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Selbst den Spiegel bewegte das geschmeidige Haupthaar des neuen Verteidigungsministers zu Guttenberg, eine Rückkehr des Glamours in die Politik auszurufen. Die Kanzlerin hingegen hatte es mit seidenem Abendkleid und tiefem Dekolleté Monate zuvor nur geschafft, ein bisschen Brust zur Opernnacht zu einem kleinen Politskandal werden zu lassen, in dem Kommentatoren und Medien ihr wenig modernes Bild einer Frau mit Macht und Verantwortung kundtun durften. Die Beurteilung der weiblichen Festgarderobe überlässt man aus diesem Grund wohl besser Männern mit Kunstverstand: Guido Westerwelle jubelte am Abend des Bundespresseballes Ausrufe der Begeisterung ins rbb-Mikrophon: Würde Frau Aigner in einem solchen Kleid ins Kabinett kommen, toll wäre das. In ihrem politischen Alltag ist für Frauen hingegen immer noch das Graue-Maus-Spiel im burschikosen Hosenanzug das Mittel der Wahl, möchte sie einen kompetenten Eindruck wahren.
Die Rückkehr des Glamours in das Regierungsviertel gründet sich folglich auf die designierten Herren, Pomade im Gepäck und treue Ehefrau im Knopfloch. Dass diese adelig steife Gelacktheit nicht selten mit Attraktivität gleichgesetzt wurde, zeugte von der Ödnis des Wahlkampfes und dem Ausmaß des Schönredens.
Das Magazin der Süddeutschen Zeitung hat in seiner neuen Ausgabe den adretten Freiherr noch weiter geadelt. Karl-Theodor zu Guttenberg, Minister in einem Land, das derzeit nur wenige lebende Stilikonen aufweist, scheint modisch eine solche Bedeutung errungen zu haben, dass sein Look von Teenagern begehrt und imitiert wird. Belegt wird dieses Phänomen mit einer Fotostrecke von Münchner Jugendlichen, die ihren Kleiderschrank entlang des „Noblesse Chic“ bestückt haben. Doch der erste Topf Gel entsprang mit Gewissheit der Kosmetiktasche des Vaters, das erste Jackett wurde in beratender Einkaufsbegleitung der Mutter erworben, das Seidentuch zurechtgezupft bevor Guttenberg sich anschickte, neue modische Maßstäbe im Kabinett zu setzen. Es soll Mütter geben, die freuen sich über die Goth-Phase des Sprösslings und sehen die Schürfwunden der ersten Skate-Versuche als Vorbereitung auf den Ernst des Lebens. Wie trist wären ansonsten die Fotoalben, die man der fernen Verwandtschaft zeigt?
Auch Karl-Theodor wird denken: „Huch, so sahen wir doch damals schon aus“, das große SZ-Stil-Interview aber dennoch zusagen.
Doch wenn es nach Spuren der Politik in der Mode zu suchen gilt, will ich das in der nächsten Woche auf den Laufstegen der Fashionweek in Berlin gerne tun. Besonders freue ich mich auf das Streitgespräch zwischen Petra Pau und Sascha Lobo, die darüber debattieren werden, welche Markenbotschaft das freche rote Haar sendet, ob der Look am Ende eine Hommaga an Sebastian Krumbiegel, Sänger der Prinzen ist, und weshalb der Verteidungsminister das Trendsetting für sich entschied.
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schrieb am
15.01.2010 um 17:01
Wenn wir Fernseh gucken, sagen wir jetzt öfters: Der sieht ja aus wie Guttenberg!
Soviel zur Verwechselungsgefahr bei Glamourtrends. Und Feli: Frisör heisst das nicht mehr. Eher "haarig" oder "Strähnschnuppe" oder so. Die meisten neuen Frisörnamen hab ich schliesslich selbst erfunden ... |
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schrieb am
15.01.2010 um 17:07
...oder auch "Haarige Schuppe"?
gibts auch die "kühne Strähne"? |
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schrieb am
15.01.2010 um 17:10
Nein, ist mir nicht bekannt. Aber "Rote Rakete" und "haare bis zum mond".
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Hallo,
ich mag dieses glamouröse mit Gel zurückgekämmte Haar nicht. Das ist bei mir aber pire Ideologie. ;O) Mich erinnert das immer an die Frisur des Gordon Gekko alias Michael Douglas im Film Wallstreet. BUaaaah. ;O( ;O) Herzliche Grüße por |
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Diese albernen Popper hatten wir doch schon. Sie kamen etwas älter dann als Yuppies wieder und sind heute auch ohne diese Darstellung als Besucher von Erfolgreichenseminaren zu finden.
"Ich schaff es" "Ja - gut! Sehr gut! Du schaffst es!" "Ich schaff es!" "Ganz wunderbar! Du schaffst es!!!" "Einen Big Mac bitte!!!!" |
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Werte Tessa,
Sie haben in Allem völlig Recht. Selbstverständlich bewegt sich der Adel und eigentlich alle jungen und jung gebliebenen Geschlecht rund um München, welches auch nur einigermaßen aus gutem Hause kommen, in dieser vorgestellten Kleidung, die distinguiert und gelangweilt zugleich, doch den nötigen Abstand herstellt, zu optisch nicht mehr (er)tragbaren Thomanern, die zu lange einer schlechten, weil untergegangenen, Ideologie und Kultur ausgesetzt waren. www.youtube.com/watch?v=M__dKlC6rUg Heute dürfen wir beruhigt feststellen, dass auch im Umkreis der Thomaner, wiewohl sie nun noch keine vollwertigen Mitglieder der Turmgesellschaft waren und bisher sein können, -es braucht noch eine halbe Generation-, sich eine feine Annäherung im Modischen, im Dazugehörigen, im Stand und auf freistaatlicher Ebene, sanft entwickelt hat. Cristobal Colón Almirante del Mar Oceánico,Virrey, Gobernador General (Ich erkläre, meine Titel sind alle rechtmäßig erworben und mir, dem Privatmann, von ihren allerkatholischsten Majestäten Spaniens und Portugals in einem außergewöhnlichen Vertrag, den Capitulaciones de Santa Fe, 1492, zugesichert und garantiert worden) PS: Meine Lebensgeschichte könnte nur erneut verfilmt werden, wenn Florian Henckel von Donnersmarck, gefönt und gegeelt. Regie führte und Hals wie Einstecktuch makellos bei jeder Regieanweisung getragen würden. Damit es ein guter Film würde, müsste allerdings auch der Zufall notwendig eingreifen. Zur Seite gesprochen. Bei rotem Haar kommt es auf "echt" oder "falsch" an. Das merken Sie spätestens dann, wenn der Hauttyp nicht zum Haar passt. - Egal, auch dafür gibt es Schminke. |
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Danke.
Bericht aus München: Mir wäre nicht aufgefallen, dass seit Guttenberg mehr Snobs hier mit dem Glanz ihrer Pomade blenden. Das SZ-Magazin hat sich da wohl eher was zusammengebastelt. Übrigens war auch ein Erfurter bei der Fotostrecke dabei, wenn ich mich recht entsinne. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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