Alien59

Amman-Impressionen

15.06.2011 | 06:49

Hartz IV - zum Kürzen braucht man keine Statistik

Bereits die Hatz auf die angeblich so vielen Mißbraucher des deutschen Sozialsystems zeichnete sich dadurch aus, dass es eigentlich keine belastbaren Zahlen über sie gibt.

Nun hat man im Lichte der Abendsonne auf den knappen Kassen eine weitere Gruppe ausgemacht, die vielleicht Geld bekommt, das ihr nicht zusteht. Diesem Skandal wird man sicher abhelfen, auch ohne genauere Informationen.  Wer ist gemeint? Kleine Selbständige.

Diese bekommen ergänzend ALG II, wenn ihr Einkommen unter dem errechneten Bedarf liegt. Das Einkommen ist sicher nicht so einfach zu ersehen, wie das eines Lohnempfängers, aus der AA hört man, man sei ja schließlich kein Finanzbeamter oder Steuerberater, wie soll man also wissen, wie die abgezogenen Betriebskosten etc. zu werten seien.

Also wird über die einfacherere Lösung nachgedacht, Leuten, die nach einer bestimmten Dauer der Selbständigkeit noch immer nicht genug verdienen, um keinen Anspruch mehr auf ALG II zu haben, die Aufgabe der Selbständigkeit zu verordnen, wenn sie weiterhin Leistungen beziehen wollen.

Das hört sich zwar auf den ersten Blick plausibel an, aber schauen wir doch mal genauer hin. Nicht nur, dass eine ganze Reihe eben dieser kleinen Selbständigen diese Tätigkeit aufgenommen hat, weil sie wissen, dass sie keine angestellte Tätigkeit mehr finden werden, und die ARGE oft dazu geraten hat. Nein, die Aufgabe der Selbständigkeit bedeutet für die ARGE, dass in Zukunft voll gezahlt werden muss, nicht aufgestockt. Das ist also auch noch unwirtschaftlich.

Es sollen also Selbstständige nicht einfach subventioniert werden. Aha. Aber - die ARGEN subventionieren doch größere Firmen sehr gerne? Es gibt - wer hat, bitte die genauen Zahlen nachtragen - inzwischen eine siebenstellige Zahl von Arbeitnehmern, die sogenannte Aufstocker sind, weil ihre Löhne nicht zum Leben reichen, trotz Vollzeittätigkeit. Statt aber diesen zu sagen, dass das auf die Dauer nicht geht, ihnen die Kündigung nahezulegen, wird weiter der Aufstockbetrag gezahlt, so dass die Unternehmen weiter Arbeitskräfte zu Dumpinglöhnen geliefert bekommen.

Aber das geht wohl nur bei den "Großen".

 

 
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Kommentare
dschun schrieb am 15.06.2011 um 09:00
Yep. Wenn wir uns ansehen, wie hoch die Steuereinnahmen wären, würde es nicht dieses ganze "legale" Off-Shore-Steuerhinterziehungsdingsbums geben, es gäbe ordentlich Geld in der leeren Staatskassa. Tja.
Alien59 schrieb am 15.06.2011 um 10:59
Dschun, es kann sein, dass ich mich da - zumindest für österreichische Leser, die diese Art des deutschen Behördenwahnsinns nicht genau kennen - undeutlich ausgedrückt habe.
Ich versuchs nochmal - denn es hat tatsächlich nichts mit Steuerhinterziehung zu tun.
Nehmen wir an, Katja ist Friseurin, alleinstehend, ein Kind, arbeitslos seit zwei Jahren. Sie bekommt ALG II (auch Hartz IV genannt). Das setzt sich zusammen aus Miete, Grundbedarf für eine Erwachsene, Grundebedarf für ein Kind, Kindergeld wird als Einkommen abgezogen. Nehmen wir an, dabei kommen 1100 Euro raus, das nennt sich dann der Bedarf.
Katja findet eine Stelle in einem Friseursalon. Die ist so schlecht bezahlt, dass sie netto bei mindestens 40 Stunden pro Woche nur 900 Euro rausbekommt. Sie muss die Stelle aber annehmen, sonst wird sie von der ARGE sanktioniert. Dafür darf sie dann weiter Anträge stellen und bekommt den Differenzbetrag (plus einem Extra für arbeitende ALG II-Bezieher) zugezahlt.
Der Arbeitgeber ist fein raus, er bekommt eine Arbeitskraft zum Mini-Lohn. Das ist eine indirekte Subvention.

Katja verliert die Stelle, will nicht wieder lange arbeitslos sein, sondern versucht, sich als Hausfriseurin selbständig zu machen. Nach Vorlage ihrer jeweiligen Einnahme und Ausgaben wird ihr Einkommen jeweils auf diesen Bedarfsbetrag von 1100 Euro aufgestockt.
Um letzteren Fall geht es bei der neuen Diskussion. Denn hier wird Katja nicht mit Sanktionen gedroht für den Fall, dass sie die Arbeit aufgibt, sondern für den Fall, dass sie auch nach längerer Zeit nicht genug verdient. Hier wird die verdeckte Subvention auf einmal als Missbrauch angesehen.

Ich hoffe, ich habe jetzt nicht Eulen nach Athen verfrachtet. Aber dann hilft die Gegenüberstellung vielleicht einem anderen Leser.
Technixer schrieb am 15.06.2011 um 13:35
Liebe Alien59,

um deinem Beispiel reale Zahlen zu verabreichen:

Stundelohn Friseurin in Berlin 3,50€ á 40h/Woche macht 560€ + Trinkgeld kommen die Damen (meist sind es ja Frauen) auf ca. 650,-€

Stundenlohn einer Friseurmeisterin! in Sankt Peter Ording einem noblen Kurort 5,50€, macht Brutto 880,-€. Die Bekannte von mir konnte nur mittels Trinkgeld die dortigen Lebenshaltungskosten bestreiten. Das ficht den stinkreichen Ferrari-Popanz mit Schickeria-Tussi natürlich nicht an, denn er bezahlt für die Haarveredelung ja auch relativ teures Geld, nur das bekommt der Ladenbesitzer.

Ich-AG ist seit mindestens 6 Jahren Gang und Gäbe im Sicherheitsbereich, Netto-Stundenlohn dort 3,50€ (bspw. Sicherheitsdienst des deutschen Bundestages). Hinzu kommen dort Arbeitsstunden pro Tag von bis zu14h (so zum Beispiel Synagoge in Berlin Oranienburgerstraße).

Dieses Land ist mittlerweile ein Dreckloch, gut bezahlt werden nur noch Ärzte, bestimmte Juristen, Banker und andere Wirtschaftsgeistesleuchten und eine handvoll Ingenieure. Wer kann versucht in der Schweiz sein Glück (ich habe drei Bekannte welche Freundeskreis und Familie hinter sich gelassen haben). Wie lange das kleine Land Schweiz allerdings noch Fachpersonal suchen wird...

Wenn das so weiter geht, wird sich Teutonien noch umkucken, wohin die Fachkräfte so alles abwandern. Für Akademiker werden ja mittlerweile gut bezahlte Stellen aus China angeboten.

Anteil der Aufstocker laut offizieller Statistik ca. 1,4 Millionen, wenn du allerdings alle diejenigen Jobs mitrechnest, die knapp über der Aufstockergrenze liegen, also so um die 1000€, dann dürften es mittlerweile gut und gerne 15 Millionen Menschen sein, ein absolutes Desaster, bei einem privaten Geldvermögen von 7 Billionen Euro (wie die Boston Consulting Group für 2009 ermittelte)
claudia schrieb am 15.06.2011 um 14:03
>>...bei einem privaten Geldvermögen von 7 Billionen Euro (wie die Boston Consulting Group für 2009 ermittelte)...<<
Die Armut der Vielen schafft den Reichtum der Wenigen.
Und von 7 000 000 000 000 €uroni muss höchstens ein 100 000stel eingesetzt werden, um Regierungen zu beauftragen, dass alles so weiter läuft.
Das ist lukrativ.
Alien59 schrieb am 15.06.2011 um 16:29
Technixer, danke für die Zahlen - ich hatte absichtlich eher zu hoch gegriffen, damit mir da nicht einer einen Strick wegen Jammerei draus dreht (nein, ich bin nicht Friseurin).

Ansonsten - so isses.
luzieh.fair schrieb am 15.06.2011 um 11:02
Ich war auch entgeistert, als ich die "neuen" Schuldigen in der Tagsschau gesehen habe.
Haben die nicht zusammen mit der Einführung der Hartz-Gesetze auch diese Ich-Ag forciert.

de.wikipedia.org/wiki/Ich-AG

Und nun sollen die, die trotzdem aufstocken müssen was machen? In die Arbeitslosigkeit gehen, à la "ganz oder garnicht"?

Versteh' einer die Ämter...
claudia schrieb am 15.06.2011 um 11:58
>>Haben die nicht zusammen mit der Einführung der Hartz-Gesetze auch diese Ich-Ag forciert.<<
Haben sie.
Aber ich kann mir einen Grund vorstellen:
Leiharbeitskonzerne suchen mehr Leute als sie finden. Es fällt auf, dass die gleichen Stellen wiederholt annociert werden, nachdem alle Bewerber abgelehnt wurden. Ich bewerbe mich ja selber: Natürlich sage ich, was ich brauche, um meine hartz4-geschredderte Rente halbwegs zu reparieren. Das ist denen zuviel. Wenn nun mehr Arbeitsuchende gemerkt haben, was läuft und nicht mehr jede Entwertung ihrer Arbeitskraft akzeptieren wollen, dann wenden sich die Leihfirmen an die Agentur für Armut: "Hilfe, die Bimbos werden frech!"
Dann sorgt die Agentur dafür, dass die Konkurrenz der Bewerber wieder grösser wird und alle wieder kuschen.

Es ist eine Vermutung, zugegeben, aber wenn man mal begriffen hat wie die Agenda 2010 funktioniert dann sind solche Gedanken logisch.
luzieh.fair schrieb am 15.06.2011 um 12:39
Dieser Gedanke hätte mir auch kommen können.
Danke, für den Anstoß...
Lapis schrieb am 15.06.2011 um 11:24
Laut BA mussten im vergangenen Jahr 1,383 Millionen berufstätige Menschen ergänzende staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen ("Aufstocker").

www.haufe.de/sozialversicherung/newsDetails?newsID=1305525889.4

Pikantes Detail: Nach einer Stellungnahme der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag arbeitet jeder zehnte Hartz-IV-Aufstocker für den Staat.

www.saarbruecker-zeitung.de/sz-berichte/wirtschaft/Jeder-zehnte-Hartz-IV-Aufstocker-arbeitet-fuer-den-Staat;art2819,3202447#.TfhtAVsz-5w
Blinkfeuer schrieb am 15.06.2011 um 12:14
Alien59, das Problem beim Friseurinnen Beispiel ist eher, dass es schlicht zu viele davon gibt. das erklärt auch die "tolle" Löhne da. Ob die angestellt, frei tätig oder schwarz arbeitet, es ist nur der eine Kopf einmal da.
Ebenfalls reichlich, aber kaum vonnöten: Nageldesignerinnen. Hat es bald mehr als Gastronomen. Nur dass sie nie das Geld verdienen, um um der Gastronomie auch nur 1€ zu lassen.
Hat alles schließlich nur den einen Zweck, die Statistik der Murkswirtschaft zu schönen.
Als ob alle Erwerbsfähigen global benötigt würden. Das war bisher nicht so, das wird nicht so. Und daher steigt auch entgegen aller Beteuerungen der TV- Will- Gänger und anderer Phrasenkönige (Zahl der Hungernden bis x halbieren) die Zahl der Unterernährten.
Halbiert werden die nur in Kleinkriegen.
Denn: Soldaten kann man ersetzen, den Euro aber nur einmal ausgeben.

Andere Frage: warum gibt es in Zeiten der allergrößten Personalknappheit, so munkeln die Häuptlinge der Lügner ja, sog. private Arbeitsvermittler? Mehr als den Vermitllunggutschein abzukassieren leisten die nicht. Also wenn ich Personalknappheit hätte, würde ich mich aber anders kümmern, als auf das dubiose Gesuche dieser Wichte mich zu verlassen. Aber wenn ich die Arbeitsamtseite aufrufe: Nur Wichte, die da Personal (+ Gutschein)suchen, kaum Unternehmen.

Und das Personal muss nur ein halbes Jahr schuften, dann kommt der nächste Gutscheininhaber angeflogen. Und der vorherige fliegt raus. Und alles ist wie vorher. Lediglich das Geld ist woanders. Mehr FDP nah versickert.
lebowski schrieb am 15.06.2011 um 12:43
Da kann man mal sehen. Mit Hartz-IV kann man eben doch reich werden. Als Ausbeuter oder privater Arbeitsvermittler geht das problemlos. 50 Milliarden kostet Hartz-IV abgeblich jährlich. Davon landen 25 Milliarden bei den Bedürftigen und 25 Milliarden lässt sich der Staat die Illusion kosten, dass die Hartz-Gesetze funktionieren.

Und Sie haben recht, was den Überschuss an Friseusen oder Nageldesignerinnen angeht. Aber blöderweise gibt es auch ein Überschuss an Bürokraten, Ärzten, Anwälten, Gastronomen, Döner-Verkäufern und Apothekern usw..
claudia schrieb am 15.06.2011 um 13:37
>>Mehr als den Vermittlunggutschein abzukassieren leisten die nicht.<<
Stimmt. Ich hatte mal Gelegenheit, einen zu testen: Mehr als die Leiharbeitsstellen, die ich mit ein paar Mausklicks auch selber finden kann, hatte der nicht im Angebot. Ein schönes Beispiel für leistungsloses Einkommen...
Blinkfeuer schrieb am 15.06.2011 um 22:08
Wobei der/die "echten" Unternehmen ja die Anstalt aus Nürnberg meiden. Da setzt es dann das Flächenbombardement der Zwangsbewerbungen aus nichtigen Gründen. Das mag man nicht. Hab ich gehört. Vom Unternehmer. Glaubt das Amt aber nicht. Und das hat ja immer recht.
archinaut schrieb am 16.06.2011 um 02:41
@blinkfeuer

"das Problem beim Friseurinnen Beispiel ist eher, dass es schlicht zu viele davon gibt....."
so könnte es übrigens auch bei den Millionären sein, davon gibt es so viele, dass das Geld nicht für alle reicht ..... jede Million ist nur einmal da... ;-))
Rahab schrieb am 15.06.2011 um 15:35
stichwort: leiharbeit
dazu in den heutigen nachrichten Hundt: leiharbeit ist eine unverzichtbare stütze der wirtschaft, sollte ausgebaut werden, versetzt die wirtschaft in die lage, zu reagieren
... und die leiharbeiter_innen in den status der leibeigenschaft.
Blinkfeuer schrieb am 15.06.2011 um 22:03
"Hartz IV - zum Kürzen braucht man keine Statistik"... ich hab' aber- ganz wie Feuerstein bei Schmidt einst, eine:
cutin.de/meine_lieblinge_ohja
Problemfall.
Was man= alle alles in deren "Ausbildung" investierte.
Dann lungern die im Reichstag rum und beschließen SGB Gesetze, Renten für die arbeitende Bevölkerung. Lieblich.
Gilt auch für MED.- Branche, die nicht heilen mag, lieber "Pharma- Referent" = Laberkopp wird. WARUM soll ich deren Berufsweg bezahlen? Die kann ich mal gerne mit an eine Steilküste nehmen. Nur hin, versteht sich!
archinaut schrieb am 16.06.2011 um 02:44
Liebe Alien 59,
immer wieder bewundere ich,
wie zielsicher Deine Texte in's Schwarze treffen!

Bitte weiter so!
Alien59 schrieb am 16.06.2011 um 05:46
Danke für die Blumen, Archi.
Ich habe aber bei diesem Artikel eher das Gefühl, dass der Punkt, auf den ich es unter anderem abgesehen hatte, nicht gut genug dargestellt ist: nämlich die Tatsache, dass über ALG II die deutschen Dumpinglöhne subverntioniert werden - solange es nicht an Selbständige geht. Diese versteckten Subventionen sind mit für den Exportüberschuss verantwortlich - und damit auch für einige der Probleme von Ländern wie Griechenland oder Portugal.
Und nun - mit dieser letzten Idee - wird es amtlich, dass zwar mittlere und große Unternehmen sich so von einem Teil der eigentlich notwendigen Lohnkosten befreien können, man aber wieder die ärmsten sanktionieren will. Und wenn es auf Kosten der Kasse geht - denn die meisten würden, wenn man sie zur Aufgabe der Selbständigkeit zwänge, wohl keine Stelle finden.
archinaut schrieb am 17.06.2011 um 01:35
Vielleicht ist es Absicht:
erst in die Schwarzarbeit treiben,
dann kriminalisieren und sanktionieren....
ein fruchtbares Milieu für die organisierte Kiminalität... ("Bildet Banden" ?-))
archinaut schrieb am 17.06.2011 um 01:35
Vielleicht ist es Absicht:
erst in die Schwarzarbeit treiben,
dann kriminalisieren und sanktionieren....
ein fruchtbares Milieu für die organisierte Kriminalität... ("Bildet Banden" ?-))
Alien59 schrieb am 17.06.2011 um 08:49
Nicht in Deutschland, Archi. Da muss man doch, um eine Bande zu bilden, erst eine Gründungsversammlung abhalten, dann die Eintragung ins Vereinsregister beantragen etc.....
Alien59 schrieb am 17.06.2011 um 09:03
Bei opalkatze fand ich eben den link zu dem Artikel von W. Lieb zum Thema - er schreibt auch als Betroffener. Sollte zum Thema unbedingt gelesen werden:
www.nachdenkseiten.de/?p=9804
j-ap schrieb am 17.06.2011 um 09:08
»Bereits die Hatz auf die angeblich so vielen Mißbraucher des deutschen Sozialsystems zeichnete sich dadurch aus, dass es eigentlich keine belastbaren Zahlen über sie gibt.«

Seit wann braucht denn ein Ressentiment eine belastbare Zahlenbasis, um sich auszutoben?

Die ist doch im ganzen Gegenteil sogar eher hinderlich, oder?

Ich habe dieser Tage mal irgendwo gelesen — ich weiß allerdings nicht mehr, wo genau — daß die Mißbrauchsquote beim ALG II irgendwo in der Nähe von 2% der Fälle liege. Ob die Zahlen stimmen, weiß ich natürlich nicht, aber sie klingen belastbar.

2% — das ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Und dennoch hält sich völlig vernagelt das Gerücht, daß ALG II-Bezieher nicht nur »der Allgemeinheit« auf der Tasche liegen, sondern das auch noch durch einen grandiosen Betrug bewerkstelligen. Diese Projektion reicht dann am oberen Ende der Enthirnungsskala, auf einschlägigen Nazi-Seiten, schließlich so weit, daß diese Zahlen gleich ganz bestritten werden: Weil nämlich für Nazis germanensonnenradklar ist, daß die Mißbrauchsquote viel höher liegt, sie aber von den Behörden gezielt gefälscht werden, weil sonst heraus käme, daß es es nur die Ausländer sind, die bescheißen; das aber darf nicht an die Öffentlichkeit dringen, weil sonst die echten Arier, die schließlich immer die Zeche bezahlen, auf die Idee kämen, daß sie über den Tisch gezogen werden.

Usw. usw. usf.

Der Anlaß des Ressentiments ist ja nicht die Realität, sondern, um mit Adorno zu sprechen: das Gerücht über jemanden.

Und so prozessiert der Schwachsinn weiter. Nicht nur die Zahlen, sondern auch das jeweilige Sujet ist völlig wurscht: ALG II-Bezieher sind Sozialschmarotzer; Zigeuner sind in Ungarn der Grund für grassierende Kriminalität, weswegen sie mittlerweile ganz offen von faschistischen Bürgerwehren am hellichten Tag zu Gemüse geprügelt werden; und unter einem Artikel beim Spiegelfechter fragt sich ein Kommentator, wieviele Investmentbanker an der Wall Street eigentlich Juden sind.

Wie wollen Sie solchen Leuten mit Zahlen kommen?
Rahab schrieb am 17.06.2011 um 09:19
es gibt halt sone ressentiments und solche ... schließlich interessiert auch keine sau, wieviele palästinenser wirklich ständig ne kassam in der hosentasche rumschleppen...
Richard der Hayek schrieb am 17.06.2011 um 13:25
Doch Rahab, mich interessiert das schon !

Wie viele sind es denn ?

Und wieviel muß man tolerieren, um kein Rassist zu sein ?
Rahab schrieb am 17.06.2011 um 13:38
wieviele? willste wissen.
nu, genausoviele wie italiener mit klappmesser in der hosentasche!
sag an! wieviele solcher italiener tolerierst du? freiwillig? gezwungenermaßen?
Richard der Hayek schrieb am 17.06.2011 um 13:45
Um hierauf zu antworten, müßtest du mir erklären, was eine kassam ist.

Einen vorläufigen Hinweis kann ich dir geben: Was ist der Bayer aus ethnologischer Sicht ?
Der Übergang vom Italiener zum Menschen.
Rahab schrieb am 17.06.2011 um 13:50
hm
und die regierung macht gesetze...
Richard der Hayek schrieb am 17.06.2011 um 13:55
Einer muß die Dinge ja blicken.
Rahab schrieb am 17.06.2011 um 14:05
unter der voraussetzung, dass ausreichend möhren gemümmelt werden.
Richard der Hayek schrieb am 17.06.2011 um 14:11
Um eine Endlosschleife zu vermeiden, gebe ich dir in allen Punkten vorbehaltlos recht.
Rahab schrieb am 17.06.2011 um 14:13
gut.
dann hätten wir das endlich geklärt.
und du kommentierst in zukunft nur noch bei welt-online!
j-ap schrieb am 17.06.2011 um 14:16
Relevance ... anyone?
Richard der Hayek schrieb am 17.06.2011 um 14:23
Weißt du Rahab, die Pflichten rufen: Haushalt:
Vogel füttern, staubsaugen ...

Also manchmal fühle ich mich richtig entmenschlicht durch diesen Technikfummel ...

Aber zum Glück gibts du mir immer wieder Erdung.
Rahab schrieb am 17.06.2011 um 14:27
ca depend
Alien59
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