langweiler
28.11.2012 | 14:45 1

Welche Zeitung will ich lesen? (1. Teil)

Zeitungskrise Bei dem Rauschen im Blätterwald stellt man sich die Frage, welche Zeitung möchte ich lesen. Ein paar Gedanken die Antworten geben können aber nicht fertig gedacht sind.

Ein demokratisch verfasstes Staatswesen lebt von der Vielfalt der Meinungen. Es ist deshalb außerordentlich wichtig, dass möglichst viele Meinungen die Chance haben, vor dem Forum der Öffentlichkeit diskutiert zu werden. Einige Printmedien, die den „Marktplatz der Ideen“ bereicherten, gehen Insolvent, werden eingestellt bzw. steht das Wasser bis zum Hals, weil sie um die weitere Finanzierung bangen müssen.

Warum werden sogenannte Qualitätsmedien, wie beispielsweise die FR nicht mehr genügend nachgefragt bzw. gelesen, damit sie sich finanzieren können? 

 Was ist ein Qualitätsmedium?

(Qualität lässt sich aus zwei Perspektiven beschreiben) 

a)Aus Sicht von Journalisten und Entscheidungsträgern

Qualitätsmedien widmen sich vorrangig den Themenfeldern Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie sind ein Referenzpunkt für journalistische, politische und wirtschaftliche „Eliten“ (Was Elite auch immer heißen möge, über den Begriff ließe sich streiten). Sie werden von anderen Journalisten sehr oft rezipiert. Relevant als Kriterien sind die Zitationshäufigkeit und wechselseitige Verweise auf das Medium. (Teilweise trifft dies auch auf die BILD zu. Ob sie dies zum Qualitätsmedium werden lässt, ist fraglich.) 

In der Auswahl der Themen, dem sprachlichen Stil und den Argumenten richtet sich ein Qualitätsmedium an eine Minderheit, welche entsprechende Interessen, ein entsprechendes Bildungsniveau und sich den Kauf bzw. ein Abo leisten kann/will. 

b)Aus Sicht des Publikums:

Hier stehen Verständlichkeit, leichte und vielfältige Zugänglichkeit im Vordergrund.

 Qualität lässt sich messen. Themenvielfalt, Vielfalt von Darstellungsformen und Quellen, Anzahl originärer Recherche oder exklusive Themen/Berichte. 

 „Qualitätsjournalismus definieren zu wollen, gleicht dem Versuch einen Pudding an die Wand zu nageln“

 An den Rahmenbedingungen: 

 a)Ist das Internet eine zentrale Ursache für die Krise des Journalismus und dessen Qualität? 

 Das Anzeigengeschäft neben dem Verkaufspreis zu Refinanzierung journalistischer Leistung ist an das Internet verloren gegangen. 

Andere Formen der Finanzierung könnten in Betracht gezogen werden: Stiftungen (FAZ- Fazit Stiftung), genossenschaftlich (taz) oder Beteiligung als Aktionäre.

Jedoch bleibt die Frage, in welche Weise Stiftungen oder Mäzene Einfluss auf die Unabhängigkeit der unterstützten Erzeugnisse haben und wie deren Struktur ist.

 Auf das Wegbrechen des Anzeigengeschäftes zur Refinanzierung reagieren die Verlage mit Kostenreduktion. 

Personaleinsparungen in Redaktionen durch Auslagerung, Einsatz von „Leihredakteuren“ (wie z.B. die FR im PDF Pressedienst Frankfurt GmbH; lt. DJV machen dies 20 Tageszeitungen in D) und freie Mitarbeiter. Diese prekären Beschäftigungsverhältnisse führen oft zur Flucht in den PR- Bereich und zu einem Verlust dessen, was Journalismus eigentlich sein sollte.

Eine Frage, die man stellen könnte, wo steht eigentlich der Freitag? 

 

Kommentare (1)

mcmac 29.11.2012 | 12:44

Lieber Langweiler,

kleine Anregung für die folgenden Teile:

Alles könnte vor allem Eine Frage der Haltung (bzw. deren derzeitiger praktischen Absenz) sein.

Und dann ist bei Pluralismus, vulgo: Meinungsvielfalt noch Folgendes zu beachten nicht von Nachteil (stärkt auf Dauer Glaubwürdigkit und somit Vertrauen in das Medium der Wahl): Dass man mit Tatsachen nicht permanent so umgeht, als handele es sich um bloße Meinungen (Arendt) und umgedreht.

lg