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Wenigstens so ein bisschen, irgendwie?
Augstein meinte ja in seinem Interview, man sei das hier, irgendwie links. Grund genug, mich zu fragen, was ich bin, ob ich hier überhaupt passe.
Zu den wirklichen 68ern habe ich nie gehört – die waren eine Generation vor mir. Genau wie die „großen“ Frauen der Frauenbewegung. Ich gehörte zu denen, die danach kamen, und das mögen sollte, was sie erreicht hatten. Nur die Skepsis bin ich nie los geworden, weil ich sah, was sie abgeschafft hatten, aber nicht so recht fand, was an dessen Stelle getreten wäre.
Was nicht hieße, dass ich das, was von der anderen Seite kam, besser gefunden hätte. CDU und Konsorten waren mir nie behaglich, vielleicht war ich nie besitzend genug, um mich dort beheimatet zu fühlen. Was auch für die FDP galt, selbst wenn die – inzwischen leider vom Aussterben bedrohten – Freiheitsrechtler wie Baum, Hirsch und andere Lücken füllten, die sonst vieles bedrohen würden, was mir in Deutschland lieb war.
Die SPD wäre meine Heimat gewesen – wenn sie sich nicht gegen mich gewendet hätte. Nein, nicht persönlich, dazu hat es mir immer an Wichtigkeit gefehlt. Aber „Kampf gegen den Terror“ à la Schily artete dann doch zu sehr in Kampf gegen Muslime aus. Die Regierung, die Gesetzgebung gaben die Marschrichtung vor, die Öffentlichkeit folgte nur zu gerne, überholte sie bisweilen.
Und so ging ich in die Emigration – zuerst in die innere, später dann auch die geographische. Da half auch keine Linkspartei.
Nein, ich vermisse Deutschland nicht, für mich gibt es dort keine Luft zum Atmen mehr. Dennoch teile ich die Tendenz vieler Emigranten, aus der Ferne weiter zu beobachten, mit einem Stück meines Herzens. Auch das macht mich nicht „links“. Nicht mal „irgendwie“. Aber vielleicht erträgt mich der „Freitag“ ja trotzdem.
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In Deutschland gibt es die "Nichtwähler". Und es gibt einen Teil der Bevölkerung, der mit den Füßen wählen geht.
Es ist so wichtig den Menschen zu zeigen,dass es woanders auch ganz schön ist. Damit wir hier erkennen, was wir dringend ändern müssen. |
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Vielleicht reichts ja irgendwann mal für eine Partei der "Nichtwähler" ;-)
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In Deutschland gilt rechts vor links und links ist da wo der Daumen rechts ist, das ist irgendwie link man kann sich drehen wie man will, man steht immer zwischen beiden Daumen.
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Ich glaub, da hast du ganz furchtbar recht. Äh - recht? Geht nicht ....
Thx für den passenden Kommentar. |
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Mich würde viel mehr interessieren, wie Du Deinen derzeitigen Aufenthaltsort in Bezug auf das begreifst, was in Deutschland versprochen, aber wohl aus Deiner Sicht nicht eingelöst wird/wurde.
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Passt nicht ganz, ist aber meine Schuld, weil ich beim Schreiben zwei Themen vermischt habe. Gut, dass du mich auf den Fehler aufmerksam machst.
In Kürze: Wäre es nur das Nichteingelöste, das Fehlen einer politischen Heimat, wäre das noch kein Grund gewesen für mich, ganz zu gehen. Das kam dann erst als Folge, weil ich auch in der inneren Emigration praktisch nicht in Frieden leben konnte. wie ich gestern in einem anderen blog auf Frage kommentierte: einfach in Ruhe gelassen werden. Ansonsten vielleicht noch soviel zu deiner Frage: in einem Land, das nicht das meine ist, sind Mißstände vielleicht deshalb erträglicher, weil sie nicht von den "eigenen Leuten" ausgehen. Daher wundert es mich nicht mehr, dass ältere Migranten in Deutschland sich viel weniger über schlechtere Behandlung aufregen, als die im Land geborene 2. oder 3. Generation. |
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Wer links sein will, der ist nicht links, weil er sich in etwas einreiht, nur um des Einreihens willen, was dem Linkssein entgegensteht. Abgesehen davon, wäre die feststellung, wie links man doch ist, die Überhöhung eines identitären Merkmals. Dabei ist doch Identität so schön vielschichtig. Und das wird in deinen Texten so schön deutlich.
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Schön gesagt. Liest sich fast wie ein Strickmuster ;-)
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das rechts-links-schema ist was für anfänger im stricken und politicken.
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Ich werd dazu (bedingt durch mein Studium) ein kleines Essay mit Bezug auf Adorno und die Bedeutung der Nichtidentität schreiben...vielleicht kommt das Strickmusterartige von der Ordnung meiner Gedanken, die dazu grade in meinem Kopf abläuft.
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Links sein heißt Querdenken, niemandem hinterher rennen und für elementare Menschenrechte eintreten. Und es bedeutet, das man einen gewisen Willen zur Veränderung hat und sich für viele oder spezielle Themen und Anliegen einsetzt. Dafür gibt es bei uns - so meine ich - noch genug Luft zum Atmen. Aber ich verstehe es auch, wenn der/die eine oder Andere ins Exil geht.
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Wie ich oben bereits in der Anwort auf Wildcard schrieb - es war wohl am Ende die Luft zum Atmen, die mir fehlte. Ansonsten hättest du recht.
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Nicht jeder kann aus Deutschland weg und im Ausland leben.
Wo immer man ist, man nimmt sich ja doch selber mit... Ob irgendwie links oder nicht, mit oder ohne Augsteins Segen (geht das überhaupt?), freuts mich, hier mit Leuten von woanders in der Welt, wie Dir, Worte und mehr zu wechseln. LG Feli |
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Also im Vergleich zu meiner Heimat Polen ist Deutschland immer noch sehr links - selbst die CDU, CSU und die FDP - ob man es mag oder nicht. Während z.B. einige meiner Blogs & Kommentare hier im "freitag" als zumindest "nicht-links", oder nicht selten als "(neo-)liberal", "wirtschaftsfreundlich" etc. verstanden werden - in poln. Mainstream würde ich damit zur "extremen Linken" zählen. Dabei hoffe ich - wie Hermanitou sagt - dass ich zumindest manchmal auch ein "Querdenker" und kein "Hinterher-Renner" zu sein.
Ein interessantes polnisches Beispiel ist die "Solidarnosc" in ihren Anfängen (1980-1989): eine Arbeiterbewegung, in der sich sowohl wirklich linke (also anti-kommunistische), wie christilich-soziale, wie konservative und liberale Menschen fanden - die meisten waren "Querdenker", hatten wichtige Anliegen und waren für Menschenrechte. Daher ist für mich der Begriff "links" nicht so eindeutig. Was sie über den "Luftraum" schreiben kann ich eher verstehen: Denn in Deutschland ist leider "linke" (ih Ihrem Sinne) Ideen verstaubt, vergraben, vergessen, es fehlen im politischen Spektrum -trotz "Der Linken" oder "Der Grünen" - wirklich frische, moderne linke und liberale Ideen. Keine Ahnung, wieso z.B. aus "attac" oder WASG doch nicht mehr wurde... Sind die Deutschen vielleicht doch so konservativ, selbst im bezug auf ihr "Links-Sein"? |
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Gute Frage, guter Ansatz.
Aber es ist natürlich auch die Frage, wie definiert sich konservativ? Solidarnosc wurde ja, wenn ich mich recht erinnere, teilweise als "reaktionär" bezeichnet, von den Herrschenden. Das war sie für meine Begriffe mit Sicherheit nicht - wohl aber in den Augen derer, die z.B. jede Religiosität so empfinden bzw. ettikettieren. DAS trifft heute m.E. auf eine Mehrheit der Deutschen zu - Religion ist gestrig, out, ganz bestimmt NICHT links. Obwohl etliche religiösen Prinzipien viel eher linken Ideen entsprechen als konservativen. Definitionsfragen? Bauchgefühl? |
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In Deutschland kann ich einfach leben
- von Beben zu Beben. |
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Hab einen grossen Teil meines Lebens in Deutschland verbracht....Bin aber nu weg. "Ich geh fort und Du bleibst da! - Herzlichen Glückwunsch zur Emigration!" Beobachte weiter aus der Ferne. Das verbindet mich mit Alien 59.
Was aber anders ist: ich bin - "schaem" ein sogenannter 68... (ehm: ihr vermisst was? aber wie waer die Welt ohne 68? Fast könnte man sagen: links ist, was schiefgeht!?). Hier im Lande ist die Lage auch übel. Aber wenigstens sind die Leute optimistisch :-)))))))) |
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P.S. Schily.... stoen
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natürlich muss es "stoeHn" heissen
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:-)
Und nach Schily kam Schäuble und nun de Mezière .... klassisches Beispiel für "vom Regen in die Traufe". |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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