Zé do Rock
22.05.2013 | 14:38 2

Club Merde

Gehnäher-Bissaue Leicht zerbombtes land

Es is 2 uhr morgens, wir müssen bis 8 uhr morgens warten, bis die grenze aufmacht. Schöner himmel. Um 8 werden unsere bagagem und unsere passe controlados, die soldados sind sympáticos und erklären uns, dás wir em ordem sind und die grenze passar dürfen, geben uns aba zu bedenken, dás se seit 18 monaten kein soldo mehr bekommen, und wenn wir ihnen irgendwie behilflich sein können, um ir miséria zu linda, verem se uns ser dankbar. Nu, wir haben schon so fiel gezahlt, dás wir kein local moedas mehr haben. Aba se waren dó so nett und sprachen portugês, so dás wir unsere letzten reservas zusammen kratzen und se ihnen geben, vielleicht 1 euro.

Guinée is das einzige francofone land em Africa das nich zur groszen CFA-familie gehört (Communauté Franco-Africaine), das heisst, sie benutzen keine francs-CFA, eine wärung die am franc gebunden war und jetz am euro. Sie waren die einzigen, die beschlossen ham, arm und frei zu sein statt im goldenen franciano käfig zu leben. Guiné-Bissau widerum is das einzige nicht-francofone land, das em die CFA-familie eingestigen is. Und wenn wir schon von käfigen reden, es is inzwischen 11 ur vormittags und wir sitzen immer noch an dieser grenze fest. Wir dürften durch, aber unser taxi nich. Der chofeur erklärt, er wartet auf ein oficial, der a formulário unterschreiben muss. Am ende entdecken wir wo das wirkliche problema liegt: der chofeur wil die versicherung für Bissau nich zahlen, er wil uns auf a bus auf der anderen seite abschieben, das wird für ihn fiel billiger, aba die grenze-funccionários durchschaun sein spiel und zwingen ihn, uns die moneten für a taxi zu geben, was natüralmente fiel mehr costa als der bus. Das waren sozusagen Robin-Hood-funccionários. Se nehmen von den reichen (dem chofeur) und geben es den armen (uns), wobei wir natüralmente nich realmente arm sind. Und der chofeur nich realmente reich. Und wenn Robin Hood für die eigene haushalts-caissa a bissi erwirtschaften musste und eine kleine comissão, so is das bei unseren funccionários auch nich andas.

Wir hatten quase eine woche kein wasser, die hälfte unserer massa besteht inzwischen aus staub und schweiss. Sou comem wir em die stadt Bissau an, finden a feines, sauberes hotel und können endlich mal wieder duschen. Die capital des landes is ser angenehm, portuguesa, mit schönen alleen und a mediterrâneo flair. Die bissauenses sind ausnahmlos simpáticos, keiner wil a presente oder monedas von uns. Das Hotel Eden gehört eim português ehepaar, is ser sauber, der gegrillte fisch em der terrassa des restaurante Tropicana schmeckt excelente. Em der Bar Bate-Papo is der wirt a brasileiro de libanês abstammung, und er come aus der brasileira stadt Blumenau.

Dás einzige problema der stadt Bissau: se is etwas bombardeada, nich wenige dächer sind eingestürzt, auch dás Palácio Presidencial schaut nich mehr gut aus und is nich mehr bewohnt. A krieg zwischen regierung und rebeldes hat a jahr longo bis zum letzten maio getobt. Da há sich der president abgesetzt und gerade wurden neuwahlen abgehalten.

Die meisten weissen sind naturalmente portugueses, aba via treffen ao 2 alemães, Jörg und Mario, papai und son, die stellen hier a wildfarm auf die beine. Die farm haben se schon, nu fehlt nur nó dás wild, mit den beinen. Se waren vor dem krieg gekommen und sind während des krieges geblieben. Ihnen is nix passiert, se waren nur etwas schockiert als ir stamm-bar em die luft ging, grade als se se betreten voltem. Se und alle anderen sagen einstimmig, dás via die ersten turistas seit dem krieg sind.

Em Guiné-Bissau is die lingua oficial português, dás kann aba nur a drittel der população, obwohl die meisten me verstehen können. Naturalmente existem linguas africanas, aba die lingua, die alle zusammenhält, is dás crioulo, a ziemlich verformtes und unverständliches português. Für mi, versteht sich.

Im nordwestem des landes is a strand, der Varela heisst. Leider wird die strada durch 2 flüsse unterbrochen, und die ferryboat-leute streiken grade. Dás heisst, via müssen den ersten fluss umfahren, 100 bis 200 km statt 20 - gott sei dank is er nich der Amazonas - und dann hoffen, dás die ferryboat-leute am zweiten fluss nich streiken. Mit den öffentlichen transportmitteln würd es tage dauern, also trampen via. Und es geht sogar. Ein auto pro stunde, aba die nehmen einen mit, ausser se sind voll, vás leider fast immer der fall is. Wenn a veículo em Africa losfährt, dann is es wirklich voll, da passe wirklich keine maus mehr rein, auch kein mauskind nich. Via erreichen den zweiten fluss und versuchen mit a canoa rüber zu machen, aber ao die canoisten wollen den streik nich brechen. Also fahren via weiter zu einer anderen stadt, Cacheu. Da muss man aba nich nur rüber sondam 40 km bis zur strada fahren, dafür vil der bootsmann 100 euro. Nenê, via wollen dás bote nich kaufen sondam nur mit ihm zum anderem ufer fahren.

Die stadt há zwei hotels, die sind leider nich von gästen sondam von plünderern ocupados. Via fahren 50 km zurück zur gröszeren stadt Cachungo, da steht ein gästeloses hotel. Offensichtlich sind se’s im hotel nich gewohnt, gäste zu beherbergen, aber a matratze wird rápido organisada, jemand bringt die laken und nu fehlt nur nó dás die família da wirtin, ungefähr 10 erwaxene und 20 kinder, aufhören, uns anzuglotzen und unser zimmer verlassen. Via begeben uns zum restaurante und die ganze família kommt mit, um zu schaun vi via essen. Am näxten tag is der streik vorbei und via brauchen nur a par stunden bis zum strand. Insgesamt brauchten via 31 stunden für 150 kilômetros, teoricamente könnte má dás zu fuss ao schaffen, aba dann hätten via vielleicht den Mahmadu nich kennengelernt, der uns seit den letzten 50 km begleitet.

Das hotel Chez Helene em Varela is zu, und nachdem via etwas rambazamba machen, taucht und taut der hotelwirt aus seinem winterschlaf auf, macht das zimmer sauber, bringt fresco bettzeug, via richten uns ein und wollen zum strand. Mahmadu wartet schon vor dem zimmer und ha das program parat: via gehen zuerst zum strand und dann zu ihm. Also Mahmadu, das is schon richtig, das via zum strand gehen, aba via möchten schon selber decidir wann und vô via hingehen. Gut, sage Mahmadu. Gott sei dank is Mahmadu einverstanden. Und Mahmadu, sag mal, welche linguas verde hier gesprochen? Vier linguas africanas, crioulo und português. Das muss man erstmal imaginar, das dorf ha vielleicht 100 einwohner und 6 linguas!

Der strand is lang vi Chile, der sand is vais vi die Antarctis und warm vi Guiné-Bissau, und überall stehen diz bau-ruinas von gescheiterten turísticos zukunftsträumen. A fantomstrand, cai mensch weit und breit, vi a strand nach dem atômico krieg. Und - nein, ganz allein sind via dó nich, Mahmadu sitzt neben uns und lässt nich loca. Via geben ihm zu verstehen, das via fresco verheiratet sind, und, naja, do weisst schon. Er versteht unseren wink und geht. Und setzt sich 10 metros weiter weg hin. Da wartet er dann, geduldig vi a treuer hund.

Ja, hier is es sou ler, dabei liegt Cap Skirring im Senegal cai 10 km weit entfernt von hier. Cap Skirring is das Marbella Westafricas, mit fiel luxo-hotels, inclusive Club Med, den die einheimischen "Prison Touristique" oder "Club Merde" nennen.

Am ende schaffen via dó nó, Mahmadu loszuwerden, gehen zurück ins hotel und bestellen das essen. "Wollt ir fisch oder huhn?" "Fisch." "Fisch haben via nich, nur huhn." Also huhn. Gleich darauf wird es ziemlich laut im hühnerstall und a stunde später bekommen via ein excelente mal.

Am näxten morgen flüchten via ganz em der früh, richtung Senegal. Dabei müssen via gar nich leiden, a missionario brasileiro nimmt uns mit und es wird a comfortable fahrt. Guinee-Bissau is untere dritte welt, Guinée is virte welt. Rauchverbote existem da wenige oder gar keine, die haben ganz andre probleme.



Kommentare (2)

Costa Esmeralda 23.05.2013 | 05:06

Caro Zé, obrigado para a tua história sobre Guiné-Bissau!

Dank für die Bissau-Geschichte. Was ich mir zusätzlich gewünscht hätte: Ein wenig Information über die politische-gesellschaftliche Situation dieses kleinen Landes, das zum ersten "Narco-Staat" in Afrika mutiert ist. Es muss nicht in der Form sein, wie ich es in meinem Beitrag "Drogen-Blutspur, von Berlin bis Perú" beschrieben habe. Du hast Deinen eigenen originellen Stil, der gut rüberkommt. Aber meine Ansicht ist, Du könntest für den Leser auf Deine amüsante Art einige Informationen hinzufügen, die über Folklore in exotischer Umgebung hinausgehen. Ich kenne Guinea-Bissau selbst sehr genau aus acht Jahren praktischer Erfahrung im Land und fände es gerecht, das "miserable" Leben von 1,5 Millionen Menschen in einem "failed state" dem deutschen Leser alltagswirklicher nahezubringen. Ich weiss, dass die Unwägbarkeiten Deiner/Eurer Tour die Hauptrolle in der Erzählung spielen, aber der Mensch in Bissau sollte realistischer "durchscheinen". Nimm die Kritik bitte positiv. Ich will keinesfalls den Besserwisser spielen, nur Anregung geben, die Du selbstverständlich nach Belieben verwerfen kannst.

Deine Reiseerzählungen sind wichtig, lass Dich darin nicht beirren.

Muitos cumprimentos desde Panamá,

CE

 

Zé do Rock 16.07.2013 | 12:02

costa esmeralda,

normal hätt ich über brasil berichtet, das va mein letztes land. aber a teil vom texto va bloqueado, weil ich ihn beim bachmannpreis-wettbewerb in klagenfurt lesen solte und die texte dürfen nich veröffentlicht sein. so hab ich ältere reiseberichte genommen - die reise (u.a. durch guiné-bissau) hab ich um die milenio-wende gemacht, und da gab es so vas vie a droga-problem nich. meiner meinung nach verdanken wir das droga-problem  vor allem der indústrie farmaceutica, die die billige concorrencia von drogas naturais fürchtet, und solange se ilegal bleiben, sind se vom bösen und vor allem teuer. und beim heutigen turbo-capitalismus tun die regirugen em principio das vas das capital vil.

den bachmannpreis hab ich nich gewonnen, weil ich mit fiel körpereinsatz gelesen hab und die jury der meinung va, das is keine literatur sondam a cabaré-número, se geben den preis lieber russas autoras mit jüdischer groszmutter. ich va immerhin favorito für den publico-preis, den hab ich ao nich gewonnen. die frankfurter rundschau sagte dazu, die wege des internet sind unerforschlich, wenigstens für diejenigen, die sich nich brennend für se interessam.

jetz kommt meine reise von kasachstan nach munique, dann brasil.

saudassoes pro panamá

ze