Allem eitlen Sonnenschein zum Trotz ist es für Palmstroem immer wieder eine reichlich trostlose Angelegenheit, wenn der Himmel weint. Klar, da können einem schon mal die Tränen kommen, wenn man so sieht, wie manch ein Berliner mit Berlin umgeht, so ganz im trüben Gegensatz zu Ernst Reuter, der einst "Schaut auf diese Stadt!" mit bebender Stimme verlangte.
Aber das ist längst Geschichte – eine vollkommen andere Geschichte – und heute geht es ungleich schlichter und weniger ergreifend zu. Ergo finden uns nun also ganz banal in der Nähe der S-Bahn-Station Messe Süd wieder, und es gießt aus Kannen (für Urkomiker, die es nicht lassen können: Es strömt in Gießen).
Kurzum, es ist ein Wetter, bei dem jeder Frauenversteher es ähnlich gut meint wie Drafi Deutscher selig, der Make-up-freundlich und hoffentlich gerade noch rechtzeitig warnte: "Weine, nicht wenn der Regen fällt", weil nämlich dann, "dam-dam", aus der Schminke binnen kurzem eine Soße wird, die nicht süßt, sondern säuert.
So, und da haben jetzt Vater und ziemlich erwachsene Tochter samt Schirm einen trockenen Unterschlupf gefunden, und es ist tatsächlich eben noch einmal gut gegangen: Puder und Wimperntusche, Lippenstift und Lidstrich sitzen am rechten Platz, auch Papa hat keine weitere optisch nennenswerten Beschädigung davon getragen.
Soviel zum Thema Familienglück, freut sich Palmstroem von seinem sicheren Beobachtungsstand – als er aus dem Augenwinkel sieht, wie Vater einen seiner schwersten, weil unverzeihlichen Fehler begeht:
Mit Zielrichtung Tochter und in rasender Schnelle öffnet und schließt er den Regenschirm, kurz: er pleudert ihn nach Kräften aus. Jedoch landen die dicken nassen Tropfen, einer kurzen Dusche gleich, mitten im Gesicht der jungen Dame, die daraufhin kreischt, als sei ihr soeben ein Strolch zu nahe getreten.
Und was sehen wir da: Papa hat blitzesschnell geschafft, was ein heftiger Schauer nicht anzurichten vermochte. Die junge Frau sieht ganz so aus, als habe sie just an einem Schminkwettbewerb für Fehlfarben-Verläufe teilgenommen. Nichts mehr übrig geblieben von der nuanciert betonten Anmut eines frisch gepuderten Näschens, kein Gedanke mehr an vorteilhaft betontes Augenzwinkern, an üppig rote Lippen. Stattdessen: Hass auf den Erzeuger, Hass wohl auch auf sich selbst wegen subjektiv gefühlter Unansehnlichkeit.
Dabei strahlt wahre Schönheit strahlt doch von innen, aber dieser Spruch ist jetzt wohl flüssiger als flüssig: Überflüssig, „dam, dam“.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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