Ghassan Abid

Blog von Ghassan Abid

28.07.2011 | 17:23

"Ich bin endlich in Europa und bleibe"

Ein tunesischer Flüchtling in Berlin offenbart seine Lebensgeschichte

(Autor: Ghassan Abid) 2010sdafrika.wordpress.com/

Rida Mabachar (Richtiger Name ist durch den Protagonisten bewusst nicht genannt worden) wohnt seit 2009 im Berliner Bezirk Wedding. Er ist 23 Jahre jung, ohne Ausbildung, trägt sportliche Bekleidung und spricht nur wenig Deutsch. Er lebt mit einer bulgarischen jungen Frau, die einen kleinen Jungen hat, in Form einer Lebenspartnerschaft zusammen. Gegenüber der Ausländerbehörde Berlins wird er als palästinensischer Asylant geführt, dessen Abschiebung nach Palästina aufgrund der politischen Situation mit Israel nicht möglich ist. Als tunesischer Staatsbürger würde er abgeschoben werden, so Rida. Aus diesem Grund verschleiert er seine wahre nationale Identität.

© Tunesischer Pass wird vor deutschen Behörden versteckt gehalten

© Tunesischer Pass wird vor deutschen Behörden versteckt gehalten (Quelle: Ghassan Abid)

Schon zehn Versuche hat Rida unternehmen müssen, um endlich da zu sein, wo er hin wollte – nach Europa. „Ich bin endlich in Europa und bleibe“, bekräftigt Rida seinen Anspruch auf ein neues Leben im Abendland. Er befindet sich in Deutschland, da er hierzulande eine Perspektive für sich sieht - vor allem in beruflicher Sicht. Die illegale Migration wird von den meisten Menschen aus dem arabischen und afrikanischen Raum dadurch begründet, dass es in der Heimat keine Arbeit gäbe und man deshalb angewiesen sei, ins westliche Ausland auszuwandern - wenn nicht auf legalem Weg, dann über illegale Kanäle.

Er musste nach eigenen Aussagen viel in Kauf nehmen, um hier leben zu dürfen. Nicht nur die Trennung von seiner Familie, die in der Hauptstadt Tunis lebt, machen ihm zu schaffen, sondern auch die Auswanderungsversuche an sich. „Sechs mal haben mich die Griechen und vier mal die Türken raus geschmissen“, beklagt Rida die Strapazen seiner illegalen Migration. Über die Türkei unternahm der junge Mann mit jeweils zwei bis drei Gefährten - die größtenteils aus Tunesien, Algerien und Marokko stammen – den gefährlichen Schritt des illegalen Grenzübertritts. Vor allem die griechische Küstenwache und Polizei hat die 'Eindringlinge' in mehreren Fällen mit körperlicher Gewalt begegnet. Doch die zugefügten Schmerzen waren nur von kurzfristiger Dauer, während die Sehnsucht nach einem scheinbar besseren Leben von fortwährender Natur sind.

Ich habe – abgesehen von der Familie - nichts in Tunesien, was mich hätte halten können“, untermauert Rida die Sichtweise vieler seiner Freunde. Er würde es immer wieder versuchen und zwar solange, bis er endlich den unbefristeten Aufenthaltstitel für den EU-Raum erhält. Informationen zur gegenwärtigen Lage in Tunesien und zu den Auswirkungen der Jasminrevolution erfährt Rida lediglich aus den Medien. Die wenigen Anrufe in die Heimat, bei den Eltern, verdeutlichen die Krisenstimmung in Nordafrika. Insbesondere in Tunis hat sich infolge der Revolution vieles verschlechtert und kaum gebessert. Die Sicherheitslage spielt hierbei eine zentrale Rolle, so Rida. „Meine Familie verlässt zu später Stunde nicht mehr das Haus“, so der Asylant.

Rida ist nun in Berlin und von seinen liebsten Menschen räumlich getrennt. „Dies ist schwer für mich … und vor allem darf ich nicht arbeiten“, reagiert er emotional auf die Fragen. Versunken in tiefer Nachdenklichkeit verabschiedet sich Rida und verschwindet in die hektische Menschenmenge inmitten der deutschen Hauptstadt.

 

SÜDAFRIKA - Land der Kontraste 

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Kommentare
Knüppel schrieb am 28.07.2011 um 19:03
Hi Ghassan Abid,
falls Sie das sind, über den Sie hier schreiben, lassen Sie sich bitte helfen von Menschen (z.B. AnwältInnen), die Erfahrung mit Migration, Asyl und Abschiebung haben. Sie werden die Kontakte (auch in der FC) finden, wenn Sie genau hinschauen.
Alles Gute!!!
Gruß
Knüppel
eykiway schrieb am 28.07.2011 um 19:12
und ich bin bald Renter in Asien und werde dort bleiben bis das ich Sterbe. Ich mach dann mal Platz für dich
Ein Leben mit hartz4 ohne Arbeit ist wesentlich mehr als der Junge Mann dort je verdienen würde falls er je Arbeit finden würde angesicht der Tatsachen kein Risiko keine Mine die einen das Bein Abreisst keine Kugel die sich verirren kann kein Durst kein Hunger ales sauber war es eine gute und kluge Entscheidung nach Deutschland zu kommen
HERZLICH WILKOMMEN und viel geschick bei weiteren Straftaten zur verschleierung deiner Identität
Der Deutsche Leiharbeitgeber freut sich über jeden der hier etwas aufbauen will mit 7,70 Euro stunden lohn bleibt ja noch was übrig um nach Hause zuschicken was dann wesentlich mehr ist wie die Familie in Tunesien im Monat so brauch an Lebensmittel.
An alle GUTMENSCHEN ,der Ruhrpott ist voll mit Polnischen Namen und wenn du denen sagen würdest du bist ein Ausländer springen sie dir mit den Nackten Arsch ins Gesicht
Deutschland war schon immer ein
EIN und AUSWANDERUNGSLAND
die einen kommen die anderen gehen oder wie sagte Nietsche
Deutschland hatte immer eine hervorragende Vergangenheit und eine schreckliche Gegenwart
in diesen sinne Eykiway

wer rechtschreibfehler findet darf sie behalten
carlfatal schrieb am 28.07.2011 um 22:05
Danke für den Artikel und auch von mir ein herzliches Willkommen auf dem Kontinent der Illusionen!
Wie Knüppel schon sagt: Hilfe bei den entsprechenden Stellen wie beispielsweise ProAsyl oder der Flüchtlingsrat wird gerne gewährt. Im schlimmsten Fall oder bis zu einer günstigen Lösung hilft das von Eykiway schon benannte Geschick.
Liebe Grüße und viel Erfolg, carl
Ghassan Abid
Politikwissenschaftler (Tunesien, Südafrika) und Blogger
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