Der Mythos des liberalen Interventionismus
Kosovo-Lüge Besser spät als nie: Den westlichen Eliten dämmert elf Jahre nach dem NATO-Überfall auf Jugoslawien im März 1999, dass dieser ebenso falsch war wie die Irak-Invasion
„Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Kosovo-Befreiungsarmee stehen für dieselben menschlichen Werte und Prinzipien … Für die UCK zu kämpfen bedeutet für die Menschenrechte und die amerikanischen Werte zu kämpfen“, so der neokonservative US-Senator (und gegenwärtige Wikileaks-Gegner) Joseph Lieberman 1999 auf dem Höhepunkt der von den USA angeführten Intervention gegen das Jugoslawien Slobodan Miloševics.
Es wäre interessant zu erfahren, was Senator Lieberman zum Bericht des Europarates – Europas wichtigster Institution zur Überwachung der Menschenrechte – über seine liebste Bande von Freiheitskämpfern zu sagen hat. Der Bericht führt abscheuliche Menschenrechtsverletzungen auf, die von der UCK verübt worden sein sollen, mit der sich der Westen im Krieg gegen Jugoslawien vor gut elf Jahren verbündet hatte.
Zivilisten – Serben und Kosovo-Albaner, die die UCK nicht unterstützten – wurden von dieser während der Konflikte von 1999 nach Nordalbanien verschleppt und erschossen, um ihnen die Nieren entnehmen zu können und auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Der frühere UCK-Chef und amtierende kosovarische Premier wird als „Boss“ der „mafia-ähnlichen“ Organisation identifiziert, die bis heute den Drogen-, Waffen- und Organhandel in der Region kontrolliert. Der Bericht klagt nicht nur die Verbrechen der UCK, sondern auch die Politik des Westens an und straft damit diejenigen Lügen, die den Krieg in den Worten Tony Blairs als „eine Schlacht zwischen Gut und Böse, zwischen Zivilisation und Barbarei, zwischen Demokratie und Diktatur“ bezeichneten.
Terrorwelle der UCK
Diese Sicht der Dinge war eine Fiktion, der viele Linksliberale gern Glauben schenkten. 1999 galt ihnen Tony Blair noch nicht als doppelzüngiger Kriegstreiber, sondern moralischer Kämpfer gegen ethnische Säuberungen. Wenn es dem Westen aber darum gegangen wäre, auf dem Balkan moralisch verantwortungsvoll zu agieren und die Bevölkerung des Kosovo zu beschützen, wäre ein anderes Vorgehen notwendig gewesen, als einen Krieg gegen Serbien vom Zaun zu brechen und mit der UCK die brutalste Gruppierung innerhalb der kosovarischen Politik zu unterstützen. Stattdessen hätte man sich für ernsthafte Mehrparteiengespräche einsetzen und Belgrad eine Aufhebung der Sanktionen für den Fall in Aussicht stellen können, dass es zu einer friedlichen Lösung des Kosovo-Problems kommt.
Aber seine aggressiv anti-serbische Haltung führte den Westen zu immer extremeren Positionen und der Unterstützung von Organisationen, die selbst Präsident Clintons Sondergesandter für das Kosovo, Robert Gelbard, „ohne jede Frage“ als „terroristische Gruppe“ einstufte. 2000 brachte die Sunday Times ans Licht, dass US-Agenten im Vorfeld der Bombardierungen die UCK ausgebildet hatten. Der UCK-Kommandeur Shaban Shala behauptete, 1996 in Nordalbanien britische und US-Agenten getroffen zu haben.
Die Terrorwelle der UCK gegen Vertreter des jugoslawischen Staates sowie serbische wie kosovo-albanische Zivilisten im Jahr 1998 führte zur Eskalation des Konfliktes mit der Regierung in Belgrad, was Gräueltaten auf beiden Seiten mit sich brachte. Während in der westeuropäischen Öffentlichkeit der Eindruck vermittelt wurde, der Ausbruch des Krieges im März 1999 sei von der Regierung Jugoslawiens zu verantworten, räumte der britische Verteidigungsminister Lord Gilbert ein, dass „die Bedingungen, die an Miloševic in Rambouillet [der internationalen Konferenz, die dem Krieg vorausging] gestellt wurden, absolut inakzeptabel gewesen" seien … und dies durchaus gewollt war.
Nur zu begrüßen
Das darauf folgende, 78 Tage dauernde „humanitäre“ Bombardement der Bundesrepublik Jugoslawien führte dazu, dass die ethnischen Säuberungen der jugoslawischen Streitkräfte im Kosovo massiv zunahmen und zwischen 2.000 und 10.000 Kosovo-Albaner getötet wurden. Durch die Bomben der NATO kamen zwischen 500 und 1.500 Menschen ums Leben.
Aber auch nachdem die jugoslawischen Einheiten sich auf russischen Druck hin aus dem Kosovo zurückzogen, gingen dort die ethnischen Säuberungen und Menschenrechtsverletzungen weiter und schätzungsweise 200.000 Serben, Roma und andere Minoritäten aus dem Süden der Provinz und fast die gesamte serbische Bevölkerung Prishtinas wurden unter den Augen der NATO-Besatzer aus ihren Häusern vertrieben.
In einem Bericht von Minority Rights Group International über das Kosovo heißt es: "Nirgends [in Europa] muss man so große Angst haben, dass so viele Minderheiten allein für das, was sie sind, schikaniert oder angegriffen werden." Und im Oktober 2010 hieß es bei Human Rights Watch, dass "Roma und die verwandten Minderheiten, die aus Westeuropa in das Kosovo abgeschoben werden, sich Diskriminierung und ernsthaften Benachteiligungen gegenüber sehen, die zusammen genommen Menschenrechtsverletzungen gleichkommen". Was die demokratischen Fortschritte betrifft, so gibt es in Bezug auf die ersten Wahlen seit der einseitigen Unabhängigkeitserklärung am vergangenen Sonntag, die von den im Kosovo verbliebenen ethnischen Serben boykottiert wurden, massenhaft Betrugsvorwürfe. In einem Wahlbezirk soll die Wahlbeteiligung bei stolzen 149 Prozent gelegen haben.
Weit von Tony Blairs „gutem Krieg“ entfernt, war der NATO-Angriff auf Jugoslawien selbst genauso verwerflich wie die Invasion im Irak. Durch die Diskreditierung des Irak-Krieges ist es für die Vertreter eines liberalen Interventionismus heute umso wichtiger, den Kosovo-Krieg weiter als Erfolg zu verkaufen. Der Bericht des Europarates über die UCK-Verbrechen erschwert ein Festhalten an dieser Position ganz erheblich. Und wenn dieser seinen Teil dazu beiträgt, die Skepsis der Menschen gegen künftige „liberale Interventionen“ des Westens zu mehren, kann man dies nur zutiefst begrüßen.
Übersetzung: Holger Hutt

Kommentare (15)
Vielleicht "stiftet" der Baron Guttenberg ja noch einen vaterländischen Verdienstorden für "alte Kämpfer". Den könnte er dann den Herren Schröder und Fischer an ihre "Heldenbrüste" heften.
Wenn man das, was man eh schon vermutet und teilweise gewusst hat, hier noch mal vom Europarat bestätigt bekommt, wird die Wut und der Abscheu gegenüber den Mehrheits-Rot-Grünen wieder ganz aktuell.
www.newsweek.com/1999/04/18/we-have-to-win-this.html#" target="_blank">www.newsweek.com/1999/04/18/we-have-to-win-this.html#">„Ich sehe eine Parallele zu jenem primitiven Faschismus. Offensichtlich sind die 1930er Jahre zurückgekehrt, und das können wir nicht hinnehmen.“
Ob das was helfen wird? Der jüngeren Generation ist dieser Krieg so unbekannt wie der zwischen Preußen und Österreic von 1866. Diesen Krieg hat es nie gegeben.
. Der frühere UCK-Chef und amtierende kosovarische Premier wird als „Boss“ der „mafia-ähnlichen“ Organisation identifiziert, die bis heute den Drogen-, Waffen- und Organhandel in der Region kontrolliert.
Und wann erfolgen die Haftbefehle aus Den Haag?
Ich möchte noch einmal auf das Potenzial der deduktiven Methode in der politischen Analyse verweisen. Ohne 1999 die Einzelheiten des Angriffes der NATO auf Jugoslawien zu kennen, war klar, dass Schröder, Fischer und Scharping unter keinen Umständen aus einer "humanitären" Pflicht heraus handelten.
Dieses politische Personal kalkulierte die politischen Optionen unter der Voraussetzung, dass die NATO ein Herrschaftsinstrument der USA ist, dass der Zerfall Jugoslawiens die geostrategische Position des russischen Konkurrenten ernsthaft schwächen wird und dass die deutschen Eliten 1999 am besten fahren, wenn sie sich der Unterstützung der USA beim Freiräumen des so dringend benötigten wirtschaftlichen Expansionsraumes versichern.
Dass der Pate eines Verbrechersyndikates zum Verbündeten wird, ist so lange nur ein kleineres Problem der staatlichen PR, bis Schröder, Fischer, Scharping, Blair, Clinton und noch ein paar andere vorm Kriegsverbechertribunal in Den Haag stehen. Holbrooke hat sich in dieser Woche dem Tribunal entziehen können.
Endlich. Hat lange gedauert, bestimmt zu lange. Aber besser spät als nie. Ergänzend zum Text noch zu erwähnen, dass die Gespräche in Rambouillet 1999 scheitern sollten. Der vorgelegte "Friedensplan" enthielt einen geheimgehaltenen Annex B, der die Souveränität Jugoslawiens komplett aufgehoben hätte. Ähnlich dem Angebot Deutschlands 1914, wissentlich, dass keiner so etwas unterzeichnen kann und es unweigerlich zum Krieg kommen wird.
Der Film "Wag the Dog" hatte ein erschreckend ähnliches Szenario Jahre vor dem Überfall sogar auf die Leinwand gebracht.
Applaus, Applaus…. Nach dem Dick Marty Vorwürfe erhoben hat, aber keinerlei Beweise vortragen kann, außer die Vorwürfe die Del Ponte in ihrem Buch erwähnt, aber gleichzeitig eingestehen musste, dass es keinerlei Beweise dafür gibt und es nur Gerüchte bleiben, nach dem also Herr Marty nochmal unbewiesenes zitiert, fühlen sich selbsternannte „linke“ Kämpfer im Namen der Wahrheit und der Gerechtigkeit zum „wir haben es doch schon immer gewusst“-Aufschrei ermutigt.
Zum linkspolitisch Denkenden habe ich mich erzogen und möchte mich auch weiterhin so definieren. Aber während des Kosovo-Krieges musste ich schmerzhaft erfahren, dass die Linke, besonders die in Deutschland, „hängen geblieben ist“. Hängen geblieben und dauerverletzt übt sie sich im ständigen Antikampf und ist sich nicht zu schade dafür, auch zehntausende Opfer zu relativieren. Ein Neil Clark hätte ich für ernst nehmen können, wenn er vor dem Kosovo-Krieg seine Stimme erhoben hätte. Er hat sie nicht 1968 und später 1981 erhoben, als es Kosova-Albanische Studenten waren, die gegen ein Zweiklassensystem und Unterdrückung der Bevölkerung Kosovas auf die Straßen gingen und gegen die Polizei und Militär-Miliz aufgestellt wurde. Bilanz: Inhaftierungen, Folter und Tote. Er hat sie nicht erhoben als 1989 die nationalistische Propaganda Milosevics, erst gegen die Kosovo-Albaner und dann gegen die anderen Völker Jugoslawiens, mit dessen Auftritten im Kosovo seinen Anfang nahm. Er hat sie nicht erhoben, als es eine systematische Unterdrückung der Kosovo-Albaner im Apartheitsstil begann und das allein aus dem Grund der ethnischen Zugehörigkeit dieser. Untätig und immer noch liebäugelnd mit dem „sozialistischen“ Staat Jugoslawien, der nie ein demokratischer oder soziale Staat war, sondern im inneren immer ein repressiver Staat war, ist die linke und besonders die deutsche linke blind und untätig gewesen. Nach einer zehn Jahre andauernden Phase pazifistischem Widerstand der Kosovo-Albaner und ohne jegliche Hilfe von Linksengagierten Europas, nach den Jugoslawien Kriegen an denen sich die Kosovo-Albaner nicht beteiligen wollten und immer noch auf den friedlichen Widerstand setzten und nach Srebrenica brach irgendwann der bewaffnete Kampf aus. Und er wurde erhört, bis nach Berlin, London und Washington. Und jetzt erst als sich einige dem Thema widmeten und etwas taten, auch wenn es nicht immer glanzvoll gewesen sein mag, aber sie taten was; ob ein Fischer oder ein Clinton u.a. Ja, jetzt erst meldeten sich die Freiheit- und Wahrheitsliebenden Linken zu Wort. Und ihre einzige Idee; dagegen sein und sei es um den Preis der indirekten Legitimation und Unterstützung eines Apartheitsregimes wie das in Serbien.
Die „linke“ hat auf ganzer Strecke versagt. Und nun erfreut man sich an einige Vorwürfe, oder daran, wenn eine Schmugglergruppe im Kosovo ausfindig gemacht wurde, um sich in Glauben bestätigt zu fühlen, dieser Staat sei ein krimineller, wissend doch, dass das sonnige Montenegro wo wir gerne mal Urlaub machen das Schmuggelland Nr.1 für Zigaretten und Öl während und nach den Jugoslawien Kriegen war und ist. Oder, dass Serbien immer noch ein von Nationalisten, Organisierter Kriminalität und leider auch negativ von der Orthodoxen Kirche beherrschter Staat ist. Aber das ist irrelevant wenn das Ziel einer sich gemütlich machenden „Linken“, das Schattenboxen gegen Schablonen wie NATO etc. ist, statt integeres und blockfreies Denken ist.
Ich bleibe weiterhin „linker“ aber nicht des Wortes wegen, sondern der Prinzipien wegen. Alle anderen können sich es sich weiterhin gemütlich machen bei einem Filmabend mit „Wag the Dog" hatte ein erschreckend ähnliches Szenario Jahre vor dem Überfall sogar auf“ und sich in unbewiesenen, vielleicht aber auch möglichen Fällen, suhlen, in der Hoffnung sie könnten in die Suppe anderer spucken, wenn sie schon nicht in der Lange sind ein eigenes Rezept vorzulegen. Ein trauriges Bild.
p.s. mein Text lang geworden ist, erspare ich es Euch den Artikel von Neil Clark in seine Einzelteile zu zerrlegen.
@ der selbstleser schrieb am 17.12.2010 um 12:07
Worin drückt sich denn nun Ihr "linker Standpunkt" aus? Sie haben vorerst nur einen Antiantistandpunkt formuliert, der in der Logik dzu führt, dass Sie einen pro Standpunkt NATO-Aggression in Jugoslawien einnehmen. Was ist daran links?
Sonst finde ich in Ihrem Text noch einige selbsterrrichtete Popanze wie z.B. dass Serbien und Montenegro auch nicht besser seien, oder dass die Kosovo-Albaner (was für eine für linkes Denken ungewöhnliche Verallgemeinerung) pazifistischen Widerstand übten. Sie führen diese Argumente selbst ein, widerlegen diese triumphierend selbst und verlassen selbstgerecht die Diskussion. Nur hat hier gar niemand behauptet, dass Serbien, Montenegro und Jugoslawien "demokratisch" seien, dass führen Sie ein, um etwas zum Widerlegen zu haben.
Über die politische Situation im Kosovo scheinen Sie nur sehr wenig zu wissen. Beschäftigen Sie sich einmal mit der Politik Titos im Zusammenhang mit Albanien. Wenn Sie verstanden haben, dass Tito den Kosovo und seine Bevölkerung absichtsvoll privilegierte, um Serbien im Bundesstaat Jugoslawien zu schwächen und Albanien einzubinden, dann würden Sie verstehen, dass eine politische Analyse nicht damit beginnt, dem anderen ein Klischee vorzuwerfen, um es durch das eigene zu ersetzen.
Sie scheinen auch sehr wenig über die geopolitischen Konstellationen auf dem Balkan zu wissen. Ich habe mich hier schon mehrfach dazu geäußert, suchen Sie einfach.
Thank You!

Kriege für menschliche Eingeweide?
www.freitag.de/community/blogs/sachichma/kosovo-gefangene-fuer-organ-handel-ausgeweidet-
Was die Selbstgerechte angehet, so kann ich ihnen schon jetzt nicht das Wasserreichen. Aber was den Inhalt der Diskussion betrifft, ja, da geht noch einiges.
Ich kenne auch die Tito-Ära, doch mein schreiben hatte nichts mit Tito zu tun, sondern unteranderem mit Serbien innerhalb Jugoslawiens. Und das Serbien im Kosovo zusätzlich seine eigene Politik betrieben müsste für Kenner kein Geheimnis sein. Denn unabhängig davon in wie weit Tito den Albaner wie anderen Völker Jugoslawiens Rechte zugesprochen hat um damit auch Serbiens Nationalismus in die Schranken zu weisen, gab es eine Unterdrückung der Kosovo-Albaner durch Rankovics Politik schon seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Diese Politik wurde weitergeführt und fand sein Ende 1999. Wenn ich hier Montenegro, Serbien oder sonst einen anderen Balkan-Staat anführe, dann nicht um den einen durch das Aufzeigen der Fehler anderer wett zu machen, sondern um einen Grad an Verhältnismäßigkeit in die Diskussion zu bringen. Die Kosovo-Albaner können nichts dafür, dass ihnen die NATO, die USA, Fischer oder sonst jemand geholfen haben. Und was auch immer ein Thaci gemacht haben soll, auch das kann nicht das Recht der Kosovo-Albaner mindern Selbstständig zu sein. Sie haben, im Gegensatz zu Serbien, Kroatien oder Slowenien sich nicht aussuchen können ob sie im jugoslawischen Verbund sein wollen oder nicht. Sie haben sich auch nicht ausgesucht ob sie Unterdrückt werden oder nicht. Ihre Abspaltung war mit oder ohne Krieg eine Frage der Zeit. Es gibt kein Land auf dem Balkan, das den waffenlosen Widerstand gewählt und getragen hat wie die Kosovo-Albaner, es gibt auch kein Land auf dem Balkan, das kooperativer mit Den Haag gearbeitet hat als Kosovo. Ein Verbrecher ist ein Verbrecher ist ein Verbrecher, egal ob er Thaci oder Müller heißt oder was auch immer. Aber die Relativierung der Unterdrück und des Rechts der Kosovo-Albaner sich von Serbien loszulösen, eine Relativierung die schleichend in die Thaci-Kritik mitgeführt wird oder in Schnappschüssen wie die von sachichma die gerne als „dokumentarisch“ aufgefasst werden sollen, bleibt nur eine verzweifelter Akt politische Engstirnigkeit zu rechtfertigen.
@ der selbstleser schrieb am 17.12.2010 um 14:40
Ich habe immer noch nicht verstanden, worin Ihr "linkes Denken" besteht, das Sie doch explizit in Ihrem ersten Posting erwähnen. Mir scheint, das dies nur Rhetorik war und so lasse ich das beseite.
Der Nationalitätenkonflikt zwischen den "serbischen" und "kosovarischen" Machtgruppierungen ist ein notwendiger Grund für den Krieg 1999 in Jugoslawien, hinreichend aber ist die gezielte Einmischung der NATO in diesen innerjugoslawischen Konflikt. Dieser Konflikt wurde gezielt durch verschiedene Instrumente der USA (NATO, Geheimdienste, Waffenlieferungen, Infiltration durch Mudshaheddin aus Afgahnistan,...) angeheizt. Die europäischen Staaten und die USA hätten über genug Erfahrung und Mittel verfügt, den Nationalitätenkonflikt im Kosovo zu lösen, sie wollten es nicht. Sie wollten den Krieg, sie wollten die Zerschlagung Jugoslawiens, sie wollten die Zurückdrängung des russischen Einflusses auf dem Balkan, sie wollten einen US-amerikanischen Militärstützpunkt Camp Bondsteel auf dem Balkan. Das aber wäre mit Verhandlungen so nicht zu erreichen gewesen.
Dafür haben sich die US-Strategen mit dem Verbrechersyndikat "Thaci" verbündet, so wie sie es in Zaire, Kolumbien, Panama, Italien, Laos, Afghanisan... schon vorher praktizierten. Das ist nicht rechts oder links. Das ist Machtpolitik, die man sachlich analysieren und ihr widerstehen kann. Man kann sich aber auch dem nationalen Suff hingeben und sich gegenseitig abschlachten.
@ der sebstleser usw.
1. Ich las im jahr vor der Nato- Intervention gegen Serbien
in meiner (rechts- ) liberalen Tageszeitung alle 2-3 Wochen über ein halbes Jahr hinweg Kurznotizen mit der Überschrift " Bewaffneter Angriff auf serbischen Polizeiposten in Kosovo"- Bewaffneter Angrif auf serbischen Polizeiposten im Kosovo .........So viel zum "pazifistischen Widerstand" "der" Kosovaren.
Zu "Kriegsbeginn" habe ich mich dann gewaltig über die plötzliche Opferrolle "des Kosovo" in allen Medien gewundert und verstand die Welt nicht mehr.J
2. Vor 2-3 Jahren berichtete ein kosovarischer Kritiker in einem Feature des Deutschlandfunk, sein Sohn im Pubetätsalter habe ihm mitgeteilt, er wolle nicht länger zur Schule gehen, da er glaube, es sei im Kosovo vernünftiger, sich eine Kalaschnikov zu besorgen und damit ziemlich schnell Regierungsmitglied bzw. Ministerpräsident zu werden.
little Louis
Mein linkes Denken gründet sich nicht auf „Antidenken“ nach dem Motto; der Gegner meines Gegners ist mein Freund. Daher wäre ich während des Kosovakrieges auch nicht wie der linke Gysi nach Belgrad geflogen um mit Milosevic zu posen. Welch eine Naivität. So wundert mich auch nicht wenn jetzt raus kommt, dass die „Linke“ zwar offiziell die Nato bekämpft, aber ihr Fraktionschef Gysi US-Botschaftern versichert, dass die Forderung nur vorgeschoben sei, um Fundis in der Partei ruhigzustellen. Das ist das Problem der deutschen Linken; sie hat nicht den Arsch in der Hose in den Spiegel zu schauen und sich sein „hängengeblieben“ einzugestehen. Stattdessen begnügt man sich damit sogar chauvinistischen Massenmörder die Hand zu schütteln, nur weil man nicht im Heute angekommen ist und so parodiert man das eigene Linkspolitische.
Und nun kommen Sie, Papanui, mit einem Potpourri von „Argumenten“, die sich in Verschwörungstheorieblogs sammeln lassen und nur den Tiefpunkt der Verwirrung linkschem Blockdenken aufzeigen. Jeder der sich mit dem Balkan auskennt weiß , dass die Kosovo-Albaner nicht viel von religiösen Ideologien halten und dass es keine „Mudshaheddins“ in der UCK gab. Dagen ist religiöse Unterfütterung ein Bestandteil serbischer Politik. Dazu kann ihnen der linke Cohen Bendit einiges erzählen. (siehe u.a. griechisch-orthodoxe Brüder als Freiwillige beim Srebrenica Massaker). Der Eingriff der westlichen Staaten in den Kosovo-Krieg muss im Kontext der gesamten Jugoslawienkriege betrachtet und verstanden werden. Die Erfahrungen aus Bosnien, die ethnischen Säuberungen und zu Letzt der Fall Srebrenica, hatten in der Politik, der Bevölkerung, den Kirchen etc. zu einem Umdenken geführt. Manchmal ist Geschichte einfacher als krampfhafte Verschwörungstheorien weiß machen wollen. Das ist Politik, die man sachlich analysieren kann. Man kann sich aber auch dem Verschwörungssuff hingeben und sich gegenseitig auf die Schulterklopfen.
Und wenn man oft genug klopft, dann fühlen sich auch andere wie little Louis ermutigt ihr Gedankengut dazu zu kippen. 1. Man kann alles zu allem zu lesen bekommen. Das ist erst einmal eine rein quantitative Errungenschaft der Technik. Die Kosovo-Albaner hatten unter der Führung Rugovas 10 Jahre eine gewaltfreie Politik betrieben. Viele Menschen wurden verfolgt, misshandelt und getötet. Das konnte man auch lesen und sehen. Viele Menschenrechtsorganisationen haben Jahrelang auf diese Unterdrück aufmerksam gemacht. Konnte man lesen und hören. Ende der 90er dann konnte man auch von vereinzelnden Nadelstiche gegen die serbische Miliz lesen. Eine Miliz die in Belgrad nicht geduldet werden würde, wurde ins Kosovo importiert und ihre einzige Aufgabe war es durch die Dörfer zu ziehen, einzuschüchtern und zu misshandeln, um das Volk vor weiteren Demonstration und Aufständen abzuhalten. Und von diesen Fällen hast du dann gelesen.
Und das schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei dem Punkt, um den es mir seit Beginn der Diskussion geht; Verhältnismäßigkeit statt Relativierung. Niemand wir das deutsche Volk der 40er Jahre als Widerstandsvolk bezeichnen weil es die Geschwister Scholl gab. Aber auch niemand wird heute das deutsche Volk als Pädophilvolk bezeichnen weil sich Fälle von Pädophilie in den Sechsuhrnachrichten vermehren. Krampfhaft versuchen einzelne Aspekte kontextlos mit der Pinzette raus zu picken um die eigene Position zu rechtfertigen führt zwangsläufig zu diesen Verirrungen. Auf ihr „Argument 2“ einzugehen erspare ich uns. Das ist mir zu lächerlich. Man muss ja nicht jeden Dreck aufheben der einem vor die Füße geworfen wird. Ein wenig mehr Niveau darf man erwarten.
Ich denke, dass die „Kommentare-Diskussion“ hier an seine Grenzen stößt. Ich habe zwar nicht die Hoffnung gehabt hier einige zum differenzierten Denken zu bewegen, aber jemand muss ab und zu in „Foren“ das gemütliche gegenseitige Schulterklopfen unterbrechen. Und sei es nur um sich kurz seinem eigenen Gerede bewusst zu werden. Ich bitte um Verständnis für die Länge meines Textes. Gruß
@ der selbstleser
Recht haben Sie.Sie hätten Ihren Kommentar bis auf 2 Sätze zusammenstreichen können:
1. Meine Meinungsgegner hier sind hirnlose Verschwörungstheoretiker.
2. Das enthebt mich der Verpflichtung deren Behauptungen
durch faire argumentgestützte und durchTatsachen belegte Argumentation zu widerlegen.
Warum also dann aber dieses Feuerwerk emotionsgeladener Totalrhetorik?
l.L
@ Selbstleser schrieb am 18.12.2010 um 15:42
Wie "little Louis" schon schrieb, behindert Ihr Posting die weitere Diskussion. In dem Sie den Bergiff "Verschwörungstheorie" diffamierend einsetzen, behindern Sie die Diskussion. Wenn Sie nicht in der Lage sind mit "Verschwörungstheorien" umzugehen, zeigen Sie nur, dass Sie ein uninteressanter Diskussionspartner sind. Ganz offensichtlich meinen Sie, dass es eine "Wahrheit" gibt. Das ist unergiebig.
Eine "Verschwörungstheorie" ist ein brillantes Denkinstrument. Ich schätze jeden Denker, der diese Methode beherrscht. Diese Methode hilft immer dann, wenn ungenügende Informationen zur Erklärung einer Erscheinung vorliegen. In der Wissenschaft nennt man dieses eine "Hypothese". In einer Diskussion versuchen wir zu klären, welche der Hypothesen die bessere Erklärung für eine Erscheinung liefert. Für die politsche Diskussion scheint mir der Begriff "Verschwörungstheorie" sogar der treffendere zu sein, weil er davon ausgeht, dass zur Organisation einer politischen Handlung Absprachen zwischen den Handelnden notwendig sind. Weil Geheimhaltung, Täuschung, Strategiewechsel immanenter Teil des politischen Geschäftes sind, trifft der Begriff "Verschwörung" den Prozess der Politik sehr genau.
Wenn Sie möchten, dass wir auf dieser Basis die Diskussion fortsetzen, können wir das gern tun. Wenn Sie von vornherein bestreiten, dass es eine politische Strategie des Westens für den Balkan gibt, sie die politisch Handelnden in "Gut" und "Böse" einteilen, Sie die geostrategischen Ergebnisse des Balkankrieges ignorieren - dann lohnt sich für mich eine Fortsetzung der Diskussion nicht.