Alem Grabovac

Blog von Alem Grabovac

10.06.2010 | 13:26

Ein Plädoyer gegen das Wort "super"

 

Auf die Frage, wie es uns geht, reicht als Antwort ein simples „gut“ schon lange nicht mehr aus. Nein, es geht uns natürlich „supergut“ und der Film gestern war „superinteressant“ und der Gemüseverkäufer um die Ecke ist „supernett“ und meine Freundin oder mein Freund sind selbstverständlich „supertoll“, „superhübsch“ und „superklug“.

Wie ein Bazillus hat sich das Wort „super“ in den letzten paar Jahren geradezu krankhaft in unserer Alltagssprache ausgebreitet. Kaum mehr ein Satz, der ohne das Wort „super“ auskommt. Wir suchen den „Superstar“, das „Supertalent“, den „Superkoch“ und den „Superfußballer“, wir sind „superreich“, „superhöflich“, „superschnell“ und ganz bestimmt sind wir alle inzwischen auch „supergescheit“.

Was macht dieses Wort „super“ nur so unglaublich attraktiv und sexy? Vermutlich ist es ganz einfach so, dass sich im Wort „super“ der massenmedial transportierte Leistungsimperativ unserer erfolgsorientierten Gesellschaft versteckt. Es geht nur noch darum schöner, besser, klüger und reicher als der Andere zu sein. Wir müssen funktionieren, müssen „super gut aussehen“, „super gut drauf sein“ und eine „super Leistung“ abliefern, um uns auf dem globalen Arbeitsmarkt durchzusetzen. Die Botschaft lautet: Nur wer „superfit“ ist, wird in seinem Leben Geld, Anerkennung, Sex und beruflichen Erfolg bekommen.

Darüber hinaus verbirgt sich im „super“ eine Art von Hollywoodisierung unserer Alltagswelt. Unser Leben soll und muss genauso spannend, abwechslungsreich, cool und sexy wie ein „Super-Blockbuster“ aus der Traumfabrik sein. Mit diesem kurzen Präfix „super“ steigern wir die Superlative unseres ganz banalen Lebens. Jeder will und muss in unserer individualisierten Gesellschaft inzwischen etwas „super Besonderes“ darstellen. In diesem oftmals unbewusst und leichtsinnig dahin geworfenen Wort „super“ steckt die Aufforderung an jeden von uns, dass wir „super“, möglicherweise „Superman“ oder „Superwomen" sein müssen, um ein „supergutes“ und „superschönes“ Leben zu haben. Das Wort „super“ ist der klammheimliche Komplize einer Gesellschaft, die sich nur noch in der Tyrannei des Superlativs wohl fühlt.

Na dann ist ja alles suppi! Ich wünsche Ihnen noch einen „superschönen Tag“, „ein superspannendes Jahr“ und ein „supertolles Leben“. 

 
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Kommentare
luggi schrieb am 10.06.2010 um 13:39
SUPER find ich geil.
SUPER
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.06.2010 um 13:50
Find ich auch super !
Rahab schrieb am 10.06.2010 um 14:08
als eine einzelne gleich "superwomen" sein zu müssen/sollen ... find ich überhaupt nicht super
KalleWirsch schrieb am 10.06.2010 um 14:29
Die Waschmittelwerbung hat es schon vorgemacht. Demnächst kommen Ultra und dann Mega. Beides schon in Ansätzen vorhanden.

Krass Alter, megageiles Teil. Echt ultra.
merdeister schrieb am 10.06.2010 um 15:37
"Mega" war schon, und man hat sich ähnlich drüber aufgeregt.
Gustlik schrieb am 10.06.2010 um 15:22
OK.
merdeister schrieb am 10.06.2010 um 15:42
Me: Supercooled
seering schrieb am 10.06.2010 um 18:24
das arme wort
merdeister schrieb am 10.06.2010 um 18:34
Superfies
kla schrieb am 10.06.2010 um 22:52
Wollt ja schreiben: ein...Text, bringe es aber nicht über mich, eben weil es so ein superschreckliches Wort ist. Das furchtbarste aller superzusammengesetzten Worte ist aber "superlecker"...
I.D.A. Liszt schrieb am 11.06.2010 um 01:08
Afri Cola ist schuld:

Sexy, Mini, Super, Flower, Pop Op Cola - alles ist in Afri Cola!

Also, wenn man es genau nimmt, sind daran letzten Endes wieder mal diese fiesen Achtundsechziger schuld!
maxi schrieb am 12.06.2010 um 18:40
find ich super den Artikel........:-)
Alem Grabovac
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