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Das Musée de l’Elysé in Lausanne verleiht jedes Jahr den Lacoste-Preis, gesponsort von der Firma Lacoste. Das sind die mit dem Krokodil. Jetzt wurde die Preisverleihung abgesagt. Was war passiert?
Auf der shortlist fand sich unter acht möglichen Preisträgern auch die Künstlerin Larissa Sansour. Sie ist Palästinenserin und lebt in London und Kopenhagen. Sie hatte eine Photoserie eingereicht, in der unter dem Thema „Nation Estate“ symbolisch die Entstehung des Staates Palästina aus der Asche gezeigt wird.
Sie hatte 4000 $ bekommen, um nach freier Wahl eine Fotoserie für die Endauswahl einzureichen. Im November wurden drei ihrer Bilder ausgewählt, die Veranstalter beglückwünschten sie zu ihrem Werk. Dann wurde ihr Name von der Liste gestrichen – plötzlich waren da nur noch sieben Namen zu sehen.
Der Sponsor hatte darauf bestanden, dass sie vom Wettbewerb ausgeschlossen würde. Nach langem Zögern gab es nun auch von dort eine Erklärung:
„Der Nachrichtenagentur AFP zufolge rechtfertigt die Modemarke Lacoste den Ausschluss der Fotografien Sansours von der Shortlist mit der Begründung, ihre Kunst sei auf problematische Weise „pro-palästinensisch“.“
Das Museum hat ihr angeboten, ihre Bilder anderweitig auszustellen, und nach der Erklärung von Lacoste, die eindeutig auf Zensur durch den Sponsor schließen lässt, wurde die Preisverleihung vorläufig abgesagt.
Bitte keine palästinensische, pro-palästinensische Kunst? Das hier ist kein Einzelfall. Erst vor ein paar Tagen erschien ein Buch über die Zensur der Bilder der Kinder Gazas - Bericht auf meinem blog, wo auch dieser Artikel im Original erscheint.
Newt Gingrich bezeichnete kürzlich die Palästinenser als ein "erfundenes" Volk - was derzeit zu vielen bösen Witzen im Internet Anlass gibt. Mit der Unterdrückung auch der Kunst jedoch beginnt man, ein Volk nicht nur zu negieren, sondern zu vernichten.
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"Newt Gingrich bezeichnete kürzlich die Palästinenser als ein "erfundenes" Volk"
falsch ist der satz aber auch nur deshalb, weil er unvollständig ist und die andere bestimmung weggelassen hat - dass nämlich JEDES "volk" erfunden ist, weswegen es ja immer erst gewaltsam hergestellt werden muss. "Mit der Unterdrückung auch der Kunst jedoch beginnt man, ein Volk nicht nur zu negieren, sondern zu vernichten." mich interessiert, wie du vor diesem hintergrund das hier bewertest: www.freitag.de/politik/1150-und-schon-steht-shakespeare-auf-dem-index |
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Ach ja, einer dieser netten Jammerartikel.
Hat es irgendwann einmal Artikel darüber gegeben, wie sehr der Islam in Tunesien unterdrückt wurde? Wieviele Menschen im Gefängnis landeten und gefoltert wurden, weil sie zu muslimisch waren für den Geschmack des Herrschers? Nein, in den deutschen Medien wurde Tunesien immer noch als islamisches Land dargestellt. Aber tatsächlich wurde die dortige Kultur unbarmherzig zugunsten einer verwestlichten unterdrückt. DAS hat hier niemanden interessiert. Nun, wo überlegt wird, wie weit man das wieder reparieren kann, kommen solche Sprüche. Und glaubst du, es geht den Briten an die Existenz, wenn in Tunis ein Shakespeare-Stück nicht mehr gespielt werden dürfte? Den von dir verlinkten Artikel habe ich absichtlich nicht kommentiert - das sind die üblichen Angstmachtexte. |
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schrieb am
23.12.2011 um 20:11
dann haben wir beide diesen artikel aus den selben gründen unkommentiert gelassen: er enthält tatsächlich nicht mehr als die INFORMATION, dass shakespeare auf den index soll. der rest ist gesinnungsmeierei, die man ignorieren kann.
du wirst mir allerdings wohl beipflichten, wenn ich sage, dass shakespeare nun wirklich nicht "ethnisiert" werden kann in dem sinn, dass er als repräsentant eines und nur eines bestimmten landes (in dem fall grossbritannien) gelten kann, oder? auch wenn die briten es aus nachvollziehbaren gründen immer wieder versuchen: shakespeare ist nicht einer "ihrer besten", sondern weltliteratur. in dem, aber halt auch nur in dem sinn, hast du recht: dass shakespeare auf den index kommen soll wird die briten ganz sicher nicht um die nationale existenz bringen. mich interessiert hier aber auch nicht, ob du shakespeare magst oder nicht oder die briten deswegen gekränkt sind oder nicht, sondern wie es unter einen hut gehen soll, einerseits den - ja, verlogenen! - ausschluss von einem kunstwettbewerb als vorstufe ur vernichtung eines volkes zu lesen, andererseits die zensur von weltliteratur einfach so passieren zu lassen. auf diesen punkt ist meine frage gerichtet. ..... noch was anderes, auch wenns nicht zu dem artikel hier passt (ich weiss nur nicht, wo ich das sonst loswerden kann), alien: du hast vor ein paar tagen irgendwo mal sinngemäss geschrieben, dass einige leut dem wulff seine "der islam ehört zu deutschland"-sache richtig krumm nehmen und dazu die these geäussert, dass daher noch einige messer gewetzt werden könnten. ich habe das zunächst für eine ziemlich an den haaren herbeigezogene sache gehalten, muss dir aber mittlerweile völlig recht geben. es gibt, mal sehr höflich gesprochen, "einschlägige" seiten, auf denen christian wulff mit turban und rauschebart erscheint unter der überschrift "allah ist gross und wulff sein prophet". ich verlinke hier nicht auf den scheiss, kann ja jeder selber googeln, wenn er unbedingt will. ich glaube auch nicht, dass das der hauptgrund für die empörungswellen ist, die nun das land durchziehen, aber es gehört schon zum gesamtbild. |
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@cuchulainn
mich interessiert hier aber auch nicht, ob du shakespeare magst oder nicht oder die briten deswegen gekränkt sind oder nicht, sondern wie es unter einen hut gehen soll, einerseits den - ja, verlogenen! - ausschluss von einem kunstwettbewerb als vorstufe ur vernichtung eines volkes zu lesen, andererseits die zensur von weltliteratur einfach so passieren zu lassen. auf diesen punkt ist meine frage gerichtet. Natürlich geht das, wenn - wie du sagst - die Ausladung von Larissa Sansour als ein Tritt gegen das zarte, eben gekeimte Pflänzchen palästinesisches Volk/Staatsgebilde betrachtest. Folglich würde das starke, seit Jahrhunderten gefestigte England, durch das Verbot der Shakespearschen Stücke in seiner Existenz in keinster Weise berührt werden. Jedoch bleibt Zensur immer Zensur, unabhängig der Folgen für die zensierten Ideen. |
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Ich denke, das sind zwei Paar Schuhe.
Bei der von mir in zwei Fällen berichteten antipalästinensischen Zensur geht es um politisch motivierte Zensur zu Lasten eines teils unter Besatzung, teils in der Diaspora lebenden Volkes. Die zensierten Bilder verstoßen gegen kein Gesetz des jeweiligen Landes - oder eines anderen. In dem Artikel über Tunesien geht es um die Möglichkeit, in einem sich befreienden Land gesetzliche Möglichkeiten zu schaffen, um die Kultur diesen Landes zu schützen, die jahrzehntelang mit Füßen getreten wurde. ___________ oT @cuchulainn: danke dafür, dass du dir die Mühe gemacht hast, meine Meinung durch Recherche zu verstehen. Ich hatte ähnliches in verschiedenen Diskussionen, vor allem in einem längeren Kommentar bei T.S., zu erklären versucht, die Antworten waren irgendwo zwischen ungläubig bis mitleidigem Schweigen. Das spricht insofern für die FC, als offensichtlich kaum jemand diese Schmutzkampagne (danke fürs Nichtverlinken) zu seiner Lektüre zählt - was ich einem Kommentator auch antwortete. Dazu gehören nicht nur die von dir erwähnten Bildchen, sondern es geht inzwischen noch weiter. Ich meine ja nicht, dass er keine Fehler begangen hätte - aber dass man sich auf die Suche danach gemacht hat, gerade weil man ihm wegen dieser Rede schaden wollte. |
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Fällt dir etwas zu deiner Zensurbegründung auf?
... geht es um die Möglichkeit, in einem sich befreienden Land gesetzliche Möglichkeiten zu schaffen, um die Kultur diesen Landes zu schützen, die jahrzehntelang mit Füßen getreten wurde. antwortete Peter Döddel, Sprecher der deutschnationalen Hohlköpfe, warum seiner Meinung nach, nichtdeutsche Literatur nicht mehr veröffentlicht werden sollte. Zensur ist Zensur. Egal ob sie sich gegen Larissa Sansour oder Shakespeare, gegen pro-palästinensische oder pro-westliche Kunst richtet. |
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Soll ich mich jetzt über dich ärgern, mit dir streiten? Seit ein paar Tagen scheinst du es darauf anzulegen. Witzig, heute las ich von dir, dass du nicht über jedes Stöckchen springst, das man dir hinhält. Ich auch nicht.
Versuchs bei anderen. Dass du Islam und Muslime nicht abkannst, war mir schon bekannt. Buona notte. |
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Dass du Islam und Muslime nicht abkannst, war mir schon bekannt.
Schade, daß du damit meiner Kritik an deinem zweierlei Maß begegnest. Ich teile deine Ansicht über den Ausschluß von Larissa Sansour, aber nicht deine Rechtfertigung für die Zensur von Shakespeare. Der Islam und islamische Kultur interessiert mich schon seit über 20 Jahren. Und mit den Muslims ist es wie mit allen Menschen auf der Welt: es gibt nette, aggressive, geizige, schlaue, herzliche, dumme, primitive, ehrliche, freundliche .... Sie sind weder besser noch schlechter als der Rest der Menschheit. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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