Nehmen wir uns doch zuerst einmal die CDU vor, durch Angela M. an der Spitze agitatorisch („Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!“), und propagandistisch („Wir gehen den Weg zur modernsten Energieversorgung der Welt, die Klima und Umwelt schont und bezahlbar ist“) repräsentiert:
50,3 Millionen Wahlberechtigte hatten am 27. September 2009, dem Gründungsdatum von Schwarz-Gelb, nicht für diese Partei gestimmt. Das ist schon allerhand, wenn man bedenkt, wie sie eigentlich gedachte, in diesem unserem Lande durchzuregieren. Merkel II in der Tradition von Kohl IV.
Nun zu den Bündnispartnern:
55,8 Millionen Bundesbürger hatten sich, zeitgleich, gegen die FDP entschieden und 59,3 Millionen gegen die CSU.
Das sind, im Dreierschnitt, etwa so viele Menschen, wie – zum Beispiel und rein zufällig – im Irak und in Afghanistan zusammen leben.
Ein Wunder, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann?
Auch Palmstroem wundert inzwischen so gar nichts mehr.
Die Implosion der FDP? Vorhersehbar, denn in jedem Spiel, das samstags steigt / gibt’s einen, der das Ding vergeigt. Dafür steht und stand Guido Westerwelle im Zweifel allerdings auch montags, dienstags, mittwochs, donnerstags, freitags und sonntags zur Verfügung. Gelernt ist gelernt und heißt eben noch lange nicht: dazu gelernt.
Der Verfall der CDU? Kein Mirakel, wenn man weiß, dass Abwarten und Tee trinken das ziemlich genaue Gegenteil von Entscheidungsfreude und Tatendurst ist. Aber die Kanzlerin sagt von sich ja selber, dass sie schon als Kind eine Art „kleiner Bewegungsidiot“ gewesen sei und erst im Alter von fünf Jahren gelernt habe, wie man einen Berg hinunterläuft. Dafür geht’s heute umso schneller treppab.
Die Auslese- und Rechtschreischwäche der CSU? Folgerichtig, denn mit Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg hatte Regisseur Seehofer einen Schauspieler auf die Landesbühne geschoben, der – fälschlicherweise – von Bild, BamS, Bunte und Privat-Glotze bereits als eine Art Hauptdarsteller beklatscht wurde, der am Ende aber allen durchgreifend geschadet hat: Sich selbst. Der Familie. Dem Adel. Den Bayern. Der Partei. Dem Ministerium. Der Regierung. Der Universität. Dem Doktor-Vater. Dem Doktor-Titel. Der ganzen Gesellschaft.
Da liegt sie nun bäuchlings, die Koalition der Unvernunft, wie bei Hempels unterm Sofa und sucht nach einem Klebstoff, der die Scherben kittet.
Das alles freut die Anderen: Die SPD. Die Grünen. Die Linken. Sie lehnen sich zurück und müssen gar nichts tun. Weil sie wohl wissen, wie das Polit-Mikado im Jahre 2011 funktioniert: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.
Wie anders ist zu erklären, dass Frank-Walter Steinmeier, ein Mann von vorgestern, auf die ARD-Trendfrage „Wie sind Sie zufrieden mit der Arbeit von…“ mit 60 Prozent Zustimmung als Nummer 1 unter den 14 populärsten Politikern gelistet wird – einen Platz und ein Prozent vor dem Genossen Steinbrück, einem Mann von vorvorgestern?
Was, um Himmels Willen, haben sie nur getan, dass es soviel Sympathiepunkte regnet?
Richtig! Nichts.
Nur: jeder von beiden ist halt immer noch um die Hälfte beliebter als ihr sozialdemokratischer Erzengel, Gabriel.
Auch die Grünen haben so gut wie kaum etwas dazu beigetragen, dass ihre Werte so volkstümlich sind wie noch nie: Japan-Katastrophe? Atom-Moratorium! Entscheiden andere. Libyen-Einsatz? NATO-Sache! Entscheiden andere. Euro-Rettungsschirm? Brüssel-Deklaration! Entscheiden andere. Liberalen-Desaster? Kabinettsumbildung! Entscheiden andere.
Was, um alles in der Welt, haben sie bloß selber dazu beigetragen, dass es soviel Zuspruch hagelt?
Richtig! Auch nichts.
Folglich können Roth, Trittin und Özdemir es bis auf weiteres getrost so halten wie Theodor Fontane, Palmstroem zitiert: „Man muss es so einrichten, dass einem das Ziel entgegen kommt.“
Und die Linke? Die ist derzeit ausschließlich mit sich selbst beschäftigt, und deshalb wird Palmstroem sie an dieser Stelle auch ganz in Ruhe lassen. Schlafende soll man nicht wecken, und Tote kann man nicht wecken. Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Lötzsch noch Ernstl auf.
Wir wollen uns merken: Wer nichts tut, der tut wenigstens nichts. Der will nur spielen.
Bei handelnden Figuren indes ist solches Nichtstun fatal und dementsprechend ein Fanal, also das „Veränderung ankündigende Zeichen in Form eines bedeutungsschweren, folgenreichen oder symbolträchtigen Ereignisses“, wie Wikipedia weiß.
Womit Palmstroem wieder beim Ausgangspunkt angelangt wäre und bei der Frage, wie lange Agitation und Propaganda einer ehemaligen FDJ-Sekretärin an der Spitze eines neuen Deutschland wohl gerade noch gut gehen mögen.
Hinter den Kulissen sind die Flaschen längst geleert, wie die steten Kampagner-Tropfen beweisen, die erst Guttenberg, dann Westerwelle aus Merkels heimlichem Küchen-Kabinett spülten. Und eines Tages, man glaubt es kaum, kommt Mutti höchst persönlich dran, und mit ihr kocht gewiss (und schlussendlich) die Frage heißhungriger Brühe-Aufwärmer wieder auf, wie denn bloß jene scheinbar auf ewig mysteriöse IM „Erika“ einst mit Klarnamen geheißen haben mag.
Nimmermüde, an strahlender Demontage interessierte Blogger-Demagogen („man muss nur lange genug bohren, bis man auf den Nerv trifft“) hoffen in diesem Zusammenhang bereits heute auf eine alles erhellendes, notfalls auch verschlüsselte Indiscretin-Botschaft von, sagen wir, Wikileaks:
SIE IST NICHT HIER, /
SIE IST NICHT DA, /
SIE IST WOHL VON
AMERIKA.
Alle Angaben natürlich wie immer ohne Gewähr.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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