Die Nacht war lang in Prag und die Beine tun weh. Aber wie unwichtig werden schon schmerzende Extremitäten, wenn man die Möglichkeit hat, Geschichte zu erleben. Um kurz vor 6 Uhr morgens ist die Schlange vor dem Zuschauereingang der Prager Burg Hrads...>> mehr
Lechzend wie ein ausgehungerter Kredithai nach der x-ten Leitzinssenkung stürzte sich Thomas Gottschalk auf diesen Running Gag, der sich kopfüber in seinen Schoß gehechtet hatte. "Hast Du's schon gehört?", fragte er jeden neuen Gast, der sich gestern Abend auf...>> mehr
Wim Wenders "Bis ans Ende der Welt" lief gerade, als ich die plötzliche Eingebung hatte, den Pause-Knopf des DVD-Players und den Aktualisierungs-Button des Browsers zu drücken. Da erfuhr ich es, und d...
Wim Wenders "Bis ans Ende der Welt" lief gerade, als ich die plötzliche Eingebung hatte, den Pause-Knopf des DVD-Players und den Aktualisierungs-Button des Browsers zu drücken. Da erfuhr ich es, und die erste Reaktion war Ungläubigkeit. Neben mir lagen Trauben und Pistazien, aber ich hatte keinen Appetit mehr. Erst als ich meine Fassungslosigkeit abgestreift hatte, konnte ich mir die Frage stellen, warum ich so geschockt über den Tod eines Mannes war, den ich gar nicht mochte. Die Antwort darauf ist eigentlich simpel. Wenn ein Idol stirbt, die Welt für einige Momente stillsteht und massenweise Assoziationen aktiviert werden, dann blickt man unwillkürlich zurück. In meinem Fall: an 1992, Schullandheim am Königssee, an Dangerous und wie der beste Kumpel völlig abdriftete. Für mich war das völlig unverständlich. An 1995, an Wetten dass...??? und Earth Song, an hyperventilierende Fans im Studio, die mich selten mehr genervt haben. Warum so viel Aufhebens um einen seltsamen Mann? An 2000, Abitur, das Radio mit Mini-Disc vom nächsten besten Kumpel, dem nächsten Mega-Fan. An ihn habe ich in der Nacht zum Donnerstag als erstes gedacht. Heute schrieb er eine E-Mail. Und an 2009, an einen anderen guten Freund, Mega-Fan Nummer drei, der Karten für das zweite Konzert in London hatte - und sie enttäuscht zurückgab, als es ans Ende der 50er-Runde gesetzt wurde. Solange halte Jacko doch nie im Leben durch. Es ist kein Wunder, dass die Welt trauert. Und man sollte ihr diese Trauer machen, ohne Zorn auf den Mann, der im Mittelpunkt dieser Aufmerksamkeit steht. Denn in gewisser Weise kann er am wenigsten dafür, weil diese Trauer gar nicht oder zumindest nicht nur ihn betrifft, sondern die guten alten Zeiten die vergingen, während wir älter wurden.
Wegen eines Streiks verliert man kein Semester, sondern höchstens einen Nachmittag. Aber in der Tat scheinen mir viele Kommilitonen so sehr damit beschäftigt zu sein, aufoktroyierte Erwartungen zu erfüllen, dass ihnen keine Zeit bleibt, sich zu fragen, ob sie das überhaupt wollen. Und wenn ja: warum.
Wegen eines Streiks verliert man kein Semester, sondern höchstens einen Nachmittag. Aber in der Tat scheinen mir viele Kommilitonen so sehr damit beschäftigt zu sein, aufoktroyierte Erwartungen zu erfüllen, dass ihnen keine Zeit bleibt, sich zu fragen, ob sie das überhaupt wollen. Und wenn ja: warum.
"Breaking News" aus Würzburg. Rund 1500 Studenten und Schüler folgen dem Bildungsstreikaufruf und gehen auf die Straße. Das ist - mit Verlaub - eine enttäuschende Zahl, bei allein mehr als 20.000 Studenten in der Stadt. Und sie ist mit der Erklärung, (Di-)Rektoren und der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (die Partei mit dem "sozial" im Namen) habe (angeblich) Schülern mit Verweisen gedroht, falls sie ihr verfassungsrechtlich zustehendes Demonstrationsrecht wahrnehmen würden, nur unzureichend erklärt. In Zeiten des Turboabiturs und eines per Schnellschuss eingeführten Bologna-Prozesses kann man zwar tatsächlich den Eindruck gewinnen, es gehe an Schulen und Hochschulen nicht mehr um individuelle Entfaltung, sondern um effiziente Produktion von Humankapital. Aber der Generation Desinteresse scheint sowohl der solidarische als auch der rebellische Geist zu fehlen. Zum Demonstrant wird überwiegend nur derjenige, der leidet. Der Rest geht lieber gemütlich einen Kaffee trinken. Woran das liegt? An einer allgemeinen Lethargie vielleicht? An fehlenden echten Feindbildern? An verloren gegangenen Werten und falschen Bedürfnissen, die durch das Überangebot an medialen Rauschmitteln produziert werden? Vielleicht von allem ein bisschen. Um einer allgemeinen Übersättigung Herr zu werden, müsste erst eine richtige Hungersnot kommen. Und die ist nicht in Sicht.
Seit der Erfindung des Kredits treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie
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