Technixer
21.12.2012 | 22:32 5

Trennbanken-System für Deutschland? Ja!

Universalbanken Der Bankenverband findet das deutsche Bankensystem gut so, die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking zu risikoreich und überhaupt schlecht. Ein Kommentar

Trennbanken-System für Deutschland? Ja!

Foto: 401(K) 2012 / Flickr (CC)

Der Bankenverband hat eine Pressemitteilung rausgegeben worin sie vor einer Trennung der verschiedenen Geschäftsbereiche von Banken warnen, da mir der Text relativ viele Fragen aufwarf, an dieser Stelle ein Kommentar dazu.

Zunächst einmal, was ist mit dem Überbegriff 'Trennbanken-System' überhaupt gemeint? Im allgemeinen bezeichnet es die Auslagerung und Spezialisierung auf ganz bestimmte Fachbereiche des Bankwesens vom Geschäftsbereich. Im Kern geht es bei der Forderung aber darum, dass risikoreicheres Investmentbanking  vom klassischen Geschäft der Banken getrennt wird.  Neben der Verwaltung in Immobilien angelegter Vermögen oder Altersvorsorgeverträgen liegt das Hauptgeschäft des Investmentbankings in der Unterstützung des Handels an den Finanzmärkten. Womit wir beim zentralen Problem angekommen sind. Die Finanzmarktkrise hat auch deshalb die Staaten so stark in die Verantwortung gezogen, weil Banken sich mit ihren Investmentstrategien verkalkuliert hatten und dies Auswirkungen auf alle Geschäftsbereiche hatte, eben auch auf die Versorgung der Unternehmen mit Krediten.

In Deutschland wurden die Probleme vor allem durch Landesbanken die sich beim unübersichtlichen Hypothekenkredithandel "verzockt" hatten, bekannt. An diesem Punkt setzt meine Verwunderung über die Pressemitteilung vom Bankenverband an, so ist dort zu lesen "Die Finanzkrise hat gezeigt, dass Trennbanken genauso systemrelevant sind wie Universalbanken. Lehman Brothers als ein Verursacher der Finanzmarktkrise von 2008 war eine klassische Investmentbank" und "Die derzeitige spanische Bankenkrise wurde wiederum, von den spanischen Cajas (Sparkassen) ausgelöst, also klassischen Privatkundenbanken". Nach wissenschaftlichen Maßstäben wählt man jedenfalls keine Fälle passend der Beweislage nach aus, weil es sich sonst um eine tautologische Untersuchung handelt und überflüssig ist.  Zumal es fragwürdig bleibt, vergleichend Beispiele aus Staaten mit unterschiedlichen Volkswirtschaften heranzuziehen,  um dann zu behaupten in Deutschland, mit einem anderem Rechtsraum könnte das auch geschehen. Dafür ein kurzer Blick auf die beiden genannten Fälle, Lehman Brothers wurde als Investmentbank gegründet und erlangte über das wirtschaftspolitische Konzept der 'Financialization' in den USA viel früher die Einbindung  in die Kapitalausstattung und Kopplung des Finanzmarktes an die sogenannte Realwirtschaft (die Versorgung mit Krediten). Der Schaden den die Lehman Pleite anrichtete ergibt sich aus der Größe der Institution, ihren verzweigten Geschäftbeziehungen und Einbindung instabiler Investmentstrategien in die Kreditvergabe.

In Spanien hingegen handelte es sich um institutionalisierten Bauboom, d.h. Vergabe von Krediten an Baufirmen. Diese Fehlentwicklung war politisch gesteuert, wurde aber schon relativ frühzeitig erkannt und kritisiert, aber nicht gegengesteuert. Hätte es strenge Kreditvergaberichtlinien gegeben wäre das m.E. nie geschehen.

Die Probleme welche die Pleiten von Lehmann und spanischer Banken mit sich brachten, weiteten sich ja eben nur deswegen auch auf unsere Banken aus, weil ein Einstieg in deren Geschäftsmodelle möglich war und somit Wins und Loss größer ausfielen. Hätte es seitens der Landesbanken keine Investitionen gegeben hätten diese auch keine Verbindlichkeiten gegenüber Anlegern gehabt.

"Universalbanken sind allgemein krisenstabiler, da sie durch ihre Aktivitäten auf verschiedenen Geschäftsfeldern für einen Risikoausgleich sorgen" dies ist angeblich ein Argument gegen Trennbanken. Warum handelt es sich eigentlich um Risikoausgleich, wenn viel risikoreichere Bereiche hinzukommen? Wie an der Finanzkrise zu sehen ist, sind ganze Geschäftsfelder kollabiert, da sie inaneinander verschachtelt und gekoppelt waren. Die Banken welche am wenigsten von der Finanzmarktkrise berührt wurden, sind diejenigen welche dort nicht tätig waren/sind. Gutes Beispiel dafür ist Australien, der Kontinent hat eine Wirtschaft die noch im primären und sekundären Sektor angesiedelt ist. Die Banken dort investierten weitestgehend in die eigene Wirtschaft und öffneten sich kaum den Finanzmärkten.

Das sind so meine Überlegungen zur Pressemitteilung des Bankenverbandes.

Kommentare (5)

Kai Rüsen 22.12.2012 | 18:02

Auch aus meiner Sicht sollte eine Trennung zwischen klassischen Geschäftsbanken und Investmentbanken erfolgen. In diesem Zusammenhang möchte an den US-amerikanischen Glass-Steagal Act aus dem Jahr 1933 erinnern. Damals wurde in den Vereinigten Staaten das Trennbankensystem eingeführt - auch als Antwort auf die "Great Depression" in den 30er Jahren.

 

Im Jahr 1999 wurde das Trennbankensystem von der Clinton-Administration aufgehoben, um den Anforderungen der  entfesselten Globalisierung Rechnung zu tragen. Das Ergebnis ließ sich  keine

10 Jahre später besichtigen: Einige Ökonomen sehen einen Grund für die aktuelle Finanzkrise - freilich neben vielen anderen Ursachen - in der Aufhebung des Glass-Steagal Act.

Lukasz Szopa 22.12.2012 | 20:25

Ob Trennbanken-System oder Tobin-Steuer, eine richtige Eingrenzung der Bankenrisiken (für die Allgemeinheit) kann es nur geben, wenn es eine Spar-Kredit-Identität gibt. D.h. eine Bank darf nicht mehr als Kredit vergeben oder anderswo investieren(ob an Häuslbauer, an andere Bank, oder als Derivaten-Spekulation), als sie Kapital an Einlagen hat. Dazu dient das Eigenkapital - also das der Aktionäre - als Puffer. Dann könnten die Banken gerne noch so wilde Spekulationen treiben, wenn das Geld falsch investiert wurde, verliert der Sparer und Aktionär der Bank. Dies wiederum würde automatisch einer mehr konservativen und vorsichtigeren Finanzstrategiesowie zu solideren Bewertungen der Investiotionen/Kreditvergaben seitens einer Bank führen - denn ansonsten laufen ihr die Aktionäre und Sparer weg.  Und wenn die Bank pleite geht, muss die Allgemeinheit null dafür haften, es gibt keinen "Domino-Effekt" - weil das eingesetzte Kapital um ein vielfaches geringer ist (eben nur "echtes" und kein Fiat-Geld) und weil die Banken vorsichtiger agieren.

Kai Rüsen 22.12.2012 | 21:07

Das Problem des Investmentbanking stellt der Eigenhandel der Banken dar. In diesem Fall spekulieren die Banken auf eigene Rechnung mit Wertpapieren und Derivaten. Hierbei können gigantische Verluste entstehen, die durch das klassische Kreditgeschäft nicht auszugleichen sind. Geht eine Universalbank - die sowohl Eigenhandel als auch das klassische Bankgeschäft betreibt - in die Insolvenz, so haben deren Kreditnehmer ein Problem. Und bei Großbanken mit vor allem mittelständischen Unternehmen als Kreditnehmern kann es zu erheblichen Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft kommen, wenn zu viele Unternehmen sich nicht mehr über ihre Hausbank finanzieren können und ebenfalls Konkurs anmelden müssen. Damit wenigstens die Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen relativ gesichert bleiben, sollte eine Trennung von Investment- und Geschäftsbanken erfolgen.

Frank Linnhoff 23.12.2012 | 10:14

Warum auch sollte der deutsche Bankenverband irgendwelchen Änderungen zustimmen? Leben die Banken doch in der besten aller Welten, mit Privilegien ausgestattet, wie die hohe Geistlichkeit im Mittelalter. Ein Trennbankensystem hat Vorteile, ändert jedoch nichts an dem grundsätzlichen Problem. Das grosse Geschrei des Bankenverbandes wird losgehen, wenn es ans Eingemachte geht, es den Banken unmöglich gemacht wird, Giralgeld quasi unkontrolliert aus dem Nichts zu schöpfen, wie dies bei einer Vollgeldreform der Fall wäre. Dies wäre das Ende der Bankenherrschaft über das Geld, der Herrschaft der Finanzmärkte über die Politik.

blog1 26.12.2012 | 17:01

Ihr Lösungsansatz geht in die richtige Richtung.

Wofür sind Banken da?

-Sie nehmen Einlagen herein und verzinsen diesen zu einem ordentlichen Zinsatz.

- Sie vergeben Kredite maximal in Höhe der Einlagen gegen Zahlung von (höheren) Zinsen und gegen Hereinnahme von Sicherheiten.

- Sie stellen den bargeldlosen Zahlungsverkehr sicher und nehmen dafür Gebühren.

Das ist der Aufgabenbereich von Banken. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Das jetzige Bankensystem ist in seiner Struktur total pervertiert. Daran herumzufeilen und ledigleich kosmetische Korrekturen vorzunehmen nutzt nur denjenigen, die das jetzige Bankensystem aufrecht erhalten wollen.

Die nächste Bankenreform ist schon in Vorbeitung und der hierzu erforderliche Gesetzentwurf wird von den Vertretern der Bankenllobby vorbereitet. Eine einzige Farce!