Anabell

Die Joker Generation

12.05.2009 | 12:03

Der letzte Papst.

Warum empfinde ich nur eine stetige Abwehr, wenn ich den Papst in Israel sehe. Die Veranstaltungen um den Papst herum derzeit in Jerusalem sind für mich schwer zu ertragen. Ich kann kaum hinsehen, Schamesröte bewegt sich in Abwarteposition.

Während der Papst Benedikt XVI. im Kreise seiner Bodygards in der "Halle der Erinnerungen" aushält, die Überlebenden dort an den sinnlosen Tod von Millionen europäischen Juden erinnern, Gesänge zwischen den Mauern das kollektive Gedächtnis für die Welt schmerzvoll innehalten lassen, erinnert es sich vermutlich
auch in ihm, sein Gesicht wird zum Kindergesicht, die Ohren zu Kinderohren, seine Haltung wirkt klein.
Es scheint, als wage er es nicht jemanden anzuschauen.

Volljährig und erwachsen war damals der Joseph Ratzinger, als der Krieg vorbei war. Inzwischen sind Jahrzehnte vergangen, viel Zeit und Möglichkeiten zum Aufarbeiten des Holocaust sind ungenutzt geblieben. Noch schlimmer, der Papst setzt sogar nach, diffuses Verhalten seit Amtsantritt wird im Nebel gehalten. Heute kein Wort zu neulichen päpstlichen Erhebung des Holocaust - Leugners Bischof Richard Williamson, man äussert sich lieber allgemein zum Antisemitismus.

In Yad Vashem werden die "Piustafeln" vor dem Papst versteckt, die an das Nichtstun des Papstes Pius XII. während des Holocaust erinnern sollen. Um die Frage nochmal deutlich zu stellen, der Besuch aus dem Vatikan soll nicht erinnert werden? Nicht erinnert werden an das Nichtstun während der Ermordung und Folterung von Millionen Menschen ?

In mir zuckt es jedesmal zusammen, wenn das Wort "Zitat" aus dem Mund des Papst Benedikt XVI. zu hören ist, der ja heute nur als "Bischhof von Rom" nach Jerusalem kommt, nicht in seiner Eigenschaft als Papst - welche hohle Demonstration -. Nicht einmal er traut sich als Papst die Verantwortung für seine Auftritte zu übernehmen.

Papst der Unwissende

Wenn es tief in mir menschlich aussieht, meine Haltung stetig den anderen Menschen zugewandt ist, kann ich nichts falsch machen, wird selbst ein Besuch in Jerusalem nicht zu einem "Hürdenlauf" und "Eiertanz" wie die Medien inzwischen den Papstbesuch, fast mit angehaltenem Atem begleiten.

Das kollektive Gedächtnis wurde vom aktuellen Papst in den letzten Monaten um einige Fakten erweitert. Diplomatische Aussetzer in einem Gespräch würden nachdenklich stimmen, doch Beleidigungen der Muslime in einer vorbereiteten Rede, lassen eher tief blicken. Und da beschwert sich nun die Presse, dass heute der Scheich Taisir Al-Tamimi es nicht mehr aushält, sich nach der Rede vom Papst einfach selbst das Wort gibt. Interreligiöse Zusammenarbeit schliesst Muslime mit ein, nicht aus. Doch der Papst besucht Israel, nicht Palästina. Eine eindeutige Aussage.

Ich schäme mich schon vor jedem seiner Auftritt des Nachfolgers des Papst Johannes Paul II. Die Lebensweisheit und herzlichen Auftritte seines Vorgängers in seinen letzten Lebensjahren sind mit keinem der Ratzinger Bücher zu ersetzen. Ratzinger hätte auch ablehnen können, als man ihn fragte, ob er Papst werden will.
Er war erwachsen, ebenso wie damals - 1945.

Wozu braucht die Welt heute noch einen Papst,
der mit seinen Besuchen die Menschen sorgenvoll blicken lässt,
in Erinnerung an die vielen Peinlichkeiten.
Ein Papst, der Salz in alte Wunden streut,

jeden Antisemit auf die Berechtigung
seiner unmenschlichen Haltung hoffen lässt.

Tiefe Einsichten in das Leben und Weisheit
lassen sich eben nicht erlernen,
die geschehen und sind da.
Oder auch nicht.

 

 

 
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Anabell
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