Ewen MacAskill
10.06.2013 | 14:32 51

„Wir überwachen jeden, überall“

Daten-Spionage Der Whistleblower Edward Snowden beantwortet die wichtigsten Fragen zur größten Enthüllung in der Geschichte des US-Nachrichtengeheimdienstes NSA

„Wir überwachen jeden, überall“

Edward Snowden in Hongkong

Foto: AFP/Getty Images via The Guardian

The Guardian: Warum haben Sie sich entschlossen, zum Whistleblower zu werden?

Snowden: Die National Security Agency (NSA) hat eine Infrastruktur aufgebaut, die es erlaubt, fast alles abzuhören. Damit wird ganz automatisch das meiste an zwischenmenschlicher Kommunikation aufgenommen, es muss noch nicht einmal beabsichtigt sein. Wenn ich mir Ihre E-Mails oder das Telefon Ihrer Frau ansehen wollte, so könnte ich das tun. Ich komme an Ihre E-Mails, Ihre Passwörter, ihre Telefonverbindungen, Ihre Kreditkarten. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, die solche Dinge tut … Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich mache und sage, aufgezeichnet wird. Ich möchte das nicht unterstützen und bin nicht bereit, das zu akzeptieren.

Aber ist denn Überwachung nicht notwendig, um das Risiko von Terroranschlägen wie dem in Boston zu verringern?

Terrorismus hat es schon immer gegeben. Was in Boston passiert ist, war eine kriminelle Handlung. Das war keine Frage von Überwachungsmaßnahmen, sondern von guter, alter Polizeiarbeit. Die Polizei ist sehr gut in dem, was sie tut.

Denken Sie, eine Straftat begangen zu haben?

Wir haben genug kriminelle Handlungen auf Seiten der Regierung gesehen. Es ist heuchlerisch, mir diesen Vorwurf zu machen. Sie haben die Einflussmöglichkeiten der Öffentlichkeit beschnitten. 

Was denken Sie, wird mit Ihnen geschehen?

Nichts Gutes.

Warum sind Sie nach Hongkong geflogen?

Ich halte es für äußerst tragisch, dass ein Amerikaner sich an einen Ort begeben muss, an dem die Freiheit eingeschränkt ist. Dennoch hat Hongkong, anders als die Volksrepublik China, den Ruf, dass die freie Rede hier etwas wert ist. Es gibt eine starke Tradition der freien Meinungsäußerung.

Was enthüllen die geleakten Dokumente?

Dass die NSA hinsichtlich des Umfanges, in dem in den USA Überwachung stattfindet, auf Anfragen des Kongresses routinemäßig die Unwahrheit sagt. Ich glaube, auf die Frage von Senator Ron Wyden und Senator Mark Udall nach dem Umfang der Überwachung wurde behauptet, man habe nicht die Instrumente, um sie zu beantworten. Wir verfügen über die Instrumente, und ich habe Karten, auf denen zu sehen ist, wo die Leute am meisten überwacht werden. Wir sammeln mehr digitale Kommunikation in den USA als von den Russen. 

Was halten Sie von den Protesten der Obama-Regierung gegen chinesische Hacking-Angriffe?

Wir hacken alle, überall. Wir machen gern einen Unterschied zwischen uns und den anderen. Aber wir sind in fast jedem Land der Erde, ohne dass uns mit diesem Land im Krieg zu befinden.

Ist es möglich, sich gegen staatliche Überwachung zu schützen?

Sie ahnen noch nicht einmal, was alles möglich ist. Das Ausmaß ihrer Möglichkeiten ist erschreckend. Wir können Apparate verwanzen. Ich kann Ihren Anschluss sofort identifizieren, sobald Sie sich eingewählt haben. Sie werden nie sicher sein, ganz egal, welche Sicherungsmaßnahmen Sie installieren.

 

Video: NSA whistleblower Edward Snowden: 'I don't want to live in a society that does these sort of things', Glenn Greenwald and Laura Poitras, The Guardian

 

Haben Sie ihre Familie eingeweiht?

Nein. Meine Familie weiß von nichts … Meine größte Angst ist, dass sie meine Familie und Freunde verfolgen werden. Jeden, der mit mir in irgendeiner Verbindung steht. Damit werde ich den Rest meines Lebens leben müssen. Ich werde nicht mit ihnen kommunizieren können. Die Behörden werden aggressiv gegen jeden vorgehen, der mich kennt. Der Gedanke lässt mich nachts nicht schlafen.

Wann haben Sie sich entschlossen, die Dokumente öffentlich zu machen?

Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht und habe gesagt, das war's. Es war ein natürlicher Prozess. 2008 haben viele Leute Obama gewählt. Obwohl ich nicht zu ihnen gehörte und eine der kleineren Parteien gewählt habe, habe ich seinen Versprechungen dennoch geglaubt. Ich hatte meinen Entschluss schon gefasst, habe wegen seiner Wahl aber noch gewartet. Doch er setzte die Politik seines Vorgängers fort.“

Wie haben Sie reagiert, als Sie am Freitag hörten, wie Obama die Veröffentlichungen verurteilte, gleichzeitig aber eine Debatte über das Verhältnis von Sicherheit und Offenheit begrüßt hat?

Er hatte Schwierigkeiten, sich zu verteidigen. Er versuchte, etwas zu rechtfertigen, das sich nicht rechtfertigen lässt. Er wusste das.

Wie ist es mit der allgemeinen Reaktion auf die Enthüllungen?

Es überrascht und freut mich zu sehen, wie stark die Öffentlichkeit zugunsten der Unterstützung jener Rechte reagiert, die hier im Namen der Sicherheit beschnitten werden. Es ist zwar nicht Occupy Wall Street aber es gibt eine Initiative, die am 4. Juli auf die Straße gehen will, um das Fourth Amendment zu verteidigen. Sie heißt „Restore The Fourth Amendment“ und hat ihren Ursprung auf der Online-Plattform Reddit. Die Resonanz und Unterstützung im Internet ist groß.

Der Washingtoner Experte für internationale Angelegenheiten Steve Clemons sagte, er habe auf dem Dulles Airport das Gespräch von vier Männern mit angehört, die wohl gerade eine Sicherheitskonferenz besucht hatten. In Bezug auf die Leaks habe einer von ihnen gesagt, sowohl Reporter als auch Leaker sollte man „verschwinden“ lassen. Wie geht es Ihnen dabei?

Wenn wir auf der Arbeit darüber geredet haben, wie man mit Gesetzesverstößen umgehen sollte, wurde nie für ein ordentliches Gerichtsverfahren plädiert, sondern immer für entschiedenes Handeln. Sie sagten, es sei besser, jemanden aus einem Flugzeug zu stoßen, als ihn vor Gericht zu stellen. Es herrscht allgemein eine sehr autoritäre Einstellung.

Haben Sie einen Plan?

Alles, was ich tun kann, ist, hier zu sitzen und zu hoffen, dass die Regierung Hongkongs mich nicht abschiebt. Ich tendiere dazu, in einem Land Asyl zu beantragen, das die gleichen Werte vertritt. Island käme in Frage , wo man sich in der Vergangenheit für Menschen eingesetzt hat, die im Internet für die Freiheit kämpfen. Ich habe keine Ahnung, wie meine Zukunft aussehen wird. 

Halten Sie es für wahrscheinlich, dass Sie im Gefängnis landen werden?

Ich hätte das nicht tun können, ohne das Risiko zu akzeptieren, im Gefängnis zu landen. Man kann sich nicht mit den mächtigsten Geheimdiensten der Welt anlegen, ohne dieses Risiko zu akzeptieren. Wenn sie dich kriegen wollen, werden sie das früher oder später auch tun.

Wie fühlen Sie sich heute, fast eine Woche nach der ersten Enthüllung?

Ich denke, die Empörung ist gerechtfertigt. Sie lässt mich hoffen, dass die Sache für Amerika einen positiven Ausgang nimmt, unabhängig von dem, was mit mir geschieht. Ich erwarte nicht, mein Zuhause wiederzusehen, auch wenn es das ist, was ich möchte.

Übersetzung: Holger Hutt

Kommentare (51)

Costa Esmeralda 10.06.2013 | 18:15

Sollten wir nicht in Deutschland massenhaft Merkel und WW auffordern, Snowden Asyl zu gewähren? Dann hätten beide in der vergangenen Legislaturperiode wenigstens eine richtige Tat begangen. Sie sollten das auch bezüglich Assange längst getan haben.

Aber was eine Katastrophe für Deutschland und Europa ist, ist die Tatsache, dass wir uns schon lange aus der IT-Entwicklung verabschiedet haben. Ich habe keine Ahnung, was es kosten würde, um eigene Anbieter zu generieren. Die Chinesen versuchen das derzeit. Auch Europa sollte langfristig diesbezüglich auf eigenen Beinen stehen. 

Die Zivilcourage von Manning, Assange und jetzt Snowden ist einmalig in der Welt. Hoffentlich wird ihr Beispiel auch in Deutschland einige Pflänzchen zum Blühen bringen!

Magda 10.06.2013 | 21:15

Es sei früher ganz undenkbar gewesen, dass ein Mann in der Position von Snowden einen solch ungehinderten Zugriff zu derart geheimen und sensiblen Informationen gehabt hätte. Das erklärte Cedric Leighton, ein stellvertretender N.S.A.-Direktor gegenüber der "New York Times". 

Die energische Entwicklung in eine Richtung, die nicht nur Informationen sammeln, sondern diese auch mit anderen Institutionen teilen will, habe dies sehr befördert.

Vielleicht liegt genau in dieser Entwicklung aber auch der subversive Faktor dieser ganzen Überwachungs- und Sammelwut und auch eine Chance.
Immer mehr Datenmengen, immer mehr Datensammlungen und immer mehr Institutionen, die an den Erkenntnissen dieser klandestinen Sammelei teilhaben wollen. Und dazu immer größerer Vernetzungsbedarf - das unterminiert auch die Idee der Geheimhaltung bestimmter Vorgänge. Der Panzerschrank für die geheimen Dinge ist der Datenautobahn gewichen. Das wird immer verbissenere Versuche, die Daten zu schützen und immer mehr Hackerangriffe nach sich ziehen.

Von daher sind die Überwacher in der Falle, werden selbst immer öfter überwacht und ihre Absichten in die Öffentlichkeit "geflutet". Der "Verrat unwürdiger Geheimnisse" (Ingeborg Bachmann) ist damit noch immer gefährlich, aber auch möglicher geworden.

hansematz 11.06.2013 | 00:22

Das ist sehr schön und das ist sehr fein:

Und der electric chair wirkt fast heimelig dabei.

Und Obama schläft dabei seine Verschnarchtheiten aus: und alle anderen gleich mit dabei.

Wo wir doch alle Demokraten sindJa, wo wir doch alle Demokraten sind: alle wie wir da sind.

Beim Freitag denkt man immer an weltgewandte wie bemühte Pedelle.

Warum nur.

 

hansematz 11.06.2013 | 00:42

bruzzel bruzzel: ja und während sich sich das Freitag Soziotop aneinander abarbeitet, sam Bösen wie Guten, wird sie nolens volens sein was sie ist: eine Abschiedsparty.

Ihre Oberlehrer, Oberliteraten, Oberbesserwisser werden bleiben was sie sind: selbstvergessene Besserwisser, die ihren heiligen Krieg über andersgeartete Meinungen zu führen wissen: Schreiben Sie mit...

 

ich lass es besser bevor ich Kotzen muß.

eldorado 11.06.2013 | 00:55

Schon spannend: Wir werden terrorisiert un Terrorismus zu bekämpfen. Das ist den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.

Man könnte auch sagen. Um frei von Terrorismus zu sein und nicht terrorisiert zu werden, müssen wir auf Freiheit verzichten.

Da muss bei denen, die sich diese Ueberwachung ausgedacht haben, mehr dahinter stecken, als simple Terrorismusbekämpfung.

balsamico 11.06.2013 | 09:44

Schon spannend: Wir werden terrorisiert un Terrorismus zu bekämpfen. Das ist den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.

Man könnte auch sagen. Um frei von Terrorismus zu sein und nicht terrorisiert zu werden, müssen wir auf Freiheit verzichten.

Da muss bei denen, die sich diese Ueberwachung ausgedacht haben, mehr dahinter stecken, als simple Terrorismusbekämpfung.

Man hat sich klarzumachen:

Das angeblich freieste Land der Welt verfolgt einen freien Bürger, der zwecks Erhaltung der Freiheit polizeistaatliche Machenschaften aufgedeckt hat und sich deshalb in die Nähe eines Landes flüchten musste, das die Freiheit seiner eigenen Bürger gering achtet. Und dies unter dem Regime eines amerikanischen Präsidenten, der damit angetreten ist, die unter seinem Vorgänger mit den Füßen getretenen Freiheitsrechte der Menschen wieder herzustellen, und der den Friedensnobelpreis erhalten hat u.a. mit der Begründung:

"Demokratie und Menschenrechte sollen gestärkt werden. Es geschieht selten, dass eine Person wie jetzt Obama die Aufmerksamkeit der Welt derart auf sich zieht und neue Hoffnungen auf eine bessere Zukunft entfacht. Seine Diplomatie fußt auf der Vorstellung, dass diejenigen, die die Welt führen sollen, dies auf der Grundlage von Werten und Haltungen tun müssen, die von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden."

Dass ich nicht bitter hohnlache. 

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Ehemaliger Nutzer 11.06.2013 | 10:20

Es wird auch bei dieser Enthüllung wieder viel erzählt aber wenig gesagt!!

Es sollte jedem klar sein das Internet war und ist schon immer ein Spitzeldienst gewesen. Jeder wird heute permanent überwacht weil die Daten über Router weitergeleitet werden und wer darauf Zugriff hat kann mitlesen und jedes Telefongespräch kann und wird mitgehört daher ist jeder Dienst zu viel inklusive der Werbung und der allgemeinen Vernetzung von allen wichtigen persönlich Daten ein persönliches Sicherheitsrisiko und ein Risiko für die Demokratie hin zu einem Schritt zur totalen Diktatur.

Als Beispiel, Gesundheitskarte, Personalausweis mit rfid chip, Drohnen usw., Google Earth, Facebook sehe ich persönlich als Sicherheitsrisiko an und das ehemalige Sicherheitsleute zum Teil gerade in der letzten Zeit in die Vorstände dieser Firmen übergewechselt sind sagt doch einiges aus.

Mit der allumfassenden Datensammlung und Überwachung kann jeder zu jeder Zeit kategorisiert, einsortiert aber auch industriell also medizinisch verarbeitet und lokalisiert, sowie überwacht oder per Drohnen ausgeschaltet werden. Die Drohen sind bald nur noch so groß wie Insekten!!!

Welcher Internetdienst ist denn für die Spitzel-Angriffe verantwortlich. Die Informationen fehlen komischerweise also nichts Konkretes.

Meine Vermutung und ich bin mir ziemlich sicher über den Akamai Dienst wird hauptsächlich bespitzelt weil der als Dienst zur angeblichen Beschleunigung von Webseiten als erstes auf jeden Rechner der mit dem Inet verbunden ist zugreift.

Zusätzlich handelt es sich noch um eine Ip-Pool Netzklasse A die alle in Besitz der USA sind 2.16.217.74 und mit allen wichtigen Routservern in USA, Suchmaschinen sozialen Netzwerken etc. pp vernetzt sind. Man kann die Daten nur dann lesen wenn derjenige der mitlesen will auch auf einen Router Zugriff hat über den die Daten laufen und das ist nur bei Akamai immer der Fall oder bei dem eigenen Serviceprovider nur da stehen die Router in der Regel in der Nähe also muss dort angefragt werden also kommen diese nicht unbedingt in Frage.

 

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Ehemaliger Nutzer 11.06.2013 | 11:25

Wie man diese Art von Spionage leicht verhindern kann beschreibt mein kurzer Lösungsweg:

Das Internet muss organisiert werden wie die Länder jedes Land hat sein eigenes Netz die Daten werden nur über Brückenserver die sich im Besitz der eigenen Landes befinden weitergeleitet die Server müssen kontrolliert werden von demokratisch gewählten Gremien des jeweiligen Landes weil dann kann man sehen wohin die Daten weitergeleitet wurden.

Weiterhin brauchen wir demokratische, inländische Behörden als Datenkontrollstellen über die ein jeder Bürger unabhängig Auskunft bekommt wohin seine Daten gegangen sind und wer da gegeben falls darauf Zugriff haben wollte, alles leicht machbar.

Jedes Land sollte seinen eigenen Adresspol haben. Das Internet sollte komplett neu organisiert werden auf Ipv6 Basis ist das leicht möglich also warum wird das nicht gemacht?

Heute ist es so das alle möglichen nebulösen Firmen oder Dienst bei Datenverbindungen unkontrolliert mitlesen und mit eingreifen können das kann man im Grunde leicht verhindern wenn es denn gewollt wäre.

eldorado 11.06.2013 | 12:00

Dazu kann ich noch sagen:

Ich habe die Biographie von Obama gelesen. Sie tönt sehr autentisch und berührend. Ein aufmerksamer Mensch, der nicht achtlos an seinen Mitmenschen vorbeigeht und der mit Menschen in Not echte Lösungen sucht. Er hat ein paar Jahre seines Lebens als Sozialarbeiter gearbeitet für und mit den Menschen ganz unten und hat auf diese Weise Einiges erreicht.

Als ich das gelesen  hatte, war ich voller Hoffnung, dass sich Vieles zum Guten ändern wird, falls er Präsident wird. Ich bin heute noch übezeugt, dass er dazu fähig wäre. Sein Problem ist, dass er, wie mehr Macht er erhielt, sich vom Teufel einlullen liess, der ihm einbläute, dass das Gute nur mit Macht und Kontrolle zu erreichen ist. Er liess es zu, dass seine wahren guten Eigenschaften beutäubt wurden ihm Wahn.

Sein Sinneswandel zeigt überdeutlich auf, was mit Menschen passiert, die guten Willens in der Politik etwas bewegen wollen, das Gutes bewirkt. Je mehr Ihnen Macht geschenkt wird, desto mehr verlieren sie ihre ursprüngliche Motivation aus den Augen, weil sie von der Macht geblendet werden.

In den heutigen Demokratien können wir immer mehr feststellen, dass der früher bekämpfte Feudalismus in einem neuen, versteckten Gesicht in den Demokratioen wieder aufersteht.

Deshalb bin ich überzeugt, dass die Probleme nicht von unseren Politikern gelöst werden können, sondern echt nur vom Souverän, den Bürgern. Wir lehnen uns noch viel zu viel an die Politiker wie Kinder, die von dort Hilfe erwarten.

Meiner Ansicht nach, bietet allein der Anarchismus, die Lösung, die wir uns erhoffen.  Es ist die einzige Form, die keine Hierachien zulässt, sondern alles auf Augenhöhe stattfindet. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass diese Bewegung kaum in Erscheinung tritt. Wenn man es da ernst nimmt, gibt es keine Schuldigen mehr, die einem das Leben schwer machen. Sondern man trägt mit Eigenverantwortung, das was man macht. Man schaut nicht mehr ängstlich darauf, ob man die Regeln oder Gesetze einhält. Wenn man aus seinem Gewissen heraus das macht und auf die Art, wie es einem dieses sagt, immer auch mit dem Gedanken, schränke ich mit meinem Tun meine Mitbürger nicht ein, verlieren die Mächtigen für diese Menschen ihre Macht. Allerdings haben sie es nicht einfach und ecken auch immer wieder an, weil das, was ihnen ihr Gewissen sagt, oft in Konflickt mit den Gesetzen und der Regierung führt. Dabei ist zu beachten, dass fast noch wichtiger ist, "wie" man etwas macht, als "was" man macht, also die Einstellung.

Vielleicht können sie sich noch an Kennedy erinnern, der Präsidenkt der USA, der mitten in seiner Amtszeit ermordet wurde. Ich war immer überzeugt, dass er etwas gemacht haben muss, das die Macht behindert. Erst vor ein paar Tagen habe ich die Antwort bekommen. Ich werde den Text, warum er wahrscheinlich ermordet wurde in einem neuen Kommentar schreiben.

Fast zur gleichen Zeit wurde Martin Luther King ermordet, der wirklich ein echter Führer und Helfer der Schwarzen in den USA war.

eldorado 11.06.2013 | 12:07

Hier noch der Text über Kennedy:

Vor 50 Jahren der Kennedy - Mord:

verss.
Der amerikanische Präsident
John F. Kennedy vollbrachte
vor genau 50 Jahren –
im Jahr 1963 – mit der
„Executive Order 11110“ einen
cleveren Schachzug, um
die USA aus der Abhängigkeit
der Federal Reserve Bank
(FED) zu befreien. Die FED
feierte damals ihr 50-jähriges
Jubiläum. Seine „Order 11110“
sollte dem amerikanischen Finanzministerium
die Möglichkeit
geben, das wenige von der
FED unabhängige, durch Silber
gedeckte Geld, zu vermehren.
Damit wurde die Herstellung
von Banknoten wieder in
die Gewalt des Staates zurückgebracht
und das Kartell der
Privatbanken entmachtet. Als
bereits rund vier Milliarden
Dollar kleinerer Noten unter
der Bezeichnung „United
States Notes“ der Geldzirkulation
zugeführt worden waren
und in der Staatsdruckerei größere
Noten auf die Auslieferung
warteten, wurde Kennedy
am 22. November 1963 ermordet.
Alles durch Silber gedeckte
Geld wurde danach sofort
restlos aus dem Verkehr gezogen
und die FED hatte wieder
das uneingeschränkte Monopol
zur unbegrenzten Geldproduktion.
Inzwischen sind weitere 50
Jahre unter dem Weltdiktat der
FED und ihrer Hintermänner
vergangen. Wird es nochmals
100 Jahre dauern, bis diese Verbrechen
geahndet werden?

Quelle: http://faszinationmensch.com/2011/
09/05/musste-john-f-kennedy-sterbenweil-
er-das-geldschopfen-wieder-indie-
hande-des-staates-brachte/

Interessant! Nicht?

Hans Springstein 11.06.2013 | 18:25

Nur eine Bemerkung zur Rolle von Barack Obama: Er ist nur die ausführende Figur für das, was im Hintergrund von den tatsächlichen Herrschenden und Mächtigen der USA und dem ihnen dienenden Regierungsapparat vorbereitet wird. Und da der Apparat und die Machtstruktur der USA sich noch mit keinem Wechsel im Präsidentenamt verändert hat, ist es auch nicht verwunderlich, dass auch ein Obama keine wirklich andere Politik macht und machen kann. Das war schon klar, bevor Obama ins Weiße Hause einzog und viele seinem "Change"-Versprechen glaubten oder glauben wollten und ihn anhimmelten ...

Costa Esmeralda 11.06.2013 | 20:05

Lieber Christian,

vielen Dank, besonders auch für den Hinweis auf Bernd Senf. Kannte ihn bisher nicht, obwohl wir den gleichen Background haben. Das liegt daran, dass ich ab Mitte der 70er Jahre in der "Dritten Welt" gearbeitet und gelebt habe. Aber viele Ansichten, die er vertritt, ich werde mich mehr mit seinen Schriften beschäftigen, sind nachvollziehbar und sollten breiter diskutiert werden.

LG aus Panama, CE 

J.Taylor 11.06.2013 | 20:28

Mr Snowden ist ein Held, er weiß es nur noch nicht. Für all diejenigen, die bisher dachten, dass Facebook und Google aus reinem Spaß oder Gier nach Profit alle Daten aufsaugen, muss es schlimm sein. Im 21. Jahrhundert müssen die Schlapphüte keine Akten anlegen, Menschen beobachten oder observieren, die Menschen füllen alle gegenwärtigen und zukünftigen Fragen selbst aus und führen - sorry: posten - die Akte selbst.

Vielleicht bietet die EU ja Mr Snowden Asyl an, angeblich ist der Datenschutz in der EU doch ein hohes Gut.

TamirM 12.06.2013 | 08:54

"The National Security Agency (NSA) is a cryptologic intelligence agency of the United States Department of Defense responsible for the collection and analysis of domestic communications and information systems, which involves information security and cryptanalysis/cryptography."
(Wikipedia)

Für mich ist Edward Snowden kein Held sondern eher ein Depp.

JR's China Blog 12.06.2013 | 09:22

Es scheint, dass Snowdens Aktion jedenfalls auf mehr Akzeptanz stößt als Mannings. Ein amerikanischer Blogger, der die Vorgehensweisen beider nicht akzeptabel findet, trägt seine Kritikpunkte an der Story - gestützt auf Beiträge des Daily Banter, Daily Beast und New Yorker - hier zusammen. Unterstützung und Widerspruch erhält er im Thread darunter.

Es ist gut, dass der Freitag mit dem Guardian auch ein englischsprachiges Medium in seine inhaltlichen Angebote mit aufnimmt. Gleichwohl finde ich es empfehlenswert, nach Möglichkeit auch darüber hinaus zu lesen.

Helmut Eckert 12.06.2013 | 12:46

In einer Revolution frisst die Revolution bald ihre Kinder... Das Gleiche geschieht jetzt mit der Datensammelwut des Staates. Es gehören tausende Mitarbeiter dazu, diese Unmengen an Daten zu verwalten. So wie Mäuse in die Getreidesäcke gelangen, kommen  auch die Geheimnisse von " Datenmäusen " an die Öffentlichkeit. Es ist letztlich unmöglich, das Korn vor Mäusen zu schützen.

maguscarolus 12.06.2013 | 15:18

Es muss einer wirklich ein Held sein - vermutlich ein tragischer Held - der sich mit den Mächtigen des gefährlichsten Landes der Erde anlegt.

Es bleibt uns nur zu hoffen, dass mehr und mehr Leute in ähnlichen Positionen seinem Beispiel folgen, sodass nach und nach diese machtlüsternen paranoiden Hintermänner der amerikanischen "Sicherheitsbehörden" so bloßgestellt sein werden, dass auch der letzte Redneck im hintersten Hinterwald merkt, was da gespielt wird. 

Hans Springstein 12.06.2013 | 23:42

Liebe Rechercheuse,

ich versuche es mal mit Zitaten aus dem Buch "Befehl von oben" von Tom Clancy (Taschenbuchausgabe 2001): "

S. 464f.: Es war, meinte er, ein Wunder, daß irgendein Präsident auch nur irgendwas an Arbeit erledigen konnte. Die wahren Aufgaben des Amtes waren schwierig genug, und sie wurden dennoch fast immer den >public relations< untergeordnet.

S. 495: Der Präsident konnte nicht alles überprüfen, was in seinem Namen geschah - selbst die Überprüfung eines Prozents wäre eine Heldentat -, und war trotzdem für alles verantwortlich. Dieses Wissen hatte manchen Präsidenten an der internen Führungsstruktur scheitern lassen.

S. 572: Die >Ich-bin-einervon-euch</Jedermann-Haltung reichte zurück bis Julius Cäsar. Sie war immer eine List, ein Schwindel, damit die Wähler dachten, der Typ wäre wirklich wie sie. Aber das war er nie. Normale Menschen kamen nicht so weit.

Das weist daraufhin, dass ein US-Präsident ohne den Apparat hinter ihm nichts ist, nichts tun kann und nicht die Macht hat, die er formal auf der politischen Bühne ausübt. Die Zitate sollen mir ersparen, die politische und Machtstruktur der USA zu erklären. Manches kann ja Kunst, darunter die Literatur, besser auf den Punkt bringen. Zu Clancy sei gesagt, dass mir klar ist, das er ein US-Patriot ist und seine Bücher das mehr als ausstrahlen. Insofern sehe ich ihn auch kritisch. Ich finde sie aber in dem Punkt hochinteressant, wo er eben die politischen Strukturen und Prozesse der USA beschreibt. Die diesbezügliche Faktentreue innerhalb von ausgedachten Geschichten basieren den Berichten über ihn zufolge auf Clancys eigenen Kenntnissen des Machtapparates und vieler dort Tätiger.

Wenn das damit nicht gut erklärt ist, ruhig Bescheid geben.

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Ehemaliger Nutzer 13.06.2013 | 10:49
Vielen Dank Herr Snowden! Die Welt brauchte mehr Leute ihres Charakters Das die NSA weltweit abhört und herumschnüffelt ist eigentlich schon seit den 60ger Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt - Herr Snowden hat es nur noch mal öffentlich gemacht. Die Journalie hatte scheinbar aus Angst nie ein Interesse der Sache schon früher nachzugehen. Man will es sich doch mit "Big Brother" nicht verderben - das zählt vor allen Dingen für die deutsche Journalie! Wer nicht will, dass man ihn im Netz verfolgt sollte nur noch über "Tor" kommunizieren! Wer Facebook, Google+ oder ähnliches benutzt ist selbst schuld - schickt eure Daten doch gleich direkt an die NSA. Und das die USA Cyberattacken in aller Welt unternimmt, dürfte inzwischen auch allgemein bekannt sein.
rechercheuse 13.06.2013 | 18:02

Manches kann ja Kunst, darunter die Literatur, besser auf den Punkt bringen.

 

vielen dank für deine mühe - nicht so gut verstehe ich diese schnittstellen (pr+apparat) und der politischen macht >>> ich würde den apparat nach meiner vertrauens+sachlage  austauschen und mit der pr keine manipulation betreiben, sondern meine sache erläutern und den humanen stimmen der menschen mut machen ...

klar, kann mich dann eine kugel treffen ... oder gift im glas ...

 

naja, mich hat eh jahrelang die literatur "gebildet" ... jedoch vor allem die europäische, lateinamerika´s und asien`s - viele fakten + quellen  hab ich nicht so gut drauf ... meine stärke sind eher die zusammenhänge, hintergründe und intuitionen ... da seh ich hier machmal alt aus und es gibt mißverständnisse ... ich ordne es lieber shakespeare, böll oder heiner müller zu ;-)))

 

grüße!!!

rechercheuse 19.06.2013 | 11:03

vielen dank! ja, es hat geklappt - der groschen ist gefallen ... hab diesen beitrag "zufällig" im radio gehört ... obama ist ja auch nur ein mensch und er macht mir nicht den eindruck, als ob er sein leben und das seiner familie auf´s spiel setzen will und wenn ihm die "folterwerkzeuge" gezeigt werden, verstehe ich auch, dass sich da eine "sicherheitsparanoia" entwickelt ...

 

und doch: ist das ein teufelskreis? wo ist der ausweg? eine bewußtseinsentwicklung  aller menschen in ständig widerstrebenden kampf mit der macht des profites ???

 

grüße ***