Hadley Freeman
23.01.2013 | 13:27 6

Helfen Unterwäschefotos dem Feminismus?

Frauensache Beyoncé sorgte nicht nur bei Obamas Amtseinführung für Aufsehen. Sie benutzte auch ein Interview, um für Gleichberechtigung zu werben. Wenn da nur nicht diese Fotos wären

Helfen Unterwäschefotos dem Feminismus?

Foto: Jewel Samad/ AFP/ Getty Images

Die moderne feministische Bewegung hat ein neues Gesicht. Es gehört Beyoncé Knowles, die gerade Schlagzeilen macht wegen der Playback-Vorwürfe bei Barack Obamas Amtseinführung.  Die vor zwei Wochen erschienene Ausgabe der amerikanischen GQ enthält ein Interview mit der Musikerin, an dem sich ablesen lässt, wo der westliche Feminismus heute steht. Und es wird künftigen Generationen wohl als Lehrstück über den Irrsinn der Promi-Welt des 21. Jahrhunderts dienen.

Knowles ist eine mächtige Frau im Musik-Buisness, weiß die GQ ihren Lesern zu vermitteln. Und sie ist offenbar eine Frau mit feministischen Wesenszügen. „Gleichberechtigung ist ein Mythos. Aus irgendeinem Grund wird hingenommen, dass Frauen nicht so viel Geld verdienen wie Männer“, ereifert sie sich im Gespräch. „Ich glaube, dass Frauen finanziell unabhängig von Männern sein sollten. Geld verleiht Männern die Macht, zu sagen, wo es lang geht. Es verleiht ihnen die Macht, zu bestimmen, was sexy ist, und sogar, was feminin ist. Das ist doch lächerlich.“

Sie hat recht: Es ist lächerlich, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Fast genauso lächerlich ist aber eine prominente Frau, die sich darüber beschwert, dass Männer bestimmen, was sexy ist – in einem Männermagazin, in dem sie fast nackt für eine Fotostrecke posiert. Auf dem Cover ist sie in einem winzigen Höschen und einem Männershirt zu sehen, das so weit hochgeschoben ist, dass ihre Brüste zu sehen sind.

Nicht einfach akzeptieren

Klagen über die Sexualisierung junger Frauen in Männermagazinen mögen so sinnvoll wirken wie Klagen über das Wetter. Doch wie Knowles ganz richtig über den Einkommensunterschied sagt, sollte ein falscher Status Quo nicht einfach akzeptiert werden. Ich bin immer wieder verblüfft, wie prominente Frauen ihren beruflichen Erfolg feiern, indem sie sich unbekleidet für Magazine ablichten lassen. In den vergangenen Monaten hatten wir auf Covern Cameron Diaz, die sich im Netzhöschen vornüberbeugte, Rihanna, bis auf eine Lederjacke unbekleidet, und Lana Del Ray, die außer Schmuck nichts trug.

Knowles stößt sich zu Recht daran, dass Frauen gedemütigt werden, indem sie geringer bezahlt werden als Männer. Genauso erniedrigend ist es aber, ständig vermittelt zu bekommen, dass es egal ist, wie erfolgreich oder klug man ist. Es zählt, wie viel sexuelle Verfügbarkeit man signalisiert.

Angesichts der geringen Zahl bekannter junger Frauen, die sich als Feministinnen bezeichnen, sollte man froh sein, dass Beyoncé Knowles überhaupt über Gleichberechtigung spricht. Dass das zusammen mit Fotos serviert wird, auf denen sie im Bikini auf einem Bett herumhüpft, gehört wohl zum Deal: Berühmte Frauen können über „Unabhängigkeit“ singen – solange sie kaum was anhaben. Sollten wir nicht weiter sein?

Übersetzung: Zilla Hofman

Kommentare (6)

Rupert Rauch 23.01.2013 | 22:30

Immer dieses Gejammere:

"Genauso erniedrigend ist es aber, ständig vermittelt zu bekommen, dass es egal ist, wie erfolgreich oder klug man ist. Es zählt, wie viel sexuelle Verfügbarkeit man signalisiert."

Könnte ja auch sein, dass die Frauen sich in ihrer Begehrlichkeit sonnen und Spaß daran haben? Und wer behauptet, dass es egal ist ob eine Frau erfolgreich und klug ist?

Eine Frau kann klug sein und sexuell anziehend und aus beiden Eigenschaften zusammen sogar überproportional Kapital schlagen. Ein Weg der Männern eher selten offen steht.

 

danki 23.01.2013 | 22:54

Die Inauguration-was für ein Wort-des US-Präsidenten,in diesem Fall Obama,mutet immer an wie eine Inthronisierung eines Imperators im alten Rom.Und wenn dann auch noch sog.Bürgerrechtler um Gottes Hilfe für das Militär bittet,dann hört der ganze Spaß auf.Eine einzige Katastrophe,dass dieses Land immer noch als Ideal uns vorgegaukelt wird.

Lukasz Szopa 28.01.2013 | 17:33

Ich sehe keinen unmittelbaren und zwingenden Widerspruch zwischen einem unabhängigen, selbstbewußten, erfolgreichen Menschen (wie Beyonce) und der Tatsache, dass sich dieser Mensch aus pekuniären und/oder Image-Gründen erotisch ablichten läßt. Denn der spingende Punkt ist: WER bestimmt hier WAS. Wäre Beyonce eine unbekannte Künstlerin die auf ein Debut hinarbeitet, könnte man durchaus sagen: Es war weniger SIE, es war ihr Management oder die Redaktion, die solche Promotion-Photos verlangte. Währenddessen bei einer so reichen, selbstbewußten Frau kann man eher davon ausgehen, dass SIE es in der Hand hatte, wie sie abgebildet wird.

@ "Und sie ist offenbar eine Frau mit feministischen Wesenszügen. „Gleichberechtigung ist ein Mythos. Aus irgendeinem Grund wird hingenommen, dass Frauen nicht so viel Geld verdienen wie Männer“, ereifert sie sich im Gespräch. „Ich glaube, dass Frauen finanziell unabhängig von Männern sein sollten. Geld verleiht Männern die Macht, zu sagen, wo es lang geht. Es verleiht ihnen die Macht, zu bestimmen, was sexy ist, und sogar, was feminin ist. Das ist doch lächerlich.“"

Nein, solche Photos helfen nicht dem "Feminismus". Aber - angenommen, Beyonce hatte bei den Photos das Sagen - sie sind ein Zeichen von Gleichberechtigung. Denn seit wann ist "Femnismus" - "Gleichberechtigung"??? Wenn sich Mark Zuckerberg wünscht, in einem Familien-Magazin in der Küche beim Kochen und Abwaschen abzulichten, egal ob halbnackt oder nicht - ist die Sache genauso. Will ER die Präsentation seiner Person bestimmen, oder muss er sich anderen (Menschen, Bildwünschen) fügen?

Lethe 31.01.2013 | 14:13

"Es verleiht ihnen die Macht, zu bestimmen, was sexy ist"

Weiß nich. Mir hat niemand gesagt, was sexy zu sein hat. Ich folge da meinem Empfinden. Und wenn ich eine Frau nicht als sexy empfinde, ändert sich das auch nicht dadurch, dass ich in Gleichberechtigungsdingen belesen bin. Andererseits bin ich selbst Objekt analoger Empfindungen von Frauen. So ist das nunmal mit dem Begehren. niemand hat einen Anspruch darauf, so, wie er/sie ist, als sexy wahrgenommen zu werden.

Oder geht es gar nicht darum? Wenn die "sexyness" natürlich Mittel zum Zwecke ist, im Kampf um einen sozial höherwertigen Partner oder eine sozial höherwertige Partnerin den eigenen Marktwert zu steigern, dann hat der/die Betreffende ohnehin schon alles, was er/sie bekommen kann.

IronCandy 14.04.2013 | 15:46

Diese Leute sind die gehobenen Prostituierten die rund um die Uhr medial anschaffen gehen und deren Job beinhaltet dass Sie ihre Persönlichkeit an Interessengruppen verkaufen.

Wenn es hier zu Widersprüchen kommt dann sind diese System-bedingt und haben nichts mit den Personen an sich zu tun, was man lustigerweise halt daran sieht dass meist mehre Personen betroffen sind die nach gleichem Muster Schwachfug produzieren.

Warum also jedes Mal wieder aufregen?

Im Prinzip sollte man hier von Marx ausgehen: "Das Sein bestimmt das Bewusstsein." super dann sehen wir uns mal an in welchem Milieu Person XY schwimmt...