Aames80

Blog von Aames80

01.03.2009 | 05:10

Liebesleben, frei zugänglich

Lechzend wie ein ausgehungerter Kredithai nach der x-ten Leitzinssenkung stürzte sich Thomas Gottschalk auf diesen Running Gag, der sich kopfüber in seinen Schoß gehechtet hatte. "Hast Du's schon gehört?", fragte er jeden neuen Gast, der sich gestern Abend auf die Couch setzte, die irgendwann einmal Symbol der besten deutschen Samstagabend-Unterhaltungssendung war. Wundern sollte es einen eigentlich nicht. Weiß man doch, dass dieser Mann, der irgendwann einmal Showmaster der besten deutschen Samstagabend-Unterhaltungssendung war, für Running Gags stets zu haben ist. Früher mag man darüber noch gelacht haben. Das war in einer Zeit, in der noch niemand zu ihm kam, um die Qualität von Gesprächsrunden und Wetten so gnadenlos auf den Punkt zu bringen wie jüngst die zwei badischen Tierpfleger, die ihre Schützlinge an deren Ausscheidungen erkannten. Heute kann man darüber meist nur noch den Kopf schütteln. Erst recht, wenn der Running Gag des Abends durch abenteuerliches Vermischen explosionsfähiger Stoffe zustande kommt, die jedem Chemielehrer die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen würden: Man nehme: einen alten Sporthelden, nachdem sich auch heute noch jeder sehnt, weil seine Nachfolger memmenhafte Schönlinge ohne Biss und Esprit sind, und gebe ein Schuss Voyeurismus hinzu. "Hast Du's gehört? Boris will heiraten!"

Da kam also dieser Mann in die Show. Der Mann, der irgendwann einmal der beste deutsche Tennisspieler des Landes war und in jener Zeit irgendeinen hartnäckigen Virus aufgeschnappt haben muss, der ihn noch heute dazu zwingt, ein Leben in der Öffentlichkeit zu führen. Und dieser Mann brachte seine aktuelle Freundin mit: eine kesse Holländerin namens Lilly Kerssenberg, die zur Begrüßung die überrumpelten Hollywood-Stars Jennifer Aniston und Owen Wilson zu Boden wangenknutschte. Und warum das Ganze? Zur publikumswirksamen Bekanntmachung einer Hochzeit im Juni. Oh welch Sommernachtstraum! Man sei ja jetzt seit vier Jahren zusammen, flötete Boris, da sei es an der Zeit. Und seine Angebetete sah ihn verliebt an und klapperte dabei mit den Augenwimpern, als habe sie einen nervösen Tick. Jene  unschöne Episode des vergangenes Jahres, in der nur ein kleines Missverständnis, ersonnen von einer mutigen SMS, ihn davor bewahrte, eine andere zu ehelichen, unterschlug er mal kurz generös. Ein Glück hat Thommy ein so gutes Gedächtnis.  

Nun könnte man nach den Motiven dieses Mannes fahnden. Ist es die pure Lust am Leben, die ihn dazu drängt, sein Glück hinauszuschreien - immer und immer wieder? Ist es die Sorge, vernachlässigte Bunte-, Gala- oder Bild-Redakteure könnten ein jämmerliches Dasein in der ausgedörrten Steppe der Bedeutungslosigkeit führen, würde er ihnen nicht regelmäßig neuen Stoff liefern? Oder war es nur ein Freundschaftsdienst für einen alten Kumpel? "Hast Du's schon gehört?", fragte Gottschalk - und grinste auch beim fünften Mal noch ganz beseelt. "Boris will heiraten! Es gilt doch noch, oder Boris?" Ach Thommy, was haben wir gelacht. . .
 
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Kommentare
merdeister schrieb am 01.03.2009 um 09:49
Früher, als wir noch mit der ganzen Familie "Wetten dass...?!" gesehen und dabei Unmengen an Süßigkeiten und Knabberkram verzehrt haben, war mit spätestens ab Mitte der Sendung schlecht. Damals schob ich es auf den Knabberkram, heute bin ich mir nicht mehr so sicher...
SusanneReindke schrieb am 01.03.2009 um 10:51
Die meisten befragten Gäste waren ja irgendwie peinlich berührt, von der Frage, was sie dazu sagen sollten.
Auch der kleine Junge von der Kinderwette meinte auf die Frage, wie er das fände, nur "Überraschend."
Der Beckerhecht durch das brennende Herz und sein vorher gerufenes "Nur für dich" haben Bobbele für immer und ewig in meinen Augen entzaubert.
Magda schrieb am 01.03.2009 um 21:40
Ach naja, der Becker, der ist doch eine wandelnde PR-Agentur.
Vielleicht will er der neuen alten Freundin nur publicity verschaffen.
Aber wir gucken das seit Jahren nicht mehr. Die zerreißen ja keine Telefonbücher mehr. Das war noch ehrliche Arbeit.
lukasheinser schrieb am 01.03.2009 um 23:31
Ich hab gestern zum ersten Mal seit Jahren "Wetten dass ... ?" gesehen (ich war krank) und mein absoluter Tiefpunkt war der Vollplayback-Auftritt von Oasis.

Aber die Kombi Becker/Gottschalk war ebenfalls nicht gut.
Tessa schrieb am 02.03.2009 um 10:04
Die deutsche Gossip-Landschaft, die so mager ist, dass wir uns in Gala, Bunte und zuletzt Vanity Fair an den Liebesleben der amerikanischen Sternchen laben müssen, vermag Herr Becker mit nur einem Auftritt im ZDF gut zu füttern. Folgt nun der Auftritt bei Kerner oder Beckmann, um seine Liebe für Lilly noch mehr zu vertiefen? Ich weiß nicht, ob Boris Becker PR-Stratege ist, oder es einfach nicht besser weiß. Einen schönen Text über sein Wesen hat kürzlich das SZ Magazin verfasst: Das Prinzip Boris Becker.
Herr Gottschalk bettelt hingegen gerade nach einer Ablösung, oder wenigstens nach einer Unterstützung. Was macht eigentlich Herr Pocher? Vielleicht wäre es aber auch an de Zeit für einen Text: Das Prinzip Wetten dass ...
merdeister schrieb am 02.03.2009 um 10:43
"Was macht eigentlich Herr Pocher?"

Bitte nicht!
Tessa schrieb am 02.03.2009 um 11:11
Ernst gemeint war das nicht ;)
Doch wer sind die großen Moderatoren? Florian Silbereisen vielleicht? Das Zielpublikum von Wetten dass weicht vermutlich nicht allzu weit von seinem normalen Publikum ab.
SusanneReindke schrieb am 02.03.2009 um 11:14
Am Ende Stefan Raab.
Dem seine Fans kommen auch noch ins öffentlich-rechtliche Alter, und der hat ja schon einige abendfüllende Formate.
merdeister schrieb am 02.03.2009 um 16:53
"Ernst gemeint war das nicht ;)"

Jaja, aber nun ist der Gedanke im Universum, und was denkbar ist, ist auch machbar. Und was machbar ist, ist vorstellbar. Und das wäre einfach unvorstellbar!

Thomas Gottschalk ist alt genug um Reich Ranicki duzen zu dürfen, Oliver Pocher würde ihn fragen, wie es denn so im Krieg an der Front war...
Tessa schrieb am 02.03.2009 um 17:02
Jetzt erinner ich mich dunkel: Switch Reloaded hatte vor wenigen Wochen ein Nachfolge-Casting für Thomas Gottschalk, u.a. mit der wunderbaren Parodie der Heidi Klum. Gottschalk-Nachfolger wurde aber Gottschalk selbst. Vielleicht bleibt er dem ZDF noch lange erhalten, und mit ihm altern Programm und Zuschauer.
merdeister schrieb am 02.03.2009 um 18:29
Thomas Gottschalk als Sinnbild des demographischen Wandels.
cori schrieb am 02.03.2009 um 14:30
Wie furchtbar "gaga" ist die gute alte Samatagabend-Unterhaltung geworden!!! und wie erschreckend viele haben den ausschuss auch noch gesehen!
blogreporterin schrieb am 02.03.2009 um 16:51
Jeder kriegt das Fernsehen, was er braucht.Und gute 10 Mio haben es wohl so gebraucht.Ich war nicht darunter.Bin kein Mainsteam-Junkie. Und ich bin froh darüber! Wenn ich Kaspertheater gucken will, dann wahrhaftiges mit meinem Enkel .Da hab ich mehr von. Das ist schöner und hat wesentlich mehr Charme als der Quark da.
Anna Dorothea schrieb am 02.03.2009 um 22:46
Habe mal im Archiv gekramt, und da entdecke ich.... Bobbele hatte 2007 mit Lilly (ja, der, die er jetzt heiraten will) per SMS Schluss gemacht! Sie war zur Geburtstagsfeier seines Sohnes eingeladen, und er bat sie einen Tag vorher per SMS, nicht zu kommen. Das war`s. Sie war daraufhin schon verletzt, fand die Art nicht gerade fein... aber sie liebte ihn immer noch.

Er, auf das SMS-Schlussmachen angesprochen, meinte nur lapidar: "Unsere Lebensentwürfe passten einfach nicht zusammen. Da muss man dann auch mal ehrlich sein."
Moosblogger schrieb am 03.03.2009 um 18:47
Nerviger als Thommy und Bobbel mit der kessen Maid ist das Liebesleben der Familienshow mit der Autoindustrie. Zu erleben war das blöde Abwracken längst nicht abwrackwürdiger Zuschauerkarren (wurde das eigentlich mit meinen Rundfunkgebühren honoriert?) und das traditionelle Vorführen eines mächtig gewaltigen Schlittens.
ujanssen schrieb am 03.03.2009 um 22:04
Warum muss ich eigentlich auch noch auf den Seiten des Freitag diesen Käse über Bobbele und Wetten das lesen? Wer's schauen will, soll's schauen aber bisher habe ich die Leser des Freitag eher für Leute gehalten, denen anderes wichtiger ist als Klatsch aus Unterhaltungssendungen im Fernsehen. Das Medium Fernsehen ist selbstreferentiell genug, es braucht doch die Vervielfältigung durch Medien wie freitag,de oder gar die Printausgabe nicht. Ich jedenfalls will davon verschont bleiben.
Jakob Augstein schrieb am 03.03.2009 um 22:35
Lieber ujanssen,
ich glaube nicht, dass ich Ihnen zustimmen würde.
Wetten Dass ist natürlich schon noch eine der wenigen Öffentlichkeiten, die in diesem Land wirklich viele Menschen zusammenfasst. Es werden in der Zersplitterung und im Verlus der Bindewirkung einstmals großer Institutionen ja immer weniger. Selbst die Bild-Zeitung verliert laufend Leser ... Also, ich nehme Wette Dass ernst. So ernst wie ich die Volksmusikabende in der ARD nehme. Gleichsam schrecklich ernst. Ein bisschen als BRD-Antrhopologie, ganz ernsthaft als Auskunftsinstrument über Sitten und Gebräuche und Interessen. Das ist das Eine.
Das Andere ist natürlich wirklich die Figur BB. Ich hoffe in meinem Interesse, dass es nicht nur der reine Voyeurismus ist, der mich diese Figur für interessant halten lässt. Es ist eben ein öffentliches Leben wie es ganz wenige in Dtl gibt. Seit so vielen Jahren. Und so erbärmlich gescheitert, wenn man das von Außen so sagen darf. Und das ist ja schon eine der interessanten Fragen, darf man das eigentich so sagen ... Also: Wenn ein guter Reporter eine Geschichte über BB schriebe, in der ihm wirklich nahe käme, in der man wirklcih ein bisschen verstünde, wie "es" "ist" BB zu sein, ich würde das sehr gerne lesen.

Worauf ich hinauswill: Man kann aus all dem natürlich auch lernen, über das Land und über einen einzelnen Menschen. Das lohnt immer.
Viele Grüße,
Ihr JA
Anna Dorothea schrieb am 04.03.2009 um 15:20
Boris Becker ist eine Figur des öffentlichen Lebens, noch immer. Er war mal ein Vorbild, ist es aber hoffentlich, was sein Treiben heute angeht, nicht mehr. Das macht ihn (nicht nur) für uns Journalisten immer noch interessant, Und dann, natürlich, was Herr Augstein im Kommentar oben schreibt: Er ist gescheitert beim Übergang vom öffentlichen Leben ins private.

Hier wäre noch interessant zu beleuchten: Warum gelingt einigen - Steffi Graf, Michael Schumacher - dieser Rückzug, und anderen - Boris, Dariusz Michalczewski - nicht? Was sind die Voraussetzungen oder Ausgangsbedingungen? Gelingt es Singles schlechter, ist vielleicht eine Familie ein guter "Ersatz" für die Droge Publicity?

"...bisher habe ich die Leser des Freitag eher für Leute gehalten, denen anderes wichtiger ist als Klatsch aus Unterhaltungssendungen im Fernsehen."

Es gibt nicht viele Unterhaltungssendungen im Fernsehen, die Stoff für Klatsch bieten. Wer will sich schon ernsthaft über Jörg Pilawa oder Florian Silbereisen unterhalten? Aber dass die Freitag-Leser sich AUCH für Klatsch interessieren, das hoffe ich doch sehr. Aber nicht, um wie Lieschen Müller beim Kauf der "Bunten" das eigene banale Leben für Momente zu verdrängen - sondern weil das, worüber in diesem Land geklatscht wird, immer eine Menge sagt über die Befindlichkeiten seiner Bewohner.

Und das sollte den poltisch interessierten Freitag-Leser immer interessieren, um kurz dogmatisch zu werden. Jenseits aller poltischen Theorien spielt sich das reale Leben ab, und der Klatsch spiegelt dieses Leben wider.

Denken Sie an Franjo Poth: Als er, bar jeder Gewissensbisse, nach seiner Riesen-Pleite, in die er viele mit hineingezogen hatte, mit Verona im Pool des exotischen Luxus-Hotels planschte, und ein aufmerksamer Leser dies hurtig "Bild" vermeldete... da wurde diese Unverfrorenheit am nächsten Tag von so vielen so lautstark verurteilt, dass Franjo gestern nach seiner Urteilsverkündung sehr viel kleinlauter auftrat... Er hatte die Deutschen unter- und seinen Beliebheitsgrad bzw. den seiner Frau überschätzt.

Dass sich einer, und sei er noch so beliebt, nicht benehmen kann wie er will, dass die Leute darüber reden, finde ich sehr interessant. Weil so etwas auch den Umgang prägt, den Stil, in dem wir und andere hier miteinander umgehen, sagen wir auch, die "da oben" und die, die ihnen sehnsüchtig oder neidisch beim Leben zusehen.

Und das alles ist AUCH Politik, poltisches Leben. Es gehört einfach dazu!
kukidenta schrieb am 03.03.2009 um 22:40
Becker hat einen Hechtsprung gemacht und nur für dich gerufen. Oh man, Boris ist wohl am Netz hängen geblieben. Aber dafür liebt man ihn. Verbissen, Akrobatisch und siegend.
Zu seinen sportlichen Glanzzeiten habe ich solang auf ihn gehalten bis er auf Ivan Lendl traf. Beckerspiele waren oftmals echte Highlights. Und mit diesem Esprit bis heute in den Schlagzeilen zu landen ist auch seinen legendären Hechtsprüngen zu verdanken. Deswegen macht Becker das, was man von ihm erwartet. Selbst wenn du ihn Nachts um halb drei aus dem Bett holst. Der Hechtsprung geht immer.
caribou schrieb am 04.03.2009 um 14:19
In Internetforen gibt es ja die sinnreiche Funktion des ignore-buttons, durch den Beiträge besonders nervtötender Teilnehmer automatisch ausgeblendet werden. Leider ist diese nützliche Einrichtung noch nicht in allen Lebensbereichen verfügbar, gibt es doch eine ungemein lange Liste von 'Promis', von denen ich sehr heftig nie wieder in irgendeiner Form zu hören wünsche.
merdeister schrieb am 04.03.2009 um 16:57
"lange Liste von 'Promis'":
Mario Barth
Oliver Pocher
Johannes B. Kerner
Helmut Markworth
Günther Jauch
Oliver Geißen
90% aller "Experten" die irgendwo ausgegraben werden.
Dirk de Pol schrieb am 14.06.2009 um 22:59
Goldlocke und Bobbele - und gib uns unser täglich Clowns ...
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