Edward Snowden
02.07.2013 | 12:56 41

Mut und Dankbarkeit

Asylsuche Edward Snowden, der sich zur Zeit in Moskau befindet, schreibt Ecuadors Staatsoberhaupt Rafael Correa einen Brief hinsichtlich seines Antrags auf politisches Asyl

Mut und Dankbarkeit

Foto: ubiquit23/ Flickr (CC)

Es gibt wenige Staatsoberhäupter, die riskieren, sich für die Menschenrechte eines Einzelnen mit der weltweit mächtigsten Regierung anzulegen. Der Mut Ecuadors und seiner Bewohner ist ein Vorbild für den gesamten Globus.

Ich möchte meinen tiefen Respekt für Ihre Prinzipentreue ausdrücken und danke Ihnen aufrichtig für das Vorgehen Ihrer Regierung, meinen Antrag auf politisches Asyl in Erwägung zu ziehen.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika hat das größte Überwachungssystem der Welt erschaffen. Dieses System betrifft jeden Menschen, der mit Technologie in Berührung kommt. Es zeichnet alles auf, analysiert und beurteilt jedes Mitglied der internationalen Öffentlichkeit.

Es ist eine schwerwiegende Verletzung unserer Menschenrechte, wenn ein politisches System automatische, unrechtmäßige und alles durchdringende Spionage gegen unschuldige Menschen betreibt.

Entsprechend dieser Überzeugung habe ich dieses Programm vor meinem Land und der Welt enthüllt. Während durch die Öffentlichkeit ein Aufschrei der Unterstützung für die Ausleuchtung dieser illegalen Machenschaften ging, antwortete die US-Amerikanische Regierung mit einer außergerichtlichen Verbrecherjagd, die mich und meine Familie Reisefreiheit sowie das Recht gekostet hat, friedlich und ohne Angst vor illegalen Übergriffen zu leben.

Angesichts dieser Verfolgung haben Regierungen, die sich vor der US-Regierung und ihren Drohungen fürchten, geschwiegen. Ecuador hingegen hat sich erhoben, um für das Menschenrecht auf Asyl einzustehen und es zu verteidigen.

Das entschlossene Handeln Ihres Konsuls Fidel Narvaez in London sicherte den Schutz meiner Rechte nach der Abreise aus Hongkong – sonst hätte ich die Reise nicht riskieren können. Als Folge dessen und dank der kontinuierlichen Unterstützung ihrer Regierung bin ich noch frei und habe so weiterhin die Möglichkeit, Informationen von öffentlichem Interesse zu verbreiten.

Unabhängig davon, wie viele Tage ich noch zu leben habe, bleibe ich dem Kampf für Gerechtigkeit verschrieben. Wenn auch nur etwas von meinem Tun in den nächsten Tagen einen Beitrag für das Gemeinwohl leisten kann, wird es Ecuador zu verdanken sein.

Ich bin Ihnen, Ihrer Regierung und den Bürgern Ecuadors zu Dank verpflichtet und hege eine tiefe Bewunderung für Ihren Mut, zu tun was richtig ist – anstatt den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.

Edward Joseph Snowden

Übersetzung: Juliane Löffler

Kommentare (41)

tlacuache 02.07.2013 | 15:02

Der hat echt Eier...

Das ihm der Weg nach Ecuador versperrt ist, nachdem ein dringlicher Anruf aus Washington ueber Import-Export Warenverkehr Ecuador - USA eingegangen ist, ist ihm sicher nicht entgangen, bei einem Im- und Export con ca. 35 - 40 % zwischen den Ländern, kann sich Correa populistische Asylantenanträgsdebatten nicht leisten, auch wenn er es populistisch wollte, nach Einem Monat geht der Oekonomie die Luft aus...

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Ehemaliger Nutzer 02.07.2013 | 15:42

Die Gewissheit, dass wir bespitzelt werden und das Internet dazu jedem halbwegs versierten Geheimdienst alle Möglichkeiten bietet, dazu bedurfte ich eines Snowden nicht. 

Es ist m. E. ein viel schreckliches Dilemma (größer übrigens, als die Schnüffelei der NSA an sich), dass er sich in die Hände von Potentaten begeben muss, die ihrerseits das Aushorchen und Bespitzeln ihrer Bevölkerung als Instrument eigener Machterhaltung benutzen und dass es die westlichen, liberalen, rechtsstaatlichen Gesellschaften nicht schaffen, über dieses Grundrecht auf Freiheit offen zu diskutieren.

 

 

 

Oberham 02.07.2013 | 16:26

I worry that, we´re not worth your courageous act. We are only productive livestock, not bothering what happens, as long as the money´s on the account.

There may be a few free individuals, but those know about the sinister principles of this human world.

Good luck - and perhaps our government ist clever enough to invite you to our country,  depends on what the polls are indicating.

tlacuache 02.07.2013 | 16:37

Liebe Schachnerin, lasse uns mal ueberaschen, wie das so bei 24 Milliarden der Fall ist, wie das so ganz ohne Weltpresse wieder eingefuegt wird, ich habe das im Kopf, und finde da ganz bestimmt was, so in Spanisch...

in 2 Wochen, in den Augen, in den Sinn...

..."unwiderruflich gekündigt"...

Vielleicht ist er Idealist, wobei er mit Opponenten nicht Pflegeleicht umgeht, aber das "unwiderrufliche" kann man eigentlich so gar nicht machen, die Loehne der Staatsbediensteten muessen bezahlt werden, sonst hast du den Mob am Hals, das geht nicht so einfach, wenn man keinen Sprit und Bananen in die USA verkaufen kann...

Lieben Gruss

 

luddisback 02.07.2013 | 17:25

there can't be any legal law above or against the constitution, and democratic (in the unperverted, traditional meaning) people in the hole world feel like this. betraying an act of treason by the price of your personal freedom deserves my full respect! thank you very much for showing the world what's going on behind the curtains. we might have lost our privacy yet, but knowing the thiefs passes a lot of human dignity back to where it belongs.

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Ehemaliger Nutzer 02.07.2013 | 17:59

Bei all der Hysterie sollte man nicht vergessen, dass Edward Snowden immer noch ein Mensch ist. Auch wenn ich mit ihm stark sympathisiere, glaube ich nicht, dass er die personlichen Folgen seiner Handlungen richtig abgeschatzt und analysiert hat. Wenn er, wie er ja selbst behauptet, diese Aktion monatelang vorbereitet hatte, weshalb hat er dann diese geradezu idiotische Fluchtroute Honkong/Moskau gewählt und ist nicht mit einem "Bananendampfer" direkt nach Ecuador geflüchtet? Es muss Snowden doch klar gewesen sein, das sein Pass fur ungültig erklart werden wird.
Und Weshalb hat er sich uberhaupt persönlich zu erkennen gegeben und ist nicht anonym geblieben? Es sollte ihm doch bewusst gewesen sein, dass damit der Inhalt seiner Enthüllungen in den Hintergrund treten und der Presserummel sich dann hauptsächlich um seine Person drehen würde.
Seine mangelhafte Planung hat ihn nun in diese wirklich bescheidene Situation gebracht.
Als Asyl wird ihm schlussendlich nur Venezuela ubrigbleiben, alle anderen werden direkt oder indirekt seinen Antrag ablehnen.
Snowden wird sich entscheiden müssen, ob er alle Informationen veröffentlicht und nach Venezuela flüchtet, oder ob er die Informationen als Verhandlungsmasse in Bezug auf Haftbedingungen und Strafmaß, angesichts eines Gerichtsverfahrens in den U.S.A., einsetzt.
So neugierig ich auch bin, welche Sauereien unsere US-Amerikanischen "Freunde" noch so angestellt haben, wurde ich Snowden doch raten sich zu stellen.

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Ehemaliger Nutzer 02.07.2013 | 21:05

Bundesregierung lehnt Snowdens Asylantrag ab

Edward Snowden wird kein Asyl in Deutschland bekommen. Laut Bundesregierung sind die Voraussetzungen für eine Aufnahme des Whistleblowers nicht erfüllt.

Ironie on!!

Wir müssen uns entschuldigen
Gott sei Dank kein Asyl. Das gute Deutschland ist gerettet. Jetzt sollte Angela Merkel sich förmlich bei Herrn Obama und Herr Cameron dafür entschuldigen, dass wir unsere Beschützer so verdächtigen und behelligen konnten. Aber das war ja nur das Volk, nicht die schwarz-gelbe Regierung und auch nicht die rotgrüne Opposition.

Und wir sollten den USA und dem Vereinigten Königreich anbieten, uns an den Kosten der Abhöraktionen zu beteiligen. Sie sind nach wie vor, vielleicht jetzt sogar mehr als jemals, das Beispiel für Demokratie dem wir nachstreben.

Das deutsche Volk ist dankbar!!

Ironie off !!!

Ihre Enthüllungen waren uneigennützig. Es geht ihm um die Menschenrechte und die Demokratie. Sie werden politisch verfolgt und hätte Asyl in Deutschland bekommen sollen!

Ich wünsche ihnen von Herzen alles Gute!

Möge ein Staat den Arsch in der Hose haben und sie nicht nur benutzen wollen.

Leider hat Deutschland gezeigt: Sie haben Hosen aber keinen Arsch!!

Good Luck!!

Gold Star For Robot Boy 02.07.2013 | 22:36

"All actions relating to the right of other human beings are wrong if their maxim is incompatible with publicity."
Immanuel Kant

Mad respect and take care, Mr. Snowdon!

"Influential Time columnist Fareed Zakaria writes that potential abuses of Big Data are "like a scenario from a horrifying sci-fi thriller." "Is that compatible with life in a free society?" he asks.

Obama will have no choice but to speak openly about these programs. The sooner he does it, the better -- for both Europe and America."

http://www.spiegel.de/international/world/editorial-obama-must-offer-answers-on-nsa-spying-in-eu-a-909019.html

A call for digital disobedience:Search engines that spy on us, secret services that steal our data: How much longer can we allow secret US surveillance programs to continue? DW spoke to writer Frank Schirrmacher and physicist Ranga Yogeshwar:

http://www.dw.de/a-call-for-digital-disobedience/a-16924454

Gold Star For Robot Boy 02.07.2013 | 23:00

Glenn Greenwald:

"I think what the Obama administration wants and has been trying to establish for almost five years now with the unprecedented war on whistle-blowers that it is waging is to make it so that everybody is petrified of coming forward with information about what our political officials are doing in the dark that is deceitful, illegal or corrupt. They don’t care about Edward Snowden at this point. He can no longer do anything that that he hasn’t already done… What they care about is making an extremely negative example out of him to intimidate future whistleblowers from coming forward because they’ll think they’re going to end up like him. That’s their objective.”

 

Gold Star For Robot Boy 02.07.2013 | 23:15

"Noted attorney and Harvard Law Professor Alan Dershowitz lashed out at Glenn Greenwald, who broke the NSA/Edward Snowden story, on CNN last night, calling him a "phony" and accusing him of hating America. On Piers Morgan Tonight, Dershowitz said Greenwald's actions in the PRISM story are in "the heartland of criminality." He goes on to note that "the statute itself does punish the publication of classified material," and said that Greenwald had therefore committed a felony. It seemed he could hardly contain his dislike for the man, and despite his host's attempts to redirect him, Dershowitz called Greenwald "a total phony," "anti-American, and claimed "he hates America" and "loves tyrannical regimes."  In an earlier CNN appearance, he also said that there were "a lot of lies from Greenwald" and that "people like Greenwald tend to foment the paranoid streak in American life."

 

Gold Star For Robot Boy 02.07.2013 | 23:22

Whistleblower Edward Snowden isn’t the only one looking for a safe haven since he began leaking a series of top secret documents on the National Security Agency’s surveillance practices. So has Director of National Intelligence James Clapper, whose statements to Congress earlier this year on NSA methods were exposed by Snowden’s leaks as being highly misleading. And as many call for Clapper’s resignation, he’s finally issued a public apology.

In a letter sent to the Senate Intelligence Committee Chairman Diane Feinstein and published on the Office of the Director of National Intelligence’s website, Clapper admitted that his response in a March hearing to a question from Senator Ron Wyden on NSA data collection was “clearly erroneous.”

Costa Esmeralda 03.07.2013 | 00:12

Dear Edward Snowden,

if someone in the world acted in the spirit of universal human rights, then it is you, Manning and Assange. Thank you for defending the dignity of mankind. Please, don't take seriously petty critics of people who never stood against unjust state action only feeling their own human failure not being able to do the right thing as you did.  

Ecuador is a small, incredible beautiful country with courageous people, but also a country with tremendous internal conflicts because of history and geography. It is a country on a difficult way to national identification whose president is a.o. a product of the past 100 years of US-imperialism and exploitation vis-à-vis his country and Latin America as a whole. He and many of his countrymen try to emancipate from long and oppressive US dependence.

You can be sure that many of my countrymen and I we admire you wholeheartedly and would like to invite you looking for asylum in my country, which your country once liberated from Fascism and we will always be grateful for the heroic act of thousands of young Americans like you. But, unfortunately, my generation hasn't had your courage to create a German country where universal human rights are fully recognized and publicly accepted. Your example should encourage us to fight against state power wherever it oppresses freedom of people.

 

My friends and I and many other Germans regard you as a true German friend in the same way we regarded your forefathers during Worldwar II and we will stand by you! Keep your inner strength and hold to your mission!

I wish you all the best on your way!

CE 

Nicolaus Meyer 03.07.2013 | 01:41

Sehr schwach von Frau Merkel das Asyl von Snowden abzulehnen. Das zeigt, dass sie entweder nicht genug Rueckrat hat dem Mann zu danken, der uns aufgeklaert hat oder unsere Kanzlerin schon alles wusste, was da laeuft und nichts selbst unternommen hat. NobelPreis und Asyl fuer Snowden und weg mit diesen zynischen und selbstgefaelligen Politikern, die sich scheinbar schon gar nicht mehr selbst als Buerger (Betroffene) bezeichnen. Gerhard Schroeder haette Zaehne gezeigt und anders reagiert auf diesen Betrug der USA und England, so denke ich!!

weinsztein 03.07.2013 | 02:23

Ich hatte viel mehr solcher Kommentare erwartet.

Warum sollte Snowden sich stellen? Er soll seine bisher und seine eventuell demnächst veröffentlichten Informationen als Verhandlungsmasse in Bezug auf Haftbedingungen und Strafmaß, angesichts eines Gerichtsverfahrens in den USA einsetzen?Sie meinen das ernst, fürchte ich. Er soll sich selbst verraten?

In den USA dürfte ihn im Gefängnis ein jäher Unfall erwarten, leider tödlich und äußerst bedauerlich.

Snowden imponiert mir sehr. Ein mutiger Mensch.

danki 03.07.2013 | 14:36

Wie verkommen doch inzwischen unsere auch so demokratischen Staaten gekommen sind,zeigt das Schurkenstück gestern Abend am Beispiel des bolivianische Präsidenten Morales in Wien.Da sperren einfach auf Zuruf-wer hat da wohl gerufen?-die Staaten Italien,Frankreich,Spanien und Portugal ihren eigene Luftraum,so dass die bolivianische Präsidentenmaschine in Wien notlanden mußte.Wenn sich bereits diese o.g.Staaten als US-Vasallen outen,soll Mr.Snowden kein politisch Verfolgter sein,so wie es uns der Herr Friedrich weismachen will?Es ist ein Stück aus dem Tollhaus,wie verkommen doch diese Politiker geworden sind.Aber immer das hohe "C"-Lied singen.Und es wird sich keiner rausreden können,er hat das nicht gewußt oder gewollt!

balsamico 03.07.2013 | 15:16

Das Schweigen Obamas ist erstaunlich und peinlich zugleich. Erstaunlich, weil er weiss, dass die Welt auf eine Erklärung zu dem ungeheuerlichen Angriff seines Sicherheitsapparates auf die Privatsphäre vieler Millionen Menschen wartet; peinlich, weil er das gleichermaßen rechtswidrige wie schändliche Verhalten dieses Apparates durch sein Schweigen deckt. Noch betrüblicher ist freilich, dass er den mutigen Mann, der sich um die Privatsphäre von Millionen von Menschen verdient gemacht hat, weltweit verfolgen lässt, mit dem offensichtlichen Ziel, ihn dermaßen in die Mangel zu nehmen, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Oder glaubt jemand, an Snowden würde kein - auch physisches - Exempel statuiert, wenn man seiner habhaft wird? Aus Abu Ghreib und Guantanamo wissen wir zur Genüge, wie die USA mit Menschen umgehen, die ihnen nicht ins Konzept passen. Auf einen respektvollen Umgang mit seiner Person und einen fairen Prozess kann Snowden jedenfalls nicht hoffen. Da er selbst seine Lebenszeit nach Tagen bemisst, weiss er wohl, wie es um ihn steht.

Man kennt das Rechtsinstitut des sogenannten übergesetzlichen Notstands. Umstritten zwar aber respektabel. Die Männer des 20. Juli z.B. waren im Sinne des Gesetzes unzweifelhaft Hochverräter und Verbrecher. Aber sie handelten aus der über dem Gesetz stehenden Überzeugung, den Verbrechen Hitlers aus Gewissensgründen Einhalt gebieten zu müssen. Deshalb verehren wir sie als Helden. Ihr Verhalten beruhte auf der sog. "Vollmacht des Gewissens", die denjenigen in seinem Verhalten entschuldigt, der ein geringerwertiges Rechtsgut verletzt, um ein höherwertiges Rechtsgut zu schützen. Danach muss man Snowden zugute halten, dass der Schutz der Privatsphäre von Millionen von Menschen einen höheren Stellenwert hat, als das Interesse des Staates daran, im Wege der Schnüffelei an Informationen zu gelangen, auch wenn man glaubt, sie zur Verhinderung schwerster Verbrechen zu benötigen.

Es hätte dem mächtigsten Mann der Welt gut angestanden, darüber ein Wort zu verlieren. Schade, dass ihm nichts Besseres einfällt, als zu schweigen.

Phineas Freek 03.07.2013 | 15:47

Wie ist denn der aktuelle US-amerikanische Umgang mit den Enthüllungen von Snowdon zu beurteilen, dieser perfekten und fehlerfreien Inszenierung unentrinnbarer US-amerikanischer Gewalt, Allmacht und Souveränität? Geht das so weiter, könnten diese Enthüllungen fast schon als kompensierende PR-Vorlage für den taumelnden Welthegemon gewertet werden.

@all

Gibt es denn irgendeine Erklärung dafür, wie es einen subalternen Mitarbeiter eines Subunternehmens der NSA möglich gewesen sein soll, überhaupt und unbemerkt all diese Unmengen streng geheimer Daten abzugreifen?

Absurderweise müssten demnach ja eine Million angestellte Spitzel innerhalb und außerhalb der NSA auch eine Million potentielle Sicherheitsrisiken gewesen sein.

Kaum zu glauben.

 

  

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Ehemaliger Nutzer 03.07.2013 | 17:05

ich frage mich, wo all die Snowden-Betroffenheits-Hysteriker waren, als es schon längst bekannt war, dass die NSA in Deutschalnd auf der Basis der Allieiertenrechts alles auspoinierte. Wer hat sich je darüber aufgeregt, dass viele Aussteiger wie Snowden gar nicht erst in den Schutzraum medialen-Rummels gelangten, sondern stumm blieben und verschwanden? was sind das doch für "mutige Wutbürger", die erst ein Gesicht brauchen, um einer Sache endlich mal ein paar gedanken zu schenken. Es war und ist kein Geheimnis, das Google, Apple, Microsoft usw. eng mit den amerikansichen Geheimdiensten kooperieren. Jeder, der das netz nutzt, muss davon ausgehen, dass seine Daten von solchen Diensten gebraucht werden. Geheimdienste kennen auch nicht Freund oder Feind: Der KGB bespitzelte die Stasi und die Stasi den KGB. So waht? Der Spiegel berichtete schon 1989 davon, dass die NSA in Deutschland rege und aktiv ist: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/spiegel-widmet-1989-der-nsa-seine-titelgeschichte-a-908858.html

Mich kotzt diese Betroffenheits-Protest-Kultur in Deutschland an. Wenn es das Gesicht Snowden nicht gäbe, würde jeder der angeblich aufgeklärten, aufgewühlten Protestbürger seinem Alltag wie gewohnt nachgehen, egal was die NSA oder sonstwer treibt. Snowden büßt auch für unsere Sünden: Wir sind nicht mehr bereit und in der Lage, uns über das aufzuregen, was nicht in den Medein vorkommt. Die mediale Berichterstattung schreibt unseren Protestkorridor vor. Arme Demokratie mit solchen Demokraten.

Phineas Freek 03.07.2013 | 18:05

„waere diese ecke des kaninchenbaus eine fehlerfreie inszenierung unentrinnbarer allmacht, dann duerfte es snowden darin nie gegeben haben.“

 

Ist nicht das Gegenteil wahrscheinlicher?

Ohne einen glaubwürdigen und idealistischen „Verräter“ wie Snowden, müsste doch der taumelnde Hegemon seine mögliche Botschaft allmächtiger Fähigkeiten und entsprechender Praxis, selber in die Welt posaunen – das wäre doch eher das Gegenteil souveräner Gewalt(Inszenierung).

 

 

 

balsamico 03.07.2013 | 18:53

ich frage mich, wo all die Snowden-Betroffenheits-Hysteriker waren, als es schon längst bekannt war, dass die NSA in Deutschland auf der Basis der Allieiertenrechts alles auspoinierte.

Mir, z.B., war das so nicht bekannt, weshalb ich auch keine Auskunft über meinen damaligen Aufenthaltsort geben kann. Ich Trottel war in der Tat der Ansicht, erst dann ins Visier genommen zu werden, wenn ich einen gewichtigen Grund dafür geliefert hätte.

Wer hat sich je darüber aufgeregt, dass viele Aussteiger wie Snowden gar nicht erst in den Schutzraum medialen-Rummels gelangten, sondern stumm blieben und verschwanden?

Wie hätte man sich aufregen können, wenn nicht darüber berichtet wurde?

was sind das doch für "mutige Wutbürger", die erst ein Gesicht brauchen, um einer Sache endlich mal ein paar gedanken zu schenken.

Man hat gewusst, dass geschnüffelt wird. Aber man hat nicht gewusst, dass Hinz und Kunz beschnüffelt wird.

Es war und ist kein Geheimnis, das Google, Apple, Microsoft usw. eng mit den amerikansichen Geheimdiensten kooperieren.

Man vermutete dies zwar, jedoch ohne zu wissen, ob und in welchem Umfang es geschah bzw. geschieht. Aber auch hier gilt, dass man glaubte, nicht ins Visier zu geraten, solange man keinen terroristischen Aktivitäten nachgeht. 

Jeder, der das netz nutzt, muss davon ausgehen, dass seine Daten von solchen Diensten gebraucht werden.

Sicher, z.B. um mir eine Ware anzubieten bzw. aufzudrängen. Aber nicht dazu, ein Dossier über mich anzulegen, in dem jede Internetaktivität aufgezeichnet wird. Ich z.B. habe in meinem Netzleben schon manchen aufmüpfigen Beitrag gepostet. Nun mache ich mir Gedanken, was passieren könnte, wenn man mich in irgendeinem Zusammenhang, z.B. bei der Bewerbung um ein öffentliches Amt, damit konfrontiert oder gar kompromittiert. Die Vorstellung ist nicht sehr angenehm und ich frage mich, ob es nicht klüger gewesen wäre, mein vorlautes Mundwerk zu halten. Und eben das ist es, was der Meinungsfreiheit so unermesslich schadet: gar nicht mal so sehr in dem, was man buchstäblich von sich gegeben hat, sondern dass man vorsichtig wird, indem was man sagt oder schreibt und dass ein Klima des allgemeinen Misstrauens entsteht, in dem nicht Gutes mehr gedeiht.

Geheimdienste kennen auch nicht Freund oder Feind: Der KGB bespitzelte die Stasi und die Stasi den KGB. So what?

Ja schon. Aber das betrifft bzw. betraf mich nicht. Dachte ich.

Der Spiegel berichtete schon 1989 davon, dass die NSA in Deutschland rege und aktiv ist: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/spiegel-widmet-1989-der-nsa-seine-titelgeschichte-a-908858.html

Sicher. Da steht u.a.:

Die US-Regierung gibt jährlich etliche Milliarden Dollar aus, um im gigantischen Gewimmel der elektromagnetischen Wellen kein Signal, keinen Befehl und kein Gespräch zu verpassen, das auch nur im entferntesten die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika berühren könnte. […] deutsche Geheimdienstler wissen längst, dass das Fernmeldegeheimnis, der gesetzliche Schutz des "nichtöffentlich gesprochenen Worts", nichts gilt. Wer immer zwischen Nordsee und Alpen zum Telefonhörer greift, muss gewärtig sein, dass auch die NSA in der Verbindung ist - Freund hört mit.

Gewiss, das stand da. Aber man wusste nicht ob es stimmt und konnte es glauben oder nicht. Jetzt, dank Snowden, weiss man es.  Der Unterschied liegt auf der Hand. Er zeigt sich insbesondere im Verhalten der US-Regierung: Der Verfasser des Spiegel-Artikels ist nach wie vor guter Dinge. Vermutlich hat ihm niemand nachgestellt oder tut es jetzt. Edward Snowden dagegen muss um seine Freiheit, wenn nicht um sein Leben fürchten. Das ist der Unterschied zwischen dem, der einen Artikel schreibt und dem, der ihn aus erster Hand bestätigt und mit Beweisen untermauert.

Mich kotzt diese Betroffenheits-Protest-Kultur in Deutschland an. Wenn es das Gesicht Snowden nicht gäbe, würde jeder der angeblich aufgeklärten, aufgewühlten Protestbürger seinem Alltag wie gewohnt nachgehen, egal was die NSA oder sonstwer treibt. Snowden büßt auch für unsere Sünden: Wir sind nicht mehr bereit und in der Lage, uns über das aufzuregen, was nicht in den Medein vorkommt. Die mediale Berichterstattung schreibt unseren Protestkorridor vor. Arme Demokratie mit solchen Demokraten.

Sie haben insofern recht, als die Deutschen manchmal etwas länger brauchen als andere, bis der Groschen fällt. Aber das besagt nichts. Schlimmer wäre es, wenn wir es an Solidarität mit Edward Snowdon vermissen ließen, wie z.B. Frau Merkel oder Herr Friedrich, und wobei freilich die Probe auf's Exempel noch bevorsteht, nachdem sie Eward Snowden geschnappt haben werden und es still wird um ihn, bis er als gebrochener Mann vor Gericht steht und um Gnade winseln muss. Denn darunter werden sie's ja wohl nicht machen. Wenn wir dann nicht zu ihm stehen, dann können wir uns in der Tat gegenseitig ankotzen.

luddisback 04.07.2013 | 02:11

"Ist nicht das Gegenteil wahrscheinlicher?"

nein :) ich hier unten kann in der ganzen prism-affaire keinen strategischen vorteil für die nsa, den präsidenten und schon gar nicht für die usa erkennen. die häuptlinge der partnerstaaten welchen grades auch immer sehen genau so nackt aus in ihrer offensichtlichen unterworfenheit, während putin mit einem scherz auf den lippen sein stück vom kuchen essen darf und china still genießt. aber wir sind ganz schön off topic. die eigentliche frage ist, was man jetzt am besten tut oder nicht tut. grüße

tlacuache 05.07.2013 | 07:13

Ah, Balsamiko, unser Freitagsverfassungsrechtler vom Dienst ;-)

Wo Sie Recht haben, haben Sie Recht:

..."Sicher, z.B. um mir eine Ware anzubieten bzw. aufzudrängen. Aber nicht dazu, ein Dossier über mich anzulegen, in dem jede Internetaktivität aufgezeichnet wird. Ich z.B. habe in meinem Netzleben schon manchen aufmüpfigen Beitrag gepostet. Nun mache ich mir Gedanken, was passieren könnte, wenn man mich in irgendeinem Zusammenhang, z.B. bei der Bewerbung um ein öffentliches Amt, damit konfrontiert oder gar kompromittiert. Die Vorstellung ist nicht sehr angenehm und ich frage mich, ob es nicht klüger gewesen wäre, mein vorlautes Mundwerk zu halten. Und eben das ist es, was der Meinungsfreiheit so unermesslich schadet: gar nicht mal so sehr in dem, was man buchstäblich von sich gegeben hat, sondern dass man vorsichtig wird, indem was man sagt oder schreibt und dass ein Klima des allgemeinen Misstrauens entsteht, in dem nicht Gutes mehr gedeiht"...

Das ist nämlich der springende Punkt, dessen sich vielen, und den Mainstreammedien schon gar nicht, noch nicht bewusst ist, das geht dann ganz schnell in Blogwartmentalität 1936 ("guck' mal, der hatte wieder Juden zu Besuch") oder DDR ("Wo hat der Nachbar die Wessischallplatten her?") und so weiter und so fort, ..."muss man das Melden um sich bei den Staatsorganen beliebt zu machen?"...

Für die eigene Karriereleiter natürlich, man hat ja Kinder und so, und die Rente erst, so wird das Volk Ruckzuck erpressbar und die Transatlantiker lachen sich schön scheppelig, wie leicht man den Pöbel manipulieren kann...

Schönen Gruss