Dirk de Pol

Brave New World

05.02.2009 | 06:25

Urheber? Recht?

In rasender Zeit, zu der, was ankommen will, wenn nicht neu sein, wenigstens so erscheinen muß, verlassen sich immer weniger auf eigene Antriebe und Ideen. Bücher, CDs, Videos, Software, Zeitungslayouts und Artikel, Firmen- und Produktlogos werden wild kopiert. Kreative bemühen sich deshalb immer wieder, ihre Einfälle und Werke zu schützen. Der oberste amerikanische Gerichtshof etwa entscheidet gerade über mehrere Klagen gegen mögliche Copyrightverletzungen im World Wide Web. Viele, die dort eine Institution errichten oder werben möchten, wollen auf einen Wiedererkennungseffekt nicht verzichten, der durch die Nachahmung der graphischen Gestaltung ihrer Seiten gemindert werden könnte. Deswegen wird das Ad- und Home-Page-Busting in diesem Bereich nicht gerne gesehen.

In der Gentechnik hingegen malt schon lange zuerst, wer zuerst kommt. Hier wird nicht er- sondern gefunden. So hat der Laborleiter Jeffrey Friedman das Gen entdeckt und zum Patent angemeldet, das für Fettsucht verantwortlich ist. Die New Yorker Rockefeller-Universität zahlte vier Millionen Dollar dafür und verkaufte es dann für dreizehn Millionen an die Pharmafirma Amgen weiter. Schließlich wären die damit vielleicht herstellbaren Appetitzügler soviel wert wie eine Lizenz zum Gelddrucken.

Wie phantastisch auf diesem Markt die Frage des Urheberrechts ist, zeigt auch die Geschichte des Amerikaners John Moore. Sein Arzt David W. Golde hat seinem Namen alle Ehre gemacht, als er einen mutierten, aber sehr effizienten neuen Abwehrstoff in der Milz von Moore fand, als Erfindung patentieren und dann von einer Genfirma für 3 Millionen Dollar "vergolden" ließ. Der eigentliche "Urheber" Moore ging leer aus. Muß sich also jeder, der Blut-, Urin- und andere Proben seines Könnens gibt, seine Rechte an den darin enthaltenen Erfindungen schriftlich bestätigen lassen? Schon die Softwarefirma Lotus, deren Produkte oft kopiert wurden, argumentierte, daß Software genau wie ein literarisches Werk dem Urheberrecht als Ganzes unterliegt. Sollte das nicht erst recht für die Programmiersprache DNS und alle in ihr geschriebenen Programme gelten? Doch da sie uns wie nichts zuvor alle betreffen, dürfen nicht einige alle Rechte an ihnen halten.
 
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Dirk de Pol
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