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Die Europawahl ist vorbei. Wirkliche Überraschungen gab es nicht. Zumindest nicht in Deutschland. Dafür blicke ich zweifelnd nach Schweden. Dort konnte die Piratenpartei 7,1 % der Stimmen erringen. Bei den Unter-30-Jährigen waren sie mit 19% sogar noch erfolgreichen. Insgesamt sind sie die stärkste Partei des Landes und dürfen nun Abgeordnete für Europa bestimmen.
Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
Denn im Prinzip handelt es sich bei dieser Gruppierung nicht um die klassische politische Partei. Eher ist sie der politische Arm von Pirat Bay. Die "Vereinigung" (?), die mit ihrer Filesharing-Plattform für Schlagzeilen gesorgt hat. Die Pirate Bay-Gründer wurden unlängst zu Haft- und Geldstrafen (27,5 Millionen) verurteilt.
Sie wollten ein Exempel statuieren für freien Datenaustausch und erhielten dabei großen Zuwachs jener, die sich über Pirate Bay auf illegale Weise CD's und DVD's besorgt haben.
Die Strafe hat den Tatendrang nicht gehemmt, sondern eher verstärkt.
Mit der Piratenpartei wollen sie offiziell weiterkämpfen für legalen Datenaustausch.
Jeder sollte tun, was in seinem Auge richtig ist [Diese Passage wurde später geändert], aber welche Einstellungen vertritt die Partei, wenn es um andere wichtigere politische Themen, wie z.B. der Außenpolitik geht? Davon ist mit nichts bekannt. Sich allein auf das Filesharing zu stürzen sorgt für Chaos, wenn die Parteiregeln nicht klar definiert wurden. Die Wähler haben sicherlich ihr Kreuz lediglich bei der Piratenpartei gesetzt, weil sie pro-Filesharing eingestellt sind. Klingt wenig politisch. Dafür kann man kämpfen, aber nicht deswegen reagieren.
In Deutschland betrifft uns der schwedische Erfolg erstmal noch nicht. Insgesamt 0,9 % erhielt die Piratenpartei in der Bundesrepublik. In einzelnen Städten konnte sie aber schon erste Erfolg feiern. In Gießen erhielt sie mit 2,2 % die meisten Stimmen.
Darauf wollen die Schweden aufbauen und in den Bundestag einziehen.
Hoffentlich nicht nur mit dem einzelnen Schlagwort "Filesharing", sondern mit einem durchdachten Konzept, denn die Europawahl hat gezeigt, dass kaum eine Partei überzeugen konnte und man hier mit guten Argumenten erste kleine Erfolge feiern kann.
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Ich kann Ihnen nicht ganz zustimmen, dass es den Piraten nur ums fröhliche Filesharing ginge. Der Name legt es zwar nahe, aber es wäre zu kurz gegriffen, sie als politischen Arm von Piratebay zu beschreiben - dessen Gründer Peter Sunde übrigens zur Wahl der Grünen, nicht der Piraten aufgerufen hatte. Über die Konfusion, die sich hier eingestellt hat, hat Stefan Niggemeier heute im Bildblog eine lesenswerte Anmerkung geschrieben. Die thematische Beschränkung auf einige wenige Themen - Urheberrecht, informationelle Selbstbestimmung etc. - ist sicherlich problematisch, aber sie ist in meinen Augen vor allem ein Indiz, dass die etablierten Parteien auf diesem Gebiet einiges verschlafen haben.
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Es sei verziehen, dass hier - wie in vielen etablierten Medien ebenfalls - die Piratenpartei mit den Filesharern von Pirate Bay gleichgesetzt wird. Wir alle tendieren zur Vereinfachung.
Die Frage, die ich mir bei der Piratenpartei allerdings stelle, lautet: Waren die Grünen anfangs nicht auch eine Ein-Punkt-Partei? Eine neue soziale Bewegung? Die Piratenpartei ist eben Teil einer neuen digitalen Bewegung, die aus unserem Leben meist nicht mehr wegzudenken ist. BTW @ Mark Twains Zitat vom Weglassen der falschen Wörter: Schau'n Sie mal nach, wo man "Jedem das Seine" heute noch finden kann und warum Werbeagenturen für die Verwendung dieses (ursprünglich lateinischen) Ausspruchs heute immer wieder mal gerügt werden müssen. ...Friedland... |
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Danke für die Hinweise... vielleicht sollte ich doch noch einmal tiefer in das "politische Programm" der Piratenpartei eintauchen... wahrscheinlich habe ich mich ein wenig von der landläufigen Presse (fehl)leiten lassen...
Ich blicke gespannt, wenn auch weiterhin vorsichtig gen Schweden, wie sich die Piratenpartei dort mit den täglichen politischen Problemen auseinander setzt. @Nouveau Cologne: Danke für den Linktipp @Friedland: Der Vergleich mit den Grünen lässt doch ein wenig hoffen ;) Zwecks dem Zitat. Ach ja, da war ja was. Hatte mich damals schon heftig über die Rügen aufgeregt, da es für mich noch immer ein gängiges Zitat ist... um hier aber irgendwelchen Problemen aus dem Weg zu gehen, habe ich den Abschnitt mal geändert ;) |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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