Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe startet erneut eine Aktion im Interesse der Patienten und gegen die verheerenden Zustände im Gesundheitswesen. Diese werden seit Jahren konsequent von unseren Regierungen ignoriert. Seit der schwarz -gelben Regierung, unter Frau Merkel, haben Versicherungen und andere Lobbygruppen aber nun endlich den starken Partner zur Seite, den sie zur Verwirklichung ihrer Interessen benötigen. Der Gesundheitsmarkt ist ein wachsender Markt. Der Patient ist zukünftig kein Hilfebedürftiger mehr, sondern Konsument. Heute schon heißt der Patient bereits vielerorts Kunde. Jeder möchte etwas vom Kuchen des Wachstumsmarkts abhaben. Private Investoren, die in Altenheime oder Krankenhäuser investieren, Aktiengesellschaften bilden und die Gewinne nur marginal in das Gesundheitssystem reinvestieren. Versicherungen, die lieber heute als morgen eine kapitalgedeckte, statt eine solidarische Pflege- und Krankenversicherung haben möchten. Die Pharmaindustrie, die Senioren gern mit Medikamente, statt mit menschlicher Zuwendung versorgt sehen möchte. Manch andere wiederum sehen sich geschädigt. Dann, wenn der demographische Wandel mehr Pflegebedürftige produziert. Zum Beispiel Arbeitgeber, die mit Grausen an die steigenden Kosten des in die Solidargemeinschaft eingebundenen Humankapitals denken. An der Gehaltsschraube kann man drehen - Minijobs statt sozialpflichtige Arbeitsplätze, Teilzeit statt Vollzeit, Zeitarbeiter statt Festangestellte. Mit viel Lobbyarbeit lassen sich auch die, in den Augen vieler Arbeitgeber, Zwangs-Solidar-Beiträge einfrieren. Arbeitnehmer zahlen dann eben mehr aus eigener Tasche in ihr Solidar-System. Die Frage, wie Niedriglöhner oder Teilzeitbeschäftigte privat für Alter und Krankheit vorsorgen sollen, stellt sich nicht. Das unter anderem die Strategie der Arbeitgeber zu Lasten des Budgets der Krankenkassen geht, liegt auf der Hand. Davor fürchten sich die GKVen. Die Leistungen für gesetzlich Versicherte werden jetzt schon systematisch zurückgefahren. Um Hürden für die Erstattungsfähigkeit von Leistungen aufzubauen, haben Krankenkassen bereits ein bürokratisches und vor allem kostenintensives Monster erschaffen, dass alle, die im Gesundheitswesen beschäftigt sind, nicht nur von ihrer eigentlichen Arbeit abhält, sondern Ärzte, Angehörige und Pflegekräfte in einer unerträglichen Art und Weise gängelt, bevormundet und intellektuell kastriert. Bis hin zur Nötigung des gesunden Menschenverstandes. Wie man sieht, ist in meinem Bericht bis jetzt das Wort Kranker oder Patient nur zweimal vorgekommen. Und das auch nur im Rahmen des Nutzfaktors als konsumierender Kunde. Sie müssen sich die Prioritätenliste der Regierung folgendermaßen vorstellen - erst kommen die Interessen aller oben erwähnten. Dann die Interessen der Ärzte. Anschließend säumen drei große Misthaufen den Weg, bevor sie auf der Liste die kostenverursachenden Pflegekräfte finden und dann, nach weiteren drei großen Misthaufen... Na? Richtig - die Bedürfnisse eines alten und kranken Menschen so wie dessen Angehörige. Dabei hatte sich die Regierung 2005 in der Pflege - Charta die menschenwürdige Versorgung der Kranken und Pflegebedürftigen selbst auf die Fahne geschrieben: Artikel 2: Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht, vor Gefahren für Leib und Seele geschützt zu werden. Artikel 4: Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf eine an seinem persönlichen Bedarf ausgerichtete, gesundheitsfördernde und qualifizierte Pflege, Betreuung und Behandlung. Patienten werden heute vielfach von völlig ausgebrannten und mit dem System überforderten Pflegekräften versorgt. Das ist für Patienten gefährlich, ja lebensbedrohlich, mitunter. Pflegekräfte sind so ziemlich die einzigen im System, die noch nicht wirklich in der radikalen freien Marktwirtschaft angekommen sind. Sie haben bis heute nicht realisiert, dass sie wegen des Fachkräftemangels in der Pflege Macht ohne Ende haben. Sie könnten um ihr Gehalt bis zum abwinken pokern. Sie kennen ihren humankapitalistischen Wert gar nicht. Pflegekräfte sind außerdem schlecht organisiert und haben eine erbärmlich schwache Lobby. Leisteten Pflegekräfte auch nur an einem Tag zivilen Ungehorsam, streikten und protestierten sie dauerhaft, bräche das Gesundheitssystem irreversibel zusammen. Irgendwie war da aber noch was, - außer Geld und Macht - für Pflegekräfte.- , so was wie Menschenwürde, Humanität und andere Ideale. Deshalb lassen sie sich ausbeuten, die Pflegekräfte, dem Menschen zuliebe. Das ist nicht richtig, aber es ist so. Nun will der DBfK Frau Merkel, der Kanzlerin aller Deutschen, die gelbe Karte zeigen. Hallo Frau Merkel, es gibt auch Kranke, Pflegebedürftige und Pflegende in unserer Gesellschaft, die unter ihrer Politik leiden. Richtig leiden. Wenn man die Aktion gelbe Karte unterstützen will, kann man dies bequem online tun. Ob man Pflegekraft ist, Patient, Angehöriger oder einfach nur Sympathisant, eine Minute für die Forderung nach mehr Humanität ist nicht viel, aber die Summe aller kann ein Zeichen setzen. www.dbfk.de/wDefault/gelbekarte/hintergrund.html
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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