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Erinnert sich eigentlich noch jemand an die Ökosteuer? Ja, richtig, das ist dieses grauenhafte Folterinstrument, mit dem wir früher ganze Bundestagswahlkämpfe bestritten haben. Noch 2005 hatten wir diese melodramatischen Angela-Merkel-Auftritte nach dem Motto: Ich würde ja sofort, aber ach, ich kann sie nicht abschaffen, weil ich leider das Geld brauche. Und jetzt? Wo, bitte schön, ist das deutsche Erregungspotenzial geblieben?
Diese Woche meldet das Statistische Bundesamt, dass das Aufkommen der Energiesteuer auf Mineralöl seit 2003 um 9,1 Prozent zurückgegangen ist, das aus der Stromsteuer um 4,1 Prozent. Ist das nicht ein toller Erfolg für die Ökosteuer? Mit sinkendem Verbrauch schafft sie sich Schritt für Schritt selbst ab. Tatsächlich ist die Menge an versteuerten Kraftstoffen seit 2003 um 2,3 Prozent gesunken.
Noch stärker ins Gewicht fällt, dass Autofahrer scharenweise von Benzinern auf Diesel umgestiegen sind, was ja mit Blick auf den Verbrauch ökologisch gar nicht so schlecht wäre, wenn alle immer schön mit Rußfiltern führen, aber das ist eine andere Geschichte. Der Umstieg bestätigt jedenfalls eigentlich den Wirkmechanismus der Ökosteuer nach dem Motto: Mach es teuer und der Verbrauch sinkt. Die zusätzlichen Einnahmen schleust der Staat politisch korrekt zur Senkung der Lohnnebenkosten in die Rentenkassen, insgesamt gut 16 Milliarden Euro von 18 Milliarden Euro Gesamtaufkommen im Jahr.
Entsprechend euphorisch fiel die Bilanz der Grünen zum zehnten Geburtstag der Ökosteuer im März aus: „Nach zehn Jahren jedoch ist klar, die Ökosteuer ist ein großer Erfolg grüner Politik. Ohne Ökosteuer wären die Lohnnebenkosten um 1,7 Prozentpunkte höher. Die Treibhausgasemissionen des Verkehrs wurden um zehn Prozent gemindert.“
Allerdings hat der Staat mit dieser Rechnung seit 2003 gar nichts mehr zu tun. Denn schon damals trat die letzte Stufe der Ökosteuer in Kraft. Bis dahin war sie von anfangs 3,07 auf 15,3 Cent pro Liter gestiegen. Damals war das so richtig viel. Heute schafft eine deutsche Durchschnittstankstelle einen Preissprung von 15,3 Cent innerhalb einer Woche.
Wobei ich, mal nebenbei gesagt, die Preisgestaltung der Konzerne geradezu genial finde, die angeblich aus der Zentrale ohne Wissen und Einfluss ihrer Pächter die stündlich wechselnden Phantasiepreise auf die Anzeigetafel schicken: Dunkle Mächte drehen am Zahlenrad, leider, leider. Wahrscheinlich ist es sogar ein böser Rechner, der da eigenständig Amok läuft. Pächter und Kunde in einer Schicksalsgemeinschaft, die Unbill der Zeiten still ertragend. Das ist wirklich eine tolle Inszenierung.
Was ich aber eigentlich sagen will: Die Wirkung der Ökosteuer ist längst verpufft. Bis zur Krise übernahmen die segensreiche, verbrauchssenkende Funktion dann die Mineralölkonzerne selbst. Während der ökologischen Steuerreform von 1999 bis 2003 stieg der durchschnittliche Preis für Normalbenzin von um gut 23 Cent auf 107,4 Cent. Von 2003 bis 2008 lag der Preissprung ganz ohne Ökosteuer bei gut 32 Cent. Nur dass das Gemeinwesen nichts davon hatte (die steigende Mehrwertsteuer mal ausgenommen).
Der Staat saß natürlich in der Zeit auch nicht auf den Händen und erhöhte andere Steuern (eben vor allem die Mehrwertsteuer). So dass wir mit 9,7 Prozent heute paradoxerweise einen niedrigeren Anteil umweltbezogener Steuern haben als 1998, vor der ökologischen Steuerreform.
Wäre es nicht mal Zeit für die Grünen nachzulegen? Immerhin sind wir von den im Wahlkampf 1998 geforderten fünf Mark pro Liter immer noch deutlich entfernt, und die ökologische Wirkung von Preiserhöhungen ist doch eindeutig. Doch politischer Selbstmord in Wahlkampfzeiten ist gerade nicht en vogue. Die Jubel-Arien zum Jubiläum sind damit ebenfalls obsolet: Die Ökosteuer ist ein Auslaufmodell.
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seit den abstrusen preisen an der tankstelle ist eigentlich der marktbeweis für die preise erbracht worden. ausklammern kann man dabei die feiertagserhöhungen.
ich kann mir mittlerweile den benzinpreis-verlauf anhand der gehandelten futurepreise auf ölkontrakte ganz gut herleiten und mein tankverhalten entsprechend etwas abstimmen. und wenn die preise stark steigen, dann sieht man mittlerweile sehr schnell an der preisgestaltung wer hohe lagervorräte zu günstigen preisen hatte und wer nicht. 10 cent differenzen über bis zu 24h hinweg wars in der volatilsten phase. ansonsten: bullshit. mein auto werd ich mir immer leisten können, weil ich schlichtweg gut genug verdiene. aber wenn dann die hartz IV-empfänger leuten wie dir mal den hals umdrehen, weil durch die stark gestiegenen transportkosten die lebensmittelpreise mit dem müden salär kaum mehr finanzierbar sind, hab ich dann auch kein mitleid mehr. und während die große arbeitslosigkeit anrollt: steuern auf lebensgrundlagen rauf, genial. natürlich ökosteuer, weil das is ja dann auch sozial. man darf denken, wirklich. |
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"weil durch die stark gestiegenen transportkosten die lebensmittelpreise mit dem müden salär kaum mehr finanzierbar sind"
Wie schon das eine oder andere mal erwähnt, muss man ja nicht jede Kurve in dieselbe Richtung weiterführen. Irgendwann wird der Punkt erreicht, an dem es sich eben nicht mehr lohnt, den "berühmten" Joghurt quer durch Europa zu karren. Dann wird vornehmlich lokal konsumiert und Erdbeeren im Winter werden so teuer, wie es sich gehört, so wie Grapefruit aus Südafrika. Höhere Spritpreise würden die Autobahnen leeren, von LKW und alten Leinwagen, dann könnten die verbleibenden Verkehrsteilnehmer wieder richtig Gas geben, Anwesende natürlich ausgeschlossen ;-) |
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es ist halt nunmal ein faktor und den darf man auch ebenso einseitig zurückgeben, wenn von der gegenüberliegenden seite ebenso einseitig etwas betrachtet wird.
ansonsten einer von vielen und ich würde meine bananen aus südamerika gerne behalten, denn die aus der eu schmecken nicht so dolle. ^^ ungeachtet dessen empfinde ich die reine betrachtung der zahlen anhand von prozentualen anteilen schon so dermaßen eindimensional, dass ich, als zahlenaffiner mensch, einfach nur das grausen bekomme. |
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ach und von wegen autobahnen leeren. dann läuft mehr über die schiene, was den verbrauch anderer energieformen erhöht, deren preise steigen lässt und die wartungskosten für schiene und züge in die höhe ballert.
da zu erwarten, es würde preislich so bleiben .. ist doch ne illusion. aber auch wieder sehr eindimensional gedacht. bleh! |
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MH120480 schrieb am 04.07.2009 um 09:11 "wenn dann die hartz IV-empfänger leuten wie dir mal den hals umdrehen, weil durch die stark gestiegenen transportkosten die lebensmittelpreise mit dem müden salär kaum mehr finanzierbar sind, hab ich dann auch kein mitleid mehr" Bei Erich wusste man noch, wie mit solchen Feinden der Arbeiterklasse zu verfahren ist, nicht wahr?! Was man wissen sollte: Der weltweite CO2 Ausstoß ist zwischen 2000 und 2004 um gut ein Prozent pro Jahr angestiegen. In vier Jahren stiegen die Emissionen in Mittel- und Osteuropa um 4,1, in den Kyoto-Staaten sogar um elf Prozent. Deutschland, das sich bis 2012 zur CO2-Reduktion von 21 Prozent verpflichtet hat, ist mit den bisher erreichten 17,2 Prozent weiterhin nicht am Ziel. Verantwortlich für den Trend ist vor allem der Verkehr, dessen Schadstoffausstoß seit 1990 um 23,9 Prozent zugenommen hat. Im Luftverkehr hat er sich sogar verdoppelt. In der EU verursacht der Verkehr beinahe 30 Prozent aller für die Klimastabilität schädlichen CO2-Emissionen. Rund 70 Prozent des Erdöls, das verbraucht wird, gehen auf das Konto des Verkehrssektors. Unbestreitbar ist die Fahrt mit der Bahn eine der umweltfreundlichsten Arten, mobil zu sein. Deshalb müsste die Schiene eigentlich gefördert werden. Doch ist in der EU vorgeschrieben, dass auf allen Strecken für alle Züge in Form der Trassenpreise eine Maut erhoben werden muss. Für den schärfsten und am meisten emittierenden Konkurrenten, die Straße, wird die Maut nur auf Autobahnen und nur für Lkw ab zwölf Tonnen erhoben. Ihre Höhe ist begrenzt, die externen Kosten werden nicht internalisiert und die Mauterhebung ist freiwillig. Kein Wunder, dass insbesondere der Güterverkehr auf Europas Straßen zu Hause ist. Weil die Schweiz eine Lkw-Maut hat, die viermal so hoch ist wie die in Deutschland, und die auf allen Straßen und für alle Lkw gilt, wurde etwa der Mineralöltransport von der Straße auf die Schiene verlagert. In der Schweiz gab es weder eine Verlagerung von Autobahnen auf Bundesstraßen noch von großen auf kleine Lkw. Und die Kosten beim Verbraucher stiegen lediglich um 0,5 Prozent. Quelle:http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/art141,2096031 Klimalinks gibt es z.B. hier: www.future-on-wings.net/konsum/klima.htm Gruß hh |
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Lieber MH120480,
Kommentare wie diese "seit den abstrusen preisen an der tankstelle ist eigentlich der marktbeweis für die preise erbracht worden" überfordern mich intellektuell. Grundsätzlich fände ich es aber schöner, nicht verunglimpft zu werden, wie zum beispiel in: "aber wenn dann die hartz IV-empfänger leuten wie dir mal den hals umdrehen..." Es kann doch nicht so schwer sein, Kritik in verständlicher Weise und ohne persönliche Attacken zu äußern. Schöne Grüße, Adriane |
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Lieber MH120480,
Kommentare wie diese "seit den abstrusen preisen an der tankstelle ist eigentlich der marktbeweis für die preise erbracht worden" überfordern mich intellektuell. Grundsätzlich fände ich es aber schöner, nicht verunglimpft zu werden, wie zum Beispiel in: "aber wenn dann die hartz IV-empfänger leuten wie dir mal den hals umdrehen..." Es kann doch nicht so schwer sein, Kritik in verständlicher Weise und ohne persönliche Attacken zu äußern. Schöne Grüße, Adriane |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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