Nöthlich

Aufwachen - Aufwecken

12.11.2011 | 22:53

Erbeerjoghurt

Jeder kennt ihn, die meisten konsumieren ihn: Erdbeerjoghurt. Insbesondere in der Zeit von Ende Februar bis Anfang Mai kommt er bei mir auf den Tisch, selbstgemacht, mit frischen Erdbeeren (säubern, kleinschneiden, zuckern, stehenlassen, Naturjoghurt dazu, fertig).  Und jedes Jahr, um diese Jahreszeit frage ich mich dann: was war das bitte, was ich in den letzten Monaten gegessen habe?

Auf dem Markt gibt es vermutlich mehrere Duzend verschiedener Angebote: mit Stückchen, extra cremig, für Kinder, billig, öko, bio, etc. Auch der beste unter ihnen kommt nicht annährend an den Geschmack eines selbstzubereiteten Erdbeerjoghurts ran. Das Zeug schmeckt nicht übel, einige sogar recht gut, aber Erdbeerjoghurt im eigentlichen Sinne ist das nicht.

Ich möchte aber noch einen Schritt weiter gehen: ich behaupte, der Geschmack industriell hergestellter Erdbeerjoghurte hat mit einem Erdbeergeschmack so gut wie nichts gemeinsam. Vielmehr haben wir über die Jahre gelernt, dass gewisse Geschmackskombinationen, unterstützt durch visuelle Reize auf der Verpackung und evtl.  die bereits genannten Stückchen eben Erdbeergeschmack genannt werden. Bedenklich finde ich das insbesondere bei Angeboten für Kinder und erschreckender Weise, schmecken diese auch noch am übelsten.

Klar, diesen Effekt gibt es nicht nur bei Erdbeerjoghurt (Kartoffelbrei, Brühe, Orangensaft, Toastbrot, Bananenmilchshake, Rührkuchen etc.) ja nicht einmal nur bei Nahrungsmitteln. Das muss auch nichts schlimmes sein, manchmal ist ein Ersatz die einzige Möglichkeit (im August gibt's halt keine frischen Erdbeeren). Trotzdem sollten wir nicht vergessen: ein Workout auf dem Laufband ist kein Jogging im Park, ein Welpe ist kein Baby, ein Mitschnitt ist kein Livekonzert, eine Masturbation ist kein Geschlechtsverkehr und eine Angestelltentätigkeit ist in keine Selbstverwirklichung.

Also, wie gesagt, ich liebe natürlichen Erdbeerjoghurt, ich liebe es die Erdbeeren auszusuchen, sie zuzubereiten und zu verspeisen ... das ist bestimmt 10 mal aufwendiger als einen Joghurtbecher zu öffnen aber gibt mir etwa 11 mal mehr Genuss.

mfg

Alex

 
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Kommentare
Magda schrieb am 13.11.2011 um 17:28
"aber Erdbeerjoghurt im eigentlichen Sinne ist das nicht."

Nee, aber ich mag im eigentlichen Sinne auch keinen Joghurt und da hebt sich das immer wieder auf.

Anknüpfend an Ihr Profil mit den "linken Antworten" behaupte ich mal, dass die "Linke" auf künstliches Erdbeeraroma auch noch keine Antwort haben. Da sind Sie jetzt der Erste, der da was beisteuert.
Danke dafür
GeroSteiner schrieb am 14.11.2011 um 00:55
Mehr als 80% unserer Nahrungsmittel haben einen technischen Prozess durchlaufen, bevor sie bei uns auf dem Tisch oder im Kühlschrank landen.

Von Erdbeeren gibt es Züchtungen, die Anfang Mai Früchte tragen und andere Züchtungen (Sorten), die sogar bis in den September im Rheinland noch Früchte tragen.

Die Milch für den Joghurt stammt von Kühen, die ohne zusätzliches Kraftfutter nur mit dem Gras von der grünen Weide verhungern würden.

Die Milch wird in der Molkerei komplett in ihre Einzelbestandteile zerlegt, homogenisiert, pasteurisiert und dann zu den Verkaufsprodukten wieder zusammengesetzt.

Joghurt wird in einem kontinuierlichen Verfahren hergestellt. Die eher unappetitlichen, aber sehr technischen Details entnehmen Sie bitte der Patentschrift DE 19615044 C2 oder Handbook of indices of food quality and authenticity von Rekha S. Singhal,Pushpa R. Kulkarni,Dinanath V. Rege.

Anspruch und Wirklichkeit. Schein und Sein. Glaube und Wissen. Glaube versetzt Berge, macht aber nicht zwingend das Essen gesünder. Aber es fühlt sich offenbar besser an.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.11.2011 um 01:43
Vielleicht bedarf Ihr Blog dringend einer Überarbeitung.
Ich weiß zwar nicht in welchem Land Sie leben, aber Deutschland kann es nicht sein, denn da werden von Ende Mai bis Ende August (oft auch bis Ende September) Erdbeeren aus dem Freilandanbau geerntet.

Es sei denn, Sie kaufen nur im Supermarkt die importierten Erdbeeren aus Spanien, da wären aber alle Aussagen über Geschmack in Frage zu stellen, um den es ja hier wohl geht.

Insofern war das wohl nichts mit dem Beisteuern.
Nöthlich
Wie geht's weiter? Die Zukunft birgt große Herausforderungen im Bezug auf Umwelt, Zusammenleben, Gesellschaftssystem, Glauben, Ideologie, etc. auf die noch keine Antworten und insbesondere keine linken Antworten vorhanden sind.
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