Alien59

Amman-Impressionen

18.01.2010 | 08:44

Am Tag, als der Regen kam - Wassergedanken

Seit Tagen war Regen angekündigt, in diesem statistisch zu warmen und zu trockenen Winter. Doch der Himmel blieb blau und golden lag der Sonnenschein auf den Hügeln Ammans. Gestern jedoch zogen Schleierwolken auf, und in der Nacht grollte Donner.

Bei Tagesanbruch verhüllte Nebel meine Sicht auf die Häuser der nächsten Erhebungen, feiner Regen scheint schon seit Stunden zu fallen. Die Reifen der Autos machen dieses typische Regengeräusch, lauter platschend, wenn sie durch einen der den Berg hinabfließenden Bäche fahren.

 

Ausbleibender Regen ist in Jordanien ein heißes Thema. Das Land ist eines der vier wasserärmsten Länder überhaupt. Grundwasserreservoire werden zum Teil am Maximum, zum Teil bereits darüber hinaus ausgebeutet. Oberflächenwasser kommt von den Flüssen, dem Jordan, dem Yarmuk und dem Zarqa. Die beiden ersteren werden auch von Syrien und Israel angezapft, was für Jordanien nicht viel übrig lässt, der Zarqa leidet unter Verschmutzung. Ausreichend Regen ist nötig, um die Situation wenigstens auf dem Level zu halten.

 

Das Problem ist lange bekannt und wird daher auch, sowohl national als auch in internationalen Zusammenhängen bearbeitet. Aktuell ist ein Projekt für einen Kanal vom Roten Meer zum Toten Meer. Damit soll Energie produziert werden, die wiederum zur Entsalzung von Wasser zu Trinkwasser nutzbar wäre. Hinzu kommt die Auffüllung und Schutz des Toten Meeres. Hierzu fand ich einen interessanten Artikel bei Alarabiya.net:

www.alarabiya.net/views/2010/01/17/97593.html

 

Trotzdem ist die Versorgung nicht schlecht: 97 % der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Trinkwasser. Nur die Menge ist begrenzt. In Amman fließt das Wasser einmal die Woche für ca. 1,5 – 2 Tage, außerhalb alle 10 Tage, nur in Aqaba gibt es ständig Wasser. Dabei ist die Wasserqualität gut, auch wir trinken Leitungswasser. In einigen Gebieten soll sie schlechter sein, in Aqaba ist es jedoch fast Mineralwasserqualität.

 

Da man aber jeden Tag Wasser braucht, gehört hier zu jeder Wohnung ein Wassertank, meist auf dem Dach. Wenn dann das Wasser kommt, bei uns Samstags, füllt er sich automatisch und während das Wasser läuft, tut man gut daran, die Dinge zu erledigen, die sonst zu einer zu schnellen Leerung führen würden: Wäsche waschen, Großputz und vielleicht noch alle mal duschen – nein, dazu reicht das Wasser bei vernünftigem Verbrauch auch öfter. Die Tanks auf den Dächern haben meist eine Größe von zwei Kubikmetern, größere Familien versuchen dann, noch einen zweiten zu bekommen, wer es sich leisten kann, installiert einen am Boden, dessen Wasser dann bei Bedarf aufs Dach gepumpt wird. Das kostet insofern mehr, als der Strom für die Pumpe ins Geld geht – Wasser ist so teuer nicht, Elektrizität meinem Gefühl nach schon.

 

Man lebt damit, aber wenn der Tank mal leer ist und man mit den Plastikkanistern auskommen muss, hat das durchaus einen Lerneffekt. Unnötiges Laufenlassen des Wassers, tropfende Wasserhähne, all diese kleinen Umweltsünden, die man in Deutschland per Vernunft abzustellen versucht, wenn man sich für Umweltschutz interessiert, sind hier Familienthema, weil jeder darunter leidet, wenn Freitag morgen schon beim Aufdrehen des Wasserhahnes – nichts passiert.

 

Wen das Thema interessiert: viel Infos und Zahlen fand ich bei der englischen Wikipedia.

 

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
cms schrieb am 18.01.2010 um 10:39
Danke fürs Teilen. Sehr interessant.
Rahab schrieb am 18.01.2010 um 15:42
ein unvergesslicher professoraler ausspruch: in BeerSheva regnet es genausoviel wie in Leipzig. Mit einem unterschied: in BeerSheva regnet es das in einer woche.

wieviel es in Amman im vergleich zu Leipzig regnet, weiß ich nicht. Ich kann mir allerdings vorstellen, das das verhältnis so ähnlich ist.

ach ja, schneit es in Amman auch mal?
Alien59 schrieb am 18.01.2010 um 17:44
Es soll hier auch Schnee geben, dieses Jahr war aber damit noch nichts. Warten wirs ab.
Was Leipzig angeht - keine Ahnung. Ich habe grade mal google bemüht, wurde aber nicht so recht fündig mit Jahresniederschlagsmengen für Leipzig, Beer Sheva und Amman ;-).
Für Amman fand ich folgendes:

Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Durchschn. Höchstwert 11°C 13°C 16°C 22°C 27°C 29°C 31°C 31°C 29°C 26°C 19°C 13°C
Durchschn. Tiefstwert 4°C 4°C 7°C 11°C 14°C 17°C 19°C 19°C 18°C 14°C 9°C 6°C
Mittelwert 8°C 9°C 12°C 16°C 21°C 24°C 26°C 25°C 24°C 21°C 14°C 9°C
Durchschn. Niederschlag 64 mm 64 mm 43 mm 18 mm 3 mm 0 mm 0 mm 0 mm 0 mm 5 mm 28 mm 48 mm

Hoffentlich kann man das jetzt im Kommentar lesen, ansonsten entschuldige ich mich.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.01.2010 um 10:27
Die Regenmenge ist wohl die gleiche geblieben, vielleicht etwas säuerlicher..., aber das Hauptproblem der Austrocknung der Böden ist zumindest in Spanien, Italien und auch Süd-Frankreich auf die schier unermessliche Anzahl privater Brunnen zurückzuführen. Flüsse trocknen aus, weil sie kein Wasser mehr erreicht; jeder will ja seinen Rasen schön grün haben und das Pool soll auch schön voll sein... Manche lassen das Regenwasser gar nicht mehr ins Erdreich, sondern sammeln es in Zisternen, um es dann nur bei Bedarf auf dem eigenen Grundstück zu verteilen. Das wiederum hat zur Folge das im benachbarten Land die Mikroorganismen der oberen Humus-Schicht absterben. Der Humus verliert seine Funktion, wird als Staub vom Wind abgetragen. Dann wachsen dort keine Pflanzen mehr.
Alien59
Nächster Versuch.
Mitglied seit:
2 Jahre 20 Wochen
Zuletzt aktiv:
20.05.2012
Status:
Bloggerin
Aktivität:
Beiträge: 114
Kommentare: 3234
Mein Projekt:
Mein Web:
Logbuch
11:24
EnidanH hat gerade einen Kommentar geschrieben.
11:23
eulen nach athen hat gerade einen Kommentar geschrieben.
11:19
kopfkompass hat gerade einen Kommentar geschrieben.
11:16
merdeister hat gerade einen Kommentar geschrieben.
11:16
musica hat gerade einen Kommentar geschrieben.
David Graeber Schulden. Die ersten 5000 Jahre Klett-Cotta 2012

536 Seiten. Gebunden.

26,95
 
Seit der Erfindung des Kredits treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG