4
]
Gerade hat das "Heute Journal" die Kritik von Bundestagspräsident Lammert an der mangelnden politischen Berichterstattung von ARD und ZDF "gebracht".
Moderator Steffen Seibert lächelt schon bei der Anmoderation, spricht davon, bei Lammerts Rede hätten alle Kritik einstecken müssen. Im Bericht heißt es dann, Lammert habe auch an den "Medien" Kritik geübt, Richtiger hätte es "Kritik an ARD und ZDF" heißen müssen (Siehe Blog-Eintrag "Abgewatscht").
Dann kommen ca. 30 Sekunden zu Lammerts Kritik an der Papierflut des Bundestages (Sicher nicht das gesellschaftliche Hauptproblem) und dann 15 Sekunden zum Missstand, dass die Regierung nicht angemessen auf Anfragen reagiert. Und dann, maximal 8 Sekunden (Zwei Sätze) zu Lammerts Kritik an der Tatsache, dass ARD und ZDF lieber Unterhaltung ausstrahlen („Schaumküsse“/ ZDF; „Bianca - Wege zum Glück“ /ARD) als die erste konstituierende Sitzung des Bundestages zu übertragen. Der zweite Satz ist der Hinweis, Phönix habe übertragen. Lammert selbst kommt mit keinem (!) Wort zu Wort.
So kritikfähig ist das ZDF. Ehrlicher wäre gewesen, man hätte die Kritik an sich selbst gleich ganz verschwiegen. So hatte das ganze etwas von "Berlusconi-Kritik" in einem seiner Sender.
Wer soll die Debatte führen, ob die gebührenfinanzierte Dauerunterhaltung auf ARD und ZDF notwendig ist? Zur Inspiration empfehle ich die Sendung "Geld. Macht. Liebe" (ARD), eine Art "Dallas" für debile Rentner. Sie kommt jeden Montag zur Primetime um 20.15 Uhr - egal ob es in Deutschland gerade einen Regierungswechsel gibt oder nicht.Würde gerne wissen, wann für die Verantworlichen der Punkt erreicht ist, diese Sendung durch einen "Brennpunkt" zu ersetzen - wenn Reinhold Beckmann ein zweites Mal heiratet?
ARD und ZDF haben ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag für immenses Geld größtenteils auf Phönix, 3Sat und Arte ausgelagert. Das verschämte Lächeln von Steffen Seibert zeigt, das Lammert einen wunden Punkt trifft. Vielleicht kann man ja die guten Journalisten, denen das ARD/ZDF-Programm selbst peinlich geworden ist, mit breiter Kritik dabei unterstützen, ein besseres machen zu dürfen.
|
|
Tja, lieber Herr Lammert. Die ARD hat sich entschieden, das Thema Geld.Macht.Liebe als Provinzposse auszustrahlen und nicht als verqueres Abbild bundesrepublikanischer Wirklichkeit in Form eines vorbestimmten Ergebnisses. Selbst dran Schuld. Das Spiel und das Ergebnis eines Wettstreits zwischen irgendeiner Spitzenmannschaft und 3. Liga-Mannschaft brächte bessere Einschaltquoten.
Gelebte Demokratie, der Sieger der Wahl zum Bundestagspräsidenten ist, sie werden es kaum erraten....und seine Stellvertreter, sie werden es kaum erraten, sind....,toll. |
|
|
1. Per Knopfdruck
"(...) auf einem absoluten Nischenkanal ..." Wenn ich davon ausgehen kann, dass der öffentlich-rechtliche Fernsehkanal "Phoenix" weitgehend flächendeckend zu empfangen ist, worin liegt dann das Problem? Ob ich Taste 1 (ARD?), 2 (ZDF?) oder 12 (Phoenix?) drücke, wenn ich mich vorher darüber informiert habe, was ich ansehen möchte, ist für mich zumindest keine übermäßige Anstrengung :-) Ich trete schon lange dafür ein, dass bestimmte Sendungen (z.B. Sportübertragungen) endlich aus ARD und ZDF in öffentlich-rechtliche Spartenkanäle umgeschichtet werden und für solche "Klientel-Sendungen":-) nicht z.B. regelmäßig Sendungen, wie "Hart aber fair" in der ARD (heute mal wieder!) ausfallen. Lieber Alexander Wragge, den Vergleich mit Berlusconis Nachrichten-Manipulation halte ich für abwegig. Da ich einen italienischen Lebenspartner habe, sehen wir auch italienisches Kabelfernsehen. Hier ist die Manipulation deutlich sichtbar: Wird z.B. auf nicht-italienischen Sendern ausgiebig über den Generalstreik oder die skandalöse Verklappung von Atommüll im Mittelmeer berichtet, dann fehlen diese Meldungen in der Hauptnachrichtensendung von RAI 1 entweder vollständig, oder sie werden kurz vor Schluss der Sendung in 1-2 Sätzen abgehandelt. Und ... hier haben die italienischen Zuschauer in der Regel nicht die Möglichkeit auf andere italienische Sender (analog unseren 3-sat, Phoenix etc. auszuweichen. Ein großer Unterschied finde ich, oder? Gruß SexPower |
|
|
Was hat der Lammert denn konkret gesagt?
„Meine lieben Kolleginnen und Kollegen, nach manchen schweren Debatten, Verhandlungen in der letzten Legislaturperiode möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass eine Übertragung der Konstituierung des Deutschen Bundestages im Hauptprogramm der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten nicht stattfindet. Im Mittelpunkt des Vormittagsprogramms der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands steht heute Morgen die TV-Komödie „Schaumküsse“. Das Zweite Deutsche Fernsehen bringt statt einer Übertragung dieser Sitzung die 158. Folge der Serie „Alisa - Folge deinem Herzen“. Gefolgt vom 36. Kapitel der Serie „Bianca - Wege zum Glück“. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich folge auch meinem Herzen und nenne diese Programmentscheidung ganz vorsichtig, in wörtlichem Sinne bemerkenswert. Mir fehlt jedes Verständnis, dass ein gebührenpflichtiges Fernsehen, das dieses üppig dotierte Privileg allein seinem besonderen Informationsauftrag verdankt, auch an einem Tag wie heute mit einer souveränen Sturheit der Unterhaltung Vorrang vor der Information gibt. Da die Chefredaktionen in ihren Entscheidungen so frei sind wie ich in meinem Urteil, kündige ich an, dass ich bei jeder ähnlichen Gelegenheit erneut vortragen werde.“ Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen einer konstituierenden Sitzung des Bundestags und bspw. der Serie: „Bianca – Wege zum Glück“? Solcherlei Sendungen haben eher keinen Unterhaltungswert, vermute ich. In einem solchen selbstkritischen Moment muss ich mir jedoch vergegenwärtigen, dass die Darsteller beider Soaps von mir als Gebühren- bzw. Steuerzahler alimentiert werden. |
|
|
Hallo Ackermann,
danke für die Mitschrift. Ich konnte leider nur auf Spiegel online einen Teil der Kritik lesen. Weil ARD und ZDF Lammert schlichtweg mundtot gemacht haben. Das führt zu Sexpower. Sicherlich ist der Vergleich zu Berlusconi schief. Trotzdem standen ARD und ZDF wie ein Berlusconi-Sender vor dem Problem, wie sie mit der Kritik umgehen sollten. Wenn es sich um Kritik am Privatfernsehen gehandelt hätte, wären sie wohl anders damit umgegangen. Dass sie ein Kamerateam losschicken und im Schneideraum versuchen, einen einminütigen Bericht irgendwie so hinzubekommen, ohne Lammert die Kritik offen sagen zu lassen, erscheint mir im Nachhinein immer schäbiger. Die Leute, die das machen mussten, können einem nur leid tun. Es war am Ende die 2-Sätze-Kritik a ala Berlusconi. Zum Thema Auswahl. Natürlich kann man auswählen. Und das finde ich auch gut. Aber das Auswahl-Argument kaschiert momentan, dass viel öffentliches Geld für absolut schlechte Unterhaltung verschwendet wir. Sie könnten auch alle guten informativen Sendungen auf zwei Kanälen zusammen fassen. Aber dafür scheinen sie einfach zu eitel zu sein. Sie wollen irgendwie mitmischen bei der großen bunten Welt des Schrott-TVs. In der derzeitigen Form müsste man die ARD in "Deutsches-Talkshow-Daily-Soap-Pay-TV" (DTDSPTV) umbennen. Diesselben Leute haben mal für dafür gekämpft, dass öffentlich-rechtliches Fernsehen allen eine Stimme gibt. Das macht die Sache so traurig. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen