...und der Fall der Kanzlerin (Ein Kommentar)
Foto © Alexander Hauk via pixelio.de
Die Beliebtheit eines deutschen Politikers, wie Karl-Theodor zu Guttenberg sie in der deutschen Bevölkerung genießen durfte, sucht ihresgleichen. Sie aber ist auch das Ergebnis einer großen Sehnsucht: Einmal einem Politiker Vertrauen schenken zu dürfen und sich der Fähigkeit der Führungskompetenzen sicher sein zu können. Präzise hierfür wurde Freiherr zu Guttenberg aus einem Trümmerhaufen deutscher Politik durch die Medien zu einer Art Lichtgestalt auserkoren und bestimmt.
Medienwirksam vermarkteten ihn die vermeintlichen Sprachrohre der Bürger zum potentiellen Retter der Nation mit Kanzlerschaftsqualitäten, obgleich er im Rahmen seiner politischen Schaffensperiode keine offiziellen Erfolge hatte nachweisen können. Im Gegenteil: Was zu Guttenberg scheinbare Probleme bescherte, wurde nicht demokratisch bearbeitet und recherchiert, wie es in einer Demokratie zu erwarten gewesen wäre, sondern „in Unkenntnis“ kurzerhand durch Entlassungen unschädlich gemacht, wie es in der Kundus- Affäre durch die Abberufungen von Wolfgang Schneiderhan, Peter Wichert und in der Gorch-Fock-Affäre von Kapitän Norbert Schatz der Fall war.
Als Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg sodann über den Betrug seiner Doktorarbeit und das damit verbundene, unberechtigte Tragen seines Doktortitels stürzte, traten zunächst einmal alle anderen politischen Inkompetenzen des hochstilisierten „Polit-Popstars“ erneut in den Hintergrund. Man konzentrierte sich medial nunmehr ausschließlich auf die Plagiatsvorwürfe und durfte Herrn zu Guttenberg folglich wohl berechtigt einen Betrüger nennen, wie dies auch zunächst durch den Staatsrechtler Lepsius der Universität zu Bayreuth erfolgte.
Infolge diverser Umfragen stellte sich zunächst aber schnell heraus, wie beliebt Politiker zu Guttenberg beim Bürger deutscher Lande doch eigentlich war. Man verzieh ihm seinen Betrug schnell und tat ihn mehrfach als Kavaliersdelikt ab. Spätestens hier wurde der demokratische, verfassungs- und rechtstreue Bürger Deutschlands auf das recht fragwürdige Rechtsverständnis vieler seiner Mitbürger aufmerksam und wunderte sich über die stets zunehmende Kriminalität in Deutschland folglich nicht mehr.
Als recht bedenklich konnte der Vorfall aber nahezu deshalb gewertet werden, dass sich jemand, wie zu Guttenberg, dem man Führungskompetenzen, Intellekt und den professionellen Umgang mit Medien bescheinigte, offenkundig durch gesetzeswidriges Verhalten ertappen lässt, was es zu verbergen galt. Dies allein lehrt uns, dass man in aller Regel der Öffentlichkeit gegenüber weder etwas verheimlichen noch dreist abstreiten sollte, wenn man nicht dazu in der Lage ist, sein gesetzesuntreues Verhalten auf Dauer unter Verschluss halten zu können.
Trotz nachgewiesener, betrügerischer Aktivitäten zu Guttenbergs, hält noch eine beachtliche Anzahl unserer Bürgerinnen und Bürger große Stücke von der schillernden Politfigur „KTG“ und stellt nach wie vor Erwartungen an diese, welche der Freiherr auch bislang nicht in der Lage war, unter Beweis zu stellen. In diesem Zusammenhang darf man es als angenehm empfinden, dass ..HIER LESEN SIE WEITER....
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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