Halt, halt, ich bin doch noch nicht ganz fertig mit dem Thema Recycling. Denn der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen muss ich entnehmen, dass das Bundesministerium des Inneren nur ganze zwei Prozent Recycling-Papier verwendet. Für das Bundeskanzleramt sind sogar null Prozent ausgewiesen. Null Prozent: Das ist nicht viel.
Und das, obwohl Umweltminister Sigmar Gabriel noch vor kurzem salbungsvoll erklärte: „Bei unserer Vision, Deutschland zur ressourceneffizientesten Volkswirtschaft zu machen, weist Recyclingpapier wegen seiner vielfältigen Vorteile beispielhaft den Weg.“ Liest etwa die Kanzlerin nicht die Pressemitteilungen ihres Umweltministers?
Gabriel erklärte anlässlich der diesjährigen Paperworld mit dem Motto „Green Office“ auch, dass sich mit Recycling-Papier im Vergleich zu Frischfaserpapier jeweils rund 60 Prozent Energie und Wasser einsparen lassen. Verdruckt man 1.000 Blatt Recycling-Papier, kann man zum Ausgleich 70 Computer mit Flachbildschirm einen ganzen Tag lang laufen lassen.
Allerdings fürchte ich, dass nicht nur Angela Merkel, sondern auch sonst niemand die Pressemitteilungen des Bundesumweltministers liest, was gegen deren Ökobilanz spricht, obwohl sie zu 100 Prozent auf Recycling-Papier gedruckt sind. Denn auch bei den in Deutschland angebotenen Schulheften ist die Quote wiederverwerteten Papiers nur bei fünf bis zehn Prozent, wie die Grüne Liga jetzt beklagte. Bei 200 Millionen verkauften Heften pro Jahr ist das eine Menge Holz: „Jeder fünfte Baum endet in der Papierfabrik“, erklärte der Umweltverband.
Es ist ein bisschen wie mit der Energiesparlampe. Recyclingpapier hat laut Statistik wahnsinnig viele ökologische Vorteile, aber am Markt setzt es sich trotzdem nicht durch. Statistisch braucht jeder 256 Kilogramm Papier pro Jahr. Nach Angaben des BUND sind aber nur 20 Prozent der in deutschen Büros genutzten Blätter recycelt. Würde die Quote auf 50 Prozent gesteigert, könnte die Abwassermenge einer Stadt mit 45.000 Einwohnern eingespart werden. „Recyclingpapier genügt schon seit Mitte der neunziger Jahre professionellen Ansprüchen“, betont der Umweltverband. „In Kopierern und Druckern funktioniert es einwandfrei.“ Und: „Wer auf Recyclingpapier setzt, kann bis zu 20 Prozent Papierkosten sparen.“
Was aber erklärt uns die Bundesregierung zur Rechtfertigung der Null-Quote im Kanzleramt? „Gründe für den Nichteinsatz von Recyclingpapier können technischer Art sei, beispielsweise entstanden beim Einsatz dieses Papiers vermehrt Funktionsstörungen und häufige Ausfälle bei Druckern, Vervielfältigungssystemen und Faxgeräten, was zu einem erhöhten Wartungsaufwand führte. Aber auch Kostenfaktoren spielen eine Rolle. So bestehen insbesondere bei Hochleistungsrecyclingpapier deutlich höhere Preise.“
Ein Quentchen Trost hat die Regierung trotzdem: „Es ist aber zu erwarten, dass in Zukunft aufgrund der technischen Weiterentwicklung (zum Beispiel höhere Weißegrade, bessere Laufeigenschaften) der Einsatz von Recyclingpapier weiter gesteigert werden kann.“ Das Innenministerium beabsichtigt demnach eine Umstellung auf eine „100-prozentige Versorgung des Hygienepapiers aus Recyclingpapier“. Das ist doch schon mal ein Anfang. Nur Merkel stellt sich noch bockig: „Das Bundeskanzleramt bleibt bei der bisherigen Papierversorgung.“
Es ist also so, wie es immer ist: Nicht auf Merkel warten, nur selber machen macht schön.
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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