Alien59

Amman-Impressionen

12.05.2011 | 13:57

Nakba day

 

Nakba day? Was soll das sein? – So fragen sicher etliche Leser, beim Freitag möglicherweise eher weniger als im Durchschnitt.

Nakba day ist der Tag, an dem die Palästinenser in aller Welt der Besetzung ihres Landes, der Tötung und Vertreibung von ca. 80% der im später israelischen Teil Palästinas lebenden Muslime und Christen gedenken.

Ein Versuch, bereits die Erinnerung daran unter Strafe zu stellen, kam im israelischen Parlament nicht durch, lediglich müssen Organisationen, die an Nakba-Veranstaltungen beteiligt sind, mit Mittelkürzungen rechnen. Wobei das in der Realität noch ganz andere Folgen haben kann.

Am Sonntag, dem 15. Mai, ist Nakba day.

Was war in Palästina eigentlich vorher? Oft ist ja zu lesen, dass dort ein Land ohne Volk war, eine Wüste, die erst durch die Gründung des Staates Israel zu einem grünen Garten wurde. Das stimmt so gar nicht:

(Hier sollte ein Video stehen - leider musste es aus technischen Gründen in den ersten Kommentar eingebunden werden - sorry)

Hunderttausende Palästinenser dürfen sich dieses Land bis heute nur von außen oder aus der Luft ansehen. Vertreibungen gehen weiter, vor allem in Jerusalem und auf der Westbank. Ein Recht auf Rückkehr gibt es nur für Juden – selbst wenn sie konvertiert sind und niemals irgendwelche ihrer Vorfahren dort gelebt haben. Für 1948 und später vertriebene Palästinenser soll dieses Recht jedoch um jeden Preis verhindert werden.

 

Jahrelang wurde immer wieder gekämpft, mit Gewalt von beiden Seiten. Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Versuche seitens palästinensischer, z.T. internationaler Gruppen, gewaltlose Proteste zu organisieren. Das ist für die Beteiligten alles andere als ungefährlich – aus Bil’in liest man immer wieder von Verletzten und Toten unter den unbewaffneten Demonstranten. Auf der Mavi Marmara starben im letzten Mai 9 Menschen – unbewaffnet und in internationalen Gewässern.

 

Und trotzdem wollen am Sonntag, dem diesjährigen Gedenktag, Palästinenser einen Marsch nach Palästina starten. Waffenlos. Aus dem Libanon, aus Ägypten, aus Jordanien, aber auch aus der Westbank an die Mauer. Heute wurden die ersten Treffpunkte bekannt. Es soll ein Marsch à la Gandhi werden. Hoffen wir, dass es keine Toten gibt.

 
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Kommentare
Alien59 schrieb am 12.05.2011 um 14:14
j-ap schrieb am 12.05.2011 um 15:11
»Was war in Palästina eigentlich vorher? Oft ist ja zu lesen, dass dort ein Land ohne Volk war, eine Wüste, die erst durch die Gründung des Staates Israel zu einem grünen Garten wurde.«

Ach, wo liest man denn diesen Unsinn »oft«, wenn ich fragen darf?

Die Frage ist natürlich gemein, weil ich die Antwort schon kenne: Man liest diesen Vorwurf in der Regel bei Leuten, die ihn extra zu dem Zwecke erfunden haben, um ihn gleich im nächsten Satz mit einem großen »aaaaaber ...« widerlegen zu können. Man sieht die Absicht und ist verstimmt; oder halt auch nicht, weil man die Motive teilt.

So wie der Propagadastreifen, den Sie praktischerweise gleich mit dazugestellt haben. Der beginnt, wie könnte es auch anders sein, im Jahre 1948 — ganz so, als hätte es davor überhaupt rein gar nichts gegeben, was man wissen müßte, um den Nahost-Konflikt wenigstens näherungsweise verstehen zu können.

Jischuw? Keine Ahnung.
Balfour-Deklaration? Nie gehört.
Jordanien-Konzession? Pfft.
Völkerbund-Mandat? Hä?
Osmanisches Reich? Öhm ...

Der Nakba Day ist ein interessiertes Politspektakel, um Millionen Palästinenser — es sind ja mittlerweile sechsmal so viel als Vertriebene benannt, wie 1948 überhaupt in Palästina lebten — als Schwung- und Manöveriermasse gegen den ungeliebten Zionistenstaat in Stellung zu bringen, denn die angeblichen arabischen »Brüder und Schwestern«, die den Palästinensern durchaus und bis heute das Recht auf Ansiedlung und Staatsbürgerschaft verweigern, sie sogar einfach und ohne, daß der Guardian diesmal zugesehen hätte, zusammenschießen, wenn sie frech werden, brauchen nunmal einen propagandistischen Gegenhalt.

Und wer böte sich da besser an als das »Zionistenregime«?
Alien59 schrieb am 12.05.2011 um 15:21
Gehts wieder? Nicht, dass Sie der Schlag trifft vor Aufregung.
Komischerweise wird das mit der tollen Leistung der Israelis und dass da vorher nur Wüste war, gerne in deutschen Schulen gelehrt. Da habe ich es jedenfalls zuerst gehört. Danach immer wieder ....

Zu den Vertriebenen zählen auch deren Kinder - das ist bei Palästinensern nicht anders als bei Deutschen aus den Ostgebieten. Also regen Sie sich nicht künstlich über Zahlen auf.

Die Nachbarländer geben den Flüchtlingen nicht die Staatsbürgerschaft? Wie gemein. Und die Deutschen? Wiviele Palästinenser gibt es dort, die seit Jahrzehnten nicht mal arbeiten dürfen? Geschweige denn einen deutschen Pass hätten ....Und Deutschland könnte sich das leisten, anders als Länder, wo die Einbürgerung aller Palästinenser die eigenen Bürger zu einer Minderheit machen würde - wie eben grade in Jordanien - oder das politische System total verschieben würde - wie im Libanon.
Klar, die arabischen Nachbarstaaten könnten da mehr tun - aber das ändert nichts daran, dass alle diese Flüchtlinge ein zu Hause haben: Palästina. Und am Sonntag wird an die Vertreibung gedacht. Den Marsch werde ich, soweit mir möglich, beobachten. Und darüber schreiben - ob es Leuten wie Ihnen passt oder nicht.

Was die Grundlagen des "Nahost-Konflikts" angeht - ich schreibe hier kein Geschichtsbuch. Das könne Sie ja gerne tun.
Alien59 schrieb am 12.05.2011 um 15:21
Gehts wieder? Nicht, dass Sie der Schlag trifft vor Aufregung.
Komischerweise wird das mit der tollen Leistung der Israelis und dass da vorher nur Wüste war, gerne in deutschen Schulen gelehrt. Da habe ich es jedenfalls zuerst gehört. Danach immer wieder ....

Zu den Vertriebenen zählen auch deren Kinder - das ist bei Palästinensern nicht anders als bei Deutschen aus den Ostgebieten. Also regen Sie sich nicht künstlich über Zahlen auf.

Die Nachbarländer geben den Flüchtlingen nicht die Staatsbürgerschaft? Wie gemein. Und die Deutschen? Wiviele Palästinenser gibt es dort, die seit Jahrzehnten nicht mal arbeiten dürfen? Geschweige denn einen deutschen Pass hätten ....Und Deutschland könnte sich das leisten, anders als Länder, wo die Einbürgerung aller Palästinenser die eigenen Bürger zu einer Minderheit machen würde - wie eben grade in Jordanien - oder das politische System total verschieben würde - wie im Libanon.
Klar, die arabischen Nachbarstaaten könnten da mehr tun - aber das ändert nichts daran, dass alle diese Flüchtlinge ein zu Hause haben: Palästina. Und am Sonntag wird an die Vertreibung gedacht. Den Marsch werde ich, soweit mir möglich, beobachten. Und darüber schreiben - ob es Leuten wie Ihnen passt oder nicht.

Was die Grundlagen des "Nahost-Konflikts" angeht - ich schreibe hier kein Geschichtsbuch. Das könne Sie ja gerne tun.
j-ap schrieb am 12.05.2011 um 16:01
Liebe Alien,

es »ging« bei mir immer und ich habe mich auch nicht aufgeregt. Nur bin ich's offengestanden ziemlich leid, daß alle möglichen Politmanöver — ja, auch israelische! — über die Palästinenser ihre jeweils passenden Kalküle aufmachen.

Einen wesentlichen Punkt dazu haben Sie angesprochen: Es paßt niemandem in den Kram, daß sich am Flüchtlingsstatus der Palästinenser auf absehbare Zeit etwas ändert. Den arabischen Nachbarstaaten nicht, den europäischen Staaten nicht, insbesondere auch Deutschland nicht, und selbstredend auch Teilen der israelischen Öffentlichkeit auch nicht.

Aber dabei hilft es auch in gar keiner Weise, die Sache einfach von ihrer historischen Genese kurzerhand abzuschneiden und so zu tun, als sei Israel der unüberwindliche Golem, der für all die folgende Misere die ausschließliche Ursache sei.

Schreiben Sie also, was immer Ihnen beliebt. Ob es mir paßt oder nicht, spielt keine Rolle, denn was mir paßt oder nicht, ist völlig unerheblich, und falls mir tatsächlich etwas nicht paßt, so wie in diesem Fall, dann werde ich schon Mittel und Wege finden, mir Gehör zu verschaffen, so wie hier.

Und was man an deutschen Schulen so gelegentlich über die Geschichte und Umstände des Nahostkonflikts zu hören bekommt, das wäre tatsächlich mal des Berichtes wert, insbesondere, was bayerische Schulen betrifft. Da könnte ich Ihnen nämlich das eine oder andere erzählen, was so ganz und gar nicht in Ihr stereotypes Bild paßt.

Ich grüße Sie!
luggi schrieb am 12.05.2011 um 21:43
Stellen wir uns vor, es gäbe gleichberechtigte Beziehungen, mit wirklich humanistischer Bedeutung, dann könnten so einige israelische Unternehmen, die das ach so friedliche Europa mit preiswerten Waren beliefern, nicht mehr auf billige palästinensische Arbeitskräfte zurückgreifen.
Irgendwie nutzt der Konflikt einigen ... sonst gäbe es ihn nicht.
Alien59 schrieb am 13.05.2011 um 05:59
Luggi - passt nicht. Inzwischen gibt es in Israel Billigstarbeiter aus anderen Ländern - sehr viele Palästinenser wurden entlassen.
Alien59 schrieb am 12.05.2011 um 16:25
140000 Palästinensern wurden durch Israel das Recht aberkannt, in der Westbank zu leben:
www.haaretz.com/print-edition/opinion/ethnic-cleansing-of-palestinians-or-democratic-israel-at-work-1.361196

Und so sieht es auf der Westseite des Jordans aus:
www.btselem.org/Campaigns/2011_Jordan_Valley/English/index.html?v=5
Richard der Hayek schrieb am 16.05.2011 um 17:14
Die müssen sich beeilen, wenn die sich weiter so vermehren, haben sie bald keinen Platz mehr für alle, selbst wenn sie die Israeli vollständig auslöschen.

Was sie sich auch alle wünschen, oder ?
zephyr schrieb am 12.05.2011 um 22:16
Gedenken ist das eine, die Zukunft gestalten das andere. Was halten Sie - alien59, j-ap und luggi - von der Zwei-Staaten-Lösung?
j-ap schrieb am 13.05.2011 um 00:43
Das kommt darauf an, liebe zephyr, welche Zweistaatenlösung Sie meinen. Aber ganz grundsätzlich halte ich eine solche unter den gegebenen Umständen für am wenigsten schlimm.
Alien59 schrieb am 13.05.2011 um 06:02
zephyr: ich denke, so, wie Israel mit palästinensischem Land und arabischen Dörfern in Israel und der Westbank umging und umgeht, ist der Zeitpunkt für eine Zweistaatenlösung abgelaufen.
Kennen Sie Ali Abuminah? Er hat ein Buch über die Einstaatenlösung geschrieben - auch eine Website, ich bin nicht immer seiner Meinung, aber in diesem Punkt hat er mich ziemlich überzeugt.
aliabunimah.posterous.com/
electronicintifada.net/
j-ap schrieb am 13.05.2011 um 14:36
Kennen Sie Avigdor Lieberman, Alien? Der hat vor einiger Zeit auch mal ein Programm für die Einstaatenlösung vorgelegt. Das sieht so aus:

Der Gaza kommt an Ägypten, die Westbank an Jordanien, der Rest an Israel.

Ich stimme ihm nicht zu, hier übrigens auch nicht, aber jemand wie Lieberman ist genau der Deckel, der auf einen Top wie Abuminah paßt; weswegen es so schnell auch keinen Frieden geben dürfte, solange Leute wie die zwei dazu etwas zu sagen haben.
zephyr schrieb am 13.05.2011 um 16:38
@alien50; j-ap

Ich kenne Ali Abuminah nicht. (Und weiß auch nicht recht, welche der Texte und Aufnahmen, die von alien59 verlinkt wurden, ich nun lesen/anhören sollte, um seine Einstellung zur Zukunftsgestaltung herauszufinden.) Von Avigdor Lieberman habe ich dagagen schon sehr deutlich gehört und gelesen.

Ich weiß nur, was ich in den letzten Tagen und Wochen der Presse entnehme: dass der Palästinenserführer Abbas sich offenbar für eine Zweistaatenlösung ausspricht. (Und wie genau die aussehen soll, wird meiner Wahrnehmung nach selten deutlich in den Artikeln beschrieben. Jerusalem wird jedenfalls nur eines der großen Themen sein.) Auch scheinen sich bereits über 100 Mitgliedsstaaten der UN für einen unabhängigen Palästinenserstaat auszusprechen und mit der Verkündung/Ausrufung/Gründung (wie würde man das nennen?) desselben wird im Herbst dieses Jahres gerechnet. Dann wird das Anerkennungs"spiel" beginnen. Und eine Zeit der Unberechenbarkeiten noch dazu.

Wieso sollte der Zeitpunkt für eine solche Lösung pberhaupt jemals ablaufen können, alien59?
Alien59 schrieb am 13.05.2011 um 17:21
@zephyr: der Zeitpunkt ist abgelaufen, weil durch die jüdische Siedlungspolitik etc. einfach kaum noch etwas übrig ist, was als Palästinensischer Staat neben Israel bestehen könnte. Israel will eine Art Bantustans errichten - selbstverständlich unbewaffnet, mit von Israel kontrollierten Grenzen (einschließlich des Jordantals!) und ähnlichen, für einen selbständigen Staat völlig untragbaren Ideen.

Abbas - seit die Palestine Papers veröffentlicht wurden, ist klar, dass er einem Ausverkauf zustimmen würde. Die Ausrufung eines Staates zum jetzigen Zeitpunkt für ein so winziges Gebiet, in Stückchen, mit zig-tausenden feindlichen Bewohnern (Siedlern), würde nicht weiterhelfen.
Völlig verkauft würde dabei das Recht der Flüchtlinge auf Rückkehr.

@Jap: der Vergleich mit Liebermann ist eher widerlich. Dessen Ideen - Sie vergessen, dass er auch noch alle israelischen Araber nach Jordanien deportieren wollte und die Westbank behalten - sind die reine Apartheid.
Abunimah - von dem Sie anscheinend nichts gelesen haben - vertritt einen gemeinsamen Staat, damit alle Ressourcen für alle da sind. Diese Vorstellung behinhaltet keine Deportationen.
Alien59 schrieb am 13.05.2011 um 17:21
@Luggi: sorry, mein Laptop - oder ist es die Leitung - mag mal wieder keine Bild- und Ton-Dateien.
Ullrich Läntzsch schrieb am 16.05.2011 um 14:15
@ "einen gemeinsamen Staat, damit alle Ressourcen für alle da sind. Diese Vorstellung behinhaltet keine Deportationen."

Ja, ein Staat, wo die Brüder, Palästinenser und Israelis, gleichberechtigt und friedlich zusammen leben. Ja, das wäre ein Traum.

Frage mal: Was sagt die Festung Europa dazu, wenn Afrikanern plötzlich ein Landweg zur freien Verfügung stände? Offene Grenzen wie in Europa?
Ein Alptraum für alle Flüchtlingsphobiker.
Ein weiterer GUTER Grund für den Erhalt des Konflikts?
Alien59 schrieb am 16.05.2011 um 14:24
Gute Frage - aber passt mir als Vergleich nicht.
Die, die aus Afrika nach Europa wollen, fliehen die Heimat Richtung Fremde - warum auch immer.
Die Palästinenser wollen aber nach Hause!
Ullrich Läntzsch schrieb am 16.05.2011 um 15:06
Habe mich wohl falsch aus gedrückt, ich wollte die Lage der Palästinenser nicht mit den Flüchtlingen aus Afrika vergleichen.
Mir ging es um den Gedanken, wie weit da nicht europäische Regierungen für den Konflik dankbar sind, weil sonst ggf. Flüchtlingen bequemer auf dem Landweg zu uns kommen könnten.
Alien59 schrieb am 16.05.2011 um 15:12
Scheint eher, dass ich auf der Leitung stand. Klar.

In dem von dir vorgestellten Fall ginge der Landweg dann wieder über die Engstelle Türkei/Griechenland - das ist jetzt schon schlimm genug.
Alien59 schrieb am 13.05.2011 um 06:34
Heute wurde an vielen Orten, vor allem auch in Kairo am berühmten Tahrir-Platz, beim Fajr-Gebet (vor Sonnenaufgang) für die Freiheit Palästinas gebetet. Der Marsch nach Palästina wurde damit begonnen, auch wenn die meisten Gruppen erst morgen wirklich loswandern werden.
Phineas Freek schrieb am 16.05.2011 um 17:01
Vielleicht ist es für Sie von Interesse wie die amtlichen Hauptmedien zur Primetime in Deutschland mit den jüngsten israelischen Massakern in ihrer Berichterstattung umgehen – nämlich mit aktiven Totschweigen.
Während jedes wirkliche und angebliche Todesopfer in Syrien nicht unerwähnt bleibt, inklusive der hundertprozentigen Schuldzuweisung in Richtung Assad, brachte es die gestrige TAGESSCHAU (unter anderen) mal wieder fertig, das ganze unerwähnt zu lassen.

Stattdessen ein langer Bericht über die Meisterschaftsfeier von Borussia Dortmund.
Obwohl ein ausführlicher (tendenziöser) Beitrag zum Nabkatag produziert und zu Verfügung stand – und erst nachträglich und heute in die Videodatei der 20:00 Uhr-Nachrichten auf der Homepage der TAGESSCHAU eingebaut wurde (damit die Manipulation zeitlich hinhaut, wurde gleichzeitig der Sportbericht entfernt).
Im Klartext: die heute im Netz als original ausgewiesene 20:00 Uhr-Nachrichtensendung von gestern auf der Tagesschau-Homepage, ist eine komplett andere, als die, die gestern wirklich lief.
Soviel erstmal, zu den jüngsten Fortschritten einer freien demokratischen Presse im DIENST nationaler Verantwortung.

(der Schnitt (ungefähr nach 12:35 Min.) ist nicht zu übersehen)

www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts26632.html
Alien59 schrieb am 16.05.2011 um 17:09
Danke, ich hatte mir so etwas schon gedacht.
Es ist nicht erstaunlich, dass die deutsche Öffentlichkeit ein oft schiefes Bild hat - das, was man ihr vorenthält, würde mehr als Bibliotheken füllen. Alleine das jedes israelische Opfer in den Nachrichten Sendezeit erhält, die meisten palästinensischen jedoch nicht, führt zu einer verzerrten Wahrnehmung.
Das, was Sie da schildern, ist allerdings schon sehr krass.
Und wenn etwas zu lesen war, wurde von Angriffen auf Israels Grenzen berichtet - wovon eigentlich nicht die Rede sein konnte. Z.T. standen allerdings - den Bildern nach zu urteilen - die isr. Soldaten auf dem Gebiet des Nachbarstaates, auf der anderen Seite des Grenzzauns.
Dafür gab es mal wieder genug unbewaffnete Tote, in der Westbank mischten sich verkleidete isr. Soldaten unter die Demonstranten und als Fotographen unter die Presse.

Mir war nach diesem Blog die Motivation, zum Nakba-Tag noch etwas zu schreiben, eher abhanden gekommen.
j-ap schrieb am 16.05.2011 um 20:55
»Und wenn etwas zu lesen war, wurde von Angriffen auf Israels Grenzen berichtet - wovon eigentlich nicht die Rede sein konnte. Z.T. standen allerdings - den Bildern nach zu urteilen - die isr. Soldaten auf dem Gebiet des Nachbarstaates, auf der anderen Seite des Grenzzauns.
Dafür gab es mal wieder genug unbewaffnete Tote, in der Westbank mischten sich verkleidete isr. Soldaten unter die Demonstranten und als Fotographen unter die Presse.
«

So gibt halt eine Legende der nächsten die Hand, wo doch schon am Freitag zu lesen war, wohin diese Reise gehen sollte und welchem Zweck sie dienlich war:
While secular Egyptian movements had intended to mobilize millions of Egyptians on Friday in order to support national unity and condemn attacks on Christians in Egypt, Islamist forces succeeded in turning the protest in support of what is referred to as the "Third Palestinian Intifada".

(...)

Anti-Israel chants dominated the protest as the Muslim Brotherhood set up a large stage in the square.

Protesters, who held Palestinian flags, chanted “To Jerusalem we are headed… martyrs by the million,” and “Abbas, Hania… Do not let go of the rifle,” in reference to Palestinian president Mahmoud Abbas and Hamas leader Ismail Hania.

The Friday sermon in Tahrir Square was dominated by pro-Palestinian discourse. The preachers called on Christians and Muslims to go to Jerusalem to pray in mosques and churches there.
Schreibt jedenfalls die ägyptische Al-Masry Al-Youm, die im Unterschied zu uns am Tahrir stand.
Phineas Freek schrieb am 17.05.2011 um 00:25
…finden dann die regelmäßigen Gewaltorgien Israels den umständlichen Weg in die Öffentlichkeit – und sei es hier in den Kommentarspalten – Josef ist prompt zur Stelle, mit Wischmob, Eimer und Scheuermilch…
Alien59 schrieb am 17.05.2011 um 11:21
Phineas: gut ausgedrückt, danke. Wobei ich nicht einmal sehe, was an j-aps Worten meine Darstellung widerlegt. Auch in seinem Zitat wird nichts von bewaffneten Palästinensern geschrieben.

Ein anderer Blog hier im Freitag beschäftigt sich genau mit der fehlenden bzw. falschen Darstellung in der deutschen Presse:
www.freitag.de/community/blogs/freiheitsliebender/demonstranten-werden-ermordet--wo-sind-die-deutschen-medien
j-ap schrieb am 17.05.2011 um 13:37
»Wobei ich nicht einmal sehe, was an j-aps Worten meine Darstellung widerlegt.«

Wie kommen Sie darauf, ich würde hier irgendetwas widerlegen wollen? Ich sprach von Legenden, und eine solche haben Sie hier — unbelegt — vorgetragen:

»Z.T. standen allerdings - den Bildern nach zu urteilen - die isr. Soldaten auf dem Gebiet des Nachbarstaates, auf der anderen Seite des Grenzzauns.«

Nachweis? Fehlanzeige. Weiter:

»Dafür gab es mal wieder genug unbewaffnete Tote, in der Westbank mischten sich verkleidete isr. Soldaten unter die Demonstranten und als Fotographen unter die Presse.«

Nachweise? Auch hier Fehlanzeige, klar.

Leute, für die es selbstverständlich ist, daß der Nahostkonflikt aus einer hochgerüsteten Besatzungsarmee hier besteht, die unbewaffnete, unterdrückte und gewaltfrei »nach Hause« zurückkehren wollende Einwohner dort zusammenschießt, sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt, die philosophieren halt lieber über krasse Mißverhältnisse in der Berichterstattung, als daß sie mal sagen, was Sache ist.

Und deshalb schweigt man sich über die reihenweise schlicht gelogenen Berichte in großen westlichen Nachrichtensendungen und Zeitungen auch dezent aus — weil sie in diesem Fall zugunsten der »friedlichen Demonstranten« ausfallen.
Phineas Freek schrieb am 17.05.2011 um 15:17
Hallo Josef,

…was Sache ist, wurde auf diesen Seiten auch von mir und vielen anderen sehr kontrovers und x-mal durchdiskutiert. Ist doch komplett zwecklos die immer gleiche Kreisbewegung.

Wer den staatlich organisierten Terror einer Besatzung und seine kontrollierten Massaker als das bezeichnet was sie sind, weil das Abschlachten von Menschen barbarisch ist, wird da Israel und seine jüngsten Blutbäder in seine Kritik mit einschließen müssen…

Sei’s drum, wie es aussieht, kollabiert die gesamte globale Scheiße eh wesentlich rasanter, als angenommen…da drängt sich eigentlich nur noch die Frage auf, was man selbst, mit der noch verbleibenden Zeit, den bescheidenen Mitteln und Möglichkeiten, lebenswertes überhaupt noch anfangen will und kann...

Gruss
Phineas
j-ap schrieb am 17.05.2011 um 15:34
Hallo Phineas!

»Sei’s drum, wie es aussieht, kollabiert die gesamte globale Scheiße eh wesentlich rasanter, als angenommen…«

Da kann ich Dir allerdings aus vollstem Herzen beipflichten, auch wenn ich zu meiner Schande gestehen muß, daß mir das erst im Verlaufe der letzten paar Wochen so richtig klar wurde (was, nebenbei erwähnt, meine manchmal reichlich vitriolhaltigen Kommentare erklären mag).

Gruß zurück
Josef

PS: Du solltest jetzt wirklich mal Dein Profil freigeben, weil man dann Deine Kommentare besser verfolgen kann. Lange genug bist ja jetzt sowieso schon hier; du mußt ja nicht gleich mit zig Artikel durch die Tür brechen — das ist ja der Vorteil für uns, die wir nix liefern müssen, auch wenn ich zweifelsohne Deine Artikel gern lesen würde.
Alien59 schrieb am 17.05.2011 um 11:28
Zwei gute Artikel zum Thema, für die, die es interessiert:
mondoweiss.net/2011/05/the-arab-spring-comes-to-palestine.html
www.juancole.com/2011/05/the-arab-spring-comes-to-israel.html
Der letztere ist sehr ausführlich - J.Cole ist meist sehr lesenswert, Mondoweiss allerdings auch.
Alien59 schrieb am 17.05.2011 um 13:11
Und noch einer in "The Economist", den ich am liebsten hier im Volltext einstellen würden - er stellt genau meine Frage: jahrelang wurde den Palästinensern angesonnen, gefälligst gewaltfrei zu demonstrieren. Jetzt kommen sie dem nach - und nun?
www.economist.com/blogs/democracyinamerica/2011/05/israel_and_palestine_0
"We've asked the Palestinians to lay down their arms. We've told them their lack of a state is their own fault; if only they would embrace non-violence, a reasonable and unprejudiced world would see the merit of their claims. Over the weekend, tens of thousands of them did just that, and it seems likely to continue. If crowds of tens of thousands of non-violent Palestinian protestors continue to march, and if Israel continues to shoot at them, what will we do? Will we make good on our rhetoric, and press Israel to give them their state? Or will it turn out that our paeans to non-violence were just cynical tactics in an amoral international power contest staged by militaristic Israeli and American right-wing groups whose elective affinities lead them to shape a common narrative of the alien Arab/Muslim threat? Will we even bother to acknowledge that the Palestinians are protesting non-violently? Or will we soldier on with the same empty decades-old rhetoric, now drained of any truth or meaning, because it protects established relationships of power? What will it take to make Americans recognise that the real Martin Luther King-style non-violent Palestinian protestors have arrived, and that Israeli soldiers are shooting them with real bullets?"
Alien59 schrieb am 17.05.2011 um 16:54
Louis Levy schrieb am 20.05.2011 um 18:01
"Nakba day ist der Tag, an dem die Palästinenser in aller Welt der Besetzung ihres Landes, der Tötung und Vertreibung von ca. 80% der im später israelischen Teil Palästinas lebenden Muslime und Christen gedenken."

Der Satz mag wohl richtig sein, aber DASS die Palästinenser DER BESETZUNG IHRES LANDES gedenken, entbehrt jeder Grundlage. Der Jischuw umfasste zur Zeit der Staatsgründung nach Wiki-Angaben 700.000 jüdische Menschen. Und die gab es für Dich offenbar nicht. Als was soll man das bezeichnen?

Du redest von Vertreibung, unterschlägst aber wieder, wer da eigentlich von wem angegriffen wurde. Dass die "Flüchtlingszahlen" derart hoch waren (70% oder ca. 300000 bis 400000, die sich dem Krieg entzogen) ist u.a. der Tatsache geschultet, dass die Araber im neugegründeten Israel von den sieben arabischen Angreifer-Armeen aufgefordert wurden Israel zu verlassen, um nicht "ins Schussfeld zu geraten" und der Auslöschung der Juden nicht im Wege zu stehen. Man versprach den "flüchtenden" Arabern den Staat Israel mit Hab und Gut dafür.

Auf wessen Seite stehst Du da? Z.B. auf Seiten der "Armee des heiligen Krieges", die von al Husseini, der für die Zusammenarbeit mit dem Nazi-Regime bekannt ist, angeführt wurde! Darüber würde ich an Deiner Stelle mal nachdenken.

lg LL
Alien59 schrieb am 22.05.2011 um 10:58
Ich stehe auf der Seite der Palästinenser, die nach Haus wollen, bzw. in ihrer Heimat als gleichberechtigte Bürger leben möchten.
Was den Rest angeht, hat eigentlich fast alles, was ich hier schreiben müsste, gerade Mondoprinte zusammengefasst:
mondoprinte.wordpress.com/2011/05/07/existenzrecht-und-andere-schaumbegriffe

Zu dem ach so gern zitierten Husseini gibts auch was zu lesen:
alienineurope.wordpress.com/2009/12/31/muslime-sind-keine-nazis/
Louis Levy schrieb am 25.05.2011 um 17:25
O.K., Du stehst also auf der Seite der „Palästinenser“. Wer soll das sein? Ich vermute Du meinst die Araber, die einmal in dem Landstrich Palästina wohnten. Das meinen nämlich alle Israelgegner, die nur den Ihnen genehmen (judenverurteilenden) Teil der Geschichte sehen und den restlichen ausblenden“. Dort wohnten aber auch, und wohnen ggf. noch heute, jüdische „Palästinenser“. Der Landstrich „Palästina“ erstreckt sich nicht nur auf Israel sondern auch z.B., und das war und ist der wesentlich größere Teil „Palästinas“, Jordanien! Die Araber „Palästinas“ besaßen nie allein ein „Land Palästina“. Insofern kann man nur verrückt nennen, wenn sie der „Besetzung IHRES Landes“ gedenken und von angeblichen Linken, die über jüdische Geschichte Bescheid wissen sollten, dabei unterstützt werden. Indem Du Dir ihre Sichtweise von der „Besetzung ihres Landes“ zu eigen machst, stellst Du Dich klar, ob Dir das passt oder nicht, auch auf die Seite der damaligen Angreifer, nämlich der vom SS-Mitglied al-Husseini angeführten „Armee des heiligen Krieges“ . Dass Du eine Behandlung als „gleichberechtigte Bürger“ explizit nicht z.B. für Juden in Jordanien forderst oder z.B. nicht den Vernichtungswillen der Hamas (=Palästinenser?) verurteilst, zeigt deutlich das zweierlei Maß, das Du hier anlegst. Dieses zweierlei Maß oder diese doppelten Standards, indem an Israel völlig andere bzw. wesentlich höhere Verhaltensansprüche gestellt werden, als an andere Nationen, werden oft auch als Antisemitismus definiert und bezeichnet.

lg LL
Alien59
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