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Es scheint noch nie eine so große Konsenbildung in politischen Fragen gegeben zu haben wie derzeit. Irgendwie stimmen wir doch in vielen Punkten überein. Zum Beipspiel können sich die alten "Linken" gar nicht haltlos über schwarz-gelb ärgern. Eher hört man Aussagen wie "einiges ist ja ganz vernünftig" oder hoffnungsvolle Erwartungen gegenüber Personen, ganz gleich welchen politischen Lagers: "Leutheusser-Schnarrenberger , die würde das bestimmt ganz gut machen". An den großen sozialen Radikalschlag glaubt kein Mensch ernsthaft. Angela Merkel hat verstanden, dass unser gesellschaftlicher Zusammenhalt nur mit sozialer (ehemals sozialdemokratischer) Politik funktioniert und auch nur sie ihr langfristig die Macht erhält. Und das Gleichgewicht in unserem Land. Ist sie deshalb links? Ist Gerhard Schröder rechts weil er die Agenda 2010 ins Leben gerufen hat? Ist Joschka Fischer konservativ, weil sich die Bundesregierung während seiner Amtszeit an militärischen Operationen beteiligte?
Nein.
So funktioniert unsere Ordnung nicht mehr. Nicht weil Elternhaus, Schule oder Kirche uns kein Weltbild mehr versuchen würden aufzudrücken. Sondern, weil wir Twittern, mit Air-Berlin nach Barcelona jetten und wenn wir Lust drauf haben, drei Stunden mit der besten Freundin in Paris Skypen. Im Café. Auf Herz und Nieren geprüft sind die Blogs und die Channels in unserer Aboliste, nach unserem Geschmack zusammengestellt - kein Zufall. Die Bistros, die wir besuchen scannen wir vorher bei Qype. Aber wenn es um unsere eigene Meinung geht sollen wir uns eine übergroße, sperrige und unbewegliche Schrankwand in die Wohnung holen? Natürlich nicht.
Unsere politischen Differenzen bestehen wie immer. Wir haben sie nur in völlig verschiedenen Bereichen. Koventionelle Einteilungen haben wir verlassen. Einfach, weil wir alle Möglichkeiten haben. Atomkraft bitte nicht. Mindestlöhne? Danke, erstmal ungern. Könnten Arbeitsplätze vernichten. Von der sozialen Gerechtigkeit bitte viel! Und eine ordentliche Prise mehr Eigenverantwortung für mein wirtschaftliches Verständnis. Danke, das wäre erstmal alles. Und am nächsten Tag nimmt man vielleicht schon etwas ganz anderes. Der Konsensraum mit dem nächsten Gesprächspartner wird dadurch nicht kleiner. Wozu noch links sein?
Was machst Du aus Deinem Meinungsbaukasten?
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Hi Alexander K,
da wir uns nicht kennen, eine kurze Vorstellung: Mann, schwul, politisch denkender und handelnder Mensch seit meiner Zeit in der Gewerkschaftsjugend. Die Frage "was ist links" könnte (in anderen Portalen :-)) eine 'Meta-Diskussion" auslösen. Hier wohl kaum. Als unverbesserlicher Individualist, mit starkem Drang zu solidarischem Verhalten, habe ich mich "schon immer mit allen Dogmatikern" angelegt. Ich outete mich, als schwul, mit 16 Jahren (damals wurde Homosexualität in West-Deutschland noch mit Gefängnis bestraft, § 175, StGB). Ich bin seit meinem 17.-18. Lebensjahr (mal mehr, mal weniger aktiver) Teil der Schwulen-Bewegung und ... "der Schrecken mancher Podiumsdiskussionen" :-) "Erst einmal muss der 'Hauptwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit' beseitigt werden, dann können wir uns evtl. um solche Dinge, wie 'Frauen-Emanzipation' oder 'Schwulen-Rechte' kümmern ..." Ich ließ niemals locker: "Ich lebe jetzt, ich will jetzt Veränderungen!" Obwohl durchaus pragmatisch im Handeln, habe ich mich "immer mit denen angelegt, die aus einer Denkschablone nicht mehr ausbrechen konnten." Ich habe mich schon für die Homo-Ehe eingesetzt, als in der Schwulen-Bewegung diese noch als "kleinbürgerliches Überbleibsel einer untergehenden Struktur" angesehen wurde. Mein Argument: Ob ich die Rechte, die eine Ehe bietet jemals in Anspruch nehmen werde ... nicht wichtig! Nach ca. 35 Jahren schwuler Lebensgemeinschaft mit meinem Freund - eher unwichtig. ICH WILL DIE MÖGLICHKEIT HABEN! Und nicht von vornherein als "Bürger/Mensch zweiter Klasse" behandelt werden. Heute ist diese Forderung bei LSVD, DIE LINKE., GRÜNEN u.v.a. "Mainstream" ... Meine Definition von "links": Neben allem "Egoismus" auch immer das "Gemeinwohl im Hinterkopf behalten" - sich solidarisch verhalten, wenn es geht denen zu helfen, die bewußt ausgeschlossen werden, die ausgebeutet werden und aus "ökonomischen Gründen" dumm gehalten (von Bildung ausgeschlossen) werden. Also, kein "Gutmensch", aber vielleicht einer "der Guten" :-))) By the way, "Schwule sind ein 'Dorn im Auge aller Rechten', weil sie "unkontrollierbar" sind, weil sie eine weltweit vernetzte Community bilden und weil sie - über alle "ethnischen, religiösen, kulturellen und politischen" Grenzen hinweg - eine Gemeinschaft sind. Das haben auch Leute, wie der rechte Journalist Pilipp Gut (schweizer "Weltwoche") erkannt. Und so ist auch sein Artikel, der ein Musterbeispiel homophober Propaganda darstellt, zu verstehen: www.stefan-niggemeier.de/blog/die-schwulen-sollen-wieder-verschwinden/ www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-27/artikel-2009-27-handschellen-in-rosarot.html www.welt.de/vermischtes/article4878502/Homosexualitaet-ist-zu-einer-Art-Religion-geworden.html www.queer.de/detail.php?article_id=11228 www.freitag.de/community/blogs/sexpower/ich-halte-mich-zurueck-bevor-ich-ausfallend-werde community.zeit.de/user/blogger/beitrag/2009/10/19/ich-halte-mich-zur%C3%BCck-bevor-ich-quotausfallendquot-werde Beste Grüße SexPower |
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Hallo SexPower!
Interessant zu lesen, was alles in Deinem Meinungsbaukasten steckt. Bin gespannt auf weitere Bausätze! Eventuell im Stil von "Ich packe meinen Meinungsbaukasen, und packe ein..." Herzliche Grüße, Alexander K |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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