Wolfram Heinrich
04.03.2013 | 09:18 57

Die Quellen des Reichtums

Kapitalismus leicht faßlich


 
Was ist schon eine Annaliese von Marx gegen eine Anzeige in der "Welt"?

Kommentare (57)

Wolfram Heinrich 04.03.2013 | 10:52

@Lukasz Szopa

Was mich hindert? Dass ich am 7.4.1980 nicht einmal 7 Jahre alt war und mein Kapital  bestenfalls 50 zloty betrug...

 

Ja, mei, mit 50 Zloty wirst freilich nicht viele Sklaven kaufen können.

 

WELTLAUF

Hat man viel, so wird man bald

Noch viel mehr dazu bekommen.

Wer nur wenig hat, dem wird

Auch das Wenige genommen.

 

Wenn du aber gar nichts hast,

Ach, so lasse dich begraben -

Denn ein Recht zum Leben, Lump,

Haben nur die etwas haben.

Heinrich Heine

 

 

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 04.03.2013 | 12:04

Ja, was sollte einen schon daran hindern,  sein eigenes Kapital gewinnbringend einzusetzen? Immerhin bekommen dadurch 5000 Südamerikaner einen Job, die sonst keinen haben würden. Ist  doch eine klassische win-win Situation.

So etwas Ähnliches  bekomme ich jedenfalls immer zu hören, wenn ich mit Menschen, die es zu etwas gebracht haben, in solche Diskussionen gerate. Sie sind allesamt davon überzeugt, dass es nur ihrer Tüchtigkeit zu verdanken ist,  über so viel Geld zu verfügen, dass sie einen Teil davon „für sich arbeiten lassen“ können.

Die Annaliese von Marx interessiert die überhaupt nicht.

Schönes Haus, schicker Sportwagen usw.  - nur das zählt.

Ernstchen 04.03.2013 | 13:26

Das verrückte ist doch, dass, sollte wirklich bald ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden, diejenigen um die es geht, also diejenigen Arbeitnehner die für sittenwidrige Löhne arbeiten, dann erstmal noch schlechter dran sein werden, weil die "Arbeitgeber" die Hälfte feuern werden "weil sie sich die gestiegenen Personalkosten nicht mehr leisten können ohne unwirtschaftlich zu werden". Es wird also ein großer Prozentsatz derer denen geholfen werden soll arbeitslos werden, während die verbleibenden, nun Mindestlohnempfänger, wohl viel mehr arbeiten werden müssen. Das wird eine ganz schmerzhafte Umstellung zu Beginn. Und die Arbeitgeber werden erstmal wieder ohne Einbußen davonkommen. Das ist vielleicht zynisch aber ... lieg ich da so falsch?

Sikkimoto 04.03.2013 | 14:14

Das hängt doch ganz wesentlich von der Höhe des Mindestlohns ab. Unter "sittenwidrig" verstehe ich einen Lohn von dem man nicht leben kann. Wer aber heute schon aufstockt wird auch nicht finanziell schlechter gestellt sollte er seine Stelle verlieren.
Ich kann auf einen staatliche subventionierten Niedrigstlohnsektor gut verzichten. Das ist doch der eigentliche Witz: Die Gesellschaft pumpt den Ausbeutern Steuergelder in den Arsch, denn ohne Aufstockerei + Gängelung von der Arge wäre ihr Geschäftsmodell hinfällig.

Es gibt zum Mindestlohn übrigens eine elegantere Alternative, eine marktkonforme Lösung im besten Sinne: Eine flächendeckende Lohnuntergrenze unter der ein Arbeitsloser jedes Jobangebot frei ausschlagen darf ohne deshalb von der Arge saktioniert zu werden. Das heißt: Wer sich ausbeuten lassen will darf es, wer nicht muss es nicht.

fahrwax 04.03.2013 | 14:28

Der Lohnsklave kriegt 8,50 Euronen, muss aber 20 Euronen ranbaggern, damit sein Chefe die sonstigen Mitesser – Finanzamt, BG, Betriebliche Unkosten, Arbeitgeberanteil der Soz. Versicherung – bezahlen kann. Bleibt für Chefe nichts mehr über, steht der Sklave vor der Tür. Klaro

Leben ist hier, dank vieler Fehlentscheidungen – Zinszahlungen lang und gallig -und riesigem Sesselfurzer-Heer, richtig teuer! Auch für Chefe, aber nur den letzten Werktätigen in der Reihe beißen die Hunde richtig in den Popo.

Robert Zapf 04.03.2013 | 17:02

Ich frage mich eigentlich seit langem, wie die das im öffentlichen Dienst hinkriegen. Alle Jahre wieder Lohnerhöhung, ich kenne das aus persönlicher Erfahrung, meine Frau ist dort beschäftigt.

Aber nicht das Neid aufkommt, jedesmal wenn ich davon anfange, das der Unterschied zwischen ihr und mir ist, daß sie Gehalt kriegt und mein Lohn in der Wirtschaft erst einmal erarbeitet werden muß, ist Polen offen.

Allerdings habe ich überhaupt nichts gegen Angestellte, sie sind meiner Meinung nach für ein funktionierendes Gemeinwesen unumgänglich, nur sehe ich doch oft so eine gewisse Überheblichkeit, die mich gelinde gesagt, langsam ank****.

balsamico 04.03.2013 | 18:38

Auch sehr schön:

„Es ist alles still. Wie in einer verschneiten Winternacht. Nur ein leiser monotoner Tropfenfall. Das sind die Zinsen, die fortlaufend hinabträufeln in die Kapitalien, welche beständig anschwellen. Man hört ordentlich, wie sie wachsen die Reichtümer der Reichen. Dazwischen das leise Schluchzen der Armut. Manchmal auch klirrt etwas, wie ein Messer, das gewetzt wird.“


Heinrich Heine aus „Lutetia“

Achtermann 04.03.2013 | 20:28

„Im öffentlichen Dienst stehen nur halt nicht weniger fressende Kühe bereit, die noch mehr Milch geben. Eher bleibt die Zahl konstant, will aber mehr fressen.“

Deshalb hier einige Zahlen über die Beschäftigten im öD als Beweis deiner Behauptungen:

1991   -   6.738.000

1995   -   5.371.000

1996   -   5.276.000

1997   -   5.164.000

1998  -    5.069.000

1999  -    4.969.000

2000  -   4.909.000

2001   -   4.821.000

2002   -   4.809.000

2003   -  4.779.000

2004  -   4.670.000

2005   -  4.599.000

2006   -   4.576.000

2011    -    4.602.939

UnwiseNomad 05.03.2013 | 08:05

*tststs, ihr merkt ja aber auch gar nichts mehr*

*dabei arbeiten wir doch alle für lau an einem gigantischen minenprojekt. ich hab schon mindestens gefühlte tausend bleistifte zu schanden geschrieben hier in der fc, völlig umsonst. oder doch nur gratis?*

Das Problem an der Anzeige ist nicht, dass etwas Aussergewöhnliches angepriesen wird. Aussergewöhnlich ist nur die Offenheit. Die Anzeige lässt im übrigen darauf schliessen, dass der Investor sein Geld nie wiedersehen wird. Macht aber auch nichts, der Finanzbetrüger wird es a) ausgeben und jemand anderes wird es ... oder b) gleich selbst zur Bank tragen, die es dann diskreter, aber sehr ähnlich anlegen wird.

Natürlich geben wir Textil/...arbeiterinnen in Bangladesch/... Lohn und Brot, wenn wir uns neue Socken kaufen (Schlesien hat sich doch ein bisschen weiterentwickelt). Nur nicht besonders viel. Ich habe so 20 Cent pro Paar Nike-Schuhe zu 80 Euro im Kopf.

Zum Schreien ist es dann, wenn man gerne 20 Cent drauflegt, um das Gehalt der Arbeiter/innen in der 3. Welt zu verdoppeln und nichts davon ankommt. Das südamerikanische Fantasie-Minenprojekt ist nur eine besonders konsequente Variante dieser Ohnmacht.

Ich bin müde und werd nicht mehr googeln. Ich erinnere mich jedoch an einen Bericht über ein Andendorf, das superteures Gourmetsalz (was immer das sein mag, ich nehme an NaCl) gewinnt. Die Menschen müssen es nicht mehr ganz so weit tragen wie früher, was ein Fortschritt ist. Der Ortsvorsteher gibt ihnen ein wenig Geld - früher haben sie nur getauscht - und behält den Rest für sich, "weil sie ja eh nicht damit umgehen können".

Der Konsument in Europa hat bei jeder Drehung der Mühle (á 10 Ct) das gute Gefühl, etwas für die Armen der Welt getan zu haben. Die Andenbewohner sind glücklich, weil sie weniger laufen müssen und etwas Geld haben, ihr Bürgermeister ganz besonders. Am meisten freuen sich die Zwischenhändler. Win-Win-Win-Win.

P.S. Die "Serverarbeiten" haben mir Gelegenheit gegeben, doch noch zu suchen:

http://www.arte.tv/de/das-salz-der-inka/4148110,CmC=4151990.html

P.P.S. Doof wie ich bin, hab ich nach dem neuesten Skandal gesucht, in den eine Annaliese von Marx verwickelt sein soll (Ich dachte sofort: F.D.P.! und hätte auf Facebook sogar eine liken können). Nü hab'sch ärst g'mergt, dös d'r Wölfräm ooch Sägs'sch gönn. Obwohl der Karl ja aus Trier stammt, und da sprechen sie so, dass niemand sie versteht ...

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 09:36

@red turtle

Vor allem die Wortwahl, ich glaube ja nicht, daß dies ironisch gemeint war. 

 

Ironisch ist vielleicht das falsche Wort. Heine faßt auf eine sarkastisch-brutale Art zusammen, was wir alle beobachten, ja mit Händen greifen können. Der gesamtgesellschaftlich erwirtschaftete Reichtum ballt sich in immer weniger Händen zusammen. Sehr große Haufen werden schneller größer als große, ganz kleine Haufen dagegen werden kleiner. Der Volksmund sagt "Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen".

Gestern hat das Magazin "Forbes" die Liste der reichsten Privatleute dieser Welt veröffentlicht. "Unser" Reichster, Karl Albrecht (aldi) ist von Platz 10 auf Platz gerutscht. Ist es nicht furchtbar?

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 09:39

@Donna

So etwas Ähnliches  bekomme ich jedenfalls immer zu hören, wenn ich mit Menschen, die es zu etwas gebracht haben, in solche Diskussionen gerate.

 

"Denn wir alle wissen’s doch im innersten Gemüte, daß jene, die’s zu was gebracht haben und aus denen was geworden ist, allermeist zu den schlechthin Widerlichen gehören, damit’s endlich einmal ganz klipp und klar gesagt sei." (Heimito von Doderer, "Das vergrabene Pfund")

 

Sie sind allesamt davon überzeugt, dass es nur ihrer Tüchtigkeit zu verdanken ist,  über so viel Geld zu verfügen, dass sie einen Teil davon „für sich arbeiten lassen“ können.

 

Geld ist ja wahnsinnig fleißig.

 

 

Ciao

Wolfram

Oberham 05.03.2013 | 09:55

... sorry - aber sie sollten nicht zu eurozentrisch reflektieren, das ist doch in den meisten Teilen der Welt Realität - Merkels Taumdeutschland sieht übrigens in etwa wie jenes des 19. Jhds. aus - die gutsituierte versteifte Biedermeierbürgerlichkeit ausgestopft mit ideoligisch verquaster Dummheit am Sonntagstisch, Merkel hängt als Madonnenbild an der Wand, das Prekarierpack gut versteckt und verpackt im Produktionskomplex - fällt es um - kommt der Rest hinten in Dosen als Tiernahrung in den logistischen Verteilungsprozess.

Die Gewinne gehen an die Ausgestopften und die, die glauben Halbgötter zu sein!

 

eldorado 05.03.2013 | 10:19

Nein, nein - damit bin ich gar nicht einverstanden.

Das sind nicht die Tüchtigen, die es materiell zu etwas bringen, das sind die Egoisten. So weit liessen sich schon so viele verblenden, dass sie das einfach schlucken.

Zu was haben sie es denn gebracht. Nun es wird die Zeit kommen, wo materiell alle gleich sind. Das ist in dem Moment, wo wir von dieser Welt scheiden.

Gott sei Dank gibt's noch andere Werte. Da kann man das Geld, anstatt es für sich selbst arbeiten zu lassen, etwas ganz anderes machen. Trifft man doch immer wieder auf Menschen, die in Not sind. Das sollen dann die "Untüchtigen" sein. Jeder muss selbst wissen, was ihm wichtig ist. Man muss sich nur nicht irre machen lassen.

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 10:41

@Ernstchen

Das verrückte ist doch, dass, sollte wirklich bald ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden, diejenigen um die es geht, also diejenigen Arbeitnehner die für sittenwidrige Löhne arbeiten, dann erstmal noch schlechter dran sein werden, weil die "Arbeitgeber" die Hälfte feuern werden "weil sie sich die gestiegenen Personalkosten nicht mehr leisten können ohne unwirtschaftlich zu werden".

 

Unwirtschaftlich im eigentlichen Sinne des Wortes ist die Sache mit den Billiglöhnen jetzt schon. Ich darf mich der Einfachheit halber selber zitieren:

"Seit etlichen Jahren schon können wir ein ganz merkwürdiges Phänomen beobachten: Die Arbeitslosenquote ist auf deutlich unter 10 Prozent gesunken, gleichzeitig ist die Zahl sogenannter Billigjobs angestiegen. Billigjobs, das sind Arbeitsverhältnisse, in denen selbst der Vollzeit-Erwerbstätige sich lediglich das Existenzminimum erwirtschaften kann, sehr häufig nicht mal das. Um wenigstens einigermaßen über die Runden zu kommen, müssen diese Billiglöhner zur Arbeitsagentur gehen, damit diese ihnen den Arbeitslohn bis zum Existenzminimum aufstockt.

Dieses Aufstocken der Löhne durch den Staat ist eine relativ raffinierte Form der Umverteilung von Vermögen von unten nach oben. Raffiniert ist diese Umverteilung, weil sie im Grunde offen vor unser aller Augen geschieht, dennoch aber von kaum einem als Umverteilung wahrgenommen wird.

Die Vollzeit-Erwerbsarbeit eines voll leistungsfähigen Menschen, die den Arbeitenden nicht ernähren kann, ist keine Erwerbsarbeit, sondern mehr oder weniger eine entlohnte Freizeitbeschäftigung. Ein voll leistungsfähiger Mensch ist ganz offensichtlich in der Lage, seinen Lebensunterhalt durch seine Arbeit zu sichern. Wäre es anders, so wäre die Menschheit längst aus der Evolution geworfen worden.

Im Kapitalismus ist es so, daß jeder Lohnarbeiter weniger erhält, als er erwirtschaftet. Den Differenzbetrag streicht sein Arbeitgeber ein, der genau besehen ein Arbeit(skraft)nehmer ist. Dieses Vorenthalten von Lohn ist im Kapitalismus absolut normal, es ist sogar das Grundgesetz des Kapitalismus. Wer immer Einkommen aus Kapitaleinkünften hat, streicht arbeitsloses Einkommen ein. Er bekommt Geld, das er nicht selbst erwirtschaftet hat und er kann dieses arbeitslose Einkommen nur deshalb haben, weil anderen Menschen Einkommen, das sie durch Arbeit erwirtschaftet haben, vorenthalten wird. Das ist, wie gesagt, konstituierend für den Kapitalismus, ohne diesen Mechanismus würde das System nicht laufen.

Nun ist die (verschleiert) katastrophale Arbeitsmarktsituation derzeit (und das schon seit langem) aber so, daß man aus dem Spiel von Angebot und Nachfrage nach Arbeitskraft Arbeitslöhne so weit drücken kann, daß die Arbeitenden von ihrer Arbeit nicht mehr leben können. Der Unternehmer, der solche Billig-Arbeitskräfte beschäftigt, streicht also mehr an unentlohnter Arbeit ein, als er dies sonst tun könnte. Den fehlenden Betrag zum Existenzminimum schießt der Staat zu. Der Staat, das ist die Allgemeinheit, der sogenannte Steuerzahler. Das heißt, die Menschen mit niedrigem, durchschnittlichem oder etwas höheren Einkommen finanzieren den Menschen mit ganz niedrigem Einkommen einen Teil von deren Lebensunterhalt. Das wiederum heißt, die Armen und ein bißchen Wohlhabenden finanzieren den wirklich Reichen den Zusatzgewinn, den sie durch den Niedrigstlohn ihrer Beschäftigten erzielen.

Das meinte ich mit Umverteilung von unten nach oben."

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 10:42

@balsamico

Auch sehr schön:

„Es ist alles still. Wie in einer verschneiten Winternacht. Nur ein leiser monotoner Tropfenfall. Das sind die Zinsen, die fortlaufend hinabträufeln in die Kapitalien, welche beständig anschwellen. Man hört ordentlich, wie sie wachsen die Reichtümer der Reichen. Dazwischen das leise Schluchzen der Armut. Manchmal auch klirrt etwas, wie ein Messer, das gewetzt wird.“

 

Heinrich Heine aus „Lutetia“

 

Wenn ich zu einem Thema einige Sätze von Heine finde, schenke ich mir eigene Formulierungen. Besser als Heine kriege ich es selber eh niemals hin.

 

Ciao

Wolfram

Oberham 05.03.2013 | 11:01

... schön das Prinzip dargestellt, wie die Finanzierbarkeit der Lohnrunden halbwegs im Rahmen bleibt.

Mit jedem Angestelltem im ÖD wird deren Habitus wohl ein klein wenig an "Strahlkraft" gewinnen, gleichzeitig sitzt ihnen die Angst im Nacken, was sie noch gefügiger und williger als Bütten der maßgeblichen Interessen agieren lässt.

So kann aus einem sympatischen Menschen, schnell eine angtbeissende Furie werden - vergleichbar mit den Kettenhunden - seins jene mit dem Schildchen um den Hals oder jene mit dem Schlippschen um den Kragen - es lohnt sich ihnen fern, ja möglichst fern zu bleiben, sich lieber seine Zeit im Wald mit Moos und kleinen Tierchen zu vertreiben, der Baum wacht, schattenspendend über Deinem Haupt, du hast so wenigstens dich - als Opfer den Irren beraubt.

Eines Tages muss ich vielleicht tatsächlich ins Amt - mein Reisepaß - das ist seit zwei Jahren abgelaufen - die grauen Führerscheine sollen nun auch irgendwann ungültig werden.

Eine erfreuliche Episode - jüngst um 0:30 bei Schneetreiben in der Nacht, holt ich meinen Filius von einer Tanzveranstaltung ab.

In Schlafanzughose und Annorack darüber - mit meinem Uraltautochen.

Hinter mir blinkte es, ich dachte an einen Schneepflug (ja dichtes Schneetreiben - Samstag vor einer Woche)..............

Ich hielt - dort wo vereinbart, der Junge stand schon wartend am Platze - er bedeutete mir - hinter mir - da stünde wohl ein Polizeiauto.

::: in der Tat - der stand - und kurz darauf ein freundlicher - ja wirklich freundlicher junger Mann bat mich um die Papiere.

Ich hatte keinen Führerschein (die Brieftasche lag zuhaus auf dem Kühlschrank) - ich hatte den Fahrzeugschein!

Wow - ein Glück? - na jedenfalls wollte der junge Mann den Verbandkasten und das Warndreieck sehen - nun - ähm - mein Kofferraum ist so eine Art Ablagefach für allerlei - (Hängematte, verschiedenste Bücher, Decken, etc. etc. - )= ich fand ein Warndreieck - auch eine Warnweste - der Verbandskasten - der war irgendwie schwer auffindbar in dem Gewusel - dazu die Schlafanzughose (feste Schuhe hatte ich an!)....

Langer Rede kurzer Sinn - der junge Herr blieb wirklich nett, bat mich darum künftig bitte den Führerschein beim fahren des Fahrzeugs - auch zu unsäglicher Stund - mitzuführen, den Verbandskasten bitte griffbereit zu haben (ich gab an- im NOtfall einfach alles erst aus dem Kofferraum zu werfen, da würde er ja rasch auftauchen und die Decken könnte man ja gut gebrauchen.... - keine böses - nein - ein mildes Lächeln!)

Wir fuhren unbescholten Nachhaus - so nett kann ein Polizeibeamter sein! (Ich habe einen gültigen Führerschein - der Verbandskasten ist auch da - sogar relativ neu!)

Er hat es mir geglaubt - er hätte mir - soweit ich weiß, locker 20 Euro abzwacken können und mich verdonnern können den Schein beim Amt vorzeigen zu müssen.

Ja - eine Lapalie - aber es war seit langem ein - zwar erzwungener - aber ein wirklich menschlicher Kontakt mit der öffentlichen Macht.

Wär es nicht schön, wären die alle so drauf?

 

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 11:08

@balsamico

Kann gut sein, dass es mutatis mutandis nochmal Realität werden könnte.

 

Das ist es bereits. Wir kriegen das nur nicht so mit, weil das wirkliche und echte, ganz brutale Elend zum einen outgesourct ist und zugunsten unserer Ausb... äh, Leistungsträger in China, Afrika oder Bulgarien stattfindet. Zum anderen holen wir uns natürlich Bulgaren etc. ins Land, sie hier auszuquetschen. Die Bulgaren verjagen Deutsche aus den Jobs, treiben sie damit in die Armut, während sie selber, die Bulgaren also, im richtigen, hundsgemeinen Elend leben.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 11:09

@gelse

Es war noch nie so, dass sie auf die Arbeit der Arbeiter lange verzichtet hätten.

 

Sie können das gar nicht. Der Reichtum des Fabrikeigentümers kommt aus der Arbeit der Arbeiter und nur daher. Stellen wir uns mal eine absolut vollautomatisierte Fabrik vor. Der Chef drückt einmal auf den Knopf und alles läuft ab da - wartungsfrei natürlich - von selber. Rohstoffe werden von Maschinen angeliefert, daraus werden von Maschinen Produkte hergestellt und von anderen Maschinen verpackt und ausgeliefert.

Fein. Kein Ärger mit der Gewerkschaft mehr. Nur - diese vollautomatisierte Fabrik wirft keinen Cent Gewinn mehr ab. Maschinen haben die mißliche Eigenschaft, daß sie nur soviel (Tausch-)Wert erzeugen können, wie sie selber wert sind. Nur menschliche Arbeitskraft hat die wunderbare Fähigkeit, mehr an Wert zu erzeugen, als sie selber wert ist.

 

Ciao

Wolfram

Wolfram Heinrich 05.03.2013 | 11:09

@fahrwax

Wir praktizieren den Wohlstand auf höchstem Niveau, selbst für die Knechte der Repression bleibt noch genügend übrig.

 

Ob es genügend ist, darüber ließe sich streiten. Aber daß es immer noch relativ viel ist im Vergleich zu anderen Weltgegenden, liegt daran, daß wir diese anderen Weltgegenden aussaugen. Kaffee etwa wäre für die meisten von uns nicht mehr erschwinglich (okay, fünf Tassen im Monat wären drin), bekämen die Arbeiter, die den Kaffee erzeugen, den Lohn, der ihnen eigentlich zustünde.

 

Ciao

Wolfram

Robert Zapf 05.03.2013 | 13:21

Werter Achtermann,
Ich schrieb aber auch, daß es mit den Festanstellungen nicht mehr gut aussieht. Altersbedingt ausscheidende Mitarbeiter werden nicht oder wenig durch neue ersetzt. Dadurch sinkt die Anzahl der Beschäftigten natürlich.
Ich schrieb außerdem, daß ich die Angestellten im öffentlichen Dienst fürs "Gemeinwohl" ( ob Müllabfuhr, Bibliotheken, Ämter und was es noch gibt ) als nötig erachte.
Ich wollte also beileibe kein Bashing betreiben.
Daß es 1991 so viel waren, lag wahrscheinlich an der Übernahme.
1995 war ja schon der größte Schnitt, mit fast 1,4 Millionen.
Ansonsten könnte man ja sagen, daß es unter Schwarz/Gelb besser wurde, wenn auch nur leicht.
Aber im Gegensatz zur freien Wirtschaft, und den Löhnen, die dort stellenweise gezahlt werden, geht es den Beschäftigten doch relativ gut.
Und ich weiß auch, daß es finanziell große Unterschiede zwischen unterem und mittlerem Dienst gibt. Vom hohen mal ganz abgesehen.
Weshalb ich es auch bedeutend besser finden würde, die unteren Bereiche anzuheben, und die anderen einfach mal zu lassen.
Geht aber laut Gesetz nicht.
Frau Simonis hat das irgendwann mal so ausgedrückt, sie hat bei der ganzen Sache 100 Euro mehr, bei anderen kann es dazu führen, daß sie im schlimmsten Fall sogar etwas weniger haben.
Und sie meinte damit, daß sie die 100 Euro wahrlich nicht brauchen würde, zu ihrer Entlastung gesagt, aber da gibt es eben wieder diese Gebote: Lohnabstandsgebot, Gleichheitsgebot, usw. usf.
Das Geld ist noch nie dort angekommen, wo es gebraucht wird; man kann auch sagen: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.
Und das ist jetzt nur eine Vermutung von mir: Die, die am meisten davon profitieren, sind noch nicht mal in der Gewerkschaft.
Ich jedenfalls kenne aus meinem persönlichen, engsten Umfeld schon zwei.

Robert Zapf 05.03.2013 | 13:34

Vollkommen richtig.
Und konsequent zu Ende gedacht, heißt das auch für mich, daß ich vom Elend woanders partizipiere.
Und je weniger ich Geld habe, je mehr ich also auf Billigprodukte angewiesen bin, desto schlimmer wird es.
Die ärmsten Schweine, die keinen fair gehandelten, dadurch natürlich teueren Kaffee kaufen können, oder sich bei KiK auf die Angebote stürzen, oder was weiß ich, die sind dann die Schlimmsten.
Aber was wäre, wenn selbst das niemand kaufen würde. Selbst wenn sie in den Länder dort fast nichts für ihre Arbeit kriegen, sind sie ja noch froh, das sie das wenige haben.
Beim I-Phone spielt sich das gleiche halt auf höherem Niveau ab.
Dieses ganze System ist so abgrundtief pervers...

Oberham 05.03.2013 | 15:57

update - Heinz Manager - Ketchup - eine innovative Angelegenheit - die hervorragendes Mangagement braucht - schließlich wollen die Abfüllanlagen täglich gebrieft werden.

Summa Summarum 220 Mio US Dollar Abfindung  - keine Angst, es gibt bessere Manager (z.B. ging GE-Manager Jack Welch mit einer goldenen Tüte in der knapp 420 Mio Dollar waren......)

Vor lauter Freude hüpft der Dow-Jones auf ein Allzeihoch und dies natürlich nur wegen der hervorragenden Leistung der Manager (wie war das mit den Märkten die in Liquidität ertrinken - sprich - man weiß nicht wohin mit dem Geld - ergo - kauft man Aktien und irgendwer verkauft die jetzt gerade auch.... - ich tippe auf Welch & Co.)

Wer sind die Käufer - nun - die Pensionskassen der Arbeiter - die stürzen sich jetzt auf die völlig überteuerten Aktien - somit dürften bald die privaten Vorstorgeträume der Sklaven in einem Gigachrash verpuffen - und bis dahin haben die Manager alle ihre Privatinseln gut abgesichert!

Wie bescheiden doch die Europäischen Manager sind - warum wandern die nicht alle nach USA aus - ?????????

Steinbrück zu Heinz Ketchup - warum verzichtet der Ärmste?

.... und die bescheidene Mutti sorgt dafür, dass die Deutschen bald noch eine weiter Versicherung und noch eine und noch eine abschließen..... ganz alternativlos!

Achtermann 05.03.2013 | 19:33

„Allerdings habe ich überhaupt nichts gegen Angestellte, sie sind meiner Meinung nach für ein funktionierendes Gemeinwesen unumgänglich, nur sehe ich doch oft so eine gewisse Überheblichkeit, die mich gelinde gesagt, langsam ank****“.

Eines sollte gewiss sein: Wenn man sich über andere abschätzig äußert, ihnen etwa Überheblichkeit unterstellt, sollte man das Individuum nicht außer Acht lassen. Gerade die Deutschen haben mit dieser Methode Übles hinterlassen.

„Ich schrieb außerdem, daß ich die Angestellten im öffentlichen Dienst fürs "Gemeinwohl" ( ob Müllabfuhr, Bibliotheken, Ämter und was es noch gibt ) als nötig erachte.
Ich wollte also beileibe kein Bashing betreiben.“

Du kannst dir ja nicht zumuten, den Müll selbst wegzuräumen. Das verstehe ich. Den Begriff ‚Gemeinwohl‘ habe ich in deinen Äußerungen nicht gefunden. Auch wenn du, subjektiv betrachtet, kein Bashing betreiben wolltest, ist es dir trotzdem gelungen:

„Aber es gibt dort halt noch Berufsgruppen, wo es bei einem Streik ganz schnell zum Himmel stinkt...“:

Ich meine hier wieder die Verallgemeinerung, die dir so sehr zu liegen scheint. Weniger große Sprüche, die immer sehr schnell in die Tasten gehauen sind, dafür aber ein etwas emphatischer betriebenes Annähern an die Thematik könnte auch für sonstige Berufsgruppen ein Gewinn sein.

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Ehemaliger Nutzer 05.03.2013 | 20:44

Wolfram hat ja dankenswerterweise schon darauf hingewiesen, dass solche Äußerungen bei mir nicht auf Zustimmung stoßen. Im Gegenteil. Darüber sind schon ziemliche heftige Diskussionen ausgebrochen. So langsam gebe ich es aber auf. Da steckt teilweise eine so eiskalte Arroganz und himmelschreiende Ignoranz dahinter, dass mir jedes Mal ganz übel wird. Von daher sind mir die beiden Gedichte von Heinrich Heine wohl auch so unter die Haut gegangen.  – Das einzige was wirklich helfen würde, wäre dafür zu sorgen, dass Marx Annaliese endlich umgesetzt würde.

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Ehemaliger Nutzer 05.03.2013 | 20:44

Wolfram hat ja dankenswerterweise schon darauf hingewiesen, dass solche Äußerungen bei mir nicht auf Zustimmung stoßen. Im Gegenteil. Darüber sind schon ziemliche heftige Diskussionen ausgebrochen. So langsam gebe ich es aber auf. Da steckt teilweise eine so eiskalte Arroganz und himmelschreiende Ignoranz dahinter, dass mir jedes Mal ganz übel wird. Von daher sind mir die beiden Gedichte von Heinrich Heine wohl auch so unter die Haut gegangen.  – Das einzige was wirklich helfen würde, wäre dafür zu sorgen, dass Marx Annaliese endlich umgesetzt würde.

Ernstchen 06.03.2013 | 12:12

Exakt. Mein Bauchgefühl sagt mir eben dass das erstmal noch deutlich schlimmer werden wird wenn der Mindestlohn eingeführt wird. Weil die streng kapitalistisch denkenden unter den Arbeitgebern (und das wird die Mehrheit sein), die neuen Löhne nur als zusätzliche Belastung durch Mehrausgaben verstehen werden und das übliche Ausgaben-reduzieren-Einnahmen-erhöhen-Programm anwerfen. That being said, der Mindestlohn muss kommen. Wenn nicht der, dann das bedingungslose Grundeinkommen. Und laut meinem Bauchgefühl führt das eine zu viel mehr Arbeitslosen und das andere zu viel geringeren Löhnen. Und das alles nur weil es als gegeben und auch logisch erscheint wenn VW behauptet jedes Jahr eine Gewinnsteigerung von mindestens 7% schaffen zu müssen um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu halten ...

Robert Zapf 06.03.2013 | 15:01

Darüber haben sich nun wahrlich schon klügere Köpfe, als ich es bin, den Kopf zerbrochen.
Sie können mich für verrückt erklären, ich halte mich an Karl Marx.
Der hatte nun aber eher die ganze Welt im Auge.
Wenn man es etwas kleiner mag, halt Lenin und Trotzki.
Das wichtigste sind aber nicht irgendwelche Theoretiker sondern der ganz normale Mensch.
Der muß nämlich mitmachen wollen, überzeugt werden oder was weiß ich.
Als ich mal in Bottrop in der Kohle gearbeitet habe, habe ich im Förderkorb folgendes Gespräch vernommen:
"Die können sich doch von mir aus .... ( ist jetzt egal ob Geld oder sonstwas ), hauptsache mir bleibt was übrig.
Eine Regierung die solche Untertanen hat, kann doch eigentlich machen was sie will.

Wer's nicht erahnt, wird's nicht erreichen.

 

fahrwax 06.03.2013 | 17:08

Bottrop ist mir nicht unbekannt, meine beiden Opa's haben sich mit der Kohle fertig gemacht.

Marx, Lenin, Trotzki - man hüte sich vor allen Religionen, vor allem vor denen, die sich hinter dem Anstrich der wissenschaftlichkeit tarnen.

Die Untertänigkeit ist eine typische, deutsche Schramme.

Insgesammt war meine Frage eher provokant, wer derzeit vorgibt einen brauchbaren Plan zu haben, kann eigentlich nur ein Dummschwätzer sein.

Wir werden Organisationsformen erfinden müssen, die dem heutigen Elend ein Ende setzen, ohne das Nächste zu installieren.

Selbstorganisation ohne korrupte Vertretungsbanden halte ich für die einzig mögliche Wahl.

laubfrosch 09.03.2013 | 20:24

schöner faden, und präzise auf den punkt gebracht @ wolfram heinrich.

 

nur ...

und das ist das problem ...

 

die kapitalisten ( und das sind längst nicht nur arbeitgeber ... ). die sagen  :

" das ist so, das ist gewollt und unterm strich bedeutet das mehr wohlstand als im sozialismus ...   .... auch für die armen.  "

 

und je nachdem welche statistik man herausnimmt, mit den optionen zeitraum, geografie, prozentual oder real, regional, national oder global, lassen sich dafür wirklich argumente finden; auch aus zitierfähigen quellen der OECD oder united nations.

 

und was dann sprach zeus ?

wie bekommt man das in apettitlichen häppchen sortiert, qualifiziert und medial kommuniziert ?

das ist die zentrale frage an diesem punkt.

 

gruß @ all ...  laubfrosch