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Die spanische Spielphilosophie, die vom F.C. Barcelona geprägt wird, basiert auf Ballsicherheit, kontrolliertem Spielaufbau, Pressing, wenig Fouls, viel Ballbesitz und schnellem Kurzpassspiel. Der Ball läuft und läuft und läuft in den eigenen Reihen, die Gegner können nur zuschauen, werden müde gespielt, kommen selbst nicht dazu, ihr eigenes Spiel aufzuziehen. Mit dieser Taktik sind sie vor zwei Jahren überzeugend Europameister geworden, hat der F.C. Barcelona vor einem Jahr die Champions League geradezu beherrscht und ist Spanien nunmehr ins WM-Finale von Südafrika eingezogen.
Kein Wunder also, dass Jogi Löw ein großer Bewunderer des iberischen Fußballs ist. In Interviews betont er immer wieder, dass für ihn die spanische Spielphilosophie das Nonplusultra im modernen Fußball darstellt. Spanien ist also das Vorbild und seit seinem Amtseintritt vor vier Jahren versucht er der Deutschen Nationalmannschaft dieses schnelle und ballsichere Spiel beizubringen. Und es hat ja auch ganz wunderbar geklappt. Man erinnere sich nur an die großartigen Spiele gegen England und Argentinien, in denen Deutschland mit eben jener Taktik die Zuschauer weltweit begeistert hat. Aber dann kam, wie schon vor zwei Jahren im EM-Finale, als Gegner Spanien.
Der Schüler traf aus seinen Lehrmeister und wie so oft im Leben hat der Schüler den kürzeren gezogen. Die Mannschaft hatte bereits die Qualität, um Spanien zu schlagen. Aber die Partie wurde im Kopf verloren. Der Trainerstab und die Spieler wirkten gehemmt, hatten zu viel Respekt. Es war, als ob stets ein Spanier mehr auf dem Platz stehen würde und den Deutschen nichts weiter übrig blieb, als den Gegnern pausenlos hinterherzurennen. Das ist bitter, denn sie hatten die spanische Philosophie mit Kampfkraft, Ausdauer, Dynamik und dem blitzschnellen Umschalten von Verteidigung auf Angriff bereits bereichert und somit eine eigene Spielweise kreiert, die das Potenzial hatte, die Iberer zu besiegen. Aber intellektuell ist man hinter dem bereits Erreichten zurückgeblieben, hat seinen eigenen Stärken nicht vertraut, war genauso paralysiert wie das Kaninchen vor der Schlange. Und die Spanier haben das gespürt, wurden unnötig in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt, haben die Angst des Gegners gerochen und diese dann auch gnadenlos ausgenutzt und bestraft.
Der Schüler trifft auf seinen Meister und ganz egal ob in der Kunst, im Alltag oder im Sport, muss der Schüler irgendwann begreifen, dass er seinen eigenen Lehrmeister überwinden kann. Ja, man muss sich geistig von dem Können seines Meisters befreien, darf ihn nicht nur kopieren, muss etwas Eigenes entwickeln, locker werden, sich entspannen, an sich selbst glauben und dann seinen Weg gehen. Solch ein Prozess kann lange dauern, sich über Jahre hinwegziehen oder manchmal sogar ganz scheitern. Hoffen wir, dass die Mannschaft die Lektion verstanden hat und beim nächsten Aufeinandertreffen mit Spanien mutig und selbstbewusst ihren eigenen Qualitäten das nötige Vertrauen schenken wird.
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Alle Fußballtheorie hat einen Sieger - einen Tintenfisch.
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Wahrsager genießt man anders; man hält sie in Ehren und ermöglicht ihnen ein angenehmes und langes Leben, bis zum nächsten richtigen Versagen.
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@ Alem Grabovac
Mit deiner Analyse bin ich einverstanden. Doch der Schlusssatz mit diesem Possessivpronomen, der gefällt mir nicht: "unsere Mannschaft". So reden sie immer die Konservativen: "Wir" sind Weltmeister (fast). Dabei sind es nur elf bis 23 überbezahlte Fußballspieler, die in der Werbebranche nochmals dasselbe abkassieren wie in ihrem eigentlichen Job, die antreten. Das eigentliche Phänomen, das in Frage zu stellen ist, lautet: Weshalb werden diese Balltreter von der Gemeinschaft der Bierzuneigten und Fahnensensiblen okkupiert? |
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@ achtermann
Das eigentliche Phänomen, das in Frage zu stellen ist, lautet: Weshalb werden diese Balltreter von der Gemeinschaft der Bierzuneigten und Fahnensensiblen okkupiert? Viele Menschen brauchen ein Identifkationsobjekt, dessen Glanz sie dann auf sich rückgespiegelt fühlen. |
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schrieb am
08.07.2010 um 23:04
Und selbst?
Ich nehme Fußball, wenn´s schon soweit gekommen ist ... |
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Danke Achtermann. "Unsere Mannschaft" klingt wirklich nicht überzeugend. Sie heiß jetzt "die Mannschaft"
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@Alem Vorschlag zur Dekonstruktion einer 2000 Jahre alten abendländischen, metaphysischen, hierachischen Dichotomie Original/Kopie, die in deinem Vorschlag waltet: Del Bosque trainiert künftig die Deutschen und Löw übernimmt die Spanier
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Johann Cruyff wäre auch noch eine Möglichkeit!
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schrieb am
09.07.2010 um 15:59
Mario Gomez ist der Bitburger Torschützenkönig! Weil diese Industrie die höchsten Summen bezahlt und die beste Lobby hat oder steht auf der Bierflasche: "Werter Fußballfan und Hobbytrinker, Alkohol führt zur Abhängigkeit!" Merkwürdig, dass Hochleistungssportler sich überhaupt mit Alkohol vor einem Millionenpublikum identifizieren. Natürlich hat keiner irgendein Problem damit, höchstens am Ende der Karriere und mitten im Leben angekommen.
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"war genauso paralysiert wie das Kaninchen vor der Schlange"
Dann kann die nächste WM ja kommen: |
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Lieber merdeister,
großartiges Video. Ich zahle 3 Euro ins Phrasenschwein und wünsche mir sochlche Kaninchen für Deutschland |
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Dann gibt es auch neue Trikots
Mir war die Existenz eines Phrasenschweins nicht bekannt, zum Glück hat mich noch keiner erwischt. Um auch noch etwas zum Thema zu schreiben. Während des Spiels hatte ich auch den Eindruck, dass die deutsche Mannschaft zuviel Respekt vor der spanischen hat. Die wirkten irgendwie lahm. |
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Jogi, der Kopist - oder ein »Untergeher« beim Versuch, auf einer deutschen Klaviatur ein spanisches Stück zu spielen. Ich muss der These leider widersprechen: Wäre die deutsche Mannschaft die Nachzucht der iberischen Fußballphilosophie, müsste man das Resultat als Scheitern im großen Stil betrachten. Ehrlich gesagt, ich sehe nicht einmal eine Verbindung zwischen Fußball-Spanien und Fußball-Deutschland, die sich vom gemeinsamen Erreichen eines Endspiels und eines Halbfinals abheben würde. Wenn ich ein Bild erfinden müsste, um das spanische Spiel zu umschreiben, würde ich es mit einer Perle vergleichen, die auf einer Schnur sitzt und beliebig nach links oder rechts verschoben werden kann. Gleichwie ich die Perle schiebe, sie läuft immer entlang der Schnur.
Das Spiel der Spanier - du sagst es richtig - lebt von Ballbesitz und Ballbehauptung. Das der Deutschen nicht. Gegen England musste man sich mit 49% Ballbesitz genügen, bei einem Gegner, der sich in den letzten fünfundzwanzig Minuten der Partie auf Ergebnisverwaltung und Schadensbegrenzung eingestellt hatte. Deutschland lag vor dem Viertelfinale durchschnittlich bei 52% Ballbesitz - und das ist im Vergleich mit anderen Mannschaften ein biederer Schnitt. Deiner These zufolge müsste also ausgerechnet die Niederlande der Primus im spanischen Fußballunterricht sein, denn die stehen im Finale und kommen auf immerhin rund 55% Ballbesitz im Mittel. Zur Verdeutlichung: Die Spanier bewegen sich ständig um einen Wert von 60%. Der Vergleich, man habe es hier mit einem Lehrer-Schüler-Verhältnis zu tun, hängt aber nicht nur aufgrund des statistischen Materials schief, er steht erst recht auf einem unebenen Fundament. Bei diesem Turnier brillierte die deutsche Mannschaft gerade dann, wenn es bei gegnerischem Ballverlust einen Tempogegenstoß über wenige Stationen einleiten konnte. Die Vorgabe von Klinsmann und Löw war und ist stets der schnelle Offensivfußball geblieben: Schnelles Überleiten in den Angriff und aus dem Spielfluß heraus bevorzugt mit „vertikalen Pässen“ die gegnerische Abwehr aufhebeln. Gegen Argentinien und England hat Deutschland genauso gespielt, wie Jogi Löw es wollte: Die Laufwege sind einstudiert, man hatte mit Schweinsteiger, Özil und dem überraschenden Müller nun auch endlich Spieler, die den einfachen, aber tödlichen Pass in die Spitze schieben konnten. An Spanien indes biss man sich erwartungsgemäß die Zähne aus. Nicht deshalb, weil man pennälerhaft vor dem Oberlehrer herumgekrochen ist. Nein, es ist viel einfacher: Der spanische Fußball ist Gift für das deutsche Spielprinzip, denn er nimmt dem Gegner die Luft zum Atmen und hindert ihn an der Entfaltung des eigenen Spielflusses. Dieses nur scheinbar behäbige Mittelfeld zieht sich wie eine Schlinge um den gegnerischen Sechszehner. Immer und immer wieder - und dank der offensiv wie defensiv hervorragend geschulten Reihe an zentralen Mittelfeldspielern, werden Befreiungsversuche in der Theorie und meist auch in praxi bereits im Keim erstickt. Der für Deutschland so wichtige „Spielfluss", die Sicherheit am Ball, aus der die Sicherheit der Ballabgabe folgt - all das war schlichtweg nicht vorhanden. Vielleicht konnte den Spaniern nichts besseres passieren als diese Niederlage gegen die Schweiz - jäh und just in einem Moment, zu dem man es nie und nimmer erwartet hätte. |
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Ich war ehrlich gesagt ein wenig überrascht, dass nicht beide Mannschaften einen Ballbesitz von über 60% hatten. Das muss man heutzutage von Titelanwarten erwärtern. Dazu kommt noch, dass es nicht ausreicht, gegen Spanien nur 100% zu Einsatz zu bringen…
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Rudi Völler hat ja einst auch völlig zu recht gewarnt: "Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!"
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schrieb am
09.07.2010 um 18:07
Ja, die alten Kalauer...
"Man muss nicht immer die absolute Mehrheit hinter sich haben, manchmal reichen auch 51 Prozent“ |
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„Eine Verbindung zwischen Fußball-Spanien und Fußball-Deutschland“ nicht zu sehen ist auch eine Leistung, die gewürdigt werden sollte. Wenn damit das Spiel der beiden Nationalmannschaften gemeint ist…Ballrückgewinn, Kontrolle, Dreiecksbildung im Angriff und Vierecksbildung in der Verteidung sowie noch mehr Ballrückgewinn. Und Kontrolle nicht nur der eigenen Laufwege, sondern auch derjenigen des Gegners. Hatte ich Ballrückgewinn schon erwähnt? In letzterem ist Spanien Deutschland überlegen – die trainieren das aber auch in den Fußballschulen vom 3. Lebensmonat an, seit den 70ern, als die Holländer Ihre Badetücher an die Mittelmeerküste legten, und in Deutschland hat das gerade 2004 begonnen.
Und dass das Spiel im Kopf entschieden wurde ist doch wohl eher als Witz gemeint, oder etwa nicht? |
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Schreibsteller nimmt überzeugend die Fußballthesen von Alem Grabovac auseinander und stellt genau dar, warum und wo es im "deutschen" Spiel gehapert hat.
Direkt schräg werden die Ausführungen des Blogbeitrags an der Stelle: "Aber intellektuell ist man hinter dem bereits Erreichten zurückgeblieben, hat seinen eigenen Stärken nicht vertraut, war genauso paralysiert wie das Kaninchen vor der Schlange." Intelligente Spielzüge sind im Fußball etwas Feines, ein gewisser Intellekt dabei sicherlich hilfreich. Meist reicht dazu jedoch die Position eines intelligenten Spielmachers. Aber was hier gemeint ist, ist nicht die intellektuelle, sondern die mentale Stärke der Spieler. Intellekt ist bei der Bewältigung von Ängsten doch wohl eher hinderlich, da ein simplerer Geist sich schlichtweg weniger den Kopf macht und entsprechend unbelasteter an die Sache herangeht, also freier im Kopf ist und somit befreiter aufspielen kann. Einfach ausgedrückt: Dumm spielt sich gut. Man vergleiche nur mal die Interviews der sogenannten Stürmer. Ein Torjäger braucht Instinkt und den Drang zum Tor, nicht Intellekt. Fußball wird nicht im Kopf, sondern auf dem Platz verloren. |
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Lieber Schreibsteller,
ich schreibe in meinem Artikel: Das ist bitter, denn sie hatten die spanische Philosophie mit Kampfkraft, Ausdauer, Dynamik und dem blitzschnellen Umschalten von Verteidigung auf Angriff bereits bereichert und somit eine eigene Spielweise kreiert, die das Potenzial hatte, die Iberer zu besiegen. Das ist der Kristallisationspunkt meiner These und nicht, dass sie Spanien nur kopiert haben. |
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Wenn Sie schon den Ballbesitz ins Spiel bringen, sollten Sie vielleicht nicht unerwaehnt lassen, das Deutschland gegen Spanien einen Ballbesitz von 49% hatte. Es zeigte sich aber frueh im Spiel, dass die deutsche Mannschaft eben jenes direkte Spiel gegen Spanien nicht ausueben konnte. Das hatte mehrere Gruende: Das effektive Pressing der spanischen Mittelfeldtriade Iniesta-Xavi-Pedro und die perfekte Arbeit Busquets gegen Oezil, der Offensivdrang der spanischen Aussenverteidiger Ramos und Capdevila, die Podolski, Trochowski/Oezil das ganze Spiel defensiv banden.
Es zeigt sich hier, dass Spanien nicht aufgrund der oft beschriehenen Offensivqualitaeten so gut ist, sondern dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Nur 2 Gegentore bei dieser WM! Kein einziges in der K.O.-Phase! Die Defensive um Puyol, Pedro und Busquets machte das Team bei dieser WM unbezwingbar! Nicht das Tiki-Taka, oder die hier beschrieben Perlenkette. Sie war nur Mittel zum Zweck. |
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"Hoffen wir, dass die Mannschaft die Lektion verstanden hat und beim nächsten Aufeinandertreffen mit Spanien mutig und selbstbewusst ihren eigenen Qualitäten das nötige Vertrauen schenken wird."
Hört sich gut an, aber was soll das anderes sein als dass die Blutgrätsche ausgepackt werden soll. Aber dann wäre es geendet wie gegen Serbien, nur ein bisschen saftiger im Ergebnis. Löw hätte so oder so verloren. Schweini mag für Deutsche als Weltklassefussballer gelten. Das mag für seine Athletik stimmen. Ein Fussballer im klassischen Sinne ist er nicht, er ist kein Spieler, kein Zauberer, er hat keine Phnatasie am Ball. Und Özil wollte nicht. Nein, nein, nein, Xavi und Iniesta sind Ästheten, diese Typen will ich im Finale sehen, und keine Ballarbeiter. |
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schrieb am
09.07.2010 um 20:20
Ich gebe zu. Auf nationaler, medialer Ebene.
Füge aber an, daß die Ballarbeiter MEines Vereins IMer gewinnen sollen, Ästhetik hab ich ja zuhause. |
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"Die spanische Spielphilosophie, die vom F.C. Barcelona geprägt wird, basiert auf Ballsicherheit, kontrolliertem Spielaufbau, Pressing, wenig Fouls, viel Ballbesitz und schnellem Kurzpassspiel. Der Ball läuft und läuft und läuft in den eigenen Reihen, die Gegner können nur zuschauen, werden müde gespielt, kommen selbst nicht dazu, ihr eigenes Spiel aufzuziehen."
In seiner sechsten Partie dieser WM spielte das spanische Team zum ersten mal wirklich gut, leider gegen unsere Mannschaft und gewann völlig zu Recht. Aber sonst? Das erste Spiel der Spanier wurde gegen die Schweiz vergeigt, das war aufregend, es folgten vier Langweiler-Partien. Da lief und lief und lief der Ball so gar nicht in den eigenen Reihen und die Gegner schauten nicht nur zu. Unser junges deutsches Team hatte nach technisch, spielerisch und taktisch glänzend heraus gespielten Siegen gegen Australien, England und Argentinien einfach zu viel Respekt und agierte ängstlich. Zu den großen Überraschungen dieser Weltmeisterschaft gehören diese drei gewonnenen Spiele und der erfrischende Auftritt der deutschen Mannschaft. Das wird von der internationalen Presse in Rückblicken auf dieses Turnier auch so eingeschätzt werden. Den Rat, dass man nicht von unserer Mannschaft reden möge, finde ich verkniffen links und sektenfroh. |
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"Die spanische Spielphilosophie, die vom F.C. Barcelona geprägt wird, basiert auf Ballsicherheit, kontrolliertem Spielaufbau, Pressing, wenig Fouls, viel Ballbesitz und schnellem Kurzpassspiel. Der Ball läuft und läuft und läuft in den eigenen Reihen, die Gegner können nur zuschauen, werden müde gespielt, kommen selbst nicht dazu, ihr eigenes Spiel aufzuziehen."
In seiner sechsten Partie dieser WM spielte das spanische Team zum ersten mal wirklich gut, leider gegen unsere Mannschaft und gewann völlig zu Recht. Aber sonst? Das erste Spiel der Spanier wurde gegen die Schweiz vergeigt, das war aufregend, es folgten vier Langweiler-Partien. Da lief und lief und lief der Ball so gar nicht in den eigenen Reihen und die Gegner schauten nicht nur zu. Unser junges deutsches Team hatte nach technisch, spielerisch und taktisch glänzend heraus gespielten Siegen gegen Australien, England und Argentinien einfach zu viel Respekt und agierte ängstlich. Zu den großen Überraschungen dieser Weltmeisterschaft gehören diese drei gewonnenen Spiele und der erfrischende Auftritt der deutschen Mannschaft. Das wird von der internationalen Presse in Rückblicken auf dieses Turnier auch so eingeschätzt werden. Den Rat, dass man nicht von unserer Mannschaft reden möge, finde ich verkniffen links und sektenfroh. |
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"Den Rat, dass man nicht von unserer Mannschaft reden möge, finde ich verkniffen links und sektenfroh."
Da kann sich unsere Come Unity sicher nicht mit anfreunden. |
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Gut möglich.
Aber das wäre eine gründliche Diskussion wert, gerade unter Linken und irgendwie Linken: über unser Land, unsere Fußballnationalmannschaft und so weiter. Über Distanzen und Identifikationen. |
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lieber weinsztein,
auch ich habe da nur fragen, keine antworten. als ich die queen von spanien sah, in rotem kleid mit gelbem schal, fand ich das gut. die vorstellung, dass die Königin von D. schwarz-rot-gold käme, fand ich unerträglich. warum nur? |
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schrieb am
11.07.2010 um 01:22
Weil das so geworden ist.
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seit '45 oder '89?
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schrieb am
11.07.2010 um 01:40
Ich würde mindestens bis ins 19. Jh. zurückgehen, ins Schwarzrotgoldene überhaupt. Und an den Farben liegt´s letztlich ja auch nicht.
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Liebe kay.kloetzer,
eine schwarzrotgoldene deutsche Königin - zu Gast bei Spielen unserer Nationalmannschaft - wäre mir auch unerträglich. Warum mal Angela Merkel, mal der neue Präsident solche Anlässe nutzen, weiß ich. Sie wollen Teil deutscher Fußballerfolge sein und damit irgendwie identifiziert werden. Viele deutsche Linke bekommen es nicht mal hin, sich offen über einen Sieg im WM-Fußball zu freuen. Halb (untertrieben!) Deutschland jubelt über das Team, seine Erfolge. Linke betrachten das verkniffen, ähnlich wie den Song-Contest-Gewinn durch Lena Meyer-Landruth (Die kann ja gar nicht singen und hampelt so komisch rum.) Das ist so geworden, ja, muss aber ja nicht so bleiben. Dass vieles, das massenhafte Begeisterung auslöst (ich rede jetzt von Sport oder Schlagern), etlichen Linken quasi am Arsch vorbei geht, halte ich für fatal. Es fehlt an linkem Boulevard, an Schweinsteiger-Interviews, meinetwegen zu Sportbegeisterung in Zeiten von Hartz4, oder was schwarzrotgoldene Fahnenschwinger mit neu erwachtem Nationalismus zu tun haben. Ein FREITAG-Pressefest mit großem Polit- und Unterhaltungsprogramm, starring u.a.: Linke und Linkskritische, Lena, Liedermacher, Lahm und Aogo. |
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Aber zuvor besteht großer linker Diskussionsbedarf über Nähe und Distanz zu unseren "Mitmenschen", zum Volk.
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irgendwann wenn die medien einen toteuphorisiert haben, ist da kein gedanke mehr, der die realität wiedergeben kann. das 4:0 gegen australien und deutschland war für die medien schon so gut wie weltmeister, warum lief das turnier überhaupt noch? mein eindruck der spiele war ein anderer
australien: beim stande von 2:0 (deutschland war leicht überlegen), gab es eine rote karte, über die heute keiner mehr spricht, aber nicht aus dem grund, weil es gar keine war, und die leider für den 5ten kontinent das spiel entschied. dass australien nicht schlecht war, zeigten sie in den nächsten beiden spielen. deutschland hätte vermutlich unter 'fairen' bedingungen das spiel gewonnen aber keinesfalls mit dem ergebnis dass die primitivmedien sie als kommenden weltmeister ausrufen hätten können. über das serbienspiel muss man nicht mehr viel verlieren, nur soviel serbien ist weltranglisten15ter und das zeigten sie auch, deutschland hätte ein unentschieden verdient gehabt, die gelb-rote war berechtigt und durch podolskis unvermögen, dies stellte er in nahezu jeder partie unter beweis, gelang dies nicht. ghana: wenn die afrikaner das toreschießen endlich als notwendigkeit begreifen würden, hätte es ein böses ende nehmen können mit den deutschen, aber so gelang ein 1:0. arbeitssieg? england: angenommen, der referee hätte was 99% aller zuschauer sahen, das tor von lampard gegeben, und bspw. anschl eine fehlentscheidung getroffen gegen deutschland, wer wäre dann wohl als sieger vom platz gegangen, deutschland kontert, das spiel machten im grunde die engländer, die schwachen muss man dazusagen. das man aus dem 4:1 einen glanzvollen sieg machen konnte, gelingt nur dann, wenn man das ergebnis zu hilfe nimmt und sonst nichts. ein irreguläres spiel. gegen argentinien lieferten sie meiner meinung nach das einzige mal eine ordentliche leistung ab, ordentlich, nicht überragend, überragend war nur die chancenverwertung, argentinien machte das spiel über weite strecken, deutschland stand, mehr nicht, der argentinische torwart war eine zumutung, die abwehr bodenlos alt. das ergebnis war zu hoch. nun gut, gewonnen, weiter. spanienspiel. chile und paraguay und portugal machten es den spaniern schwerer. eine dürftige leistung. dass diese mannschaft im kleinen finale stehen darf, ist eine zumutung und resultiert aus dem zufallsmodus ko-system. alles in allem spielten sie so, wie man es erwarten durfte. nicht besser und nicht schlechter. ich kann nicht sagen, dass diese mannschaft automatisch in 4 jahren noch stärker sein wird als heute. spanien ist die einzige mannschaft, mit abstrichen brasilien, die fussball "spielt", alle anderen vergraben sich zu zehnt oder elft im eigenen strafraum. moderner fussball eben. aber dem ergebnisorientierte massenfan ist das grösstenteils wurschtegal |
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gehts hier echt um verluste? und ich dachte bislang, die eine mannschaft hätte einfach nen paar mehr tore geschossen als die andere...
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@Alem Grabovac
95% der Analyse kann ich zustimmen. Die Spanier haben nicht nur den Glück, gerade das technisch stärkste Team der Welt zu sein, ihr Glück liegt in einer Generation von Spielern, die fast miteinander das Fußballspiel gelernt und verinnerlicht haben. Ein Zeugnis für die gute Jugendarbeit des FC Barcelona, aber auch der spanischen Auswahlmannschaften. Nur frage ich mich, ob die Psychologie wirklich so stark war (Spieler wirkten "gehemmt"). Ich denke eher, dass die Konzentration bei der DFB-Elf darauf lag, das spanische Spiel zu hemmen - die einzige Taktik, die sich einer Mannschaft, die die spanische Spielweise kopieren will, bietet. |
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nun frag ich euch: was ist anstrengender? fußball spielen oder fußball schreiben?
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Sehr kluge Kommentare habe ich hier gelesen, allen voran vom fußballkundigen Schreibsteller, der ganz schön Fußballwissen angehäuft und fein erklärt hat, wieso es gerade gegen Spanien nicht geklappt hat. Und zwar so dermaßen schief gelaufen ist, als ob ein gänzlich anderes Team auf dem Platz stand.
Ich möchte das Augenmerk auf etwas lenken, dass immer etwas vergessen wird. Sehr gute Teams scheren sich immer um sich selbst, verfolgen "ihr Ding" und wenn dies gelingt, muss man sich auf das System des gegnerischen Teams gar nicht erst einlassen. Das ist natürlich Quatsch: Schon wenn ein gegnerisches Team auf dem Platz steht, beeinflusst es das eigene Spiel. So weit so gut! Ich frage mich ständig, wie immer nur diese Fragen aufkommen können von wegen, "Warum war das Team nur so schlecht, warum war es vor einer Woche so schlecht und heute so weltmeisterlich und wo bleibt die allseits gepriesene Kontinuität?" Ja ganz einfach, weil es der Gegner nicht zuließ! Also: Deutschland hat immer nur, und das tut jedes Team, so gut gespielt wie es der Gegner zugelassen hat. Gegen Argent. und England hat Dt. sein System durchgesetzt und hervorragende Aktionen gezeigt, und Tore gemacht. Mit Spanien kam ein Team, dass zum einen ein gutes System hat, zum anderen es auch noch durchgesetzt hat und desweiteren damit auch noch das deutsche System, allen voran im Mittelfeld komplett determinierte, so dass es im Mittelfeld von deutscher Seite wie ein Kreisligakick aussah. Spanien hat das beste System und damit werden sie Weltmeister, wenn sie es genau so beibehalten. Man kann sich nur verneigen vor diesem spanischen System: Die können sich nur selber schlagen. Was ich gerne sähe, ist dass sich Löw, Flick und Co. nach der WM die Spanier ganz genau ankucken, ihr System komplett übernehmen - wie wir auch die schweizerische Direkte Demokratieform übernehmen sollten - und anwenden. Das schnelle Kurzpassspiel und der langanhaltende Ballbesitz war immer das Meistersystem. Nehmt ruhig das Beste von allem, von den Skandinaviern das Bildungssystem, von den Schweizern die Staatsform der Direkten Demokratie und von den Belgiern die Schoki, dann wird alles gut! :) Ich wünsche uns allen ein leckeres und erfolgreiches Spiel gegen Uruguay! :D |
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@geisterhoernchen:
Man kann nicht einfach ein System anschauen und es dann kopieren. Man braucht dazu die Spieler. Ein System muß sich nach den Fähigkeiten der Spieler richten und nicht umgekehrt. Wenn man das Spiel genau angeschaut hat, hat man ja gesehen, wie der Ball den Spaniern gehorcht - bei der deutschen Mannschaft kann das vielleicht nur Özil. Und nur wenn man dies kann, entsteht Ballsicherheit; Pressing nutzt da gar nicht viel, zudem kostet diese Spielweise sehr viel Kraft. @weinsztein: Es ist nicht "unsere" Mannschaft, sondern die deutsche Nationalmannschaft. In anderen Ländern wird auch in der dritten Person gesprochen ("les bleus", "the lions", o seleccao, usw.). Früher war die "wir"-Sprache auch nur in der "BILD"-Zeitung zu lesen. Es hat doch mit uns gar nichts zu tun. Wenn Sie von Ihrer Lieblingsmannschaft in der Bundesliga sprechen, benutzen Sie auch die erste Person? Die Spieler sind Sportler und Profis. Jeder träumt doch schon als kleiner Junge, Fußball-Weltmeister zu werden und da sie nun im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit stehen, erhöhen sie ihren Marktwert. |
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Man kann es derMannschaft in die Fussballschuhe schieben - muss man aber nicht.
Schüler ist hier auch der Trainerstab um und mit Herrn Löw, der hätte lernen müssen, das man frühes Pressing nicht in jenem Bereich beginnt, der zur eigenen hälfte gehört sondern etwa 20 Meter weiter davor. Um so zu spielen, muss man mutig seine Mannschaft aufstellen als Signal an die Mannschaft seit mutig, frech, respektlos. Ihr könnt verlieren, aber dann mit dem Anstand, den ein (noch) unterlegener Schüler nicht so weit ist - aber demonstriert, da wollen sie hin. So steckt der Grund des Verlierens in den immer noch zu grossen Schuhen von allen Beteiligten, und der Angst dies öffentlich zu zeigen. So verliert man. Wer sich ziert verliert - auch hier wie überall im Leben. |
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komma nach wie
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Spanien hat gewonnen und Deutschland hat verloren. Es kann ja nur einen Gewinner geben; also in solchen k.o-Spielen.
Sicherlich gibt es Spiele, von denen man sagt, es ist klar, dass die klar gewinnen wird. Das war hier sicherlich nicht der Fall. Und überhaupt war diese WM ja eine, in der, zumindest bei den deutschen Kommentatoren, das Wort "normalerweise" mit Sicherheit das am häufigsten verwendete war. "Normalerweise machen sie das so ..."; "Normalerweise hätten Lampard und Rooney jetzt so und so...."; "Wenn sie das Spiel gemacht hätten, wie man es normalerweise von ihnen kennt ..."; "Normalerweise haut er das Ding rein ..." So ging das nur - im Falle der sogenannten "Favoritenteams". Symptomatisch ist wohl, das der Spitzenfussball kaum noch Menschen zu kennen scheint, als vielmehr Spielmaschinen, die "normalerweise" mit nur geringsten Abweichungen erwartungsgemäß zu funktionieren haben. Aber jedes Spiel ist anders: ein anderer Tag, andere Mannschaft, anderer Ort usw. Man sollte die Fußball-Philosophiererei nicht so übertreiben; so viel gibt's da nicht zu sagen und vor allem nicht retrospektiv, also nach dem Spiel, besser zu wissen. |
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"Die Mannschaft hatte bereits die Qualität, um Spanien zu schlagen." Welche Qualitäten sollen denn das gewesen sein? Sie kamen ja nicht mal an den Gegenspieler mit Ball, da dieser physisch und auch psychsich schneller war. Ein eher schmächtiger Xavi kann dem doch komapkteren Schweinsteiger mehrfach den Ball abnehmen.
Abgesehen davon, daß Spanien zur Zeit auch für alle anderen Teams in einer eigenen Liga spielt: Der glückliche Sieg gegen zahnlose Engländer, der verdiente Triumph gegen taktisch völlig falsch eingestellte Argentinier haben uns wohl eher den realistischen Blick auf das Machbare verstellt. Wer die Spiele gegen Serbien und Ghana sich nochmal in erinnerung holt, dem wird offenbar, wie fragil diese WM für unsere Nationalmannschaft war: Nahe dran am frühen Ausscheiden! Was wirklich positiv ist: Löw und unsere Spieler haben ihre sportlichen Defizite nicht, wie die Holländer, über Methoden der Körperverletzung auszugleichen versucht. |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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