Die Fee
Die Autobahn Fee Vor Lübeck stand da plötzlich wie vom Himmel gefallen eine kleine Gestalt, die mit dem Daumen winkte. Es war eine alte Frau. Hatte man sie ausgesetzt?

Foto: acht&siebzig/ Flickr (CC)
Ich hatte gemalt, viel Kaffee getrunken, und war hell wach. Es war 2 Uhr morgens, Anfang Dezember in den 60ern. Ich stieg in meinen betagten schwarzen Mercedes 190Db, der lange Jahre als Taxi seinen Dienst getan hatte und er hatte noch weiße Streifen unterhalb der Fenster, die aber schwarz übermalt waren.
Ich fuhr gemächlich auf der Autobahn nach Norden an die See bei Howacht und hörte dem Motor zu, wie er nagelnd mein Auto durch die Nacht trug. Ab und zu überholte mich ein chromblitzender Mercedes mit 150 Sachen, aber sonst war die Autobahn leer. Vor Lübeck stand da plötzlich wie vom Himmel gefallen eine kleine Gestalt, die mit dem Daumen winkte. Es war eine alte Frau. Hatte man sie ausgesetzt? Oder war es vielleicht eine Falle?
Ich hielt neben ihr. "Na, Oma? Was machen Sie denn hier? Ja. Steigen Sie man ein." Sie zitterte mit den Händen und war sichtlich erleichtert im warmen Auto zu sitzen.
"Gott wird es Dir danken, junger Mann. Sie haben mich alle stehen lassen, keiner hat gehalten."
Sie war wohl an die achtzig. Dann sagte sie: "Du darfst Dir etwas wünschen!" Ich lachte. "Ich bin nämlich eine Fee." sagte sie. "Drei Wünsche hast Du frei! Aber überlege es Dir gut."
Ich sah sie an, und es war tatsächlich eine Fee. Sie hatte sich nur als alte Frau verkleidet. Sie war unwahrscheinlich schön. So etwa wie die Garbo. Ich fragte. " Was sind sie denn für eine Fee?" - "Ich arbeite meistens auf Autobahnen. Und? - " lächelte sie, " was hast Du Dir überlegt?".
"Das ist schwer." sagte ich.
"Ich habe nicht die ganze Nacht Zeit, junger Mann", sagte sie dann schon etwas lauter. "OK," sagte ich, "Ich wünsche allen, die Dieselfahrer wegen unversteuertem Heizöl im Tank verfolgen, die schwarze Pest an den Hals."
Schweigen.
"Ich bin eine gute Fee. Wünschen Sie sich was anderes."
Leicht verärgert sagte ich: "Also wünsche ich mir, dass die Lübecker Autobahn jetzt bis Kopenhagen geht".
"Wie soll das gehen?" schüttelte sie den Kopf. "Das würde viele Arbeiter arbeitslos machen, bloß weil Sie nicht mit der Fähre über den Belt fahren wollen."
"OK, sagte ich, dann möchte ich, dass sich dieses alte Taxi stracks in einen Horch 853 verwandelt, in pink lackiert, und wenn das nicht geht, dann können sie wieder aussteigen!"
In dem Moment bremste mein altes Auto mit einer Vollbremsung. "Blödmann" sagte die Fee und stieg aus. Als ich weiter fuhr, sah ich im Rückspiegel eine alte Frau, die nach einem neuen Fahrer Ausschau hielt.
Seltsam, diese Feen.
Jetzt wird sie vielleicht gebaut, die Brücke über den Belt. 2018 soll sie angeblich fertig sein. Stand in der Zeitung. Dann fahre ich mal rüber. Hinten an meinem Golf steht dann: 'Ich bremse auch für Feen!'

Kommentare (3)
..... schmunzel, ich stell mir grad vor - ich wär so eine Fee ;-)......
Sehr schön, diese kleine Geschichte!
Stimme zu. Mag Feen auch.