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Meine erste Hochzeit begab sich im Garten meiner Eltern. Eine Gardine aus der Karnevalskiste verschleierte die kleine Braut. Zwei Wochen später wurde ich eingeschult. Mein zweiter Eheschluss folgte mit 23 und war durchaus ernster, obgleich ohne Brautkleid, ohne Pfarrer, und ohne Gäste. Ein Klick und der Ring saß am Finger. Ich stellte meinen Beziehungsstatus in meinem StudiVZ-Profil auf verheiratet. Der Überfluss an Oxytocin in meinen Adern ließ mich glauben, dieses Mal sei es für immer. Aber noch mehr schwingt mit als ein impulsiver Glücksmoment, wenn junge Menschen in sozialen Netzwerken ihrer Beziehung virtuell Gewicht verleihen. Die Preisgabe im Internet, ob der Herr oder die Dame Single, in einer Beziehung, verheiratet oder geschieden sind, ist Selbstdefinition, dient der schmerzlosen Kommunikation und ist nicht zuletzt ein Status, sondern oftmals Statussymbol.
„Du hast geheiratet?“ Natürlich hatte ich das nicht. Auch die Umstellung des Status von vergeben auf Single muss im Netz nicht bedeuten, dass die Beziehung am Ende ist. Zu den schier unbegrenzten Möglichkeiten sich im Social Web ein eigenes Ich nach Maß zu stricken, tritt die Möglichkeit Beziehungen neu zu definieren und mit vertrauten Menschen zu kommunizieren.
Den roten Teppich für die Bekenntnis zum Liebeslebenswandel haben die sozialen Netzwerke selbst ausgerollt. Obgleich die von jungen Menschen genutzten Netzwerkangebote nicht explizit der Partnersuche dienen, sonder zunächst auf den Wunsch zurückgehen, sich in den schon existierenden Freundeskreis nun auch im Web einzureihen, enthält das Formular zur Selbstdarstellung stets die Möglichkeit, etwas über die sexuelle Orientierung und den Fortschritt auf dem Weg zum Hafen der Ehe anzugeben. Die Nutzer haben die Formularvorgabe schnell von dem spröden Charme der Steuererklärung und Auskunft über die Paarungsbereitschaft befreit und sich zu eigen gemacht. Die Angaben zu Beziehungen sind für statistische Erhebungen uninteressant, da sie im Netz in vielen Fällen eine andere Sprache sprechen. Das Vorhandensein eines Partners auf einer Profilseite mag nur Schutz vor ungewollten Anfragen sein. Bei Facebook heiraten die besten Freundinnen einander, als Ausdruck starker Freundschaft, aus Sorge um das leere Feld. Was wir im Netz über Zwischenmenschliches berichten und wie wir mit Partnern kommunizieren, eröffnet ein neues Feld für die Beziehungs- und Kommunikationsforschung.

credits for all pictures: bryan schutmaat - western frieze
Eine breit akzeptierte Umgangsform mit dem Beziehungsleben hat sich in sozialen Netzwerken noch nicht etabliert. Schon die Haltungen gegenüber der Eintrittsfrage: „Äußere ich mich dazu, ob und in welcher Art von Beziehung ich lebe?“, wird völlig unterschiedlich bewertet. Für wen eine intim gelebte Partnerschaft von hoher Wichtigkeit ist und diese sich im kleinen Kreis zweier Menschen bewegen soll, mag von vorneherein auf die Angabe verzichten. Nicht jedem Aspekt des eigenen Lebens muss Virtualität verliehen werden: „Meine Freunde wissen doch, dass ich einen Freund habe und kennen ihn. Wozu sollte ich das ins Netz stellen?“ Doch was für den einen die Diskretion des Glücks bedeutet, kann für den anderen verletzend sein. Ein Nicht-Bekenntnis zur besseren Hälfte im Netz kann als Nicht-Bekenntnis zur Beziehung im Alltag gewertet werden; eine Aufwertung des Beziehungsstandes von in a relationship zu married mag den anderen bedrängen; und was passiert eigentlich, wenn man sich ganz oder vorübergehend trennt? Ersetzt heutzutage die Löschung des Ex per Mausklick das über eine Trennung Hinwegkommen in Rekordzeit? – Das Web schwenkt seine soziale Fahne: Das Miteinander leicht gemacht. Bisweilen bedarf es kurz nach der Statusaktualisierung klärenden Worten im direkten Austausch. Die Kommunikation über und mit der Beziehung ist ein Tanz auf dem Glatteis – zumindest, wenn der Partner mitliest.
Das netzbasierte Beziehungsmanagement geschieht nun aber nicht nur in den vier Wänden der eigenen Profilseiten, sondern in den viele Ecken des Social Web. Es betrifft neben dem Partner nicht nur den besten Kumpel oder die große Schwester, sondern mehrere Dutzend Freunde, Bekannte, vergessene Schulkameraden und Kollegen. Doch ganz anders als die Selbstverständlichkeit, kompromittierende Partyfotos nicht im Netz zu teilen, sollten Zeilen zur Liebe oder zur Einsamkeit kein Tabu sein. Dass wir uns daran gewöhnen Erlebnisse, Gedanken und in Worte gefasste Gefühle nicht gezielt mit einer Person zu besprechen, sondern offen für den Kreis der Freunde im Netz zur Kommentierung freigeben, bedeutet keine generelle Verflachung von intensiven Freundschaften, sondern ergänzt diese mit Menschen, die einander digital besser kennen und verstehen lernen. Egal ob Freude oder Frust, ein Tippen des Gemütszustandes ins Netz ermöglicht ein kleine Abbitte, auch wenn ansonsten jeder schläft. Ein rührend geschrieben verliebter Gedanke mag seinen Weg ein Stück weiter ins Netz beschreiten, zu Tränen rühren, Ablehnung erfahren, flüchtig am Leser vorbeirauschen. Das in Tinte getränkte Tagebuch schweigt im Dunkeln auch Tage später.

Gehören Gefühle in die Weiten des Netzes? Sie tun es, denn auf digitalen Bahnen muss weitaus mehr statt finden, als Nachrichten- und Informationsfluss, um die Kanäle lebendig zu halten. Twitter fand seinen Weg in die öffentliche Wahrnehmung und Medien außerhalb des Internets, als der Journalismus begann den Wert des Microbloggingdienstes als Nachrichtenquelle und Recherchemöglichkeit zu entdecken. Doch ein Großteil der ins Web gesandten Kurztexte informieren nicht sachlich, sondern sehr persönlich. Zum Strom der Nachrichten und Meinungen gesellen sich Gefühle, Begegnungen und Dialog. So überrascht es nicht, dass die Umarmung des getickerten Lebens aus der Ecke der schreibenden Zunft vorangetrieben wird, die aus dem Verständnis ihrer Berufung heraus seit jeher mehr Emotion und Wortgewalt in Texte schossen, als die Journalisten: Schriftsteller.
Jeder Mensch ein Wortkünstler; jeder verliebte, jeder verlassene Mensch ein Autor, der seine Tweets mit Herzblut pflanzt. Nähert man sich einer Typologie der Akteure im Social Web, die es mit Liebesbekundungen, Kinderwünschen und den resignativen Seufzern der Langzeitsingles befüllen, fällt schnell auf, dass die Literarizität dieser meist kurzen Auswürfe begeistern kann. Für den Liebsten, für den Ex, werden die Tasten weichgeklopft. Aber mehr noch: der sprachliche Anspruch ergänzt die Erklärung des freigiebigen Erzählens um ein weiteres Element: Neben das Herzklopfen, das mit loser Zunge schreiben lässt, tritt die erzählerische Perspektive des Absenders, der seine Liebesgeschichte als Fortsetzungsroman in 140 Zeichen oder Blogeinträgen verfasst. Partner und Selbstbild flüchten sich in die dritte Person, sprechen lauter, sprechen freizügiger und treten auf unter Namen, die sie als Figur inszenieren, anonymisieren und austauschbar machen. Der Mann, der Begleiter, Frau X und der Ex. Die Wahrung der Identität hinter abstrakten Begriffen beruhigt das Gewissen des freigiebigen Autors und gewährleistet zudem die Unendlichkeit der Geschichte: die nächste Frau, wird wiederum „die Frau“ getauft.
Doch der Roman unseres Liebeslebens verwischt die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion noch weit reichender, als es die Darstellung des eigenen Ichs im Netz bisweilen tut. Das Biotop der Beziehung kann nach Belieben fernab des Tatsächlichen bespielt werden, ohne Herzen zu brechen. Dies aber ist vorrangig der Fall, wenn der Partner das Netzwerk der Wahl entweder gar nicht oder wenig intensiv nutzt, oder erst noch gefunden werden will. Direkt adressierte Liebesbekundungen sind selten und verlaufen zumeist über private Bahnen. Die Erklärung der Liebe geschieht vor den Augen der mitlesenden Netzbewohner oft indirekt. Das verklärt verliebte Grinsen, das ein frisch in den rosa Schleier getauchter Mensch nicht verstecken kann, wird ungehemmt ins Netz geschrieben. Eine Ausformulierung des Glückes zu zweit, als würde jede weitere Verewigung im Web die Partnerschaft schützen vor der Schnelllebigkeit der Liebe; jedes einsam notierte Zubettgehen der Partnerlosen die bessere Hälfte ein Stück näher rücken. Für manche mögen das Zeichen emotionaler Verwahrlosung sein, doch das Teilen der Gedanken im Netz kann ebenso die Aufarbeitung von Gefühlen als Äquivalent zum Gespräch mit Freunden in trauter Kneipenrunde leisten. Wo Menschen einander zuhören, kann kein Ort sozialer Kälte sein.
Dennoch, bei all der katalysierenden Wirkung, die ein in digitale Häppchen aufgefächertes Gefühlsleben sinnvoll erscheinen lässt, kann ein Blick auf das unterschiedliche Verständnis von sozialen Netzwerken und dem Maß des sich Mitteilens nicht schaden. Neben der Beziehung, die im Netz ihre Darstellung findet, pflegt ein Mitglied eines Netzwerkes mehr oder weniger enge Bindungen zu anderen Usern. Entscheidend ist hier das weniger – vielleicht. Der Begriff des ‚Oversharings’ – das Teilen von mehr persönlichen oder intimen Informationen als Adressaten als angebracht und angenehm empfinden – ist vielleicht derzeit eine der spannendsten Konfliktlinien innerhalb des Social Web. Für manche Nutzer sind das #beischlaftweets, laute Parteibekenntnisse vor einer Wahl oder suizidale Gedanken. Durch diese unterschiedlichen Präferenzen aber gruppieren sich Menschen im Web nicht nur entlang tatsächlich bestehender Bekanntschaften und Interessensgebieten, sondern auch entlang empathischer Fähigkeiten, Toleranz und Schmerzgrenzen.

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Wer dies alles unter Mädchenkram ablegt, irrt. Das Feld der großen Gefühle wird im Bereich der Statuts-Updates auch immer mehr von den männlichen Teilnehmern befüllt. Die Autorin Elisabeth Rank fragte noch im Rahmen der re:publica 2009 „Wieso bloggen so wenig Männer über ihre Gefühle?“ Es scheint für Männer leichter dies im stark begrenzten Rahmen der Status-Aktualisierungen zu tun. Es scheint nahezu verlockend. Auch wenn es im Bereich der Blogs und längeren Texte weniger evident ist, das Bekenntnis zu Gefühlen ist chic, das Veröffentlichen eines Beziehungsstatus dabei nur der erste Schritt. In sozialen Netzwerken stellt sich mehr und mehr für unterschiedliche Bereiche das Phänomen der sozialen Erwünschtheit ein, der nachgegeben wird. In den Wochen und Tagen vor der Bundestagswahl erschienen Status-Updates stark politisiert; das reichte von Kommentierung der Wahlprogramme über Aufforderungen Wählen zu gehen bis zum Offenlegen von Erst- und Zweitstimme. Für die Romantik des Alltags scheint sich Ähnliches einzustellen. Als gute Freundin oder treuer Ehemann erwähnt man die bessere Hälfte ab und an auch digital. Ebenso wichtig scheint dies für den letzten Schliff der Selbstdarstellung: eine glückliche Partnerschaft gehört zu einem erfüllten Leben dazu so wie ein gut bezahlter Job und das entsprechende Auto. Selbstgeschrieben erreicht die Liebes- und Lebensgeschichte den gewünschten Grad der Perfektion. Und in Zeiten, in denen Beziehungen loser geführt, Ehen später oder nie geschlossen werden und die Erstgebärenden 40 sind, beruhigt der elektronische Ring am Finger und das digitale Treuegelöbnis vorerst das Gemüt.
Heiratsanträge gestellt über Twitter, der erste Schritt zur Trennung über das Löschen des Liebsten aus der Friend-List, die Anbahnung einer Romanze über einen nobel geschriebenen Pinnwandeintrag – auf den ersten Blick scheint dies neu, fremd und ein wenig zu einfach, und dennoch voller Poesie. Es bleibt Geschmacksfrage, wem die Liebe gelten soll: Nur ihm oder ihr, oder einem Teil der Welt. Doch Liebe scheint mehr und mehr für alle da. Gefühle lauern im Netz an jeder Ecke. Sie umarmen elf Jungs auf dem Platz, gelten Politischem oder der Band auf der Bühne. Wer sagt schon, dass die ganz großen Gefühle immer die von der rosaroten Wolke sein müssen?
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Danke, Tessa. Sehr interessante Infos, einiges aus den Netzwerken ist mir ja doch ziemlich fremd. Darf man das sagen, mit "über 40", ohne den Eindruck zu erwecken, "von gestern" zu sein?? Dazu noch in meiner Branche... Dabei kenne ich viele Journalisten, die zwar mit dem Netz(werk) arbeiten, lieben tun sie es aber ganz und gar nicht...
Dank Deines Textes kann ich jetzt einiges besser verstehen. Z.B., dass für alle unter, sagen wir 28, das mit dem Status etc. wohl einen eher spielerischen Charakter hat. Und schön der Schluss dieses Blogs- ebenso poetisch, wie diese "neue Welt" offensichtlich sein kann: "Doch Liebe scheint mehr und mehr für alle da. Gefühle lauern im Netz an jeder Ecke. Sie umarmen elf Jungs auf dem Platz, gelten Politischem oder der Band auf der Bühne. Wer sagt schon, dass die ganz großen Gefühle immer die von der rosaroten Wolke sein müssen?! |
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Dass der Umgang mit Beziehungen in sozialen Netzwerken in der jüngeren Generation einen eher spielerischen Charakter hat, liegt wohl in der Natur der Sache, schließlich sind zu diesem Zeitpunkt oftmals Beziehungen loser und wechseln mitunter häufiger. Ausgrenzen würde ich Menschen über 40 aus der Thematik aber nicht. Hier lohnt vielleicht ein Blick in Online-Partnerbörsen, die ich mittlerweile als völlig normalen Kennenlernweg einstufen würde. Erfahrene Nutzer in dem Bereich könnten sicherlich recht differenziert analysieren, was die Online-Angaben dort verraten.
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mit onlinepartnerbörsen habe ich mich bisher eigentlich nur aus finanziellen aspekten heraus beschäftigt, aber (das gibts immer):
das "spielerische" liegt hauptäschlich daran, dass man sich auf mehr einlassen kann und das wiederum jederzeit beenden. die kontaktdurchsatzrate in chats und communitys ist um ein vielfaches höher als im realen leben, ebenso wie der input über eine person. derweil fördert online die auslese insofern, als dass eigentlich alles stimmen muss, was mann/frau sich da so vorstellt. d.h. ob der großen auswahl an kontakten wird es auch um einiges perfektionistischer. und wie das internet nunmal so ist, legt mancher sich gerne mal einen account zu um dinge zu probieren, die er/sie sonst niemals tun würde .. entsprechend lose ist jede form von bekanntschaft und von vorneweg kaum einzuschätzen, da die absichten ebenso schwer einzuschätzen sind wie der wohlfühlfaktor. heute gute laune und alles ist toll .. morgen und übermorgen keinen bock mehr, oder schlichtweg keine zeit und schon wars das. gegen dieses "vergessen" der früheren systeme haben plattformen wie twitter und facebook sehr simple lösungen gefunden .. die nun jedoch darin münden, dass jeder den man irgendwo mal getroffen hat gleich als kontakt anzusehen ist. interessanterweise werden die kontakte dadurch nicht mehr wert. als das damals mit xing aufkam (hieß da noch openBC), habe ich mich anmeldet und hatte kurz drauf 30 leute aus meiner vergangenheit in der liste. "ach, du auch hier" .. dann gabs 2-3 mails und der kontakt schlief ebenso wieder ein. der testlauf, wenn man denn mal was braucht und wer da hilft .. förderte im endeffekt auch nur die leute hervor, mit denen man ohnehin mehr als nur da zu tun hatte. der mehrwert der plattform beschränkt sich für viele leute mittlerweile darauf, ein sich selbst aktualisierendes adressbuch ihr eigen zu nennen. bei kontakten über chats und coms, die singlebörsen nicht ganz unähnlich sind, ist die durchsatzrate dann nur höher, aber mit dem gleichen effekt. ggf. nur in der ausführung noch selektiver, denn nebst den generellen angaben macht den rest der musik meist nur 3-4 zeilen, die am anfang stehen. da fliegt das meiste raus (da gibts schöne studien, die mir alle nicht mehr vorliegen). ;P mfg mh |
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schrieb am
12.03.2010 um 21:33
Substanz lässt sich nun mal nicht programmieren.
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Ja, aber bei der ganzen Sache gibt's für mich zwei interessante Aspekte:
1. Will man eigentlich denjenigen kennenlernen, mit dem man da hin und herschreibt, oder ist da von vornherein klar, das bleibt "nur" virtuell? 2. Interessieren würde mich auch, wie erleben das eigentlich andere, wenn sie demjenigen live gegenüber stehen? Ich habe festgestellt, wenn "virtuell" eine Wellenlänge da ist, gibt`s sie auch im "real life". Ich meine jetzt, freundschaftlich. Partnerschaftsbörsen usw., da fehlt mir die Erfahrung. Ich bin bei so etwas aber sowieso sehr misstrauisch. |
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Und, Nachtrag, so anders ist das doch eigentlich alles nicht. Nur die Ausdrucksmöglichkeiten - soll heissen - die Foren verändern sich.
Wir haben uns nach der Schule immer bei "Eduscho" getroffen. Das war am Markt, mitten in der Stadt also, es waren da nur Jugendliche, und jeder kam da mindestens einmal am Tag vorbei. Und da war immer einer, den ich kannte. Das war DIE Kontaktbörse. Und das Telefon: Da gabs ja die Flatrate (20 Pfennig für unendlich lange Gespräche). In den Ferien hing ich stundenlang am Telefon, manchmal 6 Stunden und mehr, sprach mit meiner Freundin, ass zwischendurch, spielte ihr meine neuesten Platten vor... Meine Tochter (17) telefoniert dafür kaum noch. Ist eben dafür mehr auf ihrem Mac. |
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@hexagon: der fehlenden substanz wird aber auch begegnet.
wie jeder weiß, sind die große innovationstreiber der menschheit porno und krieg. krieg = hardware porno = software porno, oder auch weniger lasterhaft die flirtportale, entwickeln in den letzten jahren hauptsächlich verfahren um diesen erstkontakt zu vereinheitlichen und dennoch scheinbar kommunikativ zu gestalten. das fängt bei systemgenerierten userprofilen an und hört bei standardisierten anfragen auf, die zunehmend userbasiert, also auf basis der angegebenen neigungen, erfolgen .. als vorschlag zur ansprache. d.h. der einblick in die substanz wird immer weiter hinausgezögert oder dadurch erst ermöglicht. mfg mh |
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schrieb am
12.03.2010 um 21:45
Ich habe festgestellt, dass die virtuelle Existenz überhaupt nichts mit dem Realen zu tun haben muss. Sie kann - aber es besteht im Grunde gar keine Verbindung. Aus diesem Grund sind mir "virtuelle Freunde" erst einmal völlig egal. Sie sind Figuren, mit denen ich schreiben kann, vermeide es aber, dem Geschriebenen zu viel Persönlichkeit zuzugestehen. Es zählt nur der Inhalt. Dabei erkenne ich die dargestellte Person allerdings so als "Mitspieler" an, wie sie sich darstellt, da ich das ohnehin nicht validieren kann und auch nicht will. In der virtuellen Kommunikation - sofern ich den Menschen dahinter nicht persönlich kenne - spielt die Realität des Individuums für mich in erster Linie gar keine Rolle.
Was das von mh genannte Xing betrifft, verfüge ich dort, wie meine Kontakte auch, über ein absolut realistisches Profil, da ich die Menschen persönlich kenne. Die Plattform hat meines Erachtens nichts mit anderen Social Networks zu tun, da es dort nicht zielführend ist, zu täuschen und zu taktieren. |
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schrieb am
12.03.2010 um 21:54
Irgendwie muss das mit dem matchen ja klappen. Außerdem möchte man doch aussagekräftige Erhebungen realisieren - das ist schon nachvollziehbar.
Substanz schadet. Beliebigkeit besitzt mehr Zuspruch und ist daher auch interessanter. Die Leichtigkeit des virtuellen Seins - quasi. Systemgenerierte Profile gibt es ja auch nicht erst seit gestern. Allerdings hatten sie eigentlich den Zweck, Community-Systeme vernünftig testen zu können. |
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Ich finde es bemerkenswert wie schnell sich Anbahnungsmuster ändern. Ich habe mein erstes Handy mit 18 gehabt. Meine kleine Schwester ist nie mit mit Kugelschreibern auf den Arm geschriebenen Festnetznummern von Parties nach Hause gekommen, und musste den ersten telefonischen Kontakt dann mitunter über die Mutter oder den Vater gehen, die den Hörer abnahmen. Somit bedeuteten Mobiltelefone und Netz für mich in der Hinsicht an erster Stelle einen Zugewinn an Privatsphäre, bevor es wiederum zu mehr Öffentlichkeit führte.
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schrieb am
12.03.2010 um 22:28
Ich habe meine Jugend weitgehend internetfrei auf ziemlich fiesen Partys im damals angesagten gediegenen New-Wave-Ambiente als notorischer Popper-Hasser mit vielen lustigen Leuten. Ein virtuelles Netz brauchten wir nicht - wir hatten Treffpunkte oder suchten Freunde einfach heim.
Mobiltelefone und das Internet kam erst später. Im Grunde wurde das Thema für mich erst relevant, als ich 2003 das erste mal beruflich damit in Berührung kam. Die Nutzung sozialer Netze kam erst dann hinzu und in der Nachbetrachtung muss ich anmerken, dass real geknüpfte Freundschaften im Regelfall beständiger waren. Es gibt zwar Ausnahmen, aber nur wenige. Die Mehrheit der Kontakte, die ausschließlich über das Netz kamen, waren und sind nichts wert. |
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Tja.Rainer Kühn, warum Du das wissen willst, weiss ich grad nicht...:) aber es war die Lieblingsplatte meiner kleinen Schwester. Sie hatte so eine Art Toaster-Plattenspieler: Single runterdrücken, und ab. Dieses Lied lief in der Endlosschleife. Glaub mir, ich bin traumatisiert!
Und der Sänger war... Chris Roberts. |
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Also nee, dieser Rainer.
Aber ich finde es richtig gut, dass ich Dich kenne. Hier im Emotions-Blog von Tessa sei Dir dieses Geständnis zuteil. Ach, mach doch damit, was Du willst. Ich bin verliebt in die Liehiebe - sie ist o.k. für mich...Ich glaube, das war ein gewisser Chris Roberts. Der hat auch das Folgende gesungen: "Du kannst nicht immer siebzehn sein. Mann, habe ich geweint, ich dachte ja damals, ich bleibe siebzehn und dann dieses jähe Herausgerissen werden. Schnell wegklicken!!!!! |
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Ich stand mit 12 mehr auf 'Das schöne Meedschen von Seite eins, das will isch haben und weiter keins...'
Und auf die hier: |
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Ach ja der Natschinski - und mitten drin mein Kommilitone Detlev Haack. Der gehört zu der Truppe. Ging immer nach dem Nachmittags-Seminar zum Auftritt in den Friedrichstadt-Palast. Text ist von Hartmut König, der war einst auch mal ein hübscher junger Mensch, später war er der Schwiegersohn von Steineckert und wurde immer runder .
So das war eine Runde Internet-basierter Vergangenheits-Tratsch. |
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liebe ist für alle da,
den bunten fink, den grauen star. für igel und auch hasen, die um die wette rasen. den maulwurf und den engerling, wer da wen, ein andres ding ... für vögel vor dem nestebau so spricht auch pfau zu seiner frau. für jeden halm im grase und blumen ohne vase ... für alle ists ein großes glück wenn liebe sehnt und kommt zurück. |
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schrieb am
13.03.2010 um 17:24
die liebe und die triebe
die sind wie kecke diebe schleichen um den mensch herum und bringen schon mal einen um um den verstand, der klar noch war als irrsinn ruft haleluja |
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schrieb am
17.03.2010 um 20:54
Gedichtet wird im Dreischritt: Marsch!
Liebe - Triebe - Hiebe [freie Zeile] |
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Interessante Erwägungen und Überlegungen.
"Gehören Gefühle in die Weiten des Netzes? Sie tun es, denn auf digitalen Bahnen muss weitaus mehr statt finden, als Nachrichten- und Informationsfluss, um die Kanäle lebendig zu halten." Ich denke, dass keine Community ohne ein bisschen Emotion und soziale Beziehungen länger besteht, aber daran auch manchmal zusammenstürzt. "Der Begriff des ‚Oversharings’ – das Teilen von mehr persönlichen oder intimen Informationen als Adressaten als angebracht und angenehm empfinden – ist vielleicht derzeit eine der spannendsten Konfliktlinien innerhalb des Social Web" Oversharing - herrlicher Begriff. Und tatsächlich spannend, weil Jeder und Jede denkt, dass er oder sie ganz besonders gut mit Nähe und Distanz umgeht. Und dann unterlaufen einem Sachen - mir ist das auch gerade ein bisschen passiert. Aber, im Grunde denke ich manchmal, dass im Netz ähnliches abläuft wie im Leben, nur - finde ich - dass die Möglichkeiten, mit Menschen in einen wenn auch temporären Kontakt zu kommen, größer sind und dadurch die Illusionen von der Ausweitung des eigenen Ichs zunehmen. (Na, das war jetzt ein Satz. ) :-)) "Wer dies alles unter Mädchenkram ablegt, irrt. Das Feld der großen Gefühle wird im Bereich der Statuts-Updates auch immer mehr von den männlichen Teilnehmern befüllt." Nee, das ist kein Mädchenkram, Männer tun nur so überlegen, aber sie sind auch gern dabei, wenn es um die Kommunikation geht, und dann sind sie der Meinung, dass ihre Gefühl ohnehin die wahren und wichtigen sind. "Wer sagt schon, dass die ganz großen Gefühle immer die von der rosaroten Wolke sein müssen?" Sehr wahr. |
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Da sind ein paar sehr schöne Sätze in Deinem Text, Tessa. Die Gedanken quirlen gleich ganz schön rum. Kein 'netz-apologetischer' Text, so wie ihn nerds en masse produzieren, sondern interessante und schöne Gedanken über Möglichkeiten des zwischenmenschlichen Kommunizierens, sehr warmherzig vorgetragen. Danke!
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Hier ist der richtige Ort für das hier:
Ich grüße eine Frau auf Helogoland!!! Wenn es stimmt, dass man sich im Leben immer zweimal trifft, steht unsere Begegnung im 'richtigen' Leben noch aus! Alles Gute! |
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Das Wort ist nicht das Ding.
Menschen leben in zwei Welten, in der Welt der Ereignisse und Dinge und in der Welt der Wörter über die Ereignisse und Dinge. Die jeweilige Sprache sagt, welche Arten von Begriffen konstruiert werden sollen. Sprachen unterscheiden sich nicht nur in ihren namen für Dinge, sondern auch darin, welchen Dingen sie überhaupt Namen geben. Jede Sprache konstruiert die Realität anders als alle anderen Sprachen. Der Begriff Liebe kann die Komplexität der (modernen) Gegebenheiten kaum fassen. Die alten Griechen waren in dem Punkt weiter. Sie unterschieden zwischen Eros, Philia, Agape, Charisma, Empathia und einer Reihe weiterer Begriffe. |
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Danke für die ganzen Kommentare. Ich mache auf der re:publica im April eine Veranstaltung zur Thematik, daher darf hier gerne weitergedacht und diskutiert werden.
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»„Wieso bloggen so wenig Männer über ihre Gefühle?“ Es scheint für Männer leichter dies im stark begrenzten Rahmen der Status-Aktualisierungen zu tun.«
Ist mir noch gar nicht aufgefallen, klingt für mich aber stimmig - insofern eine interessante (Selbst)erkenntnis. Beim nachfolgenden Blog, frage ich mich auch immer, wie viel Wahrheit darin steckt: stuffmygirlfriendsays.com |
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»„Wieso bloggen so wenig Männer über ihre Gefühle?“ Es scheint für Männer leichter dies im stark begrenzten Rahmen der Status-Aktualisierungen zu tun.«
weil männer verlinkt werden und in den bloglisten oben stehen wollen. ;P mfg mh giggle |
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"der erste Schritt zur Trennung über das Löschen des Liebsten aus der Friend-List"
Für mich wäre das eher der letzte Schritt. |
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Oh - das kenn ich anders. Wie oft ich in meinen ehemaligen WGs oder mit Freunden schon beim Frühstück saß und der Satz fiel: "Sie hat mich aus ihrer Friendlist gelöscht." Das war meist immer das erste Zeichen, dass die Beziehung sich dem Ende neigt. Das Verhalten ist natürlich überhaupt nicht erwachsen und sehr feige, aber via SMS oder E-Mail Trennungen auszusprechen ist auch nichts neues mehr, teils gilt das sogar für Kündigungen.
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Das habe ich so wirklich noch nie gehört. Bei meiner 14-jährigen Schwester könnte ich mir das hervorragend vorstellen. Aber echt, Erwachsene Menschen tun so etwas, wenn sich eine Beziehung dem Ende zuneigt?
Das finde ich echt... eklig? |
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der weg des geringsten widerstands. wieso wundert dich das?
mfg mh |
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Vielleicht habe ich da das falsche Selbverständnis von Freundeslisten im Web 2.0. "Feige" passt da gut. Ich könnte nicht mehr in den Spiegel sehen.
Kündigungen? Wow! "Hi Peter. Wg. der anh. Rezession u. schlechter Auftr.lage müssen wir uns leider von Dir trennen :-( LG Dein (Ex-)Chef" Ungefähr so? |
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Vielleicht kennt Ihr es schon, ansonsten viel Spaß. Achtung Fremdscham!
www.chilloutzone.to/bild/facebook-fails.html |
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Ich hatte das während ich den Text geschrieben habe getestet und meinen Beziehungsstatus bei Facebook auf "verlobt" gestellt. Danach hagelte es Glückwünsche und Fragen nach der Hochzeit, obgleich Leute, die mich kennen, und da reicht vermutlich flüchtig, eigentlich wissen müssten, dass Ehe so ungefähr das Letzte ist, was ich in den nächsten Jahren anstrebe.
Mit einer fiktiven Trennung habe ich nicht gespielt. Mein Freund ist selbst nicht bei Facebook (was für die Beziehung sicherlich manchmal ein Segen ist und einige Paare empfehlen), vermutlich hätte ihn aber jemand aus unserem gemeinsamen Freundeskreis aufgeregt angerufen. Eine These die ich habe, ist dass die Social Networks zum Teil zu einem User-Generated-Klatschblatt werden, und der Gossip aus dem Freundeskreis virtuell noch schneller die Runde macht, als auf Parties, auf dem Schulhof oder im Büro. |
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ach, daher kam das. und so klärt sich alles auf, selbst wenn mans nicht aktiv verfolgt.
also eigentlich bist du meinung, dass alles, was ohnehin schon passiert, nun nur schneller passiert. ;P mfg mh |
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Mir ist das in dieser Reihenfolge einfach wirklich noch nie begegnet.
Ich dachte eigentlich ich wäre komische Dinge gewohnt, aber das ist mir so völlig fremd. Diese Facebook-Gossip-Geschichte dagegen, ja, das glaube ich auch, und das kenne ich auch. |
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Was ist eigentlich im Internet ein Freund?
Und: Was ist eigentlich Liebe? @Tessa "Wo Menschen einander zuhören, kann kein Ort sozialer Kälte sein." H ö r e n Menschen einander im Internet zu? Geht das überhaupt? Hat das Lesen von Wörtern und das An s e h e n von Bildern etwas mit H ö r e n zu tun? Ich denke mal eher nicht. J.-E.Berendt:"Das Dritte Ohr" Oder immer auch H.-J.Maaz:"Die Liebesfalle" |
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Wurde eigentlich schon zitiert, daß die Liebe eine Himmelsmacht ist?
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Hm, ich weiß auch nicht so recht, ob Liebe das richtige Wort dafür ist. Klar, man kann Gefühle ausdrücken, Chatten etc.
Aber der Begriff Kontaktbörse triffts glaub ich oft eher. Reizvoll und nicht ungefährlich an der Sache ist auch, dass man sich hinter seinem Avatar verstecken kann. Ich glaube, Online geht es v.a. (von den einschlägigen Partnerbörsen abgesehen) um Kommunikation und Aufmerksamkeit. Klar, darum geht es in der Liebe auch! Aber im Internet lässt sich das ganze noch viel effektiver splitten und outsourcen, als im "Real Life". Das eigene Image lässt sich viel leichter manipulieren, man kann sich "tarnen, täuschen und verpissen". Und für viele Menschen bietet sich die Chance, sich virtuell anders zu präsentieren, als sie das in der Realität tun. Wenn die Diskrepanz zwischen virtuellem ich und realem ich zweier Leute zu groß wird, ist die Enttäuschung entsprechend, wenn man sich mal wirklich trifft. Aber zur Liebe gehört doch, sich so angenommen zu fühlen, wie man ist, oder? |
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Nun, werte Tessa, interessanter Artikel, aber:
Wenn Sie sich in Ihrem Netzprofil weiland plötzlich als verheiratet durchgelogen haben, meine ich nicht, dass das dazu taugt, sich damit zu brüsten. Menschen ohne Not bzw. zum Spaß (d.h. über einen kurzen Scherz hinaus) in die Irre zu führen, ergibt mir keinen rechten Sinn (übrigens auch keinen rechten linken), es sei denn den des Machtmissbrauchs. Wollen Sie selbst von jedem nach Belieben angelogen werden, weil der das grade mal "cool" oder "chilled" oder "hip" findet? |
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schrieb am
16.03.2010 um 23:51
@ Magnus Göller
Authentizität ist im Netz keine Selbstverständlichkeit. Und virtuelle "Lügen" sind meiner Meinung nach erlaubt. Denn wer hat das Recht, sich einfach durch Profile zu graben und die Informationen auszuwerten? Wenn jemand Interesse an ihr gehabt hätte, weil er das Bild sieht (wenn es ihres ist, versteht sich) und liest: Single. Solche Leute kann man sich doch damit effektiv vom Leib halten, oder? |
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schrieb am
17.03.2010 um 20:47
@ Calvin
Nun, lieber Calvin, als "non native netizen" des Jahrganges 63 (ehrlich, können Sie prüfen), der zudem noch extra spät in die Netzkultur einstieg, mag ich möglicherweise nicht ganz ernstzunehmen sein; aber wenn Sie meinen, dass virtuelle "Lügen" Ihrer Meinung nach erlaubt seien, entgegne ich zunächst mal, dass Lügen ja auch sonst nur in bestimmten Fällen klar verboten sind. Vielleicht, na, eher wahrscheinlich, habe ich einfach noch nicht so richtig verstanden, was für einen Heidenspaß es macht, wenn jede(r) weiß, dass jede(r) lügt und man versucht, in diesem gigantischen Lügenwettbewerb von tausenden Teilnehmern als der gewiefteste Schwindler die Oberhand zu behalten. Solcherlei Rätselraten und sich gegenseitig Ausschmieren, wie der Bayer das nennt, mag ja selbst auf eine Art bildend sein; ich für meinen Teil interessiere mich altmodischerweise eher für die großen Weltlügen oder jene, die mich oder meine Kinder (die gibt es auch, extraehrlich) unmittelbar betreffen. Aber vielleicht sollte ich auch nicht so erzkonservativ sein und mal ausprobieren, ob ich denn schon zu senil und ungelenk sei, um z.B. bei Studis noch mitflunkern zu können (zwei Wochen passives Modesprachstudium schadeten mir davor sicher mal heimlich spickend nicht, und ein paar Grammatik- und Rechtschreibfehler, da wo sie hingehören, ließe ich mir wohl auch noch einfallen); eine interessante Erfahrung könnte es ja werden und einem Essayisten im knappen Vorgreisenalter wohl auch noch ganz spannendes Anschauungsmaterial bieten. Jenseits dessen: fragwürden dat janze. |
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@ Magnus Göller
Ich rate ja weder zu noch ab. Und bei Web-Freundschaften bin ich ein großer Verfechter der Ehrlichkeit. Doch kann ich es gut verstehen, wenn jemand aus dem einen oder anderen Grund ein wenig flunkert. Ich halte das im virtuellen Raum nicht nur für vertretbar, sondern in einigen Fällen auch für wichtig. Schließlich sind Profile wunderbare Bergwerke für Informationen, die abgebaut und von entsprechneden Firmen weiterverkauft werden. Alles ganz ungesetzlich, passiert aber trotzdem. Da möchte ich nicht, dass ein vollständiges Profil über mich erstellt werden kann. Wer das will, kann gerne grundehrlich bleiben. deswegen: Gar nicht fragwürdig, finde ich. |
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schrieb am
18.03.2010 um 19:36
@Calvin
Sie bringen gute und nachvollziehbare Argumente, zumal was die verkauften Informationen anlangt. Als Dinosaurier werde ich mir dazu noch einige Gedanken machen müssen... |
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@ Calvin
... an wen glaubten Sie denn nicht verkauft werden zu wollen mit nicht veröffentlichten (="linken") Informationen, nachdem Sie Ihren Verkaufswert durch "Flunkern" im virtuellen Raum (= mit "rechten" Informationen) haben steigern können. Sowas nennen ich nicht einam ein Nullsummenspiel! |
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schrieb am
19.03.2010 um 20:21
@Uwe Theel
An wen, glauben Sie, ließe sich ein solches Profil wie meines Verkaufen? Da ist nichts Verkaufswertsteigerndes Vorhanden, keine Adresse, kein Bild... |
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@ Calvin
... ich meinte das nicht (nur) persönlich. - jedenfalls dachte ich, hier wird zwar mit persönlichen Erfahrungen umgegangen aber das Thema auch grundsätzlich behandelt. Aber sei´s drum, ich formuliere um: ... an wen glaubten Sie denn, daß Informationen nicht verkauft würden aus nicht veröffentlichten (="linken") Informationen, nachdem der Verkaufswert des Informationen Preisgebenden durch "Flunkern" im virtuellen Raum (= mit "rechten" Informationen) sich hat steigern lassen? oder ganz einfach: Welchen Sinn macht eine Kommunikation im öffentlichen Raum, die nur systemafirmativ ist, ausgeführt von Menschen, die dem eigenen Empfinden, der eigenen Überzeugung nach nach das Gegenteil im Sinn haben? Es kann nicht dasselbe sein, im öffentlichen Raum eine Lügenmaschine mitzubetreiben aus Gründen heraus, die auch im privaten Raum nur bedingt gelten könnten. Schließlich: Der öffentliche Raum ist schon einen einzige Lügenmaschine. Das sollte nicht unbemerkt bleiben. |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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