Adriane Seliger

Ökoblog

04.02.2009 | 17:07

Abwrackprämie? Teure Hilfe für Autos!

Also schön. Hier kommt’s: Ich finde es gar nicht schlimm, dass die Zahl der neu zugelassenen Pkw im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent zurückgegangen ist. Ich weiß. Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Jeder siebte Arbeitsplatz. Aber jetzt mal ernsthaft: Wir haben schon gut 41 
Millionen Autos. 3,1 Millionen Neuwagen kamen 2008 trotz allem noch hinzu. Das muss reichen.Ich will hier nicht von der Störung der Krötenwanderung anfangen, von der Erderwärmung und anderen Problemen, die wir ohne die gigantische Blechlawine nicht hätten. Aber es handelt sich bei Autos doch schlicht um Produkte, die sich normale Menschen kaum noch leisten können. Schon 2007 kostete ein Neuwagen im Durchschnitt 24.953 Euro. Gleichzeitig lag das Bruttojahreseinkommen von Arbeitnehmern bei durchschnittlich 27.083 Euro. Wie soll das gehen? Genau: Gar nicht.
Tatsächlich sind längst über 60 Prozent der neu zugelassenen Autos Firmenwagen. Die hutzeligen Vernunftautos, die Polos und Puntos, die werden noch ab und zu neu von Privatmenschen gekauft. Aber in der Klasse ab 200 PS werden nach Berechnungen von Greenpeace 70 Prozent der Neuwagen von Firmen angeschafft, einige Modelle sogar zu 100 Prozent. Und wieso können die sich das leisten? Weil die Steuerzahler dafür blechen. Unternehmen und Freiberufler dürfen sämtliche Fahrzeugkosten von der Steuer absetzen.
Und so halten vor allem wir großmütigen Steuersubventionszahler die Maschinerie der hochgejazzten Zulassungszahlen am Laufen. Zwei, drei Jahre Leasing und dann das neueste Modell, während die alte Karre an Privatleute durchgereicht wird, die sie aus eigener Tasche zahlen und viele Jahre damit herumjuckeln. Es ist kein Zufall, dass das Durchschnittsalter der in Deutschland zugelassenen Autos inzwischen bei 8,5 Jahren liegt. Mehr als jeder zehnte Wagen ist sogar so alt, dass er nur die Abgasnorm Euro eins schafft – oder noch nicht einmal das.
Womit wir bei der Abwrackprämie wären. Ist das nicht eine tolle Sache, die alten Dreckschleudern von der Straße zu bekommen? Ja bitte, auf den Schrottplatz damit, meinetwegen auch mit etwas Nachhilfe vom Staat. Aber ersetzen? Auf meine Kosten? Nur weil ein Industriezweig Produkte absetzen will, die ihre Kunden nicht finanzieren können?
Bleibt noch das Argument, dass die neuen Autos umweltfreundlicher seien. Aber Vorsicht: Der Fortschritt ist eine Schnecke. In den zehn Jahren bis 2007 ging der durchschnittliche CO2-Ausstoß von neuen Diesel-Autos gerade mal von 178 auf 171 Gramm pro Kilometer zurück. Benziner pusten im Schnitt immer noch gut 168 Gramm in die Luft.Ein zehn Jahre alter Opel Corsa verbraucht nach Berechnungen des Verkehrsclub Deutschland mit 5,6 Litern Benzin genauso viel wie ein vergleichbarer Corsa Baujahr 2009. Wenn das alte Ding noch fährt, ­warum soll ich über 48 Monate ­einen neuen abstottern, der nach Ablauf des Kredits nur noch die ­Hälfte wert ist?
Deshalb, liebe Autobauer: Macht mir ein gutes Angebot, dann reden wir wieder. Aber meine Steuermilliarden für eure veralteten Schüsseln? Eher nicht.
 
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Kommentare
rararayk schrieb am 05.02.2009 um 14:00
top-beitrag
asdrubael schrieb am 05.02.2009 um 16:57
Top Beitrag indeed.
Beim Thema Umweltschutz sollte man außer den reinen CO2 Austoß Zahlen auch nicht vergessen das die Produktion eines neuen Autos natürlich auch CO2 verursacht. Durch ein neues Auto mag man seine eigene "Energiebilanz" minimal aufpolieren, aber global gesehen ist es Wahnsinn wenn jeder sich alle paar Jahre ein neues Auto genehmigt. Schlimmstenfalls landet dann noch nichtmal das alte Auto auf dem Schrottplatz sondern wird nach Polen oder in Drittwelt Länder abgeschoben:
http://www.wdr.de/tv/monitor//sendungen/2009/0129/abwrack.php5
dotdot78oe schrieb am 06.02.2009 um 09:28
Diese ganze Sache ist wieder einmal nur kurzfristig gedacht. Der Autoindustrie geht's schlecht, also lässt sie sich subventionieren. Das geht vielleicht auch gut - und danach? Sieht's noch schlimmer aus - also noch mehr Subventionen. Wie lange funktionieren solche Spielchen denn? Und wer bezahlt am Ende denn wieder Alles? Man führe sich diesen Irrsinn mal vor Augen. Alles stöhnt unter der Steuerlast. Otto-Normal-Verbraucher verdient nicht genug um sich ein neues Auto zu kaufen. Also werden Steuermittel rausgeschmissen, damit es wieder geht. (jedenfalls wird es so verkauft) und dann freut sich Otto-Normal-Verbraucher, weil Papi Staat das so toll macht. Schön, das meine Steuern auch dafür verwendet werden, obwohl ich das nicht unterstütze und kein Auto brauche.
Frankfurt am Main schrieb am 06.02.2009 um 09:33
Abwrackprämie klingt ja schön und gut, nur das Problem ist die Umsetzung.
Es a
kann ja nicht sein, dass Leute ihr Auto abmelden, die AP kassieren und dann das Auto nochmals weiterverkaufen und somit doppelt kassieren und das Auto woanders wieder neu zugelassen wird.
Das nützt der Umwelt gar nix.
Frankfurt am Main schrieb am 06.02.2009 um 16:01
Jaja, die Abwrackprämie. Die Idee damit die Wirtschafdt anzukurbeln ist ja nett gemeint, nur das Problem an der ganzen Sache ist, dass lediglich 600.000 Staatsbürger dieses Paket in Anspruch nehmen können und der Rest von knapp 80 Mio. dafür zahlen muss.
Man sollte sich mal überlegen ob eine solche Idee Sinn macht wenn nur knapp 1% davon profitiert.
fred schrieb am 06.02.2009 um 17:19
Die Abwrackprämie wird ganz offiziell begründet mit der Notwendigkeit, den Absatz der Autokonzerne ankurbeln zu müssen. Nicht begründet wird sie mit dem Argument, Bürgern , die ein Auto dringend brauchen, die Anschaffung finanziell zu erleichtern. Was sagt uns das?
Antagonismus schrieb am 06.02.2009 um 17:40
Ich möchte an dieser Stelle schon noch mal darauf hinweisen, dass der Staat diese "Abwrackprämie" keineswegs aus Umweltschutzgründen beschlossen hat, sondern vielmehr um die deutsche Automobilindustrie vor dem totalen Desaster zu bewahren, in dem sie sich angesichts der Weltwirtschaftskrise vorraussichtlich schon sehr bald befinden wird. Der Staat übernimmt dementsprechend ein weiteres Mal die Rolle des "Ideelen Gesamtkapitalisten" (Marx), der dafür sorgt, dass die kapitalistische Ökonomie sich wieder und wieder aufs Neue reproduzieren kann. Eine Kritik à la "Wir zahlen nicht für die Autobauer" greift deshalb zu kurz, da genau dies, die Unterstützung der Wirtschaft in kriesenhaften Momenten Aufgabe des Staates ist. Diesen Sachverhalt zu kritisieren ist konsequenter und vor allem logischer, hieße aber den bürgerlichen Staat und die kapitalistische Ökonomie an sich in Frage zu stellen...
Frankfurt am Main schrieb am 06.02.2009 um 18:22
Naja, aber welchen Unternehmen hilft die Abwrackprämie denn wirklich?
Seien wir doch mal ehrlich, es werden lediglich die kleinen Konzerne subventioiert denn wär besitzt schon ein Auto für weniger als 2500 Euro und kauft sich dann nen BMW oder Mercedes für 30.000 oder mehr.
Also für Opel, VW, Seat und Fiat war das ein guter Deal aber für den Rest nicht.
Frankfurt am Main schrieb am 06.02.2009 um 18:22
Naja, aber welchen Unternehmen hilft die Abwrackprämie denn wirklich?
Seien wir doch mal ehrlich, es werden lediglich die kleinen Konzerne subventioiert denn wär besitzt schon ein Auto für weniger als 2500 Euro und kauft sich dann nen BMW oder Mercedes für 30.000 oder mehr.
Also für Opel, VW, Seat und Fiat war das ein guter Deal aber für den Rest nicht.
merdeister schrieb am 07.02.2009 um 19:11
Wieso gibt es eigentlich noch Menschen die gezwungen sind ein Auto zu benutzen? Schüfe der Ausbau des ÖPNV nicht auch Arbeitsplätze (wenn man das schon als Maßstab nimmt)? Wenn ich mich in meiner Nachbarschaft so umsehe gibt es ohnehin wesentlich mehr Autobesitzer, als Autofahrer. Wer erst mal eine Parkplatz hat gibt den nicht wieder her.
merdeister schrieb am 07.02.2009 um 19:11
Wieso gibt es eigentlich noch Menschen die gezwungen sind ein Auto zu benutzen? Schüfe der Ausbau des ÖPNV nicht auch Arbeitsplätze (wenn man das schon als Maßstab nimmt)? Wenn ich mich in meiner Nachbarschaft so umsehe gibt es ohnehin wesentlich mehr Autobesitzer, als Autofahrer. Wer erst mal eine Parkplatz hat gibt den nicht wieder her.
digitus schrieb am 08.02.2009 um 14:33
Nein, ich kann auch nicht darüber heulen, dass die Zulassungszahlen zurück gehen. Es gibt viel zu viel Autos in diesem unserem Land und vor allem viel zu viel dicke Statussymbol-Brummer mit einer miserablen Umweltbilanz. Was die Abwrackprämie nicht berücksichtigt ist, dass auch ein alter Kleinwagen umweltschonend fahren kann und dass durch das Abwracken Werte vernichtet werden, deren Erzeugung auch die Umwelt belastet hat.
Die 2500 Euro werden mich jedenfalls nicht motivieren, ein Auto zu verschrotten, das mich noch zuverlässig von A nach B bringt und das mit einem Spritverbrauch, der sich auch nach neun Jahren noch sehen lassen kann ...
Georg5 schrieb am 12.02.2009 um 10:32
Stimmt.
Aber die Frühverschrottung alter Autos ist kein Beitrag zur Ressourcenschonung. Die Herstellung eines Neuwagens frisst schon durch die Anfahrtswege der Arbeiter und des Materials so gewaltige Energiemengen, das jedes Jahr Lebensdauer verkürzung ein Schlag ins Kontor der Umwelt ist. Wer kann mir eine korrekte Aufstellung über diese Minusbilanz liefern?
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