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Du meine Güte, schon wieder so eine grauenhafte Zahl. 33 Milliarden Kilowattstunden Strom gehen jährlich allein dafür drauf, Verbraucher weltweit mit Spam-Mails zu quälen. Das hat jetzt das Beratungsunternehmen ICF International herausgefunden. Das ist der Strombedarf von 2,4 Millionen Haushalten für ein ganzes Jahr. Gäbe es kein vermutetes Interesse an Viagra oder Penis-Verlängerungen, könnte der Welt ein Ausstoß von Klimagasen erspart bleiben, der dem Betrieb von 3,1 Millionen Autos entspreche, meldet die „Welt“ aus der Studie. 62 Billionen Spam-Mails verpesten nicht nur die Postfächer dieser Welt, sondern tragen auch mit je 0,3 Gramm Kohlendioxid zur Erderwärmung bei.
Damit kann man Spam wohl füglich als optimierten Müll bezeichnen. Mehrfach-Vermüllung mit einem Streich. Müll total. Es ist auch immer wieder schön, sich darüber aufzuregen, irgendwie tröstlich und Gemeinsinn stiftend. Dass die Studie von McAfee in Auftrag gegeben wurde und das Ergebnis dem Spam-Filter-Hersteller sehr zupass kommt, ergänzt die ironische Note. Trotzdem gibt mir die Meldung über die gletscher-tötende Spam-Lawine Anlass zu einer allgemeineren Sinnkrise den auch mein Leben durchdringenden Elektronikwahn betreffend.
Nach Zahlen des Bundesumweltministeriums verursachte die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik 2007 schon rund 33 Millionen Tonnen Kohlendioxid – allein in Deutschland. Weltweit sind es Schätzungen zufolge 2,1 Milliarden Tonnen. Das sind etwa sieben Prozent des Gesamtausstoßes. In Deutschland gehen rund zehn Prozent des Stroms allein in die elektronische Kommunikation. Allein der Betrieb und die Kühlung von Servern in Westeuropa fraß 2006 den Strom von vier Atomkraftwerken.
Um einen einzigen PC mit Monitor zu produzieren, werden rund 5.300 Kilowattstunden verbraucht, während eine Kleinfamilie ein ganzes Jahr mit 3.000 Kilowattstunden auskommt. Außerdem werden allein für die Produktion des Monitors 1.500 Liter Wasser und 23 Kilo Chemikalien aufgewendet. Ein PC enthält mehr als 1.000 Stoffe, darunter Gifte wie Blei, Cadmium, Barium und Quecksilber. Hat alles das Ministerium recherchiert. Es ist also noch nicht mal eine Option, die alte PC-Möhre gegen einen neuen Superrechner auszutauschen, denn der muss schon verdammt sparsam sein und verdammt lang laufen, damit Geldbeutel und Klima etwas davon hätten.
Der meiste Strom für IT-Technik wird übrigens nach Erkenntnissen des Umweltbundesamts gar nicht mal in Unternehmen verjubelt. Die brauchten 2007 für ihre Endgeräte zusammen 6,8 Terawattstunden. Private Computer, Fernseher, Audio-Geräte und Telefone schluckten hingegen rund 33 Terawattstunden.
„Vor allem privaten Nutzerinnen und Nutzern ist nicht bewusst, dass beispielsweise das Internet ein regelrechter Stromfresser ist“, hielt Umweltminister Sigmar Gabriel den ITlern in der „Green IT World“ auf der Cebit im März entgegen. „Überall und ständig erreichbar zu sein oder im Internet surfen zu können, bedeutet, dass unzählige Geräte, Sender, Antennen im Hintergrund ständig in Betrieb sind.“ Soll mir diese Standpauke, ausgerechnet beim Verfassen einer Online-Kolumne, etwa kein Kopfzerbrechen machen?
Zum Glück hatte der Erfinder der Ökologischen Industriepolitik dann doch noch etwas Trost im Gepäck. Würde die bereits vorhandene Energiespartechnik eingesetzt, dann könnten bis 2013 immerhin 15,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus der Informationstechnik vermieden werden, sagte Gabriel noch. Und die Betreiber von Rechenzentren könnten insgesamt 3,6 Milliarden Euro an Stromkosten sparen.
Das Umweltbundesamt macht noch eine andere Rechnung auf. Was ich hier beim schreiben und senden des Ökoblogs an CO2 verpulvere, wird andernorts durch IT wieder eingespart. Weil Menschen nicht zu Konferenzen fliegen, sondern sich auf Videoleinwänden zuschalten oder weil Computer Stromnetze, Maschinen und Heizungsanlagen so steuern, dass sie weniger Energie brauchen. Das Uba spricht von globalen Potenzialabschätzungen, wonach 2020 mit IT bis zu 7,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid eingespart werden können – 15 Prozent von dann wahrscheinlich 52 Milliarden Tonnen. Gabriel beruft sich auf Zahlen, wonach das Energieeinsparpotenzial durch IT etwa das Zehnfache des IT-Energieverbrauchs beträgt.
Deshalb bin ich jetzt wieder etwas ruhiger, wenn ich den PC anschalte. Ein paar Billionen Spam-Mails weniger können trotzdem nicht schaden. Damit wäre meine Kolumne jedenfalls auf Jahre klimamäßig gegenfinanziert.
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Der erste Satz gefällt mir am besten: "...grauenhafte Zahl". Die ganzen aufgezählten Zahlen besagen doch nichts, wenn man sie nicht mit anderen fragwürdigen Ergebnissen unseres zivilisierten täglichen Lebens vergleicht. Wieviele Hörstürze werden durch knatternde Motorräder in Wohngebieten hervorgerufen? Wieviele leere Milchtüten oder Nutella-Gläser werden jährlich in Deutschland weggeworfen? Was bedeutet das für die Erderwärmung?
Der Hinweis auf die Autos ist interessant: Warum nicht endlich (weltweit nur) 3,1 Millionen Autos einsparen? Ist vielleicht einfacher, als Spam-Mails auszumerzen. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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