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Churchill wird das Wort: "Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast" zugeschrieben. Selbst bin ich bei Statistiken gerne skeptisch, besonders aber bei der der "Agentur für Arbeit".
Es ist bekannt, dass mit zahllosen Rechentricks dort die Zahl der Arbeitslosen heruntergerechnet wird - ob das nun die Aufhebung der Meldepflicht für über 58-jährige ist, die Abschiebung in unsinnige Maßnahmen oder 1-Euro-Jobs.
Eine besonders fiese Variante fiel nun in NRW auf:
Geistig behindert statt Hartz IV
Einer Hausfrau, die erfolgreich alleine zwei Kinder großgezogen hat, die aber lange arbeitslos ist, wird aufgrund eines fragwürdigen psychologischen Tests bescheinigt, sie sei geistig behindert, könne also in einer Behindertenwerkstatt zum Arbeiten geschickt werden. Monitor zeigt diesen Fall in dem verlinkten Video, aber auch, wie grundlos die Behauptung ist.
Lässt sich sich abstempeln und abschieben, hat die AA ihr Ziel erreicht: eine Arbeitslose weniger in der Statistik.
Wie auch von Monitor festgestellt, ist das kein Einzelfall. Es wird teilweise erheblicher Druck auf Arbeitslose ausgeübt, auch in Behindertenwerkstätten zu arbeiten, wenn sie eigentlich auf den ersten Arbeitsmarkt gehören und gerne arbeiten würden. Gerade für körperbehinderte Akademiker ist das eine große Gefahr: dort wieder rauszukommen, ist fast unmöglich.
Jemanden aber als geistig behindert zu bezeichnen, nur weil ein Test - der offensichtlich auch nicht von einem entsprechenden Fachmann durchgeführt wurde - nicht ausreichend ausfiel, ist allerdings eine Frechheit sondersgleichen. Da werden wirklich unschöne Erinnerungen wach.
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50% hab ich schon auf meinem Schwerbehindertenausweis stehen.
Epilepsie halt, mach ich auch kein Geheimnis draus. Jetzt weiß ich auch warum die Arge mich so in die "Rehabilitierungs-Kur" drängt. Und "Hurra" gestern kam der Schein zur "Kur-Bewilligung" von der Rentenversicherung,... Naja, das habe ich zumindest geahnt, jetzt bringense mir erstmal Körbeflechten bei, in der sogenannten "Ergotherapie". Das Problem ist nur wennsde da dann rebellierst landeste in der geschlossenen Abteilung, das ist dann etwas "unfreundlicher". Am Ende biste dann doch wieder am Körbeflechten, aber wenigstens kriegste das nicht mehr mit... Was willste machen? Landesflucht? Bin offen für sinnvolle Vorschläge... |
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Im Zweifelsfalle, und wenn man die Kraft dazu hat, die Ochsentour über das Sozialgericht.
Ich fürchte vor allem über jene, die keinen oder wenig Zugang zu Zusammenschlüssen von Arbeitslosen haben und nicht mehr die Energie, sich zur Wehr zu setzen. Ich habe so etwas in meinem Freundeskreis miterlebt - schwer auszuhalten. |
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Die "Agentur für Arbeit", wie sie sich selbstironisch nennt, generiert offensichtlich zuviele Kosten, oder anders - das Kosten-Nutzen-Verhältnis wird zur Zeit überprüft.
Nutzen ist ja nicht vorhanden, weil so gut wie niemand durch diese Agentur in Lohn und Brot kommt, sondern schlicht als Elend verwaltet wird, also bleibt nur sparen. Aber wo soll man sparen? Am leichtesten beim Personal. Und jetzt ist die richtig gewichtete Statistik notwendig, um einen Grund und eine Argumentation für den internen Stellenabbau zu bekommen. Parallel dazu findet in der "Agentur für Arbeit", die besser "Zentrale Verwaltung von liquidiertem Humankapital" heißen müsste, ein interner Konkurrenzkampf um die verbleibenden Stellen statt. Woher als Sachbearbeiter eine Existenzberechtigung nehmen? Kosten sparen, Vorgesetzten beeindrucken. Der Rest ist dann nur noch abgrundtief menschlich und führt zu den oben beschriebenen Auswüchsen. |
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Also in der "Geschlossenen" landet man nicht so leicht, aber dieses Abstempeln ist schlimm - ich bin schon eine Weile befristet berentet wegen einer Depression und frage mich auch immer, was man mir denn vorschlägt, sollte ich zwar nicht mehr berentet aber auch nicht mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelbar sein. Bis jetzt ist mir das alhamdulillah erspart geblieben und theoretisch hätte ich auch noch einen Arbeitsplatz, aber das ist sehr theoretisch. Es fallen aber ja nicht nur die "Behinderten" aus der Statistik, auch die ganzen Ein-Euro-Jobber die ja auch nur ausgebeutet werden, die "Harz-IV-Aufstocker" - selbst vom Mindestlohn kann man ja die Familie nicht durchbringen. Immerhin gilt der jetzt auch für Zeitarbeiter, so dass die 5€-Angebote wegfallen. Bedingungsloses Grundeinkommen wäre doch eine gute Idee - da würde auch die ganze Arbeitsamt-Bürokratie wegfallen. Aber da träumen wir mal schön weiter.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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