Larry Elliot, Decca Aitkenhead
26.05.2012 | 15:50 36

"Es ist Zahltag!"

Euro IWF-Chefin Christine Lagarde wettert in einem Guardian-Interview gegen die Griechen. Und sagt, warum sie eher an die Kinder in Niger denkt als an die in Athen

Der Internationale Währungsfonds erhöht den Druck auf das krisengebeutelte Griechenland. In einem ungewöhnlich drastischen Interview des britischen Guardian äußert IWF-Direktorin Christine Lagarde heftige Kritik und Ermahnungen.

Auf die Frage, ob die Griechen und andere in Europa es sich hätten gut gehen lassen und nun dafür zahlen müssten, sagt Lagarde: „Ganz genau!“ Zudem findet sie: „Ich denke, sie sollten sich auch kollektiv selbst helfen” - nämlich „indem sie alle Steuern zahlen.“

Lagarde zeigt auch keinerlei Bereitschaft, das harte griechische Sparprogramm abzumildern, das Bedingung für die internationale Hilfe unter anderem des IWF ist. Griechenland hatte als Voraussetzung für Milliardenhilfen vom IWF, der EU und der Europäischen Zentralbank Löhne, Renten und öffentliche Ausgaben zusammenstreichen müssen. Die griechische Wirtschaft ist den vergangenen drei Jahren um ein Fünftel geschrumpft.

"Eltern müssen Steuern zahlen"

Auf die Frage des Guardian, ob sie nicht auch an die griechischen Mütter denken müsse, die inzwischen sogar auf die Hilfe von Hebammen verzichten müssen, oder an die Patienten, die lebenswichtige Medikamente nicht mehr bekommen, sagt Lagarde: "Ich denke noch mehr an die kleinen Kinder in einer Schule in einem kleinen Dorf in Niger, die nur zwei Stunden am Tag Unterricht haben, die sich zu dritt einen Stuhl teilen müssen und die trotzdem begierig aufs Lernen sind. Ich muss die ganze Zeit an sie denken. Weil ich glaube, dass sie unsere Hilfe noch dringender brauchen als die Leute in Athen.“

Die Eltern, deren Kinder vom griechischen Sparprogramm betroffen seien, müssten selbst Verantwortung übernehmen: “Eltern müssen ihre Steuern zahlen”, verlangt Lagarde.

Die IWF-Chefin sagt voraus, dass die Krise noch nicht ausgestanden sei. „Wissen Sie was? Mit Blick auf Athen denke ich auch an all die Leute, die ständig Steuern hinterziehen, all jene Griechen, die Steuern hinterziehen.“ Sie fügt an, dass sie aber auch im gleichen Maße an die Griechen denke, die nun keinen Zugang mehr zu staatlichen Dienstleistungen hätten.

Harte Konditionen

Hintergrund für Lagardes Attacke ist ein drastischer Rückgang der griechischen Steuereinnahmen um ein Drittel binnen eines Jahres. Damit muss sich nun die Übergangsregierung beschäftigen, die bis zur Wahl am 17. Juni im Amt ist. Griechenland hatte sich als Bedingung für die internationale Hilfe verpflichtet, strenger darauf zu achten, dass die Steuern auch tatsächlich gezahlt werden. Lagardes Ermahnungen sind nun offensichtlich als Hinweis gedacht, dass die Geldgeber die Geduld verlieren.

Lagarde betont, Griechenland werde nicht nachsichtiger behandelt als ein armes Entwicklungsland. Auch falle es dem IWF bei einem wohlhabenderen Land nicht schwerer, harte Konditionen durchzusetzen. „Nein, das fällt uns nicht schwerer, nein“, sagt die IWF-Chefin. „Es ist die Mission des IWF und es ist mein Job, die Wahrheit zu sagen, egal, wer am Tisch gegenüber sitzt. Und ich kann Ihnen sagen, dass es manchmal schwieriger ist, einem armen Land, wo die Menschen von 3.000, 4.000 oder 5.000 Dollar im Jahr leben, zu sagen, es solle den Haushalt sanieren und das Defizit senken. Weil ich genau weiß, was das für Sozialhilfe und Armutsbekämpfung heißt. Das hat viel größere Auswirkungen.“

Übersetzung: Verena Schmitt-Roschmann

Kommentare (36)

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Ehemaliger Nutzer 26.05.2012 | 18:32

„Ich denke, sie sollten sich auch kollektiv selbst helfen” - nämlich „indem sie alle Steuern zahlen.“

Das sollte sie ihren Kollegen von den griechischen Banken erzählen! Oder den ganzen Millionären und Milliardären! Das einfache Volk musste komischerweise fast immer Steuern bezahlen - und durfte am Reichtum natürlich nicht teilhaben.
Und an wen fliesst die europäische Hilfe - an die Banken natürlich! Und die sitzen oft genug mit ihrem Stammsitz in Deutschland.

freedom of speech? 26.05.2012 | 18:53

Der Stammtisch ist aber ziemlich groß. Da wird sich das neue linke Kultobjekt, Herr Zsipras die Augen reiben.

Denn das war keine schöne Woche.

„Zum ersten Mal ist Merkel extrem isoliert“, betonte er noch stolz vor knapp einer Woche. https://www.taz.de/Tsipras-besucht-Linkspartei/!93725/

Wie die Isolation aussieht sollte er schnell erfahren:

Kurze Zeit später ist er bei Hollande abgeblitzt, den er darauf hin als "Hollandreu" schmähte, was ihm sogar kräftige Kommentare zu Hause beschehrte. presstext.wordpress.com/2012/05/22/tsipras-abfuhr-in-der-eu/
translate.googleusercontent.com/translate_c?hl=de=/search%3Fq%3Dta%2Bnea%26hl%3Dde%26client%3Dfirefox-a%26hs%3DI1d%26rls%3Dorg.mozilla:de:official%26prmd%3Dimvns=translate.google.de=el=http://www.tanea.gr/empisteytika/%3Faid%3D4723716=ALkJrhh2WHTiwzP6_QYugcCa69j86EPsPQ

Bei den Grünen ist es Ihm auch nicht besser gegangen. Dort hörte er: "Ja, es müsse Reformen geben und ein Wachstumsprogramm für die Wirtschaft. “Allerdings gilt auch: Vertragliche Verpflichtungen müssen eingehalten werden.”

presstext.wordpress.com/2012/05/22/tsipras-abfuhr-in-der-eu/

Selbst der zunächst begeisterte Gabriel hatte nur:

"Wer auch immer die nächste griechische Regierung stellt, muss aber wissen, dass getroffene Vereinbarungen einzuhalten sind", betonte der SPD-Chef.

"Niemand darf erwarten, dass Deutschland und die europäischen Geberländer zu ihren finanziellen Zusagen stehen, wenn eine neue griechische Regierung dazu nicht bereit ist", so Gabriel.

www.spiegel.de/politik/ausland/griechischer-linker-tsipras-will-euro-behalten-aber-keinen-sparplan-a-834594.html

Und auch die vorgeblichen Mitstreiter gehen langsam auf Distanz:

www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/streit-um-euro-bonds-spanien-will-keine-schnellen-anleihen-a-834356.html

Nun Herr Tsipras, sind sie noch jung genug, um die Realitäten zu begreifen.

Nicht Merkel ist isoliert. Sie sind es!

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Ehemaliger Nutzer 26.05.2012 | 20:13

@freedem of speech?,

Wie kommen Sie auf die Schnapsidee, dass Merkel nicht isoliert ist. Natürlich ist Merkel isoliert. Was hat den Merkel bis jetzt vorgeschlagen? Heiße Luft nichts weiter? Die Banken sind reicher geworden und das von ihnen verzockte Geld hat Merkel ihnen vom Steuerzahler wieder ersetzt. So verläuft die Gerechtigkeit. Riesige Milliardenbeträge sind binnen von Sekunden durch den Schornstein (HRE) gejagt worden, haben Sie das nicht mitbekommen???
Fragen Sie mal die Makroökonomen Bofinger und Flassbeck. Die haben eine Lösung, nur die werden nicht gefragt und warum nicht? Weil die Lobbyisten hinter Merkel das nicht wollen! Merkel ist eine Marionette im Wind!!!
Und eines sollten Sie wissen, in Griechenland ist bis jetzt nie ein Euro angekommen. Die gehen sofort zurück zu den Banken nach Deutschland. Der kleine Mann hat gar nichts davon, so wird ein Schuh daraus. Merkel ist eigentlich der Totengräber der Europäischen Union. Warum steht die BRD im Export so gut da, weil das eigene Volk in Deutschland von Hungerlöhnen lebt und die Produkte immer teurer werden. Hollande hat diesbezüglich eine bessere Einstellung und so hat es damals auch Roosevelth gemacht.
Herr Zsipras sollte mal Merkel fragen, wieviele Bundesländer bei uns mit zweistelligen Milliardenbeträgen in der Kreide stehen, da träumt Griechenland nur von. Sachsen-Anhalt, mit 2 Millionen Einwohnern hat einen Schuldenberg von 21 Milliarden Euro, leistet sich aber eine Reiterstaffel, für mich paranoid. Und so geht es munter weiter, Berlin, Bremen ...........
Die BRD hat alleine einen Schuldenberg von 2,2 Billionen Schulden und da kritisieren wir Griechenland. Wir sollten uns alle gewaltig schämen.

Rosa Sconto 26.05.2012 | 20:46

Wenn Frau Lagarde an die Kinder im Niger denkt sicher nur, weil sich sich daran erinnert, wie wenig Steuereinnahmen sie als französische Finanzministerin von der Nuklear-Firma AREVA erhielt. Deswegen sind die Wahlen im Juni in Griechenland auch lächerlich. Griechenland zeigt nur wie es laufen wird: wenn die Griechen aus dem Euroraum aussteigen sollten, zahlt die Euro-Gemeinschaft für die Schulden trotzdem weiter. Nach dem "Schuldenschnitt" hatte Griechenland übrigens neue Wertpapiere ausgegeben. Mittlerweile ist Spanien voll im Visier der "Anleger". Italien spart so brutal das ganze Steuerkontingente wegbrechen; deren kreative Wirtschaft stagniert und sich in einer soliden Rezession befindet. Wir haben den Punkt "of no return" erreicht... Lagarde war wohl länger nicht mehr in Paris, dort hat die Anzahl der Obdachlosen, der Clochards , um 11 % zugenommen, das entspricht etwa der Anzahl der Firmen-Pleiten in Frankreich. Nur Deutschland hat noch eine Gnadenfrist und kann sich gratis Geld leihen, aber die neuen Regeln für Banken und Versicherungen führen auch hier jetzt zu spekulativen Blasen, die Zinsen für Immobilienkredite sind hier noch nie so niedrig gewesen wie heute. 2008 ist schon vergessen und so werten wir mit einem täglich schwindsüchtigeren Euro den US Dollar auf von dem damals die Tsunami ausging und an der wir heute noch leiden.

Morayma 26.05.2012 | 21:05

So ein Quatsch. Die Frau hat doch überhaupt keine Ahnung vom realen Leben mit ihrem bequemen, krisensichern Politikerinnengehalt. Warum prangert sie nicht an, daß auch in Deutschland, Spanien, England, etc. die Reichen nur minimale Steuern bezahlen und das Gros der Lasten auf den Schultern der normalen Bevölkerung liegt? Frau Lagarde sollte sich schämen!!!

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Ehemaliger Nutzer 26.05.2012 | 23:24

Jetzt sind die Schulden alle vergesellschaftet in Europa und vor allem in Deutschland, nun will man die Griechen aus dem Euro haben und an ihnen ein exemplarisches Exempelr statuieren, hier seht, das passiert wenn ich die Eurozone verlassen wollt, das die Spanier und ie Italiener immer daran denken wenn sie anfangen zu denken!

claudia 27.05.2012 | 05:12

>>Hintergrund für Lagardes Attacke ist ein drastischer Rückgang der griechischen Steuereinnahmen um ein Drittel binnen eines Jahres.
Wenn die Einkommen der realen Steuerzahler sinken, dann sinken logischerweise auch die Steuereinnahmen des Staates: Wer mehr sparen muss bezahlt weniger Mehrwertsteuer.
Das war so geplant, und jetzt über das bewusst herbeigeführte Ergebnis Empörung zu spielen ist wieder mal Volksverarschung in Reinkultur.

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>>Die Frau hat doch überhaupt keine Ahnung vom realen Leben mit ihrem bequemen, krisensichern Politikerinnengehalt.
Man sollte nicht jedes Verbrechen mit Dummheit entschuldigen.

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kingprussia 27.05.2012 | 10:23

Das ist V E R S A I L L E S auf grieschich => Frankreich England wieder im Streit ums Festland? Anders kann man so ein Interview einer Französin in einem Londoner Batt wohl nicht mehr erklären..

Nichts mehr mit Brüderlichkeit wie GraSS nongrata in seinem 2. Gedicht es fordert! Und es hat gar nichts mit Deutschland zu tun ;)

Drulli 27.05.2012 | 11:18

Es ist nun offensichtlich. Die Großfinanz will Griechenland raus aus der Eurozone haben. Das würden die selbst natürlich nie öffentlich sagen. Dafür haben Sie den IWF und diese Frau besorgt den Job. Es ist genug verdient worden. Ab jetzt wird die Rendite sinken, wo die Reformen endlich so langsam greifen. Natürlich wird auch auf die volle Einhaltung der Konditionen bestanden. Stundungen oder sogar Schuldenschnitte bewirken ja ebenfalls nichts anderes, als Renditeeinbußen.

Solche Verhöhnungen treiben die Wähler in die Arme der ganz Linken. Und hernach, werden genau solche Leute behaupten: „Sehet her! Wir haben doch helfen wollen. Aber Ihr habt den Schmerz selbst gewählt!“

Es mag sogar tatsächlich sein, dass diese Frau persönlich mehr Mitleid mit Kindern in Nigeria hat. Aber der IWF hat es nicht, genau so wenig, wie mit Griechen in Athen (nur in Athen?). Die EU schon erst Recht nicht!

Was hat der IWF bei Ländern, wie Nigeria schon bewirkt, außer Kolonialismus und Sklaverei durch die Hintertür wieder einzuführen?

Es geht um Kaptialrenditen, unter dem Strich, am Ende der Tage. Und darum, die Märkte auch in Nigeria mit irrsinnig subventionierten landwirtschaftlichen Überschüssen zu vernichten. Und somit darum, sich billige Arbeitskräfte (Sklaven) immer wieder neu heran zu ziehen, die für nichts anderes arbeiten dürfen, als dafür gerade eben selbst nicht zu verhungern. Und darum, über geschmierte Regierungen die eigen ach so tollen hochtechnischen Produkte in die Steppen und Urwälder hinein zu stampfen.

Was wird nun geschehen, wenn Spanien als nächstes Land, durch die Folgen ungeregelter Finanzspekulationen, deren irrsinnige Verluste bei den Banken, und nur bei denen, auch jetzt noch rücksichtlos staatlich alimentiert werden? Die Volkswirtschaft Spaniens ist grob gesprochen 4 ½ halb Mal so groß.

Da hat sie recht, DIE Krise ist tatsächlich noch nicht ausgestanden. Vielmehr hat sie noch nicht einmal richtig begonnen! Schönen Gruß!

Angelia 27.05.2012 | 13:23

Bei allem Respekt, die Entäußerungen von Frau Lagarde empfinde ich als über die Maßen als widerlich. Wann hat Frau Lagarde eigentlich jemals was für Kinder in Niger getan und deren Lebenssituation verbessert? Aber wenn es darum geht gegen die Griechen zu emotionalisieren, dann instrumentalisiert sie die Lebenssituation der Kinder für ihre Zwecke. Diese Schmerzfreiheit der IWF-Chefin löst bei mir Brech- und Würgereize aus. Ich frage mich auch, wie man mit einem derart indifferenten Tunnelblick auf Armut und die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise Probleme adäquat lösen will.
Verliert diese Frau bloß gerade temporär ihre Nerven oder ist sie gar mit ihrem Job überfordert?
Zur Wahrheit, Frau Lagarde sende ich Ihnen beste Grüße von Friedrich Nietzsche: "Alles aber ist geworden; es gibt keine ewigen Tatsachen so wie es keine absoluten Wahrheiten gibt. - Demnach ist das historische Philosophieren von jetzt ab nötig und mit ihm die Tugend der Bescheidung. "

Denken Sie mal drüber nach, wenn Sie können.

KalleWirsch 27.05.2012 | 13:59

Und als Französin sollte Frau Langarde wissen, dass der Niger erst 1960 von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen wurde und das Frankreich deswegen alleine schon mit verantwortlich ist für die prekäre wirtschaftliche, wie demokratische Situation im Niger.
Des Weiteren würde ich gerne wissen, was Frau Langarde gegen Nahrungsmittelspekulationen und EU Nahrungsmittelexporte in Ärmstländer zu tun gedenkt, die dort die Armut und den Hunger schüren bzw. produzieren.
Frau Langarde`s Botschaft an die Griechen lautet: Euch geht es noch viel zu gut. - Das ist der Zynismus der Habenden.

lurch 28.05.2012 | 03:51

Was ich an dem wohltemperierten Ausbruch der guten Frau Lagarde bemerkenswert finde, ist dass sie unverhohlen wie selten jemand zuvor das Verkaufsargument der Austeritätspolitik offenlegt: Die Griechen haben gesündigt und jetzt müssen sie büßen. Meiner Ansicht nach wird dabei ein durch die christlich-kulturelle Sozialisation tief verankertes Denkmuster ("Schuld muss durch Buße abgetragen werden") ausgenutzt und somit die rationale Kontrolle beim Empfänger der Botschaft umgangen.

Nach meinem Dafürhalten ein bemerkenswerter rhetorischer Kniff, dessen Offenlegung vielleicht ein wenig Anstrengung lohnen würde, denn natürlich geht es nicht wirklich um Schuld und Buße, wie es dem Publikum immer wieder weisgemacht wird, sondern es vertreten nur Interessengruppen ihre Interessen. Ist diese Erkenntnis erst einmal erreicht, kann die von linken Publikationen wiederholt erfolgte Reinterierung der Erklärungen, welche Interessengruppen welche Interessen vertreten, als tatsächlich bedeutsamste Information zur Sache begriffen werden. Ach, da geht nur wieder der Optimismus mit mir durch.

tlacuache 28.05.2012 | 11:32

+++ Eilmeldung +++
"Lagarde und EU beschliessen Adoptivprogramme für notleidende griechische Kinder an den Ne..., ääähhh, Niger"...
Pestizide und Edelmetallwaschanlagen ("Handarbeit") werden gleich mitgeliefert, die Kernländer der EU machen ja nix umsonst, sogar der Hühnerrestwertefabrikant aus den EU - Kernländer bekommt wieder mehr Mitspracherecht seine Knochen zu vermarkten...

(Jetzt bekomme ich wieder auf's Dach)...
:-(

preussexx 28.05.2012 | 12:19

na ja

das ist nicht nur rhetorik sondern auch inhalt. das thema kollektive schuld dürfte uns deutschen ja geläufig sein.
jetzt wird es geographisch verlegt, der geltungsbereich erweitert. den fokus auf die eigenveratwortung zu legen, auch im spüren der folgen, ist nicht zu kritisieren.

griechenland ist in erster linie kollektiver täter und nicht opfer. alle haben mitgemacht und sich bedient. dann müssen auch alle umdenken. freiwillig geht das nicht, der erkenntnisweg ist ein leidensweg was sonst.

alexbln 28.05.2012 | 16:57

mit schräger grammatik stehe ich den arm im anschlag am rande europas und merke immer noch nicht dass die welt, weiter sich drehte die vergangen 60 jahre
(...)
doch glück mich schüttelt, sind doch die hirnlosen büttel meiner fangemeinde immer noch bereit, zu verbreiten den letzten tropfen, den ich aus meinen lenden mir presse
(...)
griechenland hätt ich gesehn, gern vor der befreiung, den hölderlin im handgepäck wäre auch geschlendert ich nach kreta ohne spd-parteibuch
(...)
nach den zionisten ich nun den restlichen denkenden menschen den kampf ich ansage und bewerf sie zwiebelschälend mit beigen jackets, denn meine bekloppten gedichte interessiert sowieso keine sau
(...)
doch du oh deutscher linker, kämpfe mit margot und oskar mit sarah und tsirpas noch selig bekifft vom apo-grass der siebziger, wie stuttgart nun neu gegen das jüdische finanzkapital

WiKa 28.05.2012 | 17:08

„Teile und herrsche“, dies scheint Lagardes Maxime zu sein und sie ist damit nicht fern von ihren Brötchengebern, den großen Geldsäcken, die dank der üppigen Rettungspakete des Michels der Fettlebe erliegen und nicht wie die afrikanischen Kinder ganz ohne „alles“ auskommen müssen, mit denen sie ja noch mehr Mitleid empfindet als mit den Griechen.

Und das Volk, die Menschen zu spalten (teilen), damit die sich gegenseitig aufreiben, war schon immer die bequemste Weise zu re-„gieren“. Dazu passt dann der folgende Beitrag:

qpress.de/2012/05/27/verlierermachte-fordern-zweite-deindustrialisierung-deutschlands/

… so kann man auch klassisch spalten, allerdings erfährt der Artikel eine etwas andere Wendung. Aber genau an dem Punkt sind wir wieder. Es wird eng, jetzt wird wieder gespalten, damit die eigentlich Verantwortlichen sich abermals in ihre Löcher verkriechen können und am Ende erneut auf die blutrünstigen Menschen verweisen zu können die sich demnächst bekriegen und abschlachten sollen … zum Wohle des Systems. Nöö, das machen wir einfach nicht noch einmal mit!

Lagarde ist kraft ihrer „herzzerreißenden“ Ansage Inbegriff, Ausgeburt und Symbol dieser menschenverachtenden Geld-Politik. Der einzige Dank gebührt ihr wegen der schonungslosen Selbstentlarvung. Hätte sie zutreffend festgestellt, dass unser Geldsystem kaputt ist, weil es für Frieden, Freiheit und gerechte Verteilung ungeeignet ist und wir brauchen ein Neues, dann hätte ich ihr gerne applaudiert. Nur müssen wir uns derlei Erkenntnisse selber zusammenklauben, von den Politikern und vermeintlichen Führungsgestalten dürfen wir diese Einsichten wohl kaum erwarten, da sie für die falsche Seite arbeiten.

alexbln 28.05.2012 | 20:31

hab gerade deinen text zu diesem pseudogedicht vom april gelesen. offensichtlich hast du in den letzten 3 jahrzehnten zu viel gekifft und du hast ein bisschen die übersicht verloren. vielleicht kämmste dir erst mal die rastazöpfe weg, legst deine baticklamotten in die kleidersammlung und versuchst mal mit dem wort intertextuell zu denken. deine dünnen textchen hier braucht nun wirklich niemand ausser n gutgläubges mauerblümchen aus tübingen.

Rosbaud 29.05.2012 | 01:19

Antwort an "freedom of speech"

Sie nutzen Ihre Redefreiheit wirklich nur für sehr oberflächliche Beiträge. Ihre verehrte Spardomina (Merkel) treibt Europa immer weiter in die Krise.

Lagarde hat mit ihrem Gefühlsausbruch ihre intellektuelle Bankrotterklärung abgegeben. Sie ist mit ihrem Latein am Ende, und nicht nur sie, eigentlich die gesamte neoliberal umnachtete Elite.

Allerdings ist nicht auszuschließen, dass das Trauerspiel einen anderen, äußerst perfiden Hintergrund hat. Aus einem Aufruf französischer Intellektueller:

Das Ziel dieser Operation kann gar nicht die „Rettung“ Griechenlands sein: in diesem Punkt sind sich alle Wirtschaftswissenschaftler einig, die überhaupt diesen Namen verdient haben. Es geht darum Zeit zu gewinnen, um die Gläubiger zu retten, während zugleich das Land in einen zeitverschobenen Konkurs getrieben wird.

Und es geht vor allem darum, aus Griechenland - mit der aktiven Kollaboration seiner herrschenden Klasse - das Laboratorium einer gesellschaftlichen Veränderung zu machen, die dann in einem zweiten Schritt auf ganz Europa verallgemeinert werden wird. Das auf dem Rücken der Griechen experimentierte Modell ist das einer Gesellschaft ohne öffentliche Dienste, in der die Schulen, die Kliniken und die Abgabestellen für Medikamente zu Ruinen verfallen, in der Gesundheit zu einem Privileg der Reichen wird und in der die besonders verwundbaren Bevölkerungsteile zu einer planmäßigen Eliminierung bestimmt sind, während jene, die noch Arbeit haben, zu extremen Formen der Verarmung und der Prekarität verurteilt werden.

Ende des Zitats

Dass die Marktreligiösen Krisen nutzen, um ihren Wahn durchzusetzen, ist gängige Praxis. Das erste Experiment dieser Art fand in Pinochets Chile statt. Unter der Regie der Säulenheiligen dieser Glaubensgemeinde, nämlich Milton Friedman und F. A. v. Hayek, wurde das Land einer ähnlichen Rosskur wie jetzt GR unterzogen. In Chile allerdings unter den Bedingungen der Käfighaltung. Das hat die beiden „Freiheitsapostel“ aber nicht im geringsten gestört.

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2012 | 16:41

Volker Pispers Antwort auf Mdme Lagarde
bringt es da wohl eher auf den Punkt:

... Madame Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, hat zugeschlagen. Im Kampf gegen die Krise in Griechenland, schwang sie die populistische Keule. Ob es besonders listig war, den Griechen auf ihr trockenes Brot zu schmieren, es ginge ihnen immer noch tausendmal besser als den afrikanischen Kindern im Niger, das weiß ich nicht. Aber populär ist es auch hierzulande, den Benachteiligten und Abgekoppelten der Gesellschaft vorzuhalten, es ginge ihnen doch super verglichen mit den Hungernden in aller Welt. So haben es die Herrschenden von je her gehalten, man spielt die Verhungerten gegen die Unterernährten aus. Die Tagelöhner der Welt sollten das Jammern einstellen, sie könnten ja auch wieder als Sklaven enden .... In Griechenland wird es doch sein wie überall, den kleinen Leuten werden die Steuern direkt vom Gehalt abgezogen, die Reichen können sich arm rechnen. 200 Mrd. € griechischer Schwarzgelder sollen allein in der Schweiz liegen. ... WDR2 Kabarett Volker Pispers Sendung vom 29.5.2012 www.wdr.de/radio/home/podcasts/channelausspielung.phtml?channel=wdr2kabarett

Phineas Freek 29.05.2012 | 18:37

…es wäre noch anzumerken, dass die Frau Lagardes betreffende und erfolgreich durchgeführte „Arbeitsvermittlung“ im letzten Jahr auch dafür Sorge trug, ihr einen diplomatischen(!)Status zu verschaffen – und das als oberste Angestellte einer supranationalen „Kreditanstalt“.
Und weil dieser bei Strauss-Kahn fehlende Status gerade bei der Korrektur einer ihn betreffenden personellen Entscheidung so überaus nützlich war, sorgten die Protegés Frau Lagardes in ihren Fall schon mal entsprechend vor, um IHREN Karrieresprung vor möglichen vorzeitigen aber ungewollten Abbrüchen einigermaßen sicher machen zu können.

PS
Ganz nebenbei sorgt dieser diplomatische Status nun auch für die komplette Steuerbefreiung ihres Einkommens als Chefbarbarin dieser Organisation.

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Ehemaliger Nutzer 29.05.2012 | 21:47

Diese arrogante, abgehobene und machtbesessene Frau ist einfach nur noch widerlich. Sie verkauft ihre "Seele" den Herrschenden um ein Stück vom großen Kuchen abzubekommen. Dabei tritt sie wie soviele nach unten und polemisiert ohne Sachverstand und Wahrheit!

In Wirklichkeit hat Lagarde sich selbst ein Eigentor damit verpasst.

Zitat:

"Wie entkomme ich dem Finanzamt? Fragen Sie doch diese Experten!

IWF-Chefin Lagarde zahlt keine Steuern. Als internationale Beamtin ist sie von der Steuerpflicht freigestellt - das Jahresgehalt von 380.000 Euro landet unversteuert in ihrer Tasche. Dies meldet "Le Monde" unter Berufung auf eine spezialisierte Website. Lagarde steht nun blamiert da - schließlich hatte sie den Griechen vorgeworfen, sich um die Steuerschuld zu drücken und damit selbst schuld an ihrer Misere zu sein!

lostineurope.posterous.com/lagardes-eigentor

Es wird Zeit für eine humanere Welt ohne diese Heucheleien, diesem Lügen und Betrügen der Elite im großen Stile.

freedom of speech? 29.05.2012 | 22:07

@Rosbaud

Ich gehe ganz stark davon aus, dass Sie bekennender Keynesianer sind.

Das ist keine Schande.
Da dürfte es Ihnen auch etwas leichter fallen, etwas weniger Galle zu spucken. Eine entspannte Atmosphäre erleichtert das Denken.

Und jetzt wäre es schön, wenn Sie erklären, was Nachfragepolitik in einem von Strukturproblemen geplagten Land wie Griechenland bewirkt.

Ich bin gespannt.

Rosbaud 30.05.2012 | 10:39

Zitat „freedom of speech?“:

>>Ich gehe ganz stark davon aus, dass Sie bekennender Keynesianer sind.
Das ist keine Schande

Das wär' ja noch schöner, wenn das eine Schande wäre!

>>Da dürfte es Ihnen auch etwas leichter fallen, etwas weniger Galle zu spucken. Eine entspannte Atmosphäre erleichtert das Denken.

Das ist doch keine Galle, sondern prägnant formuliert und auf den Punkt gebracht. Also mir macht's einen Heidenspaß.

>>Und jetzt wäre es schön, wenn Sie erklären, was Nachfragepolitik in einem von Strukturproblemen geplagten Land wie Griechenland bewirkt.

Erst einmal sollten Sie registrieren, was zwei Jahre Austeritätspolitik und Strukturanpassungen bewirkt haben: es ist massiv schlechter geworden! In eine Rezession hineinzusparen und zu glauben, dadurch würde es besser, das schaffen nur deutsche „Ordnungspolitiker“ - und Sie!

Was in dieser verfahrenen Situation zu tun ist, ist eigentlich die One-Million-Dollar-Frage, aber ich werd's versuchen. Um gleich einen starken Reiz auszulösen: Eurobonds wären eine gute Sache, sie hätten von Anfang an dafür sorgen können, dass die Spekulanten außen vor bleiben. Direktankauf von Staatsanleihen durch die EZB ohne Umweg über den Sekundärmarkt oder eine Banklizenz für den ESM könnte ich mir auch vorstellen. Was da letztendlich das Beste ist, müssen Wirtschaftsexperten entscheiden, aber bitte keine deutschen Ordoliberalen.

Die bisherigen „Rettungsmaßnahmen“ haben keines der griechischen Probleme gelöst, weder Korruption, noch die Klientelwirtschaft, noch die strukturelle Schwäche des höchst ineffizienten Steuerstaats. Und schon gar nicht die veraltete griechische Wirtschaftsstruktur. Die griechischen Militärausgaben sind nach wie vor absurd hoch, davon profitiert die europäische, vor allem die deutsche und französische, Rüstungsindustrie. Diese Strukturen zu korrigieren wäre natürlich richtig, aber nicht mit dem bisher praktizierten rücksichtslosen, kontraproduktiven Hauruckverfahren.

Fazit: Gerettet wurden bisher einzig und allein die Finanzoligarchen, Banken, Hedgefonds, Finanzmarkthasardeure.

Griechenland und seine südeuropäischen Nachbarn benötigen Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Photovoltaik und Klimaschutz. So hat GR große Potenziale bei maritimen Industrien und Dienstleistungen, Tourismus und Pharmaindustrie. Deswegen sollte jetzt ein Marshallplan für Südeuropa entwickelt werden. Ein solches Investitions- und Entwicklungsprogramm würde den südeuropäischen Wachstumsmotor wieder ankurbeln und die sehr hohe Arbeitslosigkeit bekämpfen.

Gleichzeitig sollte ein New Deal zur Verbesserung der europäischen Infrastruktur und Umwelt (Transportwesen, Telekommunikation, Umweltschutz) weitere Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung Europas setzen.

So, was haben eigentlich Sie anzubieten, schwäbische Maultaschen von der „schwäbischen Hausfrau“?

freedom of speech? 31.05.2012 | 05:55

Immer noch Galle.

Das Substantielle sind die dringend erforderlichen Strukturänderungen. Und das bezweifelt nicht einmal Bofinger, der weitere Hilfen ebenfalls von Reformerfolgen abhängig macht.

Denn wenn Sie Geld in einen kaputten Apparat hinein schütten, wird der Apparat nicht besser. Er läuft nur länger.

So langsam bezweifele ich, dass Sie tatsächlich bekennender Keynesianer sind. Denn dann würden Sie auch die Ausgangsbedingungen berücksichtigen.

freedom of speech? 31.05.2012 | 06:09

In eine Rezession hineinzusparen und zu glauben, dadurch würde es besser, das schaffen nur deutsche „Ordnungspolitiker“ - und Sie!

Es handelt sich nicht um eine schlichte Rezession, sondern um einen failed State. Die Griechen schaffen massenhaft sich und Ihr Kapital außer Landes. Die Verbliebenen befürchten, nichts mehr von Ihrem Geld aus dem Automaten zu bekommen.

Damit hat sich der Rest Ihrer Ausführungen erledigt.