Nöthlich

Aufwachen - Aufwecken

12.11.2011 | 16:27

Wie unpraktisch!

Eines meiner Lieblingvideos auf You Tube zeigt einen japanischen Jugendlichen (bitte korrigieren falls falsch) der Eine Scheibe Mortadella in ein Ausiosystem gibt: www.youtube.com/watch?v=MwVTIKwgAyo

Was mich daran begeistert ist, dass hier eine sehr menschliche Vorgehensweise dargestellt wird: ein völlig aussichtsloses, potenziell zerstörerisches Unterfangen wird einfach mal probiert. Und es passt ja auch ganz gut, die Mortadella hat in etwa die gleiche Größe und Dicke wie eine CD. Die Mortadella fährt ein, das Laufwerk lädt, stellt schließlich fest, dass es sich um keine CD handelt, und spuckt dann das Laufwerk wieder aus, die Mortadella ist drin geblieben. Das ganze wird begleitet von ausgiebigen Gelächter.

Ich möchte nun hier eine Parallele zur heutigen vorherrschenden Denkweise ziehen. Pragmatismus ist das Gebot der Stunde. Pragmatismus, wenn eine Bank das gesamte System in den Abgrund zu reißen droht, Pragmatismus, wenn in der Universität statt freien Denkens nur noch Expertentum gefördert wird,  Pragmatismus, wenn eine Prämie zum Verschrotten noch funktionsfähiger Autos ausgegen wird.

Hierbei wird, meines Erachtens nur eines vergessen: Pragmatismus ist ein rückwärts gerichtetes Konzept. Eine Antwort auf die Frage: Was ist aus historischer Sicht die am ehesten Erfolg versprechende Taktik? Meist führt angewandter Pragmatismus zu einem recht vorhersehbaren Ergebnis, er gibt Sicherheit. 

Er führt aber auch zur Stagnation und ist invielen Fällen ein Entschuldigung für fehlenden Veränderungswillen und Feigheit.

So wenig der Mensch ein reiner Homo Economicus ist, so wenig sind die menschlichen Errungenschaften ausschließlich ein Resultat von pragmatischem Vorgehen. Denn auch Wagemut, Tollheit und Fehltritte haben die Menschheit weit vorangebracht. Wie konnte Christoph Columbus so Wahnsinnig sein, sich auf eine Reise ins Unbekannte, weit hinter jeden Point of no Return zu begeben?

Aber nicht nur Entdeckern und Eroberern haben Wagemut, Tollheit und Fehltritte zu einigen der größten Schritte der Menschheitsgeschichte verholfen. Penizillin gäbe es nicht, hätte Fleming nicht sein Staphylokokken-Experiment vergessen wegzuräumen (um in den Urlaub zu Fahren). 

Wer Kinder hat, weiß ein Lied davon zu singen: diese tollkühnen Weltenentdecker lernen unvergleichlich mehr durch das kontinuierliche Anecken, als durch jede mögliche Warnung. Und neben bei haben sie auch noch einen Riesenspaß.

So: what's my point: Bitte nicht zu pragmatisch, der Mensch braucht Freiräume um seinen Mut zu Neuem unkontrolliert!!! ausleben zu können, nur so können diese kreativen Unfälle passieren. Gut möglich, dass sich in 100 Jahren unsere Nachfahren über Installationen wie CERN kaputt lachen ¿was soll dabei schon praktisches herauskommen? Aber vlt. entdecken die Forscher ja auch, nebenbei, sozusagen als Abfallprodukt, die Energiequelle der Zukunft...

In Kunst und Kultur ist Pragmatismus gänzlich abträglich, im Fußball übrigens zu meist auch und, hey,  hier wird jede Menge Geld bewegt. Pragmatismus als Wachstumskiller... ich glaube so weit könnte man gehen, wenn man nicht die Wachstumsnotwendigkeit an sich in Frage stellen möchte.

Zurück zur Mortadella: 525 Personen haben diesen "Beitrag" bereits gesehen, und sicherlich gelacht. Videos wie diese, machen YouTube erst möglich, sie machen es: so leicht, so interessant, so relevant dass es dann eben auch die großen, schweren Inhalte rüberbringen kann. Mit ihrer tollkühn, sinnlosen Aktion haben diese japanischen Jugendlichen etwas geschaffen... was mir gefällt.

mfg

Alex

 
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Kommentare
archinaut schrieb am 13.11.2011 um 02:54
Ahh, danke für den Link!
Endlich weiss ich, wovon sich Audiosysteme ernähren.... ;-))
Nöthlich
Wie geht's weiter? Die Zukunft birgt große Herausforderungen im Bezug auf Umwelt, Zusammenleben, Gesellschaftssystem, Glauben, Ideologie, etc. auf die noch keine Antworten und insbesondere keine linken Antworten vorhanden sind.
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EnidanH hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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bertamberg hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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