Wolfram Heinrich
17.12.2012 | 15:01 6

Von Investition, Haß und Wahnsinn

Wirtschaft Ein kleiner Beitrag zu einem Nebenaspekt des Suhrkamp-Streits

Michael Angele hat vor kurzem hier im "FREITAG" einen Artikel über den Zwist im Hause Suhrkamp geschrieben. Hans Barlach, der Minderheitsgesellschafter des Suhrkamp-Verlages hatte wegen persönlicher Bereicherung zu Lasten des Verlages eine Klage gegen die Mehrheitsgesellschafterin Ursula Unseld-Bèrkewicz eingerecht und hat nun in erster Instanz recht bekommen. Frau Unseld-Bèrkewicz würde damit, falls das Urteil rechtskräftig wird, als Geschäftsführerin des renommierten Literaturverlages Suhrkamp abgelöst werden.

In dem Artikel schreibt Michael Angele unter anderem:

Zu lesen ist von einem der Anwälte auch, dass Barlach von einem tief sitzenden Hass gegen die Suhrkamp-Kultur“getrieben sei.

 

Einem einfältigen Menschen wie mir stellt sich in diesem Zusammenhang eine Frage.

Wir machen ein Gedankenexperiment:

Ich heiße Barlach und ich habe 1 Haufen Geld, der so groß ist, daß ich ihn weder versaufen noch verfressen kann. Wäre ich ein religiöser oder auch einfach nur irgendwie freundlicher Mensch, so würde ich diesen Haufen Geldes an die Armen verschenken, auf daß ich irgendwann in die Ewige Seligkeit einführe (religiöse Variante) oder mich am Glück der Armen erfreuen könnte (irgendwie freundliche Variante). Nun aber bin ich (also Barlach) weder religiös noch freundlich. Ich möchte vielmehr, daß sich mein Geld, mit dem ich nichts rechtes anzufangen weiß, mehr werde, auf daß ich noch weniger damit anzufangen weiß.

Was mache ich also? Richtig, ich investiere das Geld, auf daß meine Probleme mit dem Geld - Herrgottsnein, wo tu ich jetzt bloß das ganze Geld hin? - noch größer werden. Wo aber investiere ich all die Kohle? In Öl, in Gas in Trallala, wie's alle machen, die mehr Geld haben als sie versaufen können?

Keine schlechte Idee. Aber, ich (also Barlach) habe einen tiefsitzenden Haß gegen die Suhrkamp-Kultur. Diese kotzelendiglich verschissene Suhrkamp-Kultur geht mir so was von auf den Senkel, es ist nicht zu sagen. Was mache ich also? Ich investiere meine überflüssige Kohle in genau diese kotzelendiglich verschissene Kultur.

Nach meinem - absolut hypothetischen - Gedankenexperiment müßte dieser Barlach ein Volltrottel der Sonderklasse sein.

Das Grausame kommt zuletzt: Womöglich ist meine völlig schwachsinnige Überlegung richtig. Einem Menschen, der überflüssiges Geld, statt es zu verschenken investiert, auf daß es mehr und also noch überflüssiger werde, ist alles zuzutrauen.

Ich habe nachgeschlagen: Der Begriff "Investition" taucht als Geisteskrankheit nicht in der psychiatrischen Fachliteratur auf.

Kommentare (6)

janto ban 17.12.2012 | 21:47

So geil. Ich weiß gar nicht, welcher mein Lieblingssatz ist.

| Ich möchte vielmehr, daß sich mein Geld, mit dem ich nichts rechtes anzufangen weiß, mehr werde, auf daß ich noch weniger damit anzufangen weiß. |

Vielleicht der.

| Einem Menschen, der überflüssiges Geld, statt es zu verschenken investiert, auf daß es mehr und also noch überflüssiger werde, ist alles zuzutrauen. |

Der könnte es sein, wenn statt verschenken versaufen stünde :o)

| Ich habe nachgeschlagen: Der Begriff "Investition" taucht als Geisteskrankheit nicht in der psychiatrischen Fachliteratur auf. |

Das wundert mich aber. Ich schrieb ja - in einem ganz anderen Zusammenhang - neulich:

| Höchste Zeit, den Satz des Helmut Schmidt zu vergessen, dass zum Arzt gehe, wer Visionen hat. Wer die politischen Zügel oder Kapital in den Händen hält und Visionen hat, ist kerngesund! |

Du liest ja meine Blogs nicht :o( Aber ich deine. Getrieben von einem tief sitzenden Hass gegen die Heinrich-Kultur :o)

Wolfram Heinrich 17.12.2012 | 22:10

@janto ban

| Einem Menschen, der überflüssiges Geld, statt es zu verschenken investiert, auf daß es mehr und also noch überflüssiger werde, ist alles zuzutrauen. |

Der könnte es sein, wenn statt verschenken versaufen stünde :o)

 

Ich hab doch noch extra geschrieben, daß es sich hier um das überflüssige Geld handelt, das Geld also, das ich gar nicht mehr verfressen oder versaufen kann.

Glücklich ist, wer verfrißt, was nicht zu versaufen ist.

 

Ciao

Wolfram

P. S.: Satz: George Best, ein großer Fußballer und Trinker vor dem Herrn hat mal gesagt: "Ich habe in meinem Leben viel Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben - den Rest habe ich sinnlos verprasst!" Gut, der allerletzte Sinn des Lebens ist das vielleicht auch nicht, aber wieviel sinnvoller doch als Investition.

Wolfram Heinrich 20.12.2012 | 12:42

@anne mohnen

Hier, lieber Wolfram, ein toller Kommentar von Michael Naumann über den Barlach-Erben und Freubeuter : "Keine Absurditäten mehr ausgeschlossen"

 

"Freubeuter" - hu, du machst oft so wunderschöne Tippfehler. Ha, da hat er sich gefreut, der Barlach, daß er was zum Ansetzen hat, den Verlag auszubeinen. Aber noch ist die Kuh nicht im Schlachthaus.

 

Ciao

Wolfram