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Blog von Wiesengrund

17.12.2011 | 12:52

Sawai Gandharva - Tabla, Sarod & Sitar im Dialog

Es ist nicht nur das größte, sondern auch das beliebteste Festival Klassisch Indischer Musik und damit fester Bestandteil im Kalender aller Freunde traditioneller indischer Vokal- und Instrumentalkunst. 1953 von dem berühmten Sänger Bhimsen Joshi zu Ehren seines musikalischen Gurus Sawai Gandharva gegründet, findet es jährlich im Dezember in Pune-Maharastra zehntausende interessierte Zuhörer. Nur die bekanntesten der bekannten Sänger, Musiker und auch Tänzer werden auf diese Bühne geladen; dabei sind sowohl VetreterInnen der nördlichen Hindustani wie der südlichen Karnataka Schule. Dieses Jahr gaben sich vom 7. bis zum 11. Dezember unter anderen Pandit Jasraj, Shrimati Malini Rajurkar, Shri Shankar Mahadevan und Ustad Amjat Ali Khan die Ehre.

Doch nicht nur das Publikum fühlt sich ob der großen Namen geehrt, sondern auch die Musiker die in Pune dabei sind. Es ist ein Geben und Nehmen. So gilt das Punenser Publikum neben jenem aus Kalkutta, Benares, Gwalior oder Jaipur, zum Beispiel, als eines der qualifiziertesten und sensibelsten was Klassische Indische Musik betrifft. Wer als Musiker beim Sawai Gandharva besteht, der kann es mit jedem Publikum aufnehmen. Denn die hier anwesenden Zuhörer, es werden pro Konzert wohl an die fünf Tausend sein, sind keine Gelegenheitshörer. Es sind jahre-, teilweise jahrzehntelange Liebhaber indischer (Hoch)Kultur. Man nennt sie Rasikas, Musikkenner. Nicht wenige davon mögen selbst Tablaspieler sein. Man sieht sie die Rhythmen in der Luft mittrommeln und sich zur Takthälfte auf die Schenkel klopfen oder an bestimmten Stellen mit dem Kopf schütteln, was aber nicht Ablehnung, sondern tiefste Zustimmung bedeutet. Hin und wieder hört man auch einen Ausstoß des Verzückens über die gelungene Improvisation. „Classical Indian Music is always one big improvisation. It`s like a picture which is currently been painted in front of your eyes. That`s why you can hear so many people saying in Hindi ›kia baat hai!‹ – literally meaning ›what a statement‹ or ›very beautiful‹. That`s how the people express their tribute” (Anushka Gokhale, 30, Pune).

Anders als es sich mit europäischen Hintergründen vermuten ließe, ist eine solche Veranstaltung in Indien allerdings keine Anhäufung kulturellen Kapitals, sondern vergleichbar einer empathischen Pilgerfahrt zu der auch Bewohner ländlicher Regionen und bildungsferne Schichten sich aufmachen. Die Musik selbst ist es, die soziale Distinktion verhindert. „The rhythm and the melody are like a circle which is always coming back to the place where you find yourself again. Same like this festival, where we come together for pilgrimage in December” (Akshay Joshi, 28, Delhi). So sehen es zumindest die Anhänger Klassisch Indischer Musik. Die Kritiker wiederum halten eben diese für ein elitäres Relikt der kastenbasierten Oberschicht.

Beobachten jedoch lässt sich: Beim Sawai Gandharva sitzen alt und jung, arm und reich, stark und schwach stundenlang, größtenteils im Schneidersitz, in Ruhe und Konzentration nebeneinander, um die Mannigfaltigkeit der Musik des Gefühls zu erleben. Klassische Indische Musik, ist primär nur dieses: Gefühl; das System der Ragas, das auf reiner Affektenlehre beruht, lässt keine Grenzen zu. Nicht die traditionellen Instrumente – Sitar, Sarod, Tabla u.a. – definieren neben Tanz und Gesang die Klassisch Indische Musik, sondern die Tonleitern, die Morgens nach Gebet und Abends nach Melancholie klingen. Klassisch Indische Musik arbeitet mit Melodien, die sich nicht verstehen, nur erfühlen lassen. „The Ragas did not witness any cut between religion and philosophy, like the

European Enlightenment did, which left over only rationality at its end” (Akshay Joshi). Die Atmosphäre beim Sawai Gandharva schwebt derweil zwischen Meditation und Unterricht, zwischen Andacht und Erbauung.

 

 

 

 
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