Götz Aly beschreibt Fortschrittsscheu, Bildungsmangel und Freiheitsangst so vieler christlicher Deutscher um die vorletzte Jahrhundertwende, während sich deutschen Juden für Stadtleben und höhere Bildung interessierten; die Chancen der Moderne zu nutzen wussten. Dies erzeugte Neid und Missgunst. Aus Schwäche erwuchsen Sehnsucht nach kollektiver Stärke, dann Rassendünkel und am Ende mörderischer Antisemitismus
Götz Haydar Aly (* 3. Mai 1947 in Heidelberg) ist ein deutscher Historiker und Journalist mit den Themenschwerpunkten Euthanasie, Holocaust und Wirtschaftspolitik der NS-Diktatur. Er studierte Geschichte und Politische Wissenschaft in Berlin. Nach seinem Studium arbeitete er ab 1973 als Heimleiter einer Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung in Berlin-Spandau, wurde aber 1976 wegen seiner 68er-typischen linken politischen Einstellungen infolge des Radikalenerlasses für ein Jahr suspendiert. 1978 promovierte er über diese Erfahrungen im Fach Politikwissenschaft und schied aus dem Staatsdienst aus. Kurze Zeit später wurde er als Journalist einer der ersten Mitarbeiter der neu gegründeten Tageszeitung taz. 1994 habilitierte er sich am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Von 1997 bis 2001 war er Redakteur bei der Berliner Zeitung und schrieb ebenfalls für die FAZ.