen Müll im Gepäck.

Und was macht Netanjahu? Er sitzt daneben und tut so, als könnte er sie einbinden, zähmen.

Aber nur, weil er sich in Wirklichkeit in die Hosen macht vor denen.

Die Kahane-Gefolgschaft ist doch besoffen in ihrem tyrannischem Gehabe.

Einer nach dem andern erzählt uns, dass Demokratie, universelle Menschenrechte, Rechte für Minderheiten nachrangig sind gegenüber den engstirnigen, sexistischen, grinsend-zufrieden-lärmend rassistischen Minderheiten-Einstellungen der extremen Orthodoxen, die auch noch obszönerweise, nötigenderweise und brutalerweise behaupten, für alle Juden zu sprechen.

Wäre ich in Israel, würde ich wählen, als würde mein Leben davon abhängen. Denn in gewisser Weise tut es das.

 Nachtrag, zum Wahlausgang

Bibi Netanjahu, der unlängst vom TIME-Magazin noch als "König von Israel" tituliert wurde, ist infolge der gestrigen Wahl zum Bettlerkönig geworden. Das ist eine Überraschung, wenngleich nicht ganz ohne Vorankündigung: Schon Ende September, als die Irandebatte am Kochen war, wandte sich die Bevölkerung deutlich von ihrem Premier ab.

Seine Mitte-Rechts-Koalition von Likud und "Unser Haus Israel" (Avigdor Lieberman) schrumpfte von 42 auf 31 Sitze.

Damit ist Netanjahu gezwungen, jemanden von "links" mit aufzunehmen. Doch die politischen Forderungen zwischen linken und rechten Parteien scheinen unvereinbar. Eins steht schon heute fest: Eine stabile Regierung wird Netanjahu nicht bekommen.

Kommentare (11)

seriousguy47 22.01.2013 | 23:52

Also irgendwie haben Netanjahus Rechte doch wohl einen ziemlichen Dämpfer bekommen. Und zwar bei höherer Wahlbeteiligung. Und er scheint das Signal auch verstanden zu haben, wenn er jetzt von einem breiten Bündnis spricht. Was immer das am Ende bedeuten mag, die Wähler jedenfalls scheinen zumindest nicht das getan zu haben, was man befürchtet hatte....?

Problematisch scheint die politische Resignation der arabischen Israelis zu sein....?

ebertus 23.01.2013 | 12:17

Israel wird also weiter machen wie bisher, eine softige Annektion betreiben und versuchen, sich im Zweifel bzw. grundsätzlich und ausschließlich als "Opfer" darzustellen, wird externe Feinde wie den Iran als (weitgehenden) Popanz an die Wand zu malen, darüber versuchen die eigenen Reihen zu schließen, wird Beistand erheischen, gar einfordern. Der Staatengemeinschaft und gerade der großen und entscheidenden jüdischen Diaspora in den USA fehlt daher dieser ansonsten notwendige "point of no return", wie er mit einer noch strammeren Rechtsregierung in Israel wohl sehr schnell erreicht würde; der Punkt, wo ernsthafte und globale Sanktionen gegen Israel greifen wollten, gar müssten.

Exemplarisch sei daher nochmals auf den dahingehend zutreffenden, erkennbar sarkastischen, gar fatalistisch im Tenor daherkommenden Beitrag von Gideon Levi bei der taz verwiesen.

schlesinger 23.01.2013 | 12:47

Nachtrag, denn in der INFO sprach ich von einer noch folgenden "speziellen Ergänzung". Der Beitragstext stammt vom Haaretz-Journalisten Bradley Burston. Lediglich die auszugsweise grobe Übersetzung stammt von mir.

Einerseits sollte der Beitrag ein Farbklecks zur Wahl sein, aber wichtiger: Er soll zeigen, mit welchen harten Bandagen in Israel politisch gefochten wird.

Kämen die Formulierungen "sexistisch", "besoffen", "Schleimer" etc. nicht von Burston, sondern von Augstein et.al., könnte ein kleiner Aufschrei die Folge sein...

Soviel auch als Entgegnung an diejenigen, die gerne darauf verweisen, wie fürchterlich die westlichen Kritiker Netanjahus / Israels seien, man möge sich ein Beispiel an der innerisraelischen Debatte nehmen. Tatsächlich?

schlesinger 23.01.2013 | 12:50

"politische Resignation der arabischen Israelis". Das ist auch verständlich.

In der israelischen Form von Demokratie dürfen zwar arabische Parteien aufgestellt werden und dürfen sich israelische Araber ins Parlament wählen lassen, aber es ist seit je ungeschriebenes Gesetz, dass sie NIEMALS zu einer Regierungsbildung eingeladen werden. Insofern stellt sich irgendwann die Frage, ob man an so einer Scheinveranstaltung teilnehmen will.

schlesinger 24.01.2013 | 09:18

Um eine göttliche Mission zu haben, muss man weder prophet noch Karl dG sein. Man kann das auch als 23jähriger glaubensgestählter lächelnder Ideologe sein. So wie Jonathan:

 

"Wir befinden uns in Samaria, in der zentralen Bergkette Israels. Eine Bergkette, die die nördlichen Berge Samarias umfasst, die Berge Binyamins, die Berge Jerusalems, die südlichen Berge Jerusalems, also Bethlehems und die Berge Hebrons.

Ich glaube nicht, dass es neben einem jüdischen Staat noch Platz gibt.

Dieses Land gehört uns und das hat nichts mit den Sicherheitsanforderungen zu tun oder damit, dass man den Juden aufgrund des Holocausts Land geben wollte. Der Grund dafür ist sehr simpel: Gott - er sei gepriesen - der die Welt erschuf, er gab dem Volk Israel dieses Land."

Gegen höchste, göttliche Wahrheiten ist nie ein Kraut gewachsen, egal, von wem sie vertreten resp. behauptet werden: Den Kreuzrittern, vom god-sent-Bush-jr., den Inquisitoren der Roten Khmer...

dame.von.welt 24.01.2013 | 10:35

höchste, göttliche Wahrheiten ... god-sent ... Inquisitoren der Roten Khmer

Nuja, lieber Schlesinger, den Khmer Rouge war im Gegenteil daran gelegen, die Gläubigkeit an Buddhismus und vor allem das Gott-Königtum (in Kambodscha erlaubt der König dem Tonle Sap, seine Fließrichtung zu ändern) abzuschaffen oder besser, umzulenken. Angka setzte sich an dessen Stelle.

Wie häufig mißverstanden wurde und immer noch wird, ging es während der Khmer-Rouge-Zeit in Kambodscha weniger um Steinzeit-Kommunisms, als um Ultra-Nationalismus: mit einer angestrebten Machtfülle wie das historische Khmer-Reich, das halb Südostasien umfasste. Stark verkürzt dargestellt kam die historische Machtentfaltung durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem zustande, das mehrere Reisernten im Jahr ermöglichte, damit zu einem enormen Geburtenanstieg führte, wodurch genug Personal zur Eroberung und Verwaltung von x Ländern zur Verfügung stand.

Das war auch der Haupthintergrund, warum die Khmer Rouge ganz Kambodscha auf's Land zwang. Zynisch gesagt: die Khmer Rouge waren handwerklich lausig: in der Einschätzung, bis zu welchem Punkt an Hunger und Qual eine Bevölkerung noch den gewünschten Mehrwert erzeugt und fleißig Kinder bekommt, in Sachen gegenseitigem Gemeuchel innerhalb der chosen few von Angka und in maßloser Unterschätzung der von den Khmer Rouge x-fach überfallenen und durch die Verbrechen der USA geschwächten Vietnamesen. 

Ruhmreiche Geschichte ist aber in der Tat ein Faktor, der quasi-religiös geraten, bzw. an die Gläubigkeit der Bevölkerung angedockt werden kann. Das Identifikationssymbol, Angkor Wat, ist heute übrigens das ganz Gleiche wie unter (und vor) den Khmer Rouge.

Scusi für den themenfremden Ausflug, aber Ihren Halbsatz über die gottgesandten Inquisitoren der Roten Khmer (den man böswillig als 1:1 Vergleich Khmer Rouge:Israel interpretieren könnte) wollte ich nicht unkommentiert stehen lassen und ich hoffe, ich konnte herausarbeiten, um was es Ihnen mutmaßlich geht. 

 

Interessant wäre nun die Ortung des Scheitelpunkts im Menschenrecht auf Religiosität. Ab welchem Punkt genau wird's Ihrer Meinung nach gefährlich? 

 

Die Wahl auf Leben und Tod in Israel läßt m.M.n. auf baldige Neuwahl auf Leben und Tod schließen. Ich glaube nicht, daß es Netanyahu gelingen wird, eine regierungs- und tragfähige Koalition für eine ganze Amtsperiode zusammen zu schweißen. Dafür sind allein schon Lapid und Bennett zu konträr. Was mich etwas überraschte, ist der Umstand, daß Lapid von den Sozialprotesten so profitieren konnte. Ich hätte die Proteste für politisch ausdrücklich linker und auch für anti-wirtschaftsliberal gehalten, war wohl falsch.

schlesinger 24.01.2013 | 11:06

Fachlich schöner Beitrag zu den Khmer!

Mir ist es offen gesagt Wurst, unter welcher Etikette jemand sein Unwesen treibt. Meine Formulierung "göttliche Mission" ist daher nur ein Platzhalter für alle absolut gesetzten Wahrheitsansprüche, die radikal umgesetzt werden sollen.

Nicht jede religiöse oder politisch-ideologische "Wahrheit" wird radikal oder totalität umgesetzt.

Wo die Grenze ist? Grob gesagt dort, wo der Mensch weniger wert ist als die Idee.

Dem gegenüber H.Yuren zitierten Jonathan ist seine göttliche Mission, derzuliebe er die Palästinenser "weg" haben will aus seinem gottgegebenen Land unendlich wichtiger als die Palästinenser-Menschen.

Das wird wohl auf alle Menschenzeiten hinaus das größte Spektakel bleiben: Die Produktion von Unheil im Namen des Heils, der Wahrheit, einer höheren Bestimmung.

Das nimmt bei Individuen mal kleinere, im Falle von Israels Okkupation mal größere, im Falle des deutschen Völker- und Massenmords an Zigeunern, Behinderten, der polnischen Intelligenzia und der Juden mal monströse Dimensionen an.

Und ja, Bibi wird sich sehr schwertun mit seiner nä. Regierung.