Steffen Kraft
06.11.2012 | 16:59 24

Ungereimtheiten im Fall Weisband vs. Spiegel

Medien Warum veröffentlicht die Piraten-Politikerin Marina Weisband nach ihren Vorwürfen gegen den "Spiegel" nicht die Mail mit ihren vollständigen Zitaten?

Ungereimtheiten im Fall Weisband vs. Spiegel

Marina Weisband und die Presse

Foto: Carsten Koall/ AFP/ Getty Images

Zuweilen überlege ich, warum in manchen Debatten die einfachsten Fragen schlicht nicht gestellt werden. In der Diskussion um den Spiegel-Artikel zu Marina Weisbands möglichen politischen Comeback habe ich gleich zwei davon.

Die Piraten-Politikerin Marina Weisband hat schwere Vorwürfe gegen die Journalistin Merlind Theile erhoben: Weisband hätte Aussagen, die nun in einem Text über ein mögliches Comeback im Spiegel und online stehen, nicht autorisiert. Zwar habe Theile die Zitate vor Veröffentlichung per Mail geschickt, schreibt Weisband, sie habe aber keine Möglichkeit für Änderungen gehabt. Zusätzlich seien die veröffentlichten Zitate sinnentstellend aus dem Satzzusammenhang gerissen.

Theile widersprach umgehend: Weisband habe die Zitate zugeschickt bekommen und mit einer Änderung telefonisch autorisiert.

Jetzt schreiben viele Beobachter, dass Aussage gegen Aussage stehe. Schon das ist seltsam, da die Schilderungen von Theile und Weisband im wichtigsten Punkt ja übereinstimmen: Weisband lagen die Zitate vor Veröffentlichung vor.

Die Piraten-Politikerin hätte den Wortlaut also problemlos ändern oder die Zitate komplett zurücknehmen können. Warum sie dazu keine Möglichkeit gesehen haben will, ist mir unklar. Das wäre meine erste Frage.

Den größten Wert legen die Kritiker inzwischen auf den Vorwurf, dass die Zitate in den veröffentlichten Texten sinnentstellend komponiert wurden. Ob dies zutrifft, lässt sich in der Tat nur entscheiden, wenn die E-Mail Theiles an Weisband veröffentlicht wird.

Ob das allerdings geschieht, liegt in der Hand von Marina Weisband. Juristisch gesehen darf der Spiegel die Mail wohl nur veröffentlichen, wenn Weisband zustimmt. Weisband hingegen ist es natürlich jederzeit erlaubt, Zitate von sich in welcher Form auch immer zu veröffentlichen. Das würde ihren Vorwurf jedenfalls untermauern. Bisher ist das nicht geschehen. Warum dem so ist, wäre meine zweite Frage - die wohl nur Weisband selbst beantworten kann (die Anfrage an sie ist jedenfalls raus).

Kommentare (24)

Antonymus 06.11.2012 | 19:57

Diese Debatte ist ein nahezu perfektes Beispiel, warum sich Politiker hinter juristisch einwandfreien Worthülsen verstecken. Sie als Redakteur reagieren mit nachvollziehbarem Interesse, aber mich Bürger interessiert dieser Sachverhalt nicht die Bohne.
Ist es nicht gerade die Presse, die von den Piraten vehement Inhalte fordert? Finde diese Erbsenzählerei langweilig, überflüssig und vielleicht sogar etwas arrogant. Andererseits ist Ihr Ansatz politisch sicher Superkorrekt.

Baphomed 06.11.2012 | 23:32

Armselige Presse und Armselige Politikerin, mich als Mensch Interessiert der Rechtssteit der M.W mit dem Spiegel nicht das ist keine Nachricht!

Traurig das hier im Freitag daraus gleich ein Artikel wird!

Hallo wir wollen den Boulevard der uns bewegt nicht gerede zwischen Zwei Freunden in der Politik wo sich ein Journalist und ein Politiker zu nahe gekommen sind!

 

Das was da im Spiegel läuft ist nur Kindergarten unreifer Journalisten!

Dafür gib es die Gegendarstellung, aber wenn jetzt in der Presse wie auch hier im Freitag Presse Kodex hinter den Schitstorm gestellt wird ja Halle lulja!

 

Fakte sind und bleiben Fakten erst wenn Frau Weisband eine gegendarstellung erwirkt hat wird es zur nachricht!

 

Nicht jeder Schitstorm ist der öffentlichen Diskussion würdig!

 

Daher lieber Autor erst nachdenken und dann Schreiben!

Baphomed 06.11.2012 | 23:36

Ansonsten bleibt noch zu sagen:

von einem Redakteur der fuer Internet zuständig ist hätte ich mehr erwartet! In 2 Monaten gehe ich mit der ersten Boulevard Zeitung die sich selbst über Ihre Internet Aktivitäten Finanziert Online! Als Tageszeitung!

Da stellt sich mir die Frage warum sie und Ihre Kolegen diese Tatsache Ignorieren aber jeden 08/15 schitstorm für eine Meldung halten?

 

Ist der Freitag schon so weit wie wir vor dem Start? Das er sich aus seinen einahmen Finanzieren Kann? Ich denke nein. Der grund ist einfach sie laufen dem Internet hinterher sie Führen es nicht an!

weinsztein 07.11.2012 | 02:10

Frau Weisband hat ein Problem mit dem "Spiegel". Autor Steffen Kraft greift dieses Thema auf, verständlich werden die Zusammenhänge erst, wenn man seinen Links folgt. Die verweisen auf einen online stehenden Kommentar von Frau Weisband und auf den "Spiegel". Der "Spiegel"- Artikel endet abrupt und verweist neugierig gemachte Freitag-Leser  auf spezielle Angebote, die eine Lektüre der gesamten "Spiegel"-Ausgabe ermöglichen.

Was nicht umsonst sein dürfte.

ch.paffen 07.11.2012 | 13:04

„Warum veröffentlicht die Piraten-Politikerin Marina Weisband nach ihren Vorwürfen gegen den "Spiegel" nicht die Mail mit ihren vollständigen Zitaten?“

Laut homepage MW „Marinas Lied“ in der politischen Schatztruhe schreibt sie: Ich habe keinen Bock mehr.

Okay, das sieht nicht so aus, als ob sie im Moment Fragen beantworten will. Also wird es auf die Frage keine Antwort geben. Dass es in der Profi-Printliga darüber eine gewisse Verstimmung gibt kann ich ja nachvollziehen, nur ändern tut das nix.

 

Was mich ein stückweit stutzig macht warum formuliert ein Profi eine Frage, obwohl er weiß das wird nix? (Am 06.11.2012 16:59 war der Eintrag auf der homepage von MW fast 24 Stunden alt). Da hätte man sich die Frage sparen können. Fragereflex?

 

Ich erzähle mal wie ich das ganze vorgestern erlebt habe. Morgens irgendwann habe ich bei meiner „Presserund“ zum Wochenstart bei Spiegel Online unter

è >Politik è >Deutschland è >Piratenpartei è

>Krise bei den Piraten: Rufe nach Weisband werden lauter  gelesen. Bei der 2.ten Runde am Abend hab ich den nicht mehr gefunden, er war der weg. Na ja war ja auch vom 04.11.2012 also eine Meldung von vorgestern. Aber da war Von wegen nicht autorisiert: Antwort auf Marina Weisband von Merlind Theile und Ich hab keinen Bock mehr von Marina Weisband.

 

Das ist der Stand der Dinge. A sagt, B sagt. Ergebnis eine Frage. HALLO sie will nicht reden.

Das heißt da kommt nix.

 

Ich hätte verstanden wenn man sich die Frage gestellt hätte: Ist das die orange Veränderung?

Klar zum Ändern bedeutet die Sagen nix, wenn wir fragen. Ist das die viel beschworene orange Transparenz?

 Statt dessen. „Los Pirat beweise dass die Vorwürfe stimmen. Gibt es da eine klitzekleine Verstimmung im Printprofi Lager? Die Unterstellung Zitate werden komponiert. Das ist ja fast wie die Presse lügt. Okay, das darf die doch nicht. Doch Herr Kraft, wenn der Spiegel komponiert hat, dann ist das eine künstlerische Freiheit die zu weit geht. Journalisten sollten recherchierte Zahlen, Daten, Fakten präsentieren, dies analysieren und darüber schreiben.  That´s all. An dieser Stelle bin ich geneigt Antonymus 06.11.2012 | 19:57 zuzustimmen der schrieb: „Diese Debatte ist ein nahezu perfektes Beispiel, warum sich Politiker hinter juristisch einwandfreien Worthülsen verstecken.“

 Es ist wie bei Journalismus 2.0 es wird die Antwort geben, nur eben nicht sofort. Ob das Ergebnis dann Ihre Erwartungen erfüllt oder Sie den „Schwarzen Peter“ haben? Es bleibt spannend ….. Feinen Resttag noch Christiane Paffen

silvio spottiswoode 08.11.2012 | 16:50

Hallo Steffen,

Deine Frage ist natuerlich berechtigt. Irgendwie ist es ja auch der Job des Journalisten, das den Dingen auf den Grund gehen.

Aber ich kann Marina sehr gut verstehen, wenn sie sich falsch zitiert fühlt. Wobei es da m. E. gar nicht so sehr auf den tatsächlichen Sachverhalt der Email ankommt.

Uns allen ist das sicherlich schon einfach zu oft passiert, das man in einem Interview freimütig und offen spricht, ohne böse Absichten etwas sagt, das dann völlig aus dem Kontext gezogen und verzerrt wiedergegeben wird.** So sehr, dass das Gedruckte inhaltlich mit dem Gesagten nichts mehr zu tun hat. Das ist dann ebenso ein emotionales wie eine inhaltliches Problem.

Bei mir hat das persönlich beispielsweise zu grosser Ernüchterung geführt, was die inhaltliche Aufnahmefähigkeit einiger Journalisten anbelangt. Und gelernt habe ich daraus insofern, als das ich inzwischen ALLES komplett kontrolliere, was über meine Aktivitäten an die Öffentlichkeit gelangt. "Rather than stupid press, no press at all." ;)) Damit lebt es sich entspannter.

Und Marina sagt das auf ihrer webseite ja alles ganz nachvollziehbar und klar, finde ich. Sie will weg von der Personen-Celebrity Diskussion. Das finde ich sehr klug und sympathisch. http://www.marinaslied.de/?p=762

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** (und bei meinen Sachen ging es nur um sowas unwichtiges wie Kunst – meine Arbeit – die mit unsaeglichen privaten Details belastet wurde. Was der Arbeit nicht gut tut ... da ging es gar nicht um mein gesellschaftspolitisches Engagement, beispielsweise.)

silvio spottiswoode 08.11.2012 | 16:56

hier ein paar Stellen, die ich wichtig finde, aus Marina Weisbands Stellungnahme. Am besten alles lesen. ;)))

http://www.marinaslied.de/?p=762


"Und hier sehe ich ein Kernproblem. Die Piraten lassen sich eine Debatte aufschwatzen. Es sind eigentlich nicht die Piraten, die ursprünglich orientierungslos waren ohne einigen Bundesvorstand. Es war die Presse. Es waren auch nicht die Piraten, die in mir irgendeine Art Hoffnungsträger sahen. Es war die Presse. Aber wir übernehmen das alles kritiklos und verbreiten es vielfach."

"Wenn ihr mich fragen wollt, was eigentlich unser Problem ist, würde ich am ehesten Folgendes sagen: Es sind nicht die Personalien an der Spitze. Wir legen da viel zu viel Wert drauf. Wir kreisen dabei um uns selbst und um Themen, die bei näherem Nachdenken völlig irrelevant werden. Ich habe vor ein paar Tagen auf Twitter nach Strategien gefragt, wie die Piraten sich auf den Bundesparteitag vorbereiten. Wie sie die vielen, vielen Anträge vorsortieren, welche sie lesen und wie sie sie prüfen. Da habe ich zwar ein paar Antworten bekommen, aber die meisten schienen ratlos. Wir haben keine Delegierten, sondern wir stimmen selbst über Anträge ab. Das heißt, wir bürden uns eine größere Verantwortung auf. Das heißt auch, dass wir uns mit den Themen VOR dem Parteitag beschäftigen müssen. Wir brauchen zum Beispiel ein Brainstorming dazu, wie wir mit über 500 Anträgen für uns persönlich umgehen. Das ist das, wohin wir Energie investieren müssen. Ich weiß, dass Personaldebatten eben so verlockend sind, weil man nicht viel Vorwissen braucht, um sich über eine Person aufzuregen. Aber wir sind die, die den Anspruch an uns selbst umsetzen müssen. Jeder für sich.  Ich weiß nicht, ob es funktioniert, oder nicht. Aber das ist die Prüfung. Ich schlage vor, wir kämpfen härter damit, uns von der Presse diktieren zu lassen, worüber wir gerade reden. Sie darf frei Bericht erstatten. Was davon wir in unsere interne Debatte aufnehmen, ist aber UNSERE Entscheidung. Und das beeinflusst wiederum die Berichterstattung. Bei Zeichen erster Gefahr nach negativen und positiven Personen zu suchen, ist ein ganz schlechter Reflex."

Georg von Grote 08.11.2012 | 19:53

Bei der Sachee muss man schon ein wenig schmunzeln, wenn da nicht dieser Vorwurf im Raum stehen würde, Theile hätte manipuliert. So eine Anschuldigung wiegt schon relativ schwer, deshalb wohl auch die klare Stellungnahme Theiles, die nicht widerlegt wird.

Jetzt mag Marina Weißband ja eine nicht ganz unintelligente junge Dame zu sein, aber eine gehörige Portion an Naivität und Unprofessionalität, wenn nicht Unbedarftheit muss sie sich nun einmal zurechnen lassen, vor allem nach ihrem "Klageliedchen".

Was sie da berichtet klingt ja nun schon ein wenig, sorry, pubertär. Sie wollte mit niemand sprechen, sprach aber dann doch mit Theile. Ja, was nun? Dachte Weißband, das sei nur ein kleiner Kaffeetratsch mit einer Journalistin?

Und dann folgendes: Viele vernünftige Leute haben mich gefragt: “Hast du die Zitate echt so gebracht? Sind die autorisiert?“  Ich danke für die Nachfrage. Die Antwort auf Beides ist: „Nein“.
Zitate entstehen so:
„Nehmen die Rufe nach Ihnen zu?“ „Es sind hauptsächlich Mentions auf Twitter, in letzter Zeit schon mehr“. (Daraus wurde das Zitat „Die Rufe nach mir nehmen zu.“)

Hallo, Frau Weißband? Was sind jetzt "mentions"? Könnte man auch Rufe sagen, oder? Mentions kapieren 70% der Spiegelleser gar nicht, die halten Twitter höchstens für nen Vogel.

Oder das hier: „Aber wäre es nicht das Beste für die Piraten, wenn Sie kandidieren?“ Und ich antworte kopfschüttend: „Für die Piraten mag es vielleicht das Beste sein, aber für mich? Ich weiß nicht, ob ich für den Politikbetrieb gemacht bin.“ (Daraus wurde das Zitat: „Für die Piraten ist es wohl das Beste, wenn ich kandidiere.“)

Wer Theiles kompletten Artikel kennt, kann da nun nichts schlimmes dabei finden, dass sie den zweiten weinerlichen Satz weggelassen hat. Im diesem Absatz ging es um die Chancen der Piraten, nicht um die Psyche der Frau Weißband.

Aber jetzt sollen ja diese Zitate auch noch völlig verfälscht worden sein. Angeblich. Weißbands eigene Darstellung widerspricht dieser Behauptung.

Und dann solche Aussagen: Eine Redakteurin im Spiegel-Hauptstadtbüro habe keine Praxis im Sachen Autorisierung von Zitaten. Schmunzel :-)

Sie habe die Zitate vorher zugeschickt bekommen, konnte aber keinen Einfluß nehmen? Mon oeil, sage ich da mal nur dazu. Widerspricht jeglicher Praxis. Hat aber Einfluß genommen, sagt Theile und das bisher unwidersprochen.

Das ist nicht der erste Fall mit Beteiligung der Piraten. Die Herrschaften scheinen gerne zu quatschen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und jaulen dann, wenns mal schief geht.

Siehe Delius. Hat eben mal zu viel von sich Preis gegeben und schon war er futsch, der Posten im Vorstand.

Oder Lukas Paul und Joachim Lamla, zwei gerne eifrig plappernde NRW-Matrosen. Durften das dann wieder schriftlich nachlesen, was sie da so laut ins Handy "flüsterten", so dass es jeder im Umkreis mitbekam.

Gibt noch mehr solcher Geschichten, bis hin zu einem Versuch, den Spiegel zur Gegendarstellung zu zwingen, der aber im Sande verlief als der Spiegel nur trocken meinte, dann klagt mal schön.

Und wer hats jedesmal "erfunden"? Merlind Theile :-)

Jetzt dürfte ja den Piraten nicht entgangen sein, dass da eine Journalistin existiert, die diesen Politkindergarten  ein wenig kritischer und skeptischer betrachtet als diverse andere Kollegen, aber die Leichtmatrosen lassen ausgerechnet sie immer wieder gerne auf ihren Seelenverkäufer und wenn sie sie dann beim Wort nimmt, geht das Heulen und Zähneklappern wieder von vorne los.

Im Prinzip zeigt die kleine Posse nur, wie unprofessionel dieser Piratenhaufen ist. Das mögen manche Beobachter ja ganz nett und sympathisch finden, ändert aber nichts am Zustand dieser twitternden Chaostruppe.

Natürlich will keiner nur noch leere Worthülsen hören und lesen, auch Journalisten wollen das nicht, aber wenn die Piraten nicht fähig sind, wenigstens die primitivsten Grundregeln im Umgang mit der Presse zu lernen, dann wird man noch mehr dieser Geschichtchen hören.

Ich glaube nicht, dass Frau Weißband die mails veröffentlichen wird. Sie wird wissen, warum.

Es passt einfach besser zu ihr, wie eine kleine zornige Göre nullbockend mit dem Fuß aufzustampfen.

mcmac 08.11.2012 | 23:21

Öhm... meine (bescheidene)Erfahrung mit (Print)Medien bezüglich Interviews ist diese: Nichts, was ich nicht gegenlesend autorisiert habe, wird veröffentlicht. Alles andere schon.

Dass aus einem offensichtlichen, individuellen Fehler nun eine Kampagne gemacht wird, um die Piratenpartei endgültig zu versenken, steht auf einem anderen Blatt. Mr. Beinfreiheit-in-Bochum, Sir Ich-war-eine-Dose & Pionierleiterin Merkel werden es danken.

ch.paffen 09.11.2012 | 07:19

pain du hier fein * ja die süße (mw) sorgt für stimmung in der orangen bude * das mit der totzigen göre find ich nen "klein wenig hart" wo sie doch das mediale opfer ist * was ich im moment ärgerlich finde ist das die ja ne menge tun um das runterschreiben der orangen freibeuter für den spaß der wähler @ mitmachdemokratie mit aufbieten aller blödheit die so im ehrenamtlichen buvo & co zu finden ist supporten * ich fänd es fein wenn die den bundestag aufmischen würden * allerdings hat sich  mw bei mir "rausgesetzt mit den lockeren spruch "ich kotz im strahl" * es bleibt spannend cp 

Georg von Grote 09.11.2012 | 11:21

Ich weiß jetzt nicht, ob Du auch den Artikel im Print-Spiegel gelesen hast.

Der ist nicht negativ in Richtung Weißband.

Insoweit ist sie nicht zum Opfer gemacht worden. Sie stellt sich selbst als Opfer hin, obwohl dazu überhaupt kein Grund zu sehen ist.

Ich habe da so das Gefühl, dass sie deshalb so reagiert, weil sie meint, dass ihren eigenen persönlichen Befindlichkeiten zu wenig Platz eingeräumt wurde und sich Theile im Artikel mehr mit der miserablen Position der Piraten befasst hat.

Theile hat das ja ganz geschickt gemacht. Sie hat sie quasi in eine Position gedrängt, aus der heraus sie die einzige Hoffnung für die Piraten im jetzigen Zustand wäre um die nächste Wahl zu überstehen.

Wenn sich Weißbrand aus diesem Grund "benutzt" fühlt, dann kann man das unter Umständen auch verstehen.

Nur, wenn sie nicht die Absicht hat, in der nächsten Zeit wieder politisch aktiv zu werden, dann frage ich mich, was solche Auftritte mit Wagenknecht oder eben solche Gespräche im Café eigentlich sollen.

Die junge Dame weiß offenbar nicht, was sie eigentlich will. Aber das ist ihr Problem, nicht das von Merlind Theile.

Ich hab das ja selbst ein paar Mal erlebt. Da hast Du Dein aproval, sogar in mehrfacher Ausführung, auch auf Band. Die Seite ist fertig, kann in Druck gehen uhnd plötzlich flattert ein Briefchen von einem Anwalt in die Redaktion, mit dem Tenor, die Dame möchte jetzt nicht mehr, dass das gedruckt wird. Und das dann auch noch aus absolut fadenscheinigen Gründen. Das geht dann kurz zum Chefredakteur und zum Hausjuristen, beide kommen zum Schluß, die hat plötzlich PMS und dann geht das Ganze in den Druck.
 Und meistens waren das dazu auch noch sehr positive Interviews.

Da muss man als Außenstehender auch Verständnis dafür aufbringen, dass die Medien keine Lust haben, sich dauernd auf solche Kinderspielchen einzulassen.

Steffen Kraft 09.11.2012 | 12:57

Vielen Dank für die zahlreichen Kommentare - und sorry für die späte Antwort. Bakterien oder Viren sind schuld, so genau habe ich das nicht erheben lassen.

Das meiste ist hier ja schon geschrieben worden.

Mein Eindruck ist, dass Weisband sich in performative Widersprüche verwickelt. Sie erhebt eine Anklage (Zitate waren nicht autorisiert) und widerlegt sie im gleichen Text (habe die Zitate vorher lesen können). Sie geht von sich aus in die Öffentlichkeit (z.B. in ihrem Blogbeitrag) - und schreibt zugleich, sie "habe keine Bock mehr" in der Öffentlichkeit zu stehen. Sie schreibt ganz offen, dass sie "definitiv nicht festgelegt" ist, ob sie ein Comeback will und bestreitet, dass sie erwägt, in die Politik zurückzukehren.

Es kann sein, dass Weisband in der Tat gerade dazu tendiert, nicht zu kandidieren. Aber dann einer Journalisten Fragen zu  Rückkehrpläne zu beantworten, lässt Zweifel daran aufkommen - schon allein, weil das der übliche Weg von Politikern ist, einen Anspruch öffentlich anzumelden: Man sagt, dass man derzeit nicht davon ausgeht, man zögert, sich das aus privaten Gründen nur schwer vorstellen kann etc...

P.S.: Der Vollständigkeit halber: Die Podiumsdiskussion mit Wagenknecht wurde abgesagt.

silvio spottiswoode 09.11.2012 | 16:26
Performative Widersprüche bestehen aber doch, laut Apel und Habermas, in der Sprachhandlung ständig, weil "die grundsätzliche Gültigkeit normativer Verpflichtungen nicht widerspruchsfrei bestritten werden kann". Die doppelte Mitteilungsfunktion - von propositionalem und performativem Gehalt, zwischen Gesagtem und Implikat der Sprache - findet folglich in jeder Aussage statt. Und damit wären wir wieder bei der Hermeneutik ... Jedenfalls kann man das doch keiner einzelnen zum Vorwurf machen. Schon gar nicht einer jungen Frau, die gerade 25 ist und ihre allerersten Erfahrungen mit medialer Öffentlichkeit macht. Sie sieht sich falsch zitiert, findet sich im Text - über sie selbst - nicht wieder, fühlt sich enttäuscht und benutzt. Das ist ihre Position. Die Journalistin sieht das anders, natürlich. Sie ist hier das handelnde Subjekt, das alle anderen ihrem Narrativ unterordnet! Mindestens haben wir zwischen Interviewee und Journalistin einfach einen Kommunikations-GAU. Und das allein sagt doch schon viel über die Methodik des Interviews, finde ich. Scharfrichterliche journalistische Schnellurteile, die Unfähigkeit die eigene journalistische Freiheit zu nutzen, sich Zeit zu nehmen und in echten Alternativen zu denken, das ist es doch was die verheerende mediale Gleichschaltung vor allem vorantreibt. 
Georg von Grote 09.11.2012 | 20:34

Mindestens haben wir zwischen Interviewee und Journalistin einfach einen Kommunikations-GAU. Und das allein sagt doch schon viel über die Methodik des Interviews, finde ich. Scharfrichterliche journalistische Schnellurteile, die Unfähigkeit die eigene journalistische Freiheit zu nutzen, sich Zeit zu nehmen und in echten Alternativen zu denken, das ist es doch was die verheerende mediale Gleichschaltung vor allem vorantreibt.

Sorry, aber das möchten Sie doch bitte an den uns zur Verfügung stehenden überprüfbaren Informationen näher erläutern.

ch.paffen 10.11.2012 | 00:44

pain, ja ich habe den spiegel artikel gelesen und nein der ist nicht anti mw, jedoch empfindet mw die gesamtkomposition des artikels so und deswegen hockt sie sich auf die opferinsel * und was kassiert sie dafür? * ein das kann die göre doch nicht ….. * klar kann sie *

ich finde verantwortlich handelnde medien dürfen nicht komponieren * das ist ja wie handgeklöppelt * sorry, interview = 2 reden und der der aufschreibt klöppelt NICHT * also nix mit interview2.0 sondern old school * feine restnacht noch cp

silvio spottiswoode 10.11.2012 | 15:35

Geschätzter Herr von Grote,


Ich denke wir beide wissen, dass es bei Boulevardjournalismus – und nichts anderes ist Merlind Theiles "Gute Fee"-Artikel – darum geht Pingpong zu spielen.
In zweifelhafter Kunstfertigkeit zieht Frau Theile alle erdenklichen Register um ihre Scripted-Reality Story zu bekommen. Sie benutzt alte PR-Strategien um ihre Interviewpartnerin aus der Reserve  zu locken. Mich ekelt das an.


Mehr noch, wir sollten nicht vergessen welch unrühmliche Rolle gerade Frau Theile im Fall von Martin Delius spielte, dem – in einem formlosen Gespräch mit ihr – der peinliche Vergleich raus rutschte, den er aber auch sofort bereute. Er bat ausdrücklich gerade das nicht zu bringen ...


Journalismus als Daytradertum: mediale Leerverkäufe als gesellschaftliche Bankrotterklärung. Arbeitete sie jetzt für mich, dann würde ich jemanden wie Merlind Theile erst mal auf einen längeren Sabbatical-Urlaub schicken. Ein Jahr zur Selbstfindung, das komplette Programm: mit Ashram, Meditation und lebensbedrohlichen Herausforderungen. Alles das in der Hoffnung, das am ende sowas wie Realitätsbezug bei ihr einsetzt. An was glaubt der Mensch, was ist ihm/ihr wichtig. Denn das hier kanns nicht wirklich sein, das ist das Nichts.

Ein Anwaltskollege geht hier genau auf den Sachverhalt ein. Auch das Interview in dem Marina davon spricht, dass statt über Inhalte dauern über ihre Person berichtet wird finde ich wichtig. http://www.kanzleikompa.de/2012/11/06/berechtigte-panik-bei-spiegel-online/



Georg von Grote 10.11.2012 | 17:50

Lieber Herr Spottiswoode, ich muss immer aufpassen, Sie nicht aus Versehen Roger zu nennen :-)

Nun habe ich mich ja langsam daran gewöhnt, dass vor allem hier alles, was nicht völlig verquast, verkrampft und mühsam zu lesen geschrieben ist, als Boulevard abgewertet und in die Tonne getreten wird.

Wenn Merlind Theiles Artikel nun auch in dieser Schublade landen soll, nur weil er locker luftig geschrieben wurde, aber trotzdem die Informationen enthält, die wesentlich sind, dann mag es eben so sein in den Augen mancher. Ich seh das anders. Und Boulevard ist keineswegs nur PingPong, zumindest nicht nach meiner Auffassung von Boulevard.

Und natürlich gehört es zum Handwerk, solche Strategien zu beherrschen um in einem Gespräch, bzw. Interview die Passagen aus dem Gesprächspartneer herauszulocken, auf die es ankommt. Wohl dem, der dieses Handwerk beherrscht. Ich sehe meine Rolle als Intervier nicht als PR-Agent des zu Befragenden. Für das, was der sagt, ist er selbst verantwortlich. Was ist daran eklig?

Eklig wird es nur dann, wenn ich die Worte bewußt verdrehe, in einen anderen Kontext stelle um den anderen zu diffamieren, schlecht dastehen zu lassen. Oder ich veröffentliche etwas, was mir jemand privat anvertraut, also was ausdrücklich nicht für die Öffentlichkeit gedacht ist, quasi "off air". Dann wird es eklig.

Aber das alles hat Merlind Theile nicht gemacht. Sie hat sich lediglich aus einem Gespräch die Passagen herausgepickt, die sie für ihren Artikel brauchte und die gesamte Selbstbeweinung einer Frau Weißband weggelassen. Marina Weißband hätte eigentlich froh darüber sein müssen, dass sie nicht so dargestellt wurde. Aber offenbar mag sie das gerne und ist deswegen so sauer?

Insoweit hat Merlind Theile sie sogar geschützt.

Und was war denn schlimm an der sache Delius? So weit ich informiert war, war das ein offizielles Interview, kein Gespräch zwischen Tür und Angel auf dem Korridor. Und der Mann hat estwas gesagt, was er in seiner Position nicht hätte sagen dürfen. der war ja kein Smutje am hintersten Kochtopf, sondern wollte Chef de Cuisine auf dem Seelenverkäufer werden.

Theile musste das bringen, zumal in einer Situation, in der einige Chefpiraten Probleme mit der historischen Vergangenheit bewiesen haben. Im Gegenteil, wenn sie Delius Bitte nachgekommen wäre, hätte sie als Journalistin verdammt unsauber gearbeitet.

Ich will mich hier weiß Gott nicht als Verteidiger Theiles aufspielen, aber ich sehe nur das, was unumstößliche Tatsache ist und bewerte es dementsprechend.

Anders als dieser Herr Kollege Kompa, der nämlich auch keine anderen Informationen zur Verfügung stehen hat, die aber in seiner unverblümten und unübersehbaren Anhänglichkeit zu Weißband wie diese verfälscht und dabei sämtliche Logik, die er als Anwalt eigentlich beherrschen müsste, über Bord wirft. Kompa begeht den Fehler, den ein Anwalt nie begehen darf, er identifiziert sich mit seiner "Klientin" und ihren Taten.

Mehr möchte ich zur Person Kompa lieber nicht sagen :-)

Letztlich hat ja Weißband an ihrer persönlichen virtuellen Klagemauer selbst zur Klärung der Sache beigetragen: Sie bestätigt im Prinzip das, was Theile im Artikel und in der späteren Stellungnahme auf SPON schreibt.

Offenbar will das aber kaum einer hier wahrhaben. :-)

silvio spottiswoode 10.11.2012 | 22:03

Dear George, call me Roger, Sir.

Roger, all roger.

okey dokey, back to business: "Ärgerlich wird es, wenn Politiker ihre eigenen, sogar autorisierten Aussagen hinterher ungeschehen machen wollen, indem sie der Presse unsauberes Arbeiten vorwerfen. Im Fall von Marina Weisband ist es nun leider so passiert."

So Theile in ihrem Blog. In dieser Darstellung gibt es für mich aber einfach zwei riesen Probleme:

1. So ist das aber eben überhaupt nicht passiert, hier verdreht Frau Theile die Faktenlage zu ihren Gunsten. 2. Warum werden Geschichten auf biegen und brechen erzwungen, nur damit sie in die momentane journalistische Stossrichtung passen?

Problematisch ist also zum einen die personenbezogene Gewichtung des Artikels, wie ja auch schon an der Überschrift "Die gute Fee" deutlich wird. Zum anderen sicherlich auch Weisbands Annahme, das Zitate, die sie abgesegnet hat, "eins zu eins so, ohne Abstriche und garnierendes Beiwerk" erscheinen würden.

Nicht zuletzt, und da fand ich Dirk von Gehlens Kommentar –zitiert von Niggi– bei SPON sehr gut, zeigt uns diese Geschichte wie sich der Beruf des Journalisten gerade verändert:"Journalisten, die die Aufmerksamkeit ihrer Leser erlangen und erhalten wollen, müssen mehr als bisher begründen, warum sie arbeiten wie sie das tun. Sie müssen mehr als bisher transparent machen wie sie arbeiten, dokumentieren woher sie Zitate haben und auf welche Quellen sie sich stützen."

silvio spottiswoode 10.11.2012 | 22:15

Es gibt so viele tolle Geschichten die uns umgeben. Warum werden die nicht erzählt? Wo sind Journalisten wie Marie-Luise Scherer, die monatelang eine einzige Geschichte recherchieren, bevor – wenn überhaupt – Urteile gefällt werden? Warum nimmt man sich nicht den Luxus und die Freiheit für die Arbeit einfach mehr Zeit zu haben? Denn darum geht es doch, auch im Journalismus. Dieses gegen-den-Strom schwimmen macht die Qualität aus.

Ich habe oft das Gefühl, so wie sich in der zeitgenössischen Kunst Galeristen, Kuratoren und Auktionshäuser auf bestimmte Künstler einigen, die dann für alle Beteiligten gewinnbringend ins Rennen um die mediale Aufmerksamkeit geschickt werden, so einigt man sich im Journalismus zunehmend eben auch auf genau die Themen, die Quoten und Verkaufszahlen versprechen.

Eine Story über "die schöne, gute Fee" – heute ist Nikolaus und morgen kommt der Weihnachtsmann ;))) – bringt eben mehr, als die Geschichte eines Einwandererkindes, das den gesellschaftlichen Aufstieg ins Bürgertum geschafft hat.

Wobei das doch in jedem Fall die viel spannendere Geschichte wäre, persönlich als auch politisch. Total faszinierend ist doch für uns alle immer wieder zu sehen welchen Weg einer/eine geht, die Durststrecken die er/sie zurückgelegt und welche Opfer gebracht wurden. Kurz die Entfernungen im Leben sind das was zählt, nicht was einer geschenkt bekommen hat, sondern was er/sie daraus – mit welcher Begründung – macht. Und eine Biografie wie die von Marina Weisband ist reich an diesen Strecken. Hier ist jemand der weiss was es heisst bei Null anzufangen, ausgegrenzt zu werden, Mitglied einer Miderheitsgruppe zu sein und in Deutschland als Kontingentflüchtling zu leben.

Und das macht sie für uns alle als Politikerin so wertvoll: Ihre Erfahrung, ihr Verständnis für das Andere, die Empathie.

Alles das sind Dinge von denen eine Frau Theile in ihrem Leben, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, niemals was erfahren wird. Und irgendwie will man ihr das natürlich auch nicht wirklich wünschen. Nur gewinnen die Texte dadurch eben auch nicht gerade an Relevanz.

Let's agree to disagree on this one. ;)))

Georg von Grote 10.11.2012 | 23:55

Nee, dann Silvio. Der Roger gehört einem anderen und dann käme ich dauernd auf die Idee über Film zu sinnieren und Film interessiert in dieser community keine S.. :-)

Aber das artet hier gerade in ein Zwiegespräch aus und hat letztlich mit Krafts Anliegen auch nichts mehr zu tun.

Was hälst Du davon, das Gespräch in einem separaten Blog weiterzuführen? Interessant genug wäre das Thema ja.

silvio spottiswoode 13.11.2012 | 13:44

@GvG  Unbedingt Film: Dein Citizen Kane Clip war doch genau richtig! Ja, das Thema ist spannend: Die Zukunft des Journalismus. Sorry, das ich jetzt erst antworte, musste ein paar echte Klopper abwehren und war zu beschäftigt mit der "Restrukturierung" meines Grafik-Teams. (Oh menno wo soll das nur alles enden, hab bald keine Lust mehr ...)

Also, man koennte was zum Paradigmenwechsel im Journalismus machen, dafuer waere ich zu haben. (Das Metathema da wäre wahrscheinlich Wachstum, bzw. das gegenteil, also kein schneller hoeher weiter ... eher langsam, kleiner, genauer ... ) Ich schreib dann was aus der Perspektive der Designer. ;))) Weisband wird erst nach dem Gespräch mit Wagenknecht wieder richtig interessant, glaube ich.


So, bin wieder raus, noch ein paar Jobs retten ...