Andererseits

Was auch immer, ich bin dagegen

14.03.2009 | 16:12

Killerspiele und Waffengesetze oder die nackte Angst der Mächtigen

In regelmäßgen Abständen tauchen sie auf: Amokläufer. Ganz normale Jungs, die in ihrem bisherigen Leben nie einer Fliege etwas zuleide getan haben. Von jetzt auf nachher gehen sie wahllos auf Andere los und töten sie.

Wahllos? Interessant an Amokläufern ist, dass sie immer in Schulen amok laufen. Nie in einer Postfiliale, oder in einer Behörde, oder im Mediamarkt, wobei mir selbst des öfteren Mordgedanken durch den Kopf geschossen sind, wenn ich einmal mehr von einem sturen Beamten schikaniert worden bin. Die Opfer sind immer Kinder, von ein paar Lehrern hier und da abgesehen. Nie gibt es Zeugen, die berichten wie sie tatsächlich gesehen haben, dass der Täter geschossen hat. Und in den allermeisten Fällen sind die Täter anschliessend ebenso tot wie ihre Opfer.

Ebenfalls interessant ist die anschliessende "Debatte" in Politik und Medien. Die Motive sind derart unergründbar, dass man üblicherweise darauf verzichtet, sie zu erforschen. Oder - wie im aktuellen Fall - man erfindet sie kurzerhand. Um die Motive dreht sich die "Debatte" aber nur sehr kurz. Schnell kommen Innenpolitiker aller Couleur aus ihren Löchern gekrochen und stellen ihre altbekannten Forderungen: "Killerspiele" seien schuld und müssen verboten werden; privater Waffenbesitz sei das Problem und müsse verhindert werden.

Abseits aller Verschwörungstheorien über die tatsächliche Existenz der sogenannten "Amokläufer", nach der eben jene auch nur Opfer und die eigentlichen Täter andere, maskierte (der aktuelle Täter trug während der Tat einen schwarzen Kampfanzug, wie die Thurgauer Zeitung berichtet), unbekannte Männer, gewesen sind, möchte ich an dieser Stelle die Motive der Politiker ausleuchten, die die Amokläufe nur allzu gern als Vehikel für ihre anscheinend gut gemeinten Forderungen missbrauchen.

Über die Frage "cui bono" - "Wem nützt es?" muss man bei der Forderung nach einem Verbot von Killerspielen intensiv nachdenken.  Wem also würde ein solches Verbot tatsächlich nützen? Schauen wir uns diese Spiele einmal genauer an.

In Counterstrike stellt der Spieler einen bewaffneten Soldaten oder Terroristen dar. Man kämpft im Team zusammen mit anderen Spielern in einer Mission. Diese besteht, je nachdem ob Soldat oder Terrorist, in der Befreiung von Geiseln, dem Einnehmen von Gebäuden, dem Zurückerobern von Gebieten oder schlicht dem Vernichten des Gegners. Man verfügt über lebensechte Waffen: Pistolen, Gewehre, Schrotflinten, Maschinenpistolen, Granaten, Panzerfäuste et cetera. Man kommuniziert mit seinen Mitspielern in Echtzeit per Chat, welcher oben eingeblendet wird. In modernen Varianten verwendet man Teamspeak und kann dann sogar tatsächlich mit seinen Mitspielern sprechen und wird nicht vom Tippen im Chat abgelenkt.

Man sieht schon anhand der Missionen, die man bestehen muss, worum es in diesem Spiel gerade nicht geht: ums Töten um des Tötens willen. Es ist auch nicht so, dass keine Spiele gäbe, in denen das so ist, wie "Quake III Arena" oder auch "Unreal Tournament", wo man extra Punkte bekommt, wenn man mit zwei Schuss hintereinander zwei Gegner ausschaltet. Aber von Quake oder Unreal hat man noch nie einen Politiker reden hören.

Also, was für ein Problem haben diese Leute eigentlich mit diesen Spielen? Dazu muss man sich anschauen, welche Fähigkeiten in diesen Spielen trainiert werden. Da wäre als erstes und wichtigstes die Zusammenarbeit im Team zu nennen, sich Anderen anzuvertrauen, gemeinsame Aktionen zu koordinieren. Aber man trainiert auch diverse taktische Fähigkeiten: das Erkennen von Gefahren und Fallen, Offensichtlichem zu misstrauen, vorrausschauend zu handeln, die potentiellen Züge des Gegners in seine eigene Planung mit einzubeziehen. Der eigentliche Vorgang des Tötens hat in solchen Spielen tatsächlich einen eher untergeordneten Rang, es stellt eher den Handlungsrahmen als den Zweck des Spiels dar. Oft genug gibt es Missionen, die man auch gänzlich ohne Töten erfolgreich bestehen kann.

Warum aber sollen solche Fähigkeiten gefährlich sein? Dazu muss man sich nur die sehr einfache Frage stellen: Für WEN gefährlich? Und die Antwort ist natürlich einleuchtend, wenn man sich die Hunde anschaut, die am lautesten heulen - die Politiker nämlich. Nicht naheliegend ist aber die Frage, weswegen Politiker ein Problem damit hätten, wenn viele junge Leute über taktische Fähigkeiten verfügten.

Um das zu ergründen, muss man die Entwicklung im größeren Kontext betrachten. Die Finanzkrise ist heutzutage allgegenwärtig, absehbar war sie aber schon seit vielen Jahren. Wer ein wenig aufmerksamer die Veröffentlichungen verfolgt hat, dem dürfte das nichts neues sein. Und ebenso ist es der Politik schon seit Jahren klar, was auf uns zukommen wird. Auch hier muss man die Geschichte einfach zu Ende denken um auf "den Trichter" zu kommen: der Finanzkrise wird unweigerlich die Wirtschaftskrise folgen. Diese wird unweigerlich mit hohen Arbeitslosenzahlen verbunden sein. Hohe Arbeitslosenzahlen wiederum bedeuten massive soziale Spannungen. Die Menschen werden sich mehr und mehr ungerecht behandelt fühlen. Je verkorkster und blöder die Ausreden der Regierung sind und je mehr Menschen arbeitslos werden, umso mehr wird es Unruhen geben. Die Ausschreitungen in den Pariser Vororten letztes Jahr oder die in Griechenland sind nur ein lauer Vorgeschmack auf das, was da noch kommen mag.

Und die Mächtigen wissen das sehr genau. Solche Zeiten sind einerseits gut geeignet, alle Demokratie und Freiheit in die Hölle fahren zu lassen und Diktaturen zu errichten. Das ist auch nicht erst seit Hitler bekannt. Andererseits können in solchen Zeiten aber auch Revolutionen entstehen und  Machtstrukturen umgeworfen werden. Und exakt hier ist der Hund begraben: Die Mächtigen dieses Landes, vertreten durch die Politik, fürchten nichts mehr, als ihre Macht zu verlieren. Um jeden Preis muss diese Macht erhalten werden.

Wenn es also zu einem Ausbruch, zu Unruhen und Aufständen kommen sollte, dann wird die Staatsmacht jeden Vorteil gebrauchen können, den sie haben kann. Einer dieser Vorteile wäre, dass Unruhen chaotisch und unorganisiert verlaufen. Und hier macht das Verbot von Killerspielen denn nun endlich auch einen Sinn. Denn wo sonst, als in solchen virtuellen Umgebungen, kann man heutzutage noch Teamwork, vorrausschauendes Denken, Vertrauen, Taktik, Organisation und Kommunikation trainieren? In einer Gesellschaft, in der jeder nur sich selbst der nächste ist, in der die Familie nichts mehr zählt, in der jeder nur krampfhaft versucht über die Runden zu kommen?

Ein Schuh wird aber erst richtig draus, wenn man das Thema Waffen in die Betrachtung mit einbezieht. Wie ja jeder weiss, gibt es in den USA nicht einfach nur liberale Waffengesetze, dort ist die Erlaubnis zum Waffenbesitz Teil der Verfassung. Beziehungsweise, um es genau zu sagen, es ist ein Grundrecht. Zusammen mit der Meinungsfreiheit und anderen Menschenrechten. Sehr gerne wird sich hierzulande über diesen Verfassungszusatz aufgeregt. Und ebenso gerne wird dabei die Motivation der Gründungsväter der USA übersehen. Denn denen ging es natürlich nicht darum, den Bürgern ein Mittel zum willkürlichen Morden in die Hände zu geben. Es ging ihnen darum, dem Staat, der womöglich eines Tages allzu mächtig zu werden droht, einen potenten Gegner in den Weg zu stellen: nämlich ein bewaffnetes Volk. Es ist in der Tat ein leichtes, einer unbewaffneten, weitgehend ungebildeten und im ewigen Existenzkampf verfangenen Menschenmasse eine Diktatur aufzuzwingen. Leute wie Hitler oder Mousolini hatten ein leichtes Spiel aus ebendiesen Gründen. So ein leichtes Spiel werden die Regierungen, denen bewaffnete Bürger gegenüber stehen, jedenfalls nicht haben. Ganz im Sinne der Verfassungsväter.

Allerdings, so muss man sich fragen, trifft das auf Deutschland ja nun nicht wirklich zu. Wer darf hierzulande schon eine Waffe haben? Unsere Waffengesetze sind die mit Abstand strengsten der Welt. Waffenbesitzer sind bekannt und registriert. Sollte es hart auf hart kommen, wären die schnell entwaffnet.

Und, auch das muss man sich fragen, trifft es denn etwa nicht zu, dass die Menschen in diesem Land seit Jahrzehnten mit ihrem Überlebenskampf in Schach gehalten werden? Was sollte sonst der Zweck von Hartz IV, Sozialabbau, Bildungsabbau, Gesundheitsabbau, Steuererhöhungen, Lug und Betrug wohin man schaut, sein?

Hier offenbart sich uns denn das wahre Ausmaß der Furcht, die die Mächtigen unseres Landes umtreibt. Wieviel Angst vor dem Volk muss man haben, um ihm nicht einmal den leisesten Vorteil überlassen zu wollen? Denn so viele Computerspieler gibt es nämlich gar nicht, als dass diese zu einer staatsgefährdenden Größenordnung zählen könnten. Man riecht förmlich die nackte Panik, die schiere Angst davor, dass die "Massen" sich erheben könnten.

Und ist diese pure Panik nicht ein interessanter Indikator für den Ernst der Lage, in der wir uns tatsächlich befinden? Darüber sollte jeder für sich einmal in Ruhe nachdenken.

[Update]:
Angeblich habe Tim K. am Tag zuvor zwei Stunden lang "Far Cry 2" gespielt. Das Spiel steht in Deutschland auf dem Index, ist nur ab 18 erhältlich und Gewaltszenen sind in der deutschen Version zensiert. "Counterstrike" und "Tactical Ops" habe er auch installiert gehabt. Ausserdem war er leidenschaftlicher Tischtennisspieler (Kreisklasse). Und er liebte klassische Musik, insbesondere Opern. Ein typischer Killer eben...
 
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Kommentare
ChristianBerlin schrieb am 15.03.2009 um 09:13
Ein befreundeter Staatsanwalt hat mich auf diesen Text aufmerksam gemacht. Beweist das schon den Inhalt? Ich vermute ja, Du würdest das als Indiz für Deine Verschwörungstheorie nehmen.

Nach Deiner Logik ist Wolfgang Schäuble als der politische Wortführer unter den Gegnern Waffenverbote ein heimlicher Revolutionär, während Christian Ströbele mit seiner Forderung, Waffen wegzuschließen, ein Reaktionär sein muss.

Fällt Dir nicht auf, dass daran irgendetwas nicht ganz passt?

Ich folge Deiner - wie immer sehr sachlichen - Argumentaion in zwei Punktent: Für die DDR trifft zu, dass der Hauptgrund, die Waffen der Schützenvereine unter Verschluss zu halten, tatsächlich die 1000 Gründe gewesen wären, die jeder gehabt hätte, sie dort zu benutzen. Der Schock vom 17. Juni ist nie vergessen worden. Man fürchtete nichts mehr als das Volk. Aber siehe da: Es ging auch ohne Waffen, allein mit der Sprache, sie musste nur gefunden werden.

Die zweite Unterstützung kriegst Du für die US-Motive. Ich bin sicher, die US-Amerikaner deuten ihren Verfassungszusatz ähnlich, wie Du es hier beschreibst.

Das heißt aber noch nicht, dass in der Realität "das Volk", wenn es sich erhebt, auch nur die leiseste Chance hätte gegen ausgebildete und hochorganisierte Militärs. Die wenigen Beispiele erfolgreicher Erhebungen, die ich kenne, standen und fielen damit, dass ein Teil des landeseigenen Militärs mit von der Partie war oder umschwenkte. Auf einem anderen Blatt steht der Zermübrungsterror gegen Invasoren und deren Verbündete nach dem Guerrilla-Prinzip. Beides muss man moralisch nicht schön finden, aber es geht zunächst einmal um die Fakten. Wenn Du Gegenbeispiele nennen kannst, bitte gern.

In den USA ist das genauso. Auch wenn sie es anders fühlen, haben diejenigen freien Bürger, die sich mit ihrer Flinte in der Hand hinstellen und ihre Scholle gegen die Staatsmacht verteidigen, noch nie eine Chance gehabt. Sie fühlen das nur.

Konsequenz: Vielleicht werden einige man durch eine Waffe in der Hand etwas selbstbewusster und aufmüpfiger, auch politisch. Wenn es aber zur bewaffneten Konfrontation kommt, wird ihnen jede Illusion geraubt werden. Ein sinnloses Blutbad, das ist dann alles.

[...]
Magda schrieb am 17.03.2009 um 19:56
@ ChristianBerlin
Da man innerhalb der Kommentare nicht mehr antworten kann, dann also hier:
Zitat: Zu meinem Entsetzen musste ich übrigens am Wochenende in Leipzig feststellen, dass ich in einem der vielen neuen Mauerfall- und Einheitsrückblicke sogar als Lichtgestalt auftauche. Ich hoffe, Dir bleibt ein solcher Schock erspart. Zitatende

Aha, nicht nur ein Theolog, auch noch ein Held, ein Held. Theologen sind mir zu geschwätzig. Und mit Helden streite ich nicht, die verehre ich nur aus der Ferne.
Ganz scheu und mit offenem Mund. :-))
verbleibt Magda
ChristianBerlin schrieb am 18.03.2009 um 10:50
@Magda

Ich hatte gehofft, Du hilfst mir, mich vom Sockel zu stoßen.

"Wenn Dir jemand zu Lebzeiten ein Denkbmal errichtet, reiß es ein. Du riskierst nicht weniger als Deine Freiheit, wenn Du's nicht tust."

Deine Reaktion zeigt allerdings, dass subtile Anspielungen auf das Vokabular der Bibel - z.B. auf 2. Korinther 11,14 - für Nicht-Theologen kaum zu entschlüsseln sind. Die Verdammnis der "Lichtgestalt" ist Dir zwar klar - ("nichts wie weg!") - nur offenbar nicht, dass das Reißaus vor ihr jetzt überflüssig ist. Der vollkommenste Lichtengel kann unseren Bewegungsradius nicht mehr einengen, indem er Modersäcke zu Lichtwesen designt, weder durch Anziehen, noch durch Abstoßen. Denn wir durchschauen sein Blendwerk und sehen dahinter einfach nur Menschen, die Menschen sind, nicht mehr und nicht weniger.

So funktioniert Theologie - auch wenn sie selten wirklich funktioniert (am besten immer noch im diakonischen Bereich).
Gläubigger schrieb am 21.03.2009 um 12:18
Niemand sollte jemals einem System den Staat vertrauen, denn der ach so gute Staat die Demokratie (Gerechtigkeit) hat keine Emotionen ist also ein Emotionsloses nicht dem Gewissen verpflichtetes Konstrukt.
desshalb bin ich solange der Staat kein Gewissen hat und das kann er nicht haben, für eine Faire Gewaltenteilung auch zur Notwehr selbstschutz gegen stärkere Gewalttätige Angreifer zum Schutze von Leib und Leben. Denn wer hier auf den Staat Vertraut der muss auf die Polizei Warten oder sich Überwältigen lassen.
Der Staat kann nicht alles richten. Leider neigen viele dazu sich diesem Staat alzusehr mit falschen vorstellungen anzuvertrauen und erwarten hilfe wo der Staat nicht helfen kann. Fazit die Demokratie muß sich staendig neu Bewaeren sonst ist Sie bald keine mehr.
Ich möchte hier niemanden verletzen aber die warheit ist oft hart.
Ich wünsche mir mehr Aufmerksame Bürger und keine Staats oder Obrigkeitsglaeubigen Anpasser.
ChristianBerlin schrieb am 15.03.2009 um 09:13
[...]

Die Alternative zur Waffe zur Waffe, deutest Du in Deinem Text selbst an:

[Zitat Andererseits]Es ist in der Tat ein leichtes, einer unbewaffneten, weitgehend ungebildeten und im ewigen Existenzkampf verfangenen Menschenmasse eine Diktatur aufzuzwingen.[/Zitatende]

Daraus entnehme ich, dass Du der Ansicht bist, dass man einem gebildeten Volk schwerer eine Diktatur aufzwingen kann. Dafür spricht u.a., dass es in beiden deutschen Diktaturen des letzten Jahrhunderts vor allem die Gebildeten waren, die emigrierten (solange es noch ging). Die dagebliebenen Subversiven waren allerdings querbeet gestreut - dazu scheint Herzens- oder Charakterbildung wichtiger und kein Schichtphänomen zu sein.

Einer Diktaturprophylaxe, die sich auf Argumente, statt auf Waffen stützt, gäbe ich rein subjektiv deshalb die besseren Chancen. Selbst die Al-Capone-Doppelstrategie, wonach freundliche Worte und eine vorgehaltene Waffe überzeugender sind als freundliche Worte allein, scheint mir - zum Argumentationsprinzip erhoben - nur in die argumentative Seblsttäuschung zu führen, für welche die Realität die Quittung immer bereit hält: Lügen haben kurze Beine und ebenso der Selbstbetrug derer, die sich stark oder im Recht fühlen, weil sie eine Waffe in der Hand haben, als könne man mit ihr den Konsens über das Gewaltmonopol des Staates für mehr als einen sich allmächtig anfühlenden Augenblick außer Kraft setzen.
Magda schrieb am 16.03.2009 um 23:14
Also ich habe jetzt so intensiv nachgedacht, wie es der Autor seinen Leserinnen und Lesern freundlich aufträgt. Und jetzt bin ich – nach erheblichem Nachdenken – darauf gekommen, dass die US-Army die Entwicklung solcher Spiele sicherlich nicht sponsert, weil sie die checks and balances im Lande noch besser austarieren. Das ist kompletter Blödsinn. Entschuldigung.
Und natürlich sagt auch eine Armee nie, dass es ums Töten geht, sondern immer um das Erreichen von Zielen. Und zwar in gemeinschaftlich strategischer Aktion.
Außerdem sind revolutionäre Situationen was völlig anderes, als der Sturm gegen böse Terroristen oder so.
Und ich glaube auch nicht, dass das exzessive Spielen wirklich in diesen Fähigkeiten schult. Es nährt nur die Illusion, der Spieler gewinne diese Fähigkeiten in der Praxis.

Die US-Army sponsort diese Spiele, weil sie die scheinbare Attraktivität der Armee erhöht. Solche Spiele sind prima Webematerial für die Army.
Kurzerhand, die Mächtigen graulen sich nicht vor Counterstrikern und einem counterstrikenden Volk.
Aber ich will nicht so hart sein. In welche Klasse gehst Du denn?

@ ChristianBerlin
Sie postulieren jetzt quer durch verschiedene Foren in schöner Monotonie die These, in der DDR hätten die Schüler, die Schützen, die Menschen, das Volk 1000 Gründe mehr gehabt, eine Waffe zu benutzen.
Ich habe andauernd das Gefühl, Sie reklamieren für sich, das Volk der DDR, seine Intentionen, besonders die der Schützen, ihre Lebenslagen genau zu kennen und gewissermaßen für sie zu sprechen.
Also sage ich mir: Sie sind das Volk.
Und frage mich: Welches Volk sind Sie denn? Wo kommen Sie denn her?
ChristianBerlin schrieb am 17.03.2009 um 01:36
@Magda

Eine Polemik - welche Ehre :)

[Zitat Magda]Welches Volk sind Sie denn? Wo kommen Sie denn her?[/Zitatende]

//offtopic

Es gibt in unserer schönen Stadt ja unzählige Kolleginnen und Kolleginnen und mehr als nur einen Verband. Deshalb muss nicht jede von uns jeden kennen. Aber ein bisschen Recherchieren oder Lesen kann man uns, glaube ich, abverlangen.

Zu Deinen Fragen steht ein bisschen was im Profil und noch mehr in einem autobiografischen Kommentar (zu einer Frage von J.A.). Wenn Dich das wirklich interessiert: Einfach mal lesen.

Zu meinem Entsetzen musste ich übrigens am Wochenende in Leipzig feststellen, dass ich in einem der vielen neuen Mauerfall- und Einheitsrückblicke sogar als Lichtgestalt auftauche. Ich hoffe, Dir bleibt ein solcher Schock erspart.

Aber erzähl Du doch mal Deinerseits, in welchem Winkel dieser Stadt oder wo sonst Du journalistisch tätig warst, dass Du mich nicht mitbekommen hast, wo bei einem Teil unseres Volk der Schuh drückte. Oder hat es Dir - im Unterschied zu mir - nur keiner gesagt?

Ich möchte meine Zeitzeugen, die vor 20 Jahren wegen des Inhalts meiner monotonen These Montag für Montag auf dem Augustusplatz standen und vorher Listen fertigten, falls jemand nicht zurückkommt, nicht darum bitten, Dir hier im Namen dieses Volkes zu antworten. Denn ich hätte Sorge, dass Du für Deine polemische, aber freundlich formulierte Frage sonst etwas von der Prügel gekämest, die Du Dir laut Profil selbst gerne gäbest.

Aber wenn es Dich wirklich interessiert, frag ich die mal, ob sie ein paar ihrer 1000 Gründe hier freundlicherweise nennen würden, aus denen sie zwar nicht selbst geschossen haben, vielleicht auch nicht geschossen hätten, aber immerhin trotz Angst vor fremden Schüssen um den Ring gelaufen sind und da so systemtötende Sätze riefen wie den von Dir zitierten, während in den Krankenhäusern die Blutkonserven schon für den Fall aller Fälle bereitstanden (ich hoffe übrigens, ich muss diese allgemein bekannten Details hier nicht belegen, hole das aber auf Verlangen gerne nach).

Oder Du drehst einfach die Zeit zurück und gehst noch mal schnell auf die Buchmesse, da gab es wieder ein paar Neuerscheinungen zu diesem alten Thema, das einem Freund aus Güstrow einst zu einem der Lieblingsautoren meiner Generation machte. Aber vielleicht verlange ich da zu viel - wer schreiben kann, muss schließlich nicht auch noch lesen können. Und schon gar nicht Texte, die einem schlechter vorkommen als die eigenen - manche Kollegen scheinen mir gegen das Lesen fremder Texte geradezu eine regelrechte Aversion entwickelt zu haben.

[...]
ChristianBerlin schrieb am 17.03.2009 um 01:37
[...]

//ontopic

[Zitat Magda]besonders die der Schützen[/Zitatende]

Hab ich nicht behauptet. Nur unterstellt, dass es den Schützen in alltäglichen Belangen nirgends anders ging als dem Durchschnitt.

Wenn Du Dich in meine Argumentation hineinversetzt, wird im Kontext klar, dass es um die Vermeidung des Zusammentreffens zweier unabhängiger Tatvoraussetzungen geht: Motiv und Waffe. Davon lässt sich nur eines sicher eliminieren, ohne dass es alle die Freiheit kostet, und das ist der Waffenbesitz. Damit käme es zu keinem Schoolshooting mehr.
Andererseits schrieb am 17.03.2009 um 22:12
@ChristianBerlin: in der Tat haben Sie da einige gute Argumente. Vor allem bei der friedlichen Revolution in der DDR (bei der ich auch noch dabei war) fällt mir kein Gegenargument mehr ein. Den amerikanischen Verfassungsvätern möchte ich aber zu Gute halten, dass andere Zeiten herrschten, als sie ihre Verfassung schufen.

@Magda: ich fände es super, nochmal jung sein zu können, aber leider hab ich die Mitte meines Lebens schon erreicht :) Ach: und ich spiele übrigens Quake. So richtig mit allem Drum und Dran. Und hab noch nie jemandem etwas zu Leide getan...

Zu "Americas Army": ein schöner Kommentar dazu findet sich bei meinem Lieblingsamerikaner: http://usaerklaert.wordpress.com/2009/03/15/americas-army-der-offizielle-shooter-des-us-heeres/
ChristianBerlin schrieb am 18.03.2009 um 12:13
[Zitat Andererseits]Den amerikanischen Verfassungsvätern möchte ich aber zu Gute halten, dass andere Zeiten herrschten, als sie ihre Verfassung schufen.[/Zitatende]

"Der Führer sieht das anders." Syberberg lässt ihn über Amerika sagen: "Erst die Ausrottung der indianischen Rasse ermöglichte den Fortschritt". Und Michael Moore bringt den schleichenden Genozid der neuen Herren an der Urbevölkerung kausal mit der Waffenversessenheit der US-Amerkikaner zusammen (Cartoon in "Bowling for Columbine" über die Pilgrimfrathers und ihre Nachkommen).

Sicher eine gewagte Konsrtuktion. Die Wahrheit über den Verfassungszusatz rwird irgendwo zwischen dem Gleichheitsideal der Amerikanischen Revolution und dieser gerne verdrängten Realität faktischer Rest-Ungleichheiten liegen.
ebsw schrieb am 18.03.2009 um 20:02
Das Bemerkenswerte an der jetzigen Killerspieldiskussion ist nicht, dass sie auftritt, sondern dass sie seit Erfurt unverändert auftritt. Das lässt mich vermuten, dass in unserer gesteuerten Demokratie dahinter ein Netzwerk steht, welches uns bisher nicht bekannte Ziele verfolgt. Es ist ja nicht so, dass eine Frau Merkel oder ein Herr Schäuble diese Diskussion führen. Es sind vielmehr diverse Medien und Internetforen und randständige Politiker, die den falschen Aufguss nun erneut aufbrühen. Immer noch steht der statistisch leicht zu erbringende Beweis aus, dass das Spielen derartiger Killerspiele statistisch gesichert die Amoklaufwahrscheinlichkeit signifikant erhöhen muss. Genau so wenig ist bekannt, wie viele Brandstifter zum Brandstifter wurden, weil es Streichhölzer gibt, und so kommt keiner auf die Idee, die Streichhölzer zu verbieten.

Genau diese Irrationalität der Argumentationslinie ist es, die mir seit Erfurt in die Augen sticht. Sollte es ein Interesse geben, das Volk mit unwissenschaftlichen Argumenten zur Herdenbildung zu treiben? Das Volk daran zu gewöhnen, wer am lautesten schreit, habe recht – als selbsterfüllende Profezeiung ??? Am lautesten schreien dabei gleichgeschaltete Medien – nämlich mit einer Stimme. Die Wirksamkeit solcher Unternehmungen steigt dabei mit der Anzahl der Leichen und der Ungeheuerlichkeit des Vorganges. Was bei den Bienen klappt – im Bienentanz, sollte doch auch bei den Menschen funktionieren.... Ein Zitat Nietzsches fällt mir dazu ein:
„Der Punct der Ehrlichkeit beim Betruge. - Bei allen grossen Betrügern ist ein Vorgang bemerkenswerth, dem sie ihre Macht verdanken. Im eigentlichen Acte des Betruges unter all den Vorbereitungen, dem Schauerlichen in Stimme, Ausdruck, Gebärden, inmitten der wirkungsvollen Scenerie, überkommt sie der Glaube an sich selbst: dieser ist es, der dann so wundergleich und bezwingend zu den Umgebenden spricht.“ ….. „Denn die Menschen glauben an die Wahrheit dessen, was ersichtlich stark geglaubt wird“.

Herauszufinden wäre nun, wer warum hinter dieser Scheindiskussion gegen Killerspiele steht. Sonst kommen wir hier nicht weiter.
ChristianBerlin schrieb am 19.03.2009 um 04:57
[Zitat esbw]Genau so wenig ist bekannt, wie viele Brandstifter zum Brandstifter wurden, weil es Streichhölzer gibt, und so kommt keiner auf die Idee, die Streichhölzer zu verbieten.[/Zitatende]

Dein Argument verdreht den Zusammenhang. Brandstifter "werden" nicht zum Brandstifter, sie sind es. Brandstifter + Streichhölzer = Brände. In Maßregelvollzügen, wo immer eine gewisse Quote von ihnen weggesperrt ist, sind Streichhölzer den Patienten normalerweise verboten, und Feuerzeuge regelmäßig weggeschlossen (z.B. nachts) - warum wohl?

Eben. Weil es erfahrungsgemäß dort brennt, wenn zwei Faktoren zusammentreffen.

Ähnlich ist es m.E. auch mit psychisch disponierten Amokläufern und Schusswaffen. Beides möglichst getrennt aufbewahren.

Ob Killerspiele Tötehemmungen senken, wird immer wieder behauptet, m.W. tatsächlich noch nicht zwingend nachgewiesen. Dürfte auch schwierig sein. Wir wissen es nicht. Was die Diskussion jeweils auslöst, ist die Tatsache, dass alle drei Killer einen auffälligen Hang zu solchen Spielen hatten. Dahinter muss keine Verschwörung stecken.
ebsw schrieb am 19.03.2009 um 10:50
@ christianBerlin

Alle Schotten tragen Röcke

folglich sind alle Rockträger Schotten. Auf genau diesem Niveau bewegt sich die Killerspieldiskussion. Nun ist nicht anzunehmen, dass ein ganzes Volk den logischen Verstand verloren hat. Ich bleibe deshalb dabei, dass diese Diskussion nicht durch Zufall läuft, sondern lange vorbereitet ist. Denn der Medienhype ist keine Zufallsangelegenheit. Meines Wissens hat es auch noch nicht gegeben, das tagelang die Betroffenheit so ausgewalzt wurde. Dass selbst Fußballmanschaften mit Trauerflor Fußball"spielen" - also ihrem Hobby nachgehen, setzt der Heuchelei und der Erheischung von Anteilnahme nur die eklige Krone auf.

Wenn der Anfällige getrennt werden muss von seinem möglichen Tatwerkzeug, so kann nicht eine ganze Bevölkerung wie ein psychisch Kranker behandelt werden, indem man allen das mutmaßlich zukünftige "Tatwerkzeug" verwehrt. Wer ist das, der ein ganzes Volk für eine Ansammlung von Psychopathen hält? Ist derjenige nicht selbst ein Psychopath, der so denkt? Wer ist das, der ein ganzes Volk unter Vormundschaft stellen will??? Wem nützt die Vormundschaft über das Volk?
ChristianBerlin schrieb am 19.03.2009 um 12:10
Ich habe keinen solchen Umkehrschluss gezogen. Bei den Spielen verstehe ich zwar, wie die Diskussion ohne Masterplan in Gang kommen konnte - bestreite aber nicht, dass hier der notwendige Beweis noch aussteht, dass sich durch ein Verbot die Wahrscheinlichkeit weiterer Schoolshootings auch nur senken ließe.

[Zitat esbw]Wenn der Anfällige getrennt werden muss von seinem möglichen Tatwerkzeug, so kann nicht eine ganze Bevölkerung wie ein psychisch Kranker behandelt werden, indem man allen das mutmaßlich zukünftige "Tatwerkzeug" verwehrt.[/Zitatende]

Genau das ist die Frage, und das ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Ohne verfügbare Waffen kein Schoolshooting. Unter dieser Prämisse, die Du im zitierten Argument ja einräumst, derzufolge der "Anfällige getrennt werden muss" von potenziellen Tatwerkzeugen, um Schoolshootings vermeiden zu können, sind in der Tat auf der einen Seite gewisse Kosten, Mühen oder Einschränkungen für ein ganzes Volke (bzw. jenen Teil, der Waffen liebt) abzuwägen im Verhältnis zum Risiko, dass andernfalls erneut unschuldige Schülerinnen und Schüler ihr Leben verlieren. Was wiegt schwerer, was leichter?
Andererseits schrieb am 21.03.2009 um 00:46
Zu dem Thema gibt es übrigens gerade eine neue Studie (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29958/1.html), die den landläufigen und von Politikern gern zitierten Studien Opportunismus und Ideologie attestiert. Die allermeisten Studien zum Thema Gewalt und deren Ursachen verwenden nämlich gern politische Definitionen von Gewalt und Agression und keine wissenschaftlichen.

Diese eigenartige Denkweise ist ausserdem recht weit verbreitet. Zum Beispiel assoziiert man heutzutage gerne den Islam mit Terrorismus. Gerade so, als ob es keine nicht-muslimischen Terroristen gäbe bzw. die über eine Milliarden Muslime auf diesem Planeten alle Bombenleger wären. Im Deutschen Reich wurde die erfolgreiche Geschäftstüchtigkeit eines kleinen Teils der jüdischen Bevölkerung als Ursache für die Wirtschaftskrise verwendet - mit den bekannten Folgen.

Eine wissenschaftliche Herangehensweise, die Ursache und Wirkung unterscheidet und sich insbesondere Mühe gibt, Kausalität auch als solche zu beweisen, trifft man in dieser Diskussion selten.

Insofern ist auch die Argumentation, dass Massenmorde ohne die Verfügbarkeit von Waffen nicht passieren hätten können, - vorsichtig ausgedrückt - blauäugig.

Ein schönes Beispiel dafür liefert die Schweiz. Ein beschauliches Ländchen mit gutmütigen Bürgern und einer zu vernachlässigenden Kriminalitätsrate. Und das, obwohl die Schweizer bis an die Zähne bewaffnet sind. Pro Kopf gerechnet sogar mehr als die Amerikaner. Das liegt daran, dass die Schweizer Reservisten ihre Waffe daheim aufbewahren. Nur Amokläufe gab es da (sofern ich weiss) noch nicht.

Woran das wohl liegen mag? Könnte es nicht vielleicht sein, dass Gewalt gesellschaftliche Ursachen hat? Ich denke, das muss ich nicht weiter ausführen.

Wer Amokläufe oder Gewalt im Allgemeinen durch den Verbot von Waffen verhindern will, doktert nur an den Symptomen herum. Und drückt sich damit um eine Antwort nach den wirklichen Ursachen. Wozu auch? Man hat ja "etwas getan". Ja Ja. Nur den Jugendlichen geht es immer noch beschissen. Sie kriegen immer noch keine Ausbildung und/oder Job. Sie werden immer noch ausgegrenzt, wenn sie anders sind oder sich deren Eltern nur keine Nike-Turnschuhe leisten können. Ihnen hört immer noch keiner zu.

Und wenn die Feuerwaffen erst einmal verbannt sind, was dann? Man fährt in den Baumarkt und kauft sich eine Axt. Oder schnappt sich Vaters Spitzhacke. Damit kann man ebenso drastische Schadenspunkte verteilen. Was kommt dann als nächstes? Beile, Spitzhacken und Messer verbieten? Warum verbietet man den Leuten dann nicht gleich am besten, zu leben? Sie scheinen es ja eh nicht wert zu sein, dass man sich um sie kümmert.

Meiner Meinung nach ist eine solche Argumentation nicht einfach nur falsch, sie ist gefährlich.
ChristianBerlin schrieb am 21.03.2009 um 09:51
@Andererseits
Wir kommen in eine Kreisbewegung, hoffentlich ermüdet das die Leser nicht.

Gräbner Artikel Heise.de: Danke für den Hinweis. Bestätigt meine Skepsis.

Schweiz: Dort ist es nach meiner Wahrnehmung spießig ohne Ende. Das Frauenwahlrecht kam fast 100 Jahre später als in Deutschland, meine Tochter hat das schon bewusst miterlebt. Trotzdem - oder deshalb? - könnte dort hinter den Alpen (noch) eine unberührte heile Welt existieren, wo alle Waffen haben, aber keiner sie zum Amoklaufen nutzt. Damit belegst Du aber meine These, die Du zu widerlegen glaubst: Wenn ein Faktor wegfällt (in der Schweiz das Motiv) kann der andere da sein, ohne dass es zum Schoolshooting kommt.

Motiv-Prävention: Der Widerspruch zwischen unseren Auffassungen beginnt erst mit Deinem Optimismus, den Faktor Motiv auch bei uns präventiv sicher ausschließen zu können (ohne dass es alle die Freiheit kostet).

[Zitat Andererseits]Nur den Jugendlichen geht es immer noch beschissen. Sie kriegen immer noch keine Ausbildung und/oder Job. Sie werden immer noch ausgegrenzt, wenn sie anders sind oder sich deren Eltern nur keine Nike-Turnschuhe leisten können. [/Zitatende]

Bist Du wirklich überzeugt, dass hier die Motive von Tim Kr. wurzeln? Allenfalls beim schwammigen Begriff "anders" wage ich nicht zu widersprechen. Der Rest trifft auf Unternehmerssohn Tim gerade nicht zu.

[Zitat Andererseits]Ihnen hört immer noch keiner zu.[/Zitatende]

Das dürfte zweiffellos zutreffen. Und korrespondiert oft mit einem Fehlen des Willens oder der Fähigkeit, die eigene Problematik konstruktiv-kreativ zu kommunizieren.

Ich vermutete das schon, als am ersten Tag bekannt wurde, dass er außer in der Schule auch noch in der Psychiatrie jemanden erschossen hat. In beiden Instititutionen suchen Jugendliche manchmal nach Erwachsenen, die ihnen zuhören wollen und können, wenn sie sich - warum auch immer - den eigenen Eltern nicht richtig offenbaren können. Es gibt noch mehr Institutionen, die Hilfe anbieten, deren Angebote sind aber unbekannt (z.B. Kinderschutzbund "Nummer gegen Kummer" oder Kirchen/Jugendseelsorge).

Das müsste in diesem Fall, wo es fast auf der Hand liegt, einmal so gut es geht recherchiert werden. Wenn es stimmt, wäre eine Förderung, Intensivierung und Publikmachung von Zuhör-Kompetenz die beste Prävention gegen das Motiv als solches (unabhängig von der Frage, ob das wasserdicht gelingen kann oder besser doch die Waffen weggesperrt gehören).

Möglicherweise kommt aber jetzt wieder der Vorwurf, dass Zuhören doch bloß Opium ist und deshalb nur Nike-Schuhe für alle die Lösung sein können. *seufz*
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Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

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Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
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