Ich hoffe, dass es sich um einen verspäteten Aprilscherz handelt.
Die „Welt kompakt“ berichtet in der heutigen Ausgabe über den Mauerbau in Rio de Janeiro.
Rund um elf Slums soll eine drei Meter hohe Mauer errichtet werden. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen. Ist dieser Teil abgeschlossen, soll das „Projekt“ auf insgesamt 40 Armenviertel erweitert werden.
Als offizieller Grund wird angegeben, dass man damit die Ausbreitung der Slums verhindern will und gleichzeitig den Regenwald schützt.
Menschenrechtler gehen schon jetzt auf die Barrikaden.
Zu recht!
Brasilien galt nicht unbedingt als Nation Nummer eins, die mit Menschenrechtsverletzungen auf sich aufmerksam machte.
Doch durch die Aktion sind sie katapultartig nach oben geschossen.
Dass Slums keine Aushängeschilder von Städten sind, ist klar.
Dass man versucht, die Ausbreitung möglichst gering zu halten, ist auch noch verständlich.
Aber dass man die Bewohner derart einsperrt geht deutlich zu weit.
Nicht nur, dass die Würde des Menschen hier angegriffen wird.
Am Zuckerhut hat man anscheinend nicht zu Ende gedacht.
Mit dieser „Einzäunung“ schafft man auch rechtsfreie Räume. Mehr, als Slums schon jetzt sind. Es wird unterstützt, dass „kleine Staaten im Staat“ entstehen, die sich noch weiter von der Rechtssprechung des Landes abgekapseln.
Naiv zu glauben, dass das nicht auf kurz oder lang auch über die Mauergrenzen hinaus in andere Stadtteile überschwappt.
Ich hatte gehofft, dass nach dem Fall der Mauer in Deutschland keine Bevölkerungen mehr in dieser Form „eingesperrt“ werden.
Zu früh gehofft.
Es sei denn, es entpuppt sich doch noch als böser Aprilscherz.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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