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Mecklenburg-Vorpommern dehnt sich zwischen Oder und Elbe, zwischen Ostsee und Brandenburg auf einer Fläche von gut 23.000 Quadratkilometern aus. Das entspräche, würde global so vermessen, Welt-Ranglistenplatz 147a. Ganz knapp hinter Dschibuti und gerade noch vor Belize.
Mecklenburg-Vorpommern zählt annähernd 1,64 Millionen Einwohner (weniger als Hamburg), von denen am Sonntag ungefähr 1,42 Millionen Bürger wählen gehen dürfen, großzügig vergleichbar mit dem Pro-Kopf-Aufkommen, das in München lebt.
Mecklenburg-Vorpommern rechnet mit einer Durchschnitts-Wahlbeteiligung von traditionell um und bei 55 Prozent, also ca. 780.000 Stimmen, was in der Summe ganz Stuttgart wäre, zuzüglich Hamm in Westfalen. Leider nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.
Da jedes Kreuzchen zählt, gerade wenn es darum geht, entlang der Oder-Neiße-Borderline zu Polen schlimmstes Demagogen-Pack in die Schranken zu weisen, hat sich Palmstroem mal gefragt, woher es denn eigentlich kommt, dass ursprünglich besonnene Wortkargdeutsche im Nordosten fortwährend Gefahr laufen, dem katholischen EU-Partnerland beständig üble Nachbarschaft nachzureden.
Politische Bildung, die sich in Sonderheit für intellektuell Unkomplizierte sehr empfiehlt, hat Palmstroem in die Spur gebracht; diese Zweibahnstraße jedoch ist, ziemlich zeitparallel, seit 40, 30, 20, 10 Jahren und bis heute unrund ausgefahren und dementsprechend reparaturbedürftig.
Vor 40 Jahren, ab Jahreswechsel 1971/72, öffneten die damalige DDR und ihr sozialistischer Bruderstaat visafrei die Grenzen zueinander, was auf der einen Seite dazu führte, dass die Deutschen ein neues (ur-altes) Urlaubsland für sich entdeckten, und auf der anderen Seite dazu, dass die Polen die Geschäfte im Westen des Ostens leer kauften.
Das gab böses Blut, hier wie da.
Vor 30 Jahren, im Oktober 1980, war für Honecker Schluss mit lustig, denn die Streiks auf der Werft in Danzig lagen gefühlt geradezu um die Ecke, und bevor die Revolution in das eigene Land zu schwappen drohte, machte die DDR den Reise-Laden lieber wieder dicht.
Das schürte Misstrauen, sowohl als auch.
Vor 20 Jahren, am 17. Juni 1991, schlossen Deutschland und Polen im logischen Gefolge ihres Grenzvertrages auch noch einen Nachbarschaftsvertrag, auf dessen Grundlage die polnischstämmigen Deutschen und die deutsche Minderheit in Polen bei der Pflege ihrer kulturellen Identität und ihrer Muttersprache zu unterstützen seien.
Das führte zu Missverständnissen, denn viele redeten gezielt aneinander vorbei.
Vor 10 Jahren, am 3. Oktober 2001 in Mainz, sprach Polens Präsident Aleksander Kwaśniewski schließlich davon, dass „die Steine in Danzig und Kolberg nicht nur Polnisch sprechen, sondern auch Deutsch.“
Das nahmen besonders die Vertriebenen beider Länder höchst aufmerksam zur Kenntnis - die deutschen eher gern, die polnischen eher ungern.
Heute nun, 2011, im Jahre der grenzenlosen Freizügigkeit für die Arbeitnehmer auch aus den osteuropäischen Staaten, fürchten die Deutschen die so genannte Billigkonkurrenz aus dem Osten und die Polen die Abwanderung ihrer besten Köpfe des Landes in den Westen.
Just dieses verführt denn hirnloses Wahlvolk zur Hinwendung an jene, die in Rand-Polen plakativ von einer „Invasion“ schwafeln, der die etablierten Parteien allerdings nichts recht Gescheites entgegen setzen mögen: Einerseits aus Feigheit, Farbe zu bekennen. Andererseits aus der diffusen Mutmaßung, es werde schon nicht so weit kommen.
Als ob 7,3 Prozent bei der Wahl 2006 nicht dumpf genug gewesen wären.
Palmstroem, der sein geschultes Ohr immer auch auf Schienenstränge legt, die als längst stillgelegt gelten, hat vor Ort nur zu gut zugehört und weiß von daher, dass unverbesserliche Bier- und Schnapsnasen notfalls sofort auf jegliche verfügbare Draisinen umsteigen würden, um lieber heute als morgen heim in ihr Reich zu gelangen.
Deshalb gilt an dieser Stelle angesichts des 4. September 2011 eine ausdrückliche Dreifach-Mahnung zwecks dringender Aufmerksamkeit:
Vorsicht vor Ausschank vor dem Wahl-Lokal!
Vorsicht an offen stehenden weiß-roten Schranken!
Und Vorsicht an der Bahnsteigkante: eine Geisterbahn rammt gleich den Prellbock!
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Lieber Achim Palmstroem,
manchmal habe auch ich Angst um die Provinz, die wir nur zu schnell vergessen, wenn wir in Lichterboulevards flanieren..... vielen Dank für die Erinnerung! |
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Immer wieder. Gerne doch.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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