SusanneReindke

Blog von SusanneReindke

27.01.2009 | 14:42

Habemus papam - jetzt auch auf Youtube.


















Der Papst hat jetzt einen eigenen Youtube-Channel, auf dem täglich neue Beiträge erscheinen. Die wohl naheliegendste Frage ist – wer soll sich das anschauen?
Ich. Ab und zu.

Mit der Religion an sich ist es so eine Sache. Als normales bayerisches Kind wurde ich getauft, katholisch selbstverständlich, und einer der Kindergärten mit folgender Grundschule hatte sogar den Begriff „Katholisch“ in seinem Namen. Die Erstkommunion und das gelegentliche Singen im Kirchenchor kamen dann gegen Ende der Grundschule. Bei der Vorbereitung auf die Beichte standen wir vor einem echten Dilemma – gibt es Dinge, die man für sich behalten möchte? Andererseits, was ist denn schlimm genug, dass es den Pfarrer im Beichtstuhl überhaupt interessiert? Das Sündigerpotential hält sich tendenziell eher in Grenzen, wenn man zehn Jahre alt ist. Zwei Schulen später besuchte ich ein christliches Internat fern der bayerischen Heimat – ein evangelisches. Es gab dort nur eine Art von Religionsunterricht, und wir mussten in Schulaufgaben mit der Bibel in der Hand sitzen und Psalme interpretieren. Es gab Morgenandachten und regelmäßige Schulgottesdienste – und ich gehörte zu den Kindern, die dort vor der Schule ab und zu zum Vorsingen standen. Mezzosopran, „Lord, I lift your name on high“ und „Go tell it on the mountains“ gehörten da noch zu den besseren Liedern. Nach diesem religiösen Intensiv-Bootcamp war ich einigermaßen traumatisiert, und als ich es auf meiner letzten Schule auswählen konnte, belegte ich Ethik. Da ging es um so epochal entscheidende Themen wie Gerechtigkeit und überhaupt alle Religionen im Überblick, Philosophie und Psychologie – eigentlich sollte das ein Pflichtfach für alle Schüler sein, generell verordnet, um den Horizont zu erweitern.

So schwierig die Themen Kirche und Katholizismus selbst behaftet sind, so interessant finde ich die historisch überdauernde Figur des Papstes, der in seiner eigenen kleinen Welt im Vatikan regiert und weltweit gefeiert wird wie ein Rockstar. Im Grunde meines katholischen Herzens regten sich ergriffene Gefühle, wenn ich Papst Johannes Paul II. bei seiner Weihnachtsansprache im Fernsehen sah – die letzten Jahre musste er dabei von fremden Leuten gestützt und gehalten werden, und es tat schon fast beim Zusehen weh. Mit dem neuen, bayerischen Papst Benedikt XVI., erwarteten wir einen ziemlichen Hardliner – und den bekamen wir dann auch, wie wir inzwischen wissen. Vor seinem Besuch in der alten Heimat brach eine regelrechte Papst-Manie aus, und im Zuge dessen kauften wir uns die häretischen Radiergummis mit dem „Ratzefummel“ Aufdruck, päpstlicher Merchandise für die Massen. Guten Gewissens damit zu radieren ist nahezu unmöglich. In der Zeitung war damals zu lesen, dass der Papst rote Lackschuhe trägt und im Flugzeug eine Fanta zu sich genommen hat – sozusagen Bamboocha Benedetto. Die meisten unserer Opas sind nicht halb so locker unterwegs – und vor allem versuchen sie nicht, uns über das Internet zu erreichen. In seinem Youtube-Channel kann man sich jedenfalls in vier verschiedenen Sprachen kurze Filme mit dem Papst anschauen. Die meisten dauern etwa eine Minute und beherbergen keine großen, weltbewegenden Nachrichten – vielmehr gewinnt man einen Einblick in das Tagesgeschäft des Papstes. Vielleicht kommt das mit den global bedeutsamen Ansprachen noch, der rein lateinische Videokanal lässt ja auch noch auf sich warten. Wer soll das denn abonnieren?
Ich, natürlich.
 
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Kommentare
vomsehen schrieb am 18.02.2009 um 01:47
Ok, es ist jetzt zwei, drei Wochenspäter und der Papst kommt grad nicht mehr ganz so easy rüber... Als ehemaliger Schüler eines ehemals traditionsreichen Jesuitenkollegs würde ich mich auch für einen Latein-Steam interessieren... "unasancta.tv" oder so :-) Aber eine dermaßen unpolitisch-stilistisches Papst-Pop-Blogging passt nicht so gut zum "Freitag". Sag ich mal als verstockter Altleser.... Immerhin ist Ratzinger der Papst, der z.B. als erste theologische Aktion Jon Sobrino gemaßregelt hat - den Jesuiten aus El Salvador, der sich für seine Armenpriesterei fast hat erschießen lassen... Aber Danke für den konstruktiven Ärger. Ich hab das mal aufschreibn müssen... v.
SusanneReindke
Ex-Freitag-Netzwerkerin. Münchenfraktion. Schnitzelfreundin. Twitterprimatin.
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